Rembrandt van Rijn - Der Ritter mit dem Falken. Eine analytische Betrachtung einer Rembrandt-Studie


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung in die Thematik der Hausarbeit

2. Historische und aktuelle Positionen zum Forschungsstand - Rembrandt oder nicht?
2.1. Erste belegbare Positionen und erste Erkenntnistheorien
2.2. Aktuelle Forschungspositionen und Forschungsstand

3. Rembrandt van Rijn - Der Ritter mit dem Falken
3.1. Beschreibung der Studie zu Der Ritter mit dem Falken
3.2. Entstehungsgeschichte der Studie
3.3. Vergleich mit dem Gemälde Der Ritter mit dem Falken

4. Technische Analysen zur Studie zu Der Ritter mit dem Falken
4.1. Forschungspositionen zur technischen Analyse

5. Interpretation der Studie zu Der Ritter mit dem Falken
5.1. Interpretation und Vergleichsansätze zum Gemälde

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung in die Thematik der Hausarbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich intensiv mit Rembrandts Studie zu Der Ritter mit dem Falken oder Der Kreuzritter und arbeitet sämtliche Forschungspositionen zur Studie heraus, beginnend mit ersten belegbaren Forschungspositionen aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu modernen Aussagen von Kunsthistorikern und Rembrandt-Experten wie z.B. Ernst van de Wetering oder Jorgen Wadum.

Dabei soll auch in den Blick genommen werden, ob es sich bei diesem Werk Rembrandts um eine Studie oder eher eine Kopie handelt und ob es sich vielleicht sogar als eine Arbeit aus dem breiten Schülerkreis Rembrandts erachtet. Daran anknüpfend soll eine umfassende Beschreibung der Studie oder Kopie vorgenommen werden samt einer technischen Analyse anhand Aussagen bereits bekannter Rembrandtforscher, um mögliche Rätsel über die oft angezweifelte Authentizität der Studie und des kohärenten Gemäldes aufzudecken und diese zu einem möglichen Ergebnis zu bringen, bevor anschließend die Interpretation des Motivs und die künstlerische Wirkung erfolgt.

2. Historische und aktuelle Forschungspositionen zum Forschungsstand - Rembrandt oder nicht?

Im Folgenden sollen nun umfassend die Positionen herausgearbeitet werden, die es belegen, ob es sich bei der Studie zu Der Ritter mit dem Falken um einen authentischen Rembrandt handelt oder ob es sich tatsächlich um eine posthum erstellte Kopie handelt von einer Vorlage, die Rembrandt womöglich selbst erstellt hat, aber nicht vollendet hat. Die Forschungspositionen erfolgen chronologisch und beginnen mit einer belegbaren Position eines dänischen Museumsdirektors aus dem 19. Jahrhundert, der sich genauer mit dem Werk beschäftigt hat.

Darüber hinaus sind auch einige Positionen von Experten zu finden, die sich dem Rembrandtkanon angenommen haben und sich seine Schaffensphase insbesondere den zweifelhaften Werken als Basis zu intensiven Studien angeeignet haben, wobei hier nun auch ein Schwerpunkt auf der medialen Möglichkeit einer technischen Analyse des Gemäldes gesetzt wird und man somit eindeutige Beweise für eine mögliche Authentizität liefern kann.

