Das Römische Heer in der Kaiserzeit. Die Marschordnung von der späten Republik bis in die frühe Kaiserzeit


Hausarbeit, 2018

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Marschordnung

3. Marianische Heeresreform
3.1 Polybios und seine Aufzeichnungen der Marschordnung
3.2 Marschordnung Metellus und Marius im Krieg gegen Jugurtha
3.3 Cäsars Marschordnung

4. Die Reformen des Augustus
4.1 Marschordnung des Germanicus
4.2 Marschordnung Vespasian und Titus

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Der römische Stadtstaat entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem großem Reich, dem Imperium Romanum. Dieses umfasste in seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan1 (regierte von 98 bis 117 n. Chr.) den gesamten Mittelmeerraum, sowie Gallien, Britannien, den heutigen Balkan, die Türkei und Teile des Nahen Ostens bis zum kaspischen Meer und dem Persischen Golf.

Die erfolgreiche Ausdehnung des Reiches war unter anderem durch die immense Streitkraft des Heeres begründet. Die römische Armee hatte etliche Eroberungs- und Verteidigungskriege geführt und konnte sich oftmals als Sieger wähnen.

Aber nicht nur der Kampfeskunst der Soldaten waren die Eroberungen zuzuschreiben. Auch der große Aufwand der Organisation und die Logistik der Marschordnung trugen ihren Anteil bei.

In der folgenden Arbeit sollen die Marschordnungen von der Zeit des Polybios bis hin zu denen des Jüdischen Krieges verglichen und unter folgender Fragestellung beantwortet werden.

Was hat sich in der Zeit von Polybios ersten Aufzeichnungen bis zum Jüdischen Krieg in Bezug auf die Marschordnung verändert und wie stellen sich diese dar?

Als Literaturgrundlage dient das Werk von Kate Gilliver, „Auf dem Weg zum Imperium“. In ihm sind diverse Informationen zu den jeweiligen Marschordnungen aufgeführt.2

Ausgehend von dieser Literatur werde ich mich noch anderen Autoren widmen, welche sich mit der römischen Armee und den Reformen der oben benannten Feldherren beschäftigen.3 Ausgehend von dieser Literatur und deren Verweise ziehe ich ferner antike Quellen hinzu.4

Der Beginn der Arbeit wird mit einem Zitat von Flavius Vegetius über den Marsch eingeleitet. Über das Kapitel der Marianischen Heeresreform und den Marschordnungen verschiedener Feldherren werden auch die Reformen des Augustus' angerissen. Abschließend werden die Marschordnungen der einzelnen Feldherren unter Berücksichtigung der Forschungsfrage verglichen und ein Resümee gezogen.

2. Die Marschordnung

„Diejenigen, die das Militärwesen gründlich kennen, versichern, dass auf dem Marsch gewöhnlich mehr Gefahren lauern als in der Schlacht selbst. [...] auf dem Marsch (aber) ist der Soldat nicht voll bewaffnet und weniger aufmerksam, und von einem Angriff überrumpelt oder durch die List eines Hinterhalts gerät er in plötzliche Verwirrung.“5

Diese Aussage Vegetius' ist sehr passend und macht deutlich, wie wichtig ein gut organisiertes Heer samt Marschordnung war, um nicht nur in der Schlacht gegen den Feind zu bestehen, sondern auch auf dem Marsch nicht von feindlichen Truppen überrascht zu werden.

Als Beispiel dient hier exemplarisch die Varusschlacht um 9 n. Chr. in Germanien. Varus war mit seiner Armee auf dem Winterfeldzug in einen Hinterhalt der Germanen geraten. Dadurch, dass Varus seine drei Legionen in einer Marschordnung marschieren ließ, wie sie in Friedenszeiten angebracht war, zerfiel die Kolonne in viele kleine Stücke und die Soldaten waren beim Angriff des Feindes zu weit voneinander entfernt, um sich zu formieren. Zwei weitere Punkte, die die Niederlage besiegelten, waren das gegebene, enge Terrain, sowie das vorherrschende Wetter, welche ein Vorankommen des Trosses mit Wagen und Vieh erschwerten.6

Die Grundlagen, um eine funktionierende Armee auf dem Marsch zu befehligen, waren stetig den militärischen Schritt, dem militari gradu, zu üben, die Disziplin zu schulen, diese einzuhalten und dem Kommando des Feldherrn zu folgen.

Letztlich ist eine Armee, die sich zerstreut und unordentlich bewegt, großer Gefahr durch den Feind ausgesetzt.7

Nachdem der militärische Schritt geübt war, fanden regelmäßige Märsche mit schwerem Gepäck von bis zu 20 Kg bis zu dreimal im Monat statt. Diese Maßnahme war notwendig, da sich die Soldaten öfters auf dem Marsch als in der Feldschlacht befanden.8

Vor einem anstehenden Marsch beschäftigte sich der Feldherr intensiv mit dessen Planung.

Welche Marschordnung gewählt wurde, lag zum einen an der topographischen Lage des Gebiets und zum anderen an der taktischen Lage. Im bergigen Gelände war es von großer Bedeutung, die Kolonne nicht zu weit auseinander ziehen zu lassen, da die Flanken ungeschützt und so angreifbar waren. Auch der Zustand und die Stimmung seiner Soldaten hatten Einfluss auf die Planungsarbeit des Feldherrn.9

3. Marianische Heeresreform

Die marianische Heeresreform wird in der heutigen Literatur oftmals als die bedeutsamste der römischen Heeresgeschichtet beschrieben. Im Folgenden stellt sich die Frage, inwieweit die Reformen des Gaius Marius10 fundamentale Veränderungen im römischen Reich nach sich zogen.11

Die erste Neuerung, die Marian mit seiner Reform schuf, lautet, dass von nun auch Menschen die Land- oder mittellos, aber nicht versklavt waren, die sogenannten „capite censi“ sich zum Militärdienst melden durften. Um diese aber vorab für den Militärdienst zu begeistern wurde ihnen, nachdem sie den Dienst beendet hatten, Land zugesprochen, welches in Besitz und Anspruch genommen werden durfte.12 Der Dienst war nicht mehr an Besitz gebunden.

Auch die Ausbildung des Heeres veränderte sich dadurch, dass die capite censi sich nun auch für den Militärdienst melden durften.13

Darüber hinaus ging es auch darum, das Militär zu entpolitisieren und nicht nur den Bürgern mit römischer Staatsangehörigkeit den Zugang zum Militär zu gewähren, sondern eben auch den Proletariern. Denn diese hatten nicht die gleichen Rechte, wie römische Staatsbürger und konnten somit nicht gegen verhängte Sanktionen vorgehen.14

Auch technische Veränderungen gab es unter seinen Reformen. Beispielsweise ließ Marius seine Soldaten das eigene Gepäck in einem Bündel an einer Art Gabel tragen, damit die Last bequemer zu tragen war. Diese Neuerung wurde von vielen belächelt und die vollbepackten Soldaten als „Mulus Marianus“ - Maulesel des Marius genannt.15

Auch die Ausformung der Kohortenlegionen von der Manipellegion und die Umwandlung von einem Miliz- in ein Berufsheer wird ihm in manchen Literaturwerken zugeschrieben.16

Die Forschung ist sich uneinig17, ob Marius derjenige war, der die Reformen im römischen Heer umgesetzt hatte, oder bereits viele Einrichtungen vorgefunden hat.18

3.1 Polybios und seine Aufzeichnungen der Marschordnung

Laut Polybios19 bestehen zwei unterschiedliche Marschordnungen20. Die erste besteht aus einer langen Kolonne, einzelner Abteilungen, welche von den extraordinarii, den „auserwählten“, angeführt wurden.21

Auf dem rechten Flügel kamen die Bundesgenossen samt dem Gepäck beider Abteilungen, ehe dahinter die I. römische Legion mit ihrem Gepäck marschierte, gefolgt von der II. und ihrem Gepäck. Den linken Flügel besetzten ebenfalls die Bundesgenossen mit Gepäck und schlossen somit den Zug. Die Reiterei ritt entweder an der Seite oder im Rücken der Legionen. Falls ein Angriff von hinten erwartet wurde, konnten die extraordinarii auch nach hinten versetzt werden, um dort einen bevorstehenden Angriff abzuwehren. Auch wurde beschrieben, dass die Legionen und die Flügel ihre Positionen in bestimmten Rhythmen wechselten, damit alle die Möglichkeit bekamen, frisches Wasser und genügend Nahrung zu sich zu nehmen.22

Die zweite Marschordnung, die Polybios beschreibt, erfolgt unter höchster Gefahr. Es ist davon auszugehen, dass die Marschordnung annähernd deckungsgleich mit der Schlachtaufstellung ist.23

[...] in Zeiten der Gefahr, [...] bilden die Hastati, Principes und Triarii drei parallele Säulen [...] Mit dieser Marschordnung [...] stehen sie nun nach links, jetzt nach rechts, und befreien sich von dem Gepäck, um den Feind von welcher Seite auch immer zu konfrontieren. So wird die Infanterie sehr schnell und mit einer Bewegung in die Schlachtordnung gebracht (außer vielleicht, dass die Hastati die anderen umfahren müssen).24

Zu der Zeit als Polybios' Berichte entstanden, bekleideten die Manipellegionen das Heer. Und es bestand das Problem, dass nicht alle Soldaten gleich bewaffnet waren und es somit Gefahren bringen könnte, wenn der Feind die triarii, welche im Vergleich mit den hastati und principes weniger schwer bewaffnet waren, angriff.25 Es ist möglich, dass die Legion auf dem Marsch möglicherweise die triarii in die Mitte genommen haben, sodass sich die hastati und principes dem Feind im Kampf stellen.

3.2 Die Marschordnung Metellus und Marius im Krieg gegen Jugurtha

Als Metellus26 in den Krieg gegen den numidischen König der MassylierJugurtha27, zog, ließ er seine Truppen, obwohl keine offensichtliche Annahme zu einer Gefahrenlage bestand, so marschieren, als stehe der Feind ihnen unmittelbar gegenüber.

Darauf rückte er selbst nach wenigen Tagen mit kampf- und angriffsbereitem Heere in Numidien ein. Dort fand er, ganz gegen das sonstige Kriegsbild, die Hütten voller Menschen, Vieh und Bauern auf den Feldern. [...] Nichtsdestoweniger setzte Metellus seinen Zug mit solcher Vorsicht fort, als wenn der Feind in der Nähe wäre, kundschaftete alles weithin aus, hielt jene Anzeichen der Unterwerfung für eine Täuschung [...] mit kampfbereiten Kohorten, genauso mit einer ausgewählten Schar von Schleuderern und Bogenschützen bei den ersten, am Ende hatte der Legat C. Marius mit Reitern das Kommando, er hatte auf beide Seiten (des Heerzuges) die Reiter aus den Hilfstruppen den Tribunen der Legionen und den Kommandeuren der Kohorten zugeteilt, damit mit diesen vermischte/unter diese gemischte leichtbewaffnete Soldaten die Reiterei der Feinde zurückschlugen. [...] lugurtha war so schlau, der Gegend und der Kriegsführung so kundig, daß es zweifelhaft blieb, ob er in der Ferne oder in der Nähe, im Frieden oder im Krieg gefährlicher sei[...].28

Einen Tag später ließ Metellus seine Legionen umstellen, setzte die Bogenschützen und Schleuderer mit auf die rechte Seite des Zuges und ließ seine Soldaten eng marschieren, wie der folgende Auszug zeigen soll.29

Metellus, der die Position des Feindes noch nicht kannte, [...] denn die Pferde der Numider und diese selbst standen zwischen dem Gestrüpp, von den niedrigen Bäumen zwar nicht ganz verdeckt, aber doch nicht erkennbar, da die Numider sich selbst und ihre Feldzeichen unkenntlich gemacht hatten und die Beschaffenheit der Gegend ihnen zu Hilfe kam, aber bald merkte Metellus, daß man ihn überfallen wollte, und ließ den Zug eine Weile haltmachen. Nun veränderte er die Schlachtordnung, deckte die rechte Seite, die zunächst auf den Feind stieß, durch dreifachen Rückhalt, steckte die Schleuderer und Bogenschützen unter die Manipeln, stellte die ganze Reiterei auf die Flügel, sprach seinen Leuten, soweit es Zeit und Umstände erlaubten, mit einigen Worten Mut zu [...]30

Auch Marius, der Metellus ablöste und von da an das Heer befehligte und Richtung Winterquartier marschierte, ließ seine Armee in der Schlachtaufstellung, also eng formiert und mit Flankenschutz, marschieren, weil er dem Frieden nicht traute.

[...] Jedoch war er (Marius) durch den Sieg nicht sorglos oder übermütig geworden, sondern er ließ seine Leute, als wenn er dem Feind gegenüberstände, im geschlossen Viereck marschieren. Sulla stand mit der Reiterei auf der rechten Seite. Aulus Manlius befehligte auf der linken die Schleuderer und Bogenschützen sowie die Kohorten der Ligurer; Vor- und Nachtrab bildeten die Tribunen mit den leichtbewaffneten Manipeln; die Überläufer, die am wenigsten geachtet und der Gegenden am kundigsten waren, mußten den Zug der Feinde auskundschaften[...]31

[...]


1 Ziegler, Sontheimer 1975, 1022. Trajan *53 n. Chr. +August 117 n. Chr.

2 Gilliver, Kate: Auf dem Weg zum Imperium, Stuttgart 2003.

3 Le Bohec, Yann: Die Römische Armee. Junkelmann, Markus: Die Legionen des Augustus. Raaflaub, Kurt: Militärreformen und politische Problematik. Aigner, Heribert: Der Soldat als Machtfaktor in der ausgehenden römischen Republik.

4 Caes.: Gall., Ios: Bell.Iud., Tac.: ann., Sall.: Iug., Pol.

5 Veg. 3,6.

6 Cass. Dio: 56,20

7 Junkelmann 2003, 233.

8 Gilliver 2003, 42.

9 Le Bohec 1993, 142.

10 Ziegler 1969, Sp. 1031. ca. 158/ 157 v. Chr. in Ceretae bei Arpinum geboren. Er zog unter anderem 109 v. Chr. mit dem Konsul Q Caecilius Metellus, seinem politischen Ziehvater- einen „nobilissimus", als Legat und dessen Stellvertreter in den Krieg gegen Jugurtha und wurde 80 n. Chr. zum siebten Mal nach der Einnahme Roms zu dessen Konsul ernannt, eher er vermutlich am 13.01.86 n. Chr. starb.

11 Aigner 1974, 159.

12 Aigner 1974, 167.

13 Ebd.163. Diese wurden nach dem Muster der Gladiatorenausbildung geschult und ausgerüstet.

14 Raaflaub 1987, 257.

15 Aigner 1974, 162. Pilum und Legionsadler als einziges Feldzeichen wurden verbessert bzw. eingeführt.

16 Kromayer, Veith 1928, 411.

17 Aigner 1974, 162. Veith spricht beim „mulus marius" und dem Legionsadler von Reformen „großer Tragweite".

18 Aigner 1974, 162 f. Die alte Censusdienstpflicht blieb bestehen, Capite Censi sind römische Bürger und damit steht ihnen das römische Bürgerrecht und das Melden zum Militär zu, Marius hat Kohortentaktik bereits vorgefunden. Umwandlung vom Miliz- zum Berufsheer wird Augustus zugeschrieben.

19 Ziegler 1972, Sp. 983. (um *200 v. Chr. + um 120 v.Chr.) ein antiker, griechischer Geschichtsschreiber der eine erste ausführliche Beschreibung der Marschordnung einer römischen Armee beschreibt.

20 Gilliver 2003, 47.

21 Abb. 1.

22 Pol. 6,40.

23 Clausewitz 2012, 320f. Die Schlachtordnung ist diejenige Einteilung und Zusammensetzung der Waffen zu einzelnen Gliedern des Ganzen und diejenige Form ihrer Aufstellung, welche für den ganzen Feldzug oder Krieg die Norm bleiben soll.

24 Pol. 6,40.

25 Gilliver 2003, 47.

26 Ziegler, Sontheimer 1979, Sp. 1264. Römischer Politiker (Consul) und Feldherr der späten Repubik. Übernahm Krieg gegen Jugurtha und übergab später den Oberbefehl an Marius. Flucht ins Exil nach Rhodos aus dem er 99 v. Chr. zurückkehrte. Er starb um 91 v. Chr.

27 Ziegler, Sontheimer, Gärtner 1975, Sp. 1513. Jugurtha (* bald nach 150 v. Chr. + 104 v.Chr.) zog erst in den Krieg gegen Metellus (109-108 v. Chr.) und später gegen Marius (107-105 v. Chr.) Wurde im Januar 104 v. Chr. nach seiner Auslieferung erdrosselt.

28 Sall. 46.

29 Abb. 2.

30 Sall. 49.

31 Sall. 100.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Römische Heer in der Kaiserzeit. Die Marschordnung von der späten Republik bis in die frühe Kaiserzeit
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Historisches Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V999668
ISBN (eBook)
9783346381675
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rom, römisches Heer, Marschordnung, Kaiserzeit, Marius, Augustus, Mulus, Republik
Arbeit zitieren
Florian Neumann (Autor), 2018, Das Römische Heer in der Kaiserzeit. Die Marschordnung von der späten Republik bis in die frühe Kaiserzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/999668

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