Wie können die Schülerinnen und Schüler die hochgesteckten Ziele erreichen, wie sie im Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) beschrieben sind und dennoch auch alle Unterrichtsinhalte abdecken, die in den Lehrplänen stehen? Diese Herausforderung hat mich zum Thema der Arbeit geführt: Wie kann Unterricht gestaltet werden, dass er die Schülerinnen und Schüler kognitiv aktiviert und dadurch Kompetenzen und flexible Wissensschemata aufgebaut werden?
Als Lehrperson soll man unterschiedliche Ansprüche erfüllen. Ein Lehrplan soll „erfüllt“ werden, Themen sollen im Unterricht „durchgenommen“ werden, Arbeitspläne muss man erstellen und sich daranhalten, ob die Schülerinnen und Schüler die Lern- und Kompetenzziele erreicht haben, soll dann mit Prüfungen „überprüft“ werden.
Spätestens seit der Einführung des Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) haben die Gymnasien Veränderungen eingeführt, welche sich auch auf den Unterricht bezogen. In Artikel 5 des MAR steht geschrieben, dass das Ziel der Maturitätsschulen ist, grundlegende Kenntnisse im Hinblick auf ein lebenslanges Lernen sowie geistige Offenheit und die Fähigkeit zum selbstständigen Urteilen zu fördern. Die Schülerinnen und Schüler sollen in erster Linie zu der persönlichen Reife gelangen, welche sie auf ein Hochschulstudium und auf anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft vorbereitet. Ebenso steht in Artikel 5: „Maturandinnen und Maturanden sind fähig, sich den Zugang zu neuem Wissen zu erschliessen, ihre Neugier, ihr Vorstellungskraft und ihr Kommunikationsfähigkeit zu entfalten sowie allein und in Gruppen zu arbeiten“. Die oben beschriebenen Anforderungen sind für die Schule und für jede Gymnasiallehrperson eine Herausforderung.
Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEMSTELLUNG
2. WAS BEDEUTET «KOGNITIVE AKTIVIERUNG»?
3. DIALOGISCHES LERNEN NACH RUF UND GALLIN
4. KOGNITIVE AKTIVIERUNG DURCH DIALOGISCHEN UNTERRICHT
4.1 Ein Beispiel aus dem PPP-Unterricht
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Unterricht gestaltet werden kann, um Lernende kognitiv zu aktivieren und so den Aufbau flexibler Wissensstrukturen zu fördern, wobei das dialogische Lernmodell nach Ruf und Gallin als zentraler Lösungsansatz analysiert wird.
- Bedeutung und theoretische Grundlagen der kognitiven Aktivierung
- Analyse des dialogischen Lernens nach Ruf und Gallin
- Anwendung des Angebots-Nutzungsmodells zur Reflexion von Unterricht
- Praktische Umsetzung kognitiver Aktivierung am Beispiel des PPP-Unterrichts
- Reflexion über Herausforderungen bei der Leistungsbewertung im dialogischen Unterricht
Auszug aus dem Buch
4. Kognitive Aktivierung durch dialogischen Unterricht
In diesem Abschnitt soll an einem Beispiel aus dem PPP-Unterricht (Pädagogik, Psychologie, Philosophie) gezeigt werden, wie durch dialogisches Lernen kognitive Aktivierung erreicht werden kann.
Das Thema im PPP-Schwerpunktfach war die Sozialpsychologie. Die Kernidee für den Themenblock lautete: «Wer es besser weiss, verhält sich anders». Die Kernidee hat beim Dialogischen Lernen einen wichtigen Stellenwert. Nicht das Lehrmittel mit der Darstellung des Fachwissens soll auf der Angebotsseite im Zentrum stehen, sondern die Lehrperson, welche mit den gewählten Kernideen ihr Fach interpretiert (vgl. Ruf/Keller/Winter 2008, S.21). Dadurch stellt die Lehrperson dar, wie sie das Themengebiet sieht, was sie daran interessiert, wie sie Probleme anpackt und diese löst, wie sie selbst Zugang zum Thema gefunden hat und welche Rolle Lernpartner und Experten dabei gespielt haben. Die Kernidee als mentales Modell soll den Schülerinnen und Schülern helfen, einen Zugang zum fachlichen Thema zu erlangen (vgl. ebd.). Kernideen von Lehrpersonen dienen dazu, den Schülerinnen und Schülern die singuläre Betroffenheit einer Person mit dem Gegenstand zu vermitteln. Dadurch sollen sie sich eingeladen füllen, ebenfalls persönliche Antworten zu geben (vgl. Ruf/Gallin 2018, S.59f.).
Auf der Grundlage der oben genannten Kernidee, wurde den Schülerinnen verschiedene sozialpsychologische Themengebiete und Theorien in einem groben Überblick vorgestellt (Macht, Autorität, Gruppe, Bystander-Effekt, Hilfeverhalten, 5 Hürden Modell des sozialen Verhaltens etc.). Dabei wurde darauf verzichtet, alle Themen bereits vertieft zu bearbeiten – dies sollte in einem weiteren Schritt den Schülerinnen überlassen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PROBLEMSTELLUNG: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen offiziellen Lehrplananforderungen und der wahrgenommenen Studierfähigkeit von Gymnasiasten in der Schweiz.
2. WAS BEDEUTET «KOGNITIVE AKTIVIERUNG»?: Dieses Kapitel definiert kognitive Aktivierung als tiefgehende Verarbeitung von Informationen durch Prozesse wie Auswählen, Organisieren und Integrieren.
3. DIALOGISCHES LERNEN NACH RUF UND GALLIN: Hier wird das Konzept des dialogischen Lernens eingeführt, das auf einer authentischen Begegnung zwischen Lernenden und Stoff basiert und die Zone der proximalen Entwicklung nutzt.
4. KOGNITIVE AKTIVIERUNG DURCH DIALOGISCHEN UNTERRICHT: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand eines konkreten Unterrichtsbeispiels, wie dialogische Methoden wie Lernjournale die kognitive Aktivierung in der Praxis fördern.
5. FAZIT: Das Fazit reflektiert die Stärken des dialogischen Modells, beleuchtet jedoch kritisch die Schwierigkeiten bei der Leistungsbewertung und die Anwendbarkeit in allen Fachbereichen.
Schlüsselwörter
Kognitive Aktivierung, Dialogisches Lernen, Unterrichtsqualität, Angebots-Nutzungsmodell, Lernjournal, Wissensstrukturen, Studierfähigkeit, Kernidee, Reflexion, Leistungsbewertung, Sozialpsychologie, Zone der proximalen Entwicklung, Konstruktivismus, aktives Lernen, Lernprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Unterricht an Gymnasien gestaltet werden kann, um Lernende kognitiv zu aktivieren und nachhaltige, vernetzte Wissensstrukturen aufzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind kognitive Aktivierung, das dialogische Lernmodell nach Ruf und Gallin, das Angebots-Nutzungsmodell zur Unterrichtsanalyse und die praktische Umsetzung dieser Konzepte im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler durch dialogische Lernformen aktiv und konstruktiv in den Lernprozess eingebunden werden können, um die Anforderungen an eine moderne Studierfähigkeit zu erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch einschlägige Fachliteratur und verknüpft diese mit einer praxisorientierten Reflexion eines konkreten Unterrichtsbeispiels aus dem Bereich Psychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der kognitiven Aktivierung und des dialogischen Lernens erläutert. Anschließend wird deren Anwendung anhand eines Unterrichtsbeispiels detailliert beschrieben und analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kognitive Aktivierung, Dialogisches Lernen, Lernjournal, Unterrichtsqualität, Wissensstrukturen und das Angebots-Nutzungsmodell.
Welche Rolle spielen die sogenannten „Kernideen“ im dialogischen Lernen?
Kernideen dienen als mentales Modell der Lehrperson, um den Lernenden einen persönlichen Zugang zum Fachinhalt zu ermöglichen und sie zu eigenen Auseinandersetzungen mit dem Stoff einzuladen.
Warum hinterfragt die Autorin die Leistungsbewertung in Lernjournalen?
Die Autorin stellt die Problematik dar, dass eine Benotung von Lernjournalen die Freiheit des freien Denkens hemmen könnte, während das Fehlen einer Bewertung wiederum die Motivation der Schülerinnen und Schüler beeinträchtigen könnte.
- Citation du texte
- Muriel Schers (Auteur), 2021, Kognitive Aktivierung durch dialogisches Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/997119