2.1. Erste belegbare Positionen und erste Erkenntnistheorien

Zunächst kunsthistorisch belegbar ist die Position des dänischen und damaligen Direktors des Statens Museum for Künsten in Kopenhagen, Karl Madsen, der sich 1911 in seiner Schrift Billeder af Rembrandt og hans Elever i den kongelige Malerisamling (Bilder von Rembrandt und seinen Schülern in der königlichen Sammlung von Gemälden) zur Studie geäußert hat, die 1890 im dänischen Schloss Fredensborg bei Kopenhagen entdeckt wurde in einer Studiengalerie. Infolgedessen spricht Madsen in seiner Schrift über eine erste geplante Rembrandtsammlung mit insgesamt acht Rembrandtgemälden und erwähnt auch dabei seine beginnende Beschäftigung mit der Studie zu Der Ritter mit dem Falken.1 Hierin klassifiziert er sich auch als der Entdecker beziehungsweise erster Analyst der Studie, kommt aber zum Schluss, dass er aufgrund von Farbgebung und Pinselstrichen keinen eindeutigen Beweis findet, dass es sich hierbei um einen Rembrandt handelt und damit die Maltechnik des niederländischen Malers bewiesen werden kann.2 Diese Forschungsposition Madsens wird von der Rembrandtforschung des ausgehenden 19. Jahrhunderts sichtlich anerkannt als zeitgenössisches Pasticcio und die weitere Beschäftigung mit dem Rembrandtwerk geriet in Vergessenheit.3

Um die Jahrhundertwende bekannte Kunsthistoriker sind das Triumvirat Cornelis Hofstede de Groot, Abraham Bredius und Wilhelm Valentiner, die sich allesamt für eine Zuordnung der Studie in den Rembrandtkanon ausgesprochen haben, da sie in der Malweise in der zu besprechenden Studie eindeutige Merkmale gefunden haben, die auf Rembrandt attribuiert werden können: in seiner 1914 verfassten Schrift Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten holländischen Maler des 17. Jahrhunderts äußert sich Hofstede de Groot gemeinsam mit Beiträgen der beiden anderen Kunsthistoriker Bredius und Valentiner zur Echtheit der Studie, findet aber schon einen Unterschied in der Farbgebung der Kleidung, sodass eine Beteiligung der Schülerschaft Rembrandts nicht ausgeschlossen wird und sich durchaus als wahrscheinlich erachtet.4

Desweiteren äußert sich auch der Kunsthistoriker Max Friedländer in seiner Schrift On art and connaisseurship zur Kennerschaft und beweist seine eindeutige Beschäftigung mit der Malweise zur Zeit Rembrandts: ,A picture is shown to me. I glance at it, and declare it to be a work by Memling, without having proceeded to an examination of its full complexity of artistic form.'5 Zuletzt sei eine Position vom niederländischen Kunsthistoriker Horst Gerson aus dem Jahre 1969 herangeführt, der die Studie zum Ritter mit dem Falken im Sinne des Malstils als nichtakademisch ansieht und somit nicht jenem Malstil Rembrandts entspräche bis hin zur Annahme, dass er es dem Impressionismus zuordnet.

Mit dieser Annahme wird nun in die aktuellen Forschungspositionen übergeleitet mit einigen bemerkenswerten Analysen und Erkenntnissen bis hin zur Entstehungsgeschichte eines kompletten Projekts zur Erforschung des Rembrandt-Oeuvres: Das Rembrandt Research Project.

2.2. Aktuelle Forschungspositionen und Forschungsstand

Beginnend mit der Position des Kunsthistorikers und Rembrandt-Experten Ernst van de Wetering finden sich die aktuellen Forschungspositionen zu Rembrandts Studiezum Ritter mit dem Falken. Van de Wetering ruft mit ein paar anderen Wissenschaftlern, unter anderem auch der Kunsthistoriker Jorgen Wadum, ein Projekt ins Leben, das anhand wissenschaftlicher Beiträge die Authentizität von Rembrandtgemälden nachprüft und der Forschung ein teils erkennbares Ergebnis liefert, zum Beispiel anhand einiger technischer Analysen mit Infrarot, Röntgen oder Ultraviolett. Hier handelt es sich um das bekannte Rembrandt Research Project, das seine Schlussfolgerungen über die Echtheitsprüfung auch auf Datenbanken zusammenfasst. Mit dem Gründer Ernst van de Wetering findet sich ein Wissenschaftler, der Rembrandts Werk in seiner Gesamtheit betrachtet und die Erkenntnisse in dem für das Rembrandt Research Project grundlegende Werk Corpus of Rembrandt Paintings. Van de Weterings Kommentar zur Studie Rembrandts fußt als Widerspruch auf der Erkenntnis von 2002 des Direktors des britischen Ashmolean Museum of Oxford, Christopher Brown, dass es sich bei der Studie um eine Vorlage zum Göteborger Gemälde Der Ritter mit dem Falken handelt: ,Christopher Brown demonstrates in his article when discussing the painting in Copenhagen, which I am convinced is the studyfor the Göteborg ,Knight with afalcon".6 Van de Wetering geht hierbei detailliert auf die Stellung des Kopfes zum Betrachter in der Studie ein, was allerdings nicht den Fakt ausschließe, dass es sich hierbei um eine Studie zum Ritter mit dem Falken handelt, da die beiden Ritter ein und dieselbe Kleidung tragen (Abbildungsnachweis zu einem späteren Zeitpunkt in der Beschreibung): in der Kopenhagener Studie zu Der Ritter mit dem Falken ist die Nase nach rechts gedreht und korrespondiert mit der Gesichtshaltung des Porträtierten leicht nach rechts, während die Figur im Göteborger Gemälde vollständig dem Betrachter zugewandt ist aber in ihrer Maltechnik weniger Komplexität aufweise.7 Van de Wetering widerspricht damit dem britischen Museumsdirektor Christopher Brown, der die Studie als eine „mittelmäßige Kopie" abgestempelt hat, da die Studie laut van de Wetering sehr komplex und auch kleinteilig erscheint. Van de Wetering kommt nun zum Schluss, dass es sich bei dieser Studie aufgrund der Malweisen sich um einen Rembrandt handeln muss: ,the painting must have come from Rembrandt's workshop. This was confirmed by the fact that the canvas of the Copenhagen painting comes from the same bolt as that of the ,Knight with a falcon'.8 Nun wiederum zum Mitgründer des Rembrandt Research Projects und jetzigen Direktor des Statens Museum for Künsten in Kopenhagen, Jorgen Wadum, der 2006 in seiner gemeinsamen Publikation mit Lene Bogh Ronberg Two paintings in Copenhagen. Re-Attributed to Rembrandt Rembrandts Studie zum Ritter mit dem Falken genauer unter die Lupe nimmt und die Kopenhagener Studie als Vorlage für das Göteborger Gemälde Der Ritter dem Falken sieht.9 Wadum geht allerdings detaillierter auf die „Raumtiefe" der Studie ein, indem er einige technische Analysen vornimmt und die typischen „Rembrandt-Merkmale" herausfiltert, wie z.B. die „Konstruktion seit dem ersten Pinselstrich", die Pinselführung generell beim Gesicht des Porträtierten und die mit dickem Farbauftrag versehenen Körperteile. Diese klassifizieren Ronberg und Wadum als Charakteristika von Rembrandts Spätwerk.10

Doch Ronberg und Wadum arbeiten in ihrer Schrift auch jene Positionen heraus, die sich eindeutig gegen eine Zuordnung der Studie zu dem Ritter mit dem Falken zum Rembrandtkanon aussprechen. So gehen die beiden Autoren auf den Bereich Schulter, Brust und Kreuz ein, an denen sie unterschiedliche Maltechniken erkennen und die sie eindeutig nicht jener von Rembrandt zuordnen können. Es schiene so, als wäre der untere Teil des Porträts, die Kleidung des Kreuzritters, erst nachträglich entstanden und wie von „fremder Hand" ausgeführt: ,This suggests that the lowerpart ofthe painting could be an afterthought and that probably someone in Rembrandt's workshop added these areas to the still fragmentary modelfor the,Knight with afalcon.'11

Dank dieser relativ aktuellen Position lässt sich als aktueller Forschungsstand festhalten, dass die Studie zum Ritter mit dem Falken als ein Rembrandt klassifiziert werden kann, der allerdings durchaus die Einwirkung von Schülern zuließ und diese die Studie vollenden lässt, da die Malweisen von Kopf, Hintergrund und Kleidung nicht identisch zueinander sind, aber zum von Rembrandt fertiggestellten Göteborger Gemälde Der Ritter mit dem Falken kohärent ist und mit dem Porträtierten übereinstimmt, da es sich möglicherweise, wie bereits bewiesen von einigen Wissenschaftlern, um ein und dieselbe Person handelt.

Im Folgenden soll diese Studie nun genauer beschrieben und analysiert werden, anhand einiger technischen Aufnahmen soll die Diversität und zugleich Echtheit nocheinmal persönlich eruiert werden und es soll herausgefiltert werden, was genau zu Rembrandt passt und was möglicherweise nicht mehr von Rembrandts eigenem Pinsel stammt, sondern was vielleicht sogar posthum entstanden ist und von Seiten der Schülerschaft Rembrandts fertiggestellt wird und somit keinen einheitlichen Rembrandtcharakter erhält, deswegen auch in der Forschung als ein zweifelhaftes Rembrandtwerk gesehen werden kann.

3. Rembrandt van Rijn - Der Ritter mit dem Falken

Im Folgenden soll nun die Studie zu dem Ritter mit dem Falken beschrieben und schrittweise genauer untersucht werden. Dabei werden gezielte Aspekte wie Farbgebung, Pinselführung und Lichtgestaltung genauer beleuchtet und anhand dem bisherigen Forschungsstand, auch in Bezug auf das Rembrandt Research Project, auf Rembrandt übertragen werden im Sinne einer sinnvollen Zuordnung zum Rembrandtkanon.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Rembrandt van Rijn - Studie zu Der Ritter mit dem Falken, Öl auf Leinwand, 68,5x55,5 cm, 1659-1661, Statens Museum for Künsten Kopenhagen

[...]


1 Madsen, Karl: BillederafRembrandtog hans i Eleveri den kongelige Malerisamling, Kopenhagen 1911

2 Ebd. o

3 Lene Bogh Ronberg; Jorgen Wadum (Hg.): Two paintings in Copenhagen, Re-Attributed to Rembrandt, The Burlington Magazine, vol. 148, 2006, S. 82: ,Upon closer inspection, the so-caiied,Crusader', whose attribution been questioned in the early twentieth century (even beeing regarded as a nineteenth-century pastiche), turned out to have distinctive characteristics indicating that Rembrandt must indeed have been ist creator.'

4 Hofstede de Groot, Cornells: Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der hervorragendsten holländischen Maler des 17. Jahrhunderts, band 6, Esslingen/Paris 1914

5 Friedländer, Max: On artandconnaisseurship, Cassirer, London 1942 (auch auf deutsch erschienen als Von Kunstund Kennerschaft, Zürich 1946)

6 van de Wetering, Ernst: Connoisseurship and Rembrandt's Paintings: New Directions in the Rembrandt Research Project, Partll, The Burlington Magazine, vol. 150, p. 85

7 Ebd. p. 85

8 Ebd. p. 85

9 Lene Bogh Ronberg und Jorgen Wadum (Hg.) Ebd., p. 86: ,A comparison between the X-rays ofthese paintings also confirms the attribution to Rembrandt. The twofigures are clearly one and the same person, despite the differences in pose.'

10 Ebd. p. 86

11 Lene Bogh Ronberg und Jorgen Wadum (Hg.): Ebd., p. 87

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Rembrandt van Rijn - Der Ritter mit dem Falken. Eine analytische Betrachtung einer Rembrandt-Studie
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Kunstgeschichtliches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V999362
ISBN (eBook)
9783346399458
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rembrandt, rijn, ritter, falken, eine, betrachtung, rembrandt-studie
Arbeit zitieren
Felix Haberland (Autor), 2019, Rembrandt van Rijn - Der Ritter mit dem Falken. Eine analytische Betrachtung einer Rembrandt-Studie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/999362

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