Wenn Sie mit dem Schreiben Ihrer Haus- oder Abschlussarbeit fertig sind, sollten Sie diese immer noch einmal auf Rechtschreibfehler überprüfen – dazu gehört auch, dass Sie Kommata richtig setzen. Generell werden Kommata im Deutschen nach grammatikalischen Regeln gesetzt, nicht nach Gehör. Allerdings führt die korrekte Kommasetzung oft dazu, dass Kommata dort stehen, wo auch im Satz eine Pause gemacht wird. Wie wichtig die Kommasetzung für das Textverständnis ist, verdeutlichen die folgenden Beispielsätze: „Wir essen jetzt Opa.“ und „Ich mag meine Familie kochen und meinen Hund.“ Solche Sätze lassen jeden Leser kurz innehalten und über die Bedeutung nachdenken. Gut, dass jeder weiß, dass keiner den Opa essen oder die Familie kochen möchte. Doch gibt es auch Fälle, in denen es zu Sinnverfälschungen kommen kann:

„Die Hochzeit ist geplatzt. Er wollte sie nicht.“

„Die Hochzeit ist geplatzt. Er wollte, sie nicht.“

Die Frage ist: Wer wollte, wer nicht? Ein gesetztes oder nicht gesetztes/vergessenes Komma kann genau das Gegenteil dessen bedeuten, was man ausdrücken wollte.

Kommasetzung in Haupt- und Nebensätzen

Kommata sind in erster Linie dazu da, um Hauptsätze und Nebensätze voneinander zu trennen. Eigenständige Sätze erkennt man daran, dass sie ein gebeugtes Verb, sprich ein an das Subjekt angepasstes bzw. flektiertes Verb, enthalten. Haupt- und Nebensätze unterscheiden sich durch die Satzstellung des Verbs. Im Hauptsatz steht das Verb an der zweiten Stelle, im Nebensatz immer an letzter Stelle des Satzes.

Beispiel für zwei Hauptsätze: Die Studenten nehmen Platz und der Dozent betritt den Hörsaal.

Beispiel für Haupt- und Nebensatz: Die Studenten nehmen Platz, weil der Dozent den Hörsaal betritt.

Wenn ein eingeschobener Satz in einem anderen steht, dann muss sowohl am Anfang als auch am Ende ein Komma gesetzt werden:

Beispiel: Sie lief in die Bibliothek, sie sah sich um, sie recherchierte.

 

Kommata in Aufzählungen

Zu Aufzählungen, auch Reihungen genannt, gehören Substantive, Adjektive, Wortgruppen oder auch Verben, die in einem Satz aufeinander folgen. Wenn man zwei oder mehrere gleichwertige Satzteile hintereinander reiht, trennt man die einzelnen Bestandteile immer durch ein Komma. Eine gute Kontrolle ist, ob man das Komma durch eine Konjunktion wie „und“ ersetzen könnte, ohne den Satzsinn zu verfälschen. Ist das der Fall, wird ein Komma (oder ein „und“) verwendet.

Beispiel: Diese Arbeit besteht aus Einleitung, Hauptteil, Diskussion und Schluss. (Kontrolle: „Diese Arbeit besteht aus Einleitung und Hauptteil und Diskussion und Schluss.“). Je mehr „und“, desto unschöner und länger der Satz! Kommata helfen auch dem Lesefluss und dürfen in einem solchen Fall gerne häufiger gesetzt werden.

Wenn Elemente einer Aufzählung durch vergleichende Konjunktionen verbunden sind, steht kein Komma zwischen ihnen. Dies ist bei folgenden Konjunktionen der Fall: und, wie, sowie, sowohl … als/wie auch, weder … noch, nicht … noch, beziehungsweise, respektive, oder entweder … oder. Bei entgegensetzenden Konjunktionen muss weiterhin ein Komma zwischen den Elementen der Aufzählung stehen. Dies gilt bei den Konjunktionen „aber“, „doch“, „jedoch“, „sondern“, „einerseits … andererseits“.

Kommasetzung bei Infinitivgruppen

Infinitivgruppen sind Wortgruppen, die aus einem ungebeugten Verb und dem Wort „zu“ bestehen. Es gibt den einfachen und den erweiterten Infinitiv. Ein einfacher Infinitiv liegt vor, wenn der Infinitiv ohne weitere Wörter steht. In diesem Fall kann ein Komma gesetzt werden, um die Satzgliederung deutlich zu machen.

Bespiel: Er versucht(,) abzuschreiben.

Wenn der einfache Infinitiv eingeschoben ist, gilt hier: zwei Kommata oder gar keins.

Beispiel: Seine Angst(,) bei der Prüfung durchzufallen(,) war gerechtfertigt.

Ein erweiterter Infinitiv enthält neben dem Infinitiv auch weitere Wörter und gilt daher als satzwertig. Zur Abgrenzung vom Rest des Satzes wird ein Komma gesetzt. Kennzeichnende Wörter für eine derartige Satzkonstruktion sind „um“, „ohne“, „statt“, „außer“ oder „als“.

Beispiel: Die Arbeit wurde verfasst, um die Hypothese zu belegen.

Man setzt außerdem ein Komma, wenn der Infinitivsatz von einem Substantiv oder einem Verweiswort abhängig ist:

Beispiele: Seine Bemühungen, eine gute Hausarbeit zu schreiben, wurden belohnt.

Es freut mich, die Klausur mit einer guten Note bestanden zu haben.

 

Kommasetzung bei Partizipgruppen

Partizipgruppen sind Wortgruppen mit einer Partizipform eines Verbs (z. B. „sitzend“ oder „gesessen“ für „sitzen“). Diese werden benutzt, um eine Eigenschaft oder Handlung des Subjekts näher zu beschreiben. Genau wie beim erweiterten Infinitiv wird das Partizip in Kommata eingebettet.

Beispiel: Die Arbeit abgebend, strahlte sie übers ganze Gesicht.

 

Einschübe und Nachschübe

Einschübe und Nachschübe sind Erklärungen eines vorangegangenen Wortes oder einer Wortgruppe. Nachschübe werden häufig durch Wörter wie „und zwar“, „also“, „nämlich“, „z. B“, „insbesondere“ etc. eingeleitet. Bei Einschüben und Nachschüben müssen Kommata zur Abtrennung vom Rest des Satzes gesetzt werden. Wenn Zusätze oder Nachschübe in den Satz eingeschoben sind, dann gilt: zwei Kommata oder gar keins.

Beispiel: Immer im Oktober, also zu Semesterbeginn, findet die Ersti-Party der Jurastudenten statt.

Oft kann man selbst entscheiden, ob etwas einen Zusatz bzw. einen Nachschub darstellen soll. Dadurch wird es im Satz besonders hervorgehoben. Das gilt insbesondere für Wortgruppen mit “wie”.

Beispiel: In dieser Buchhandlung finden Sie gute Romane(,) wie Krimis, Liebesromane und Historische Romane.

 

Hervorhebungen

Wenn ein Wort oder eine Wortgruppe einem Satz zur Hervorhebung vorangestellt sind, müssen diese mit einem Komma abgetrennt werden. Diese Hervorhebungen erkennt man zumeist daran, dass sie von einem Pronomen oder einem Adverb aufgegriffen werden.

Beispiel: Hilfsbereit und immer mit einem offenen Ohr, so hatte er seinen Doktorvater in Erinnerung.

Bei Ausrufen, Bekräftigungen oder kommentierenden Äußerungen muss man ein Komma setzen, wenn diese vom Satz hervorgehoben sind.

Beispiele: Aua, ich habe mich geschnitten!

Ich werde es ihm ausrichten, danke.

 

Reihung von Adjektiven

Bei einer Reihung von Adjektiven gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Adjektive sind gleichrangig, dann werden sie mit Kommata getrennt, oder sie sind nicht gleichrangig und stehen folglich ohne Komma.

Beispiel für eine Reihung von gleichrangigen Adjektiven: Bei der Arbeit werden neue, ungesehene Argumente diskutiert.

Beispiel für eine Reihung von nicht gleichrangigen Adjektiven: Eine bekannte englische Wissenschaftlerin hält einen Vortrag an der Universität.

 

Relativsätze

Relativsätze werden durch ein Relativpronomen („der“, „die“, „das“) eingeleitet und haben die Funktion, vorgeschaltete Nomen näher zu beschreiben. Dabei sind sie rückbezüglich.

Beispiel: Der Autor, der bereits Geschichte studiert hatte, wollte nun ein Studium der Literaturwissenschaften aufnehmen.

 

Vergleichsätze

Stellt man einen Vergleich an, dann wird der Vergleichssatz vom übergeordneten Satz mit einem Komma getrennt.

Beispiele: Die Arbeit ist genauso lang, wie es vorgegeben war.

Ich habe die Zusage schneller bekommen, als ich gedacht habe.

Wenn der zu vergleichende Teil allerdings kein vollständiger Satz ist, steht kein Komma.

Beispiele: Ich mag Psychologie lieber als Statistik.

Germanistik ist genauso toll wie Geschichte.

 

Sonstige Kommaregeln

Komma nach Anreden sowie vor und nach Einschüben

Beispiele: Herr Schmidt, ich bin gut vorbereitet!

Dir, liebe Anna, gratuliere ich zur bestandenen Prüfung!

 

Komma als Gliederