Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Corneilles umfasst zentrale Fragestellungen der klassischen französischen Dramatik, insbesondere im Hinblick auf die Spannung zwischen dem Individuum und der gesellschaftlichen oder moralischen Pflicht. Ein wesentlicher Aspekt ist die Untersuchung der Vraisemblance, also der Wahrscheinlichkeit und des Glaubwürdigkeitsprinzips, welches die poetologische Grundlage der damaligen Theaterkunst bildete. Dabei werden die Übergänge von älteren Theaterformen hin zu den strengen Regeln des Klassizismus analysiert, wobei die Entwicklung des tragischen und komischen Genres eine entscheidende Rolle spielt. Über die rein textimmanente Analyse hinaus beleuchtet die Forschung auch die soziokulturellen Kontexte, in denen die Werke entstanden sind. Debatten drehen sich oft um die Verbindung von aristotelischen Regeln mit der spezifischen französischen Tradition und wie diese das moderne Verständnis von Charakterzeichnung und Konfliktführung beeinflusst haben. Neben der Dramentheorie tangiert das Thema auch die Sprachwissenschaft und die historische Ästhetik. Du findest dazu wissenschaftliche Arbeiten bei GRIN, sofort als PDF und eBook, viele als Print-on-Demand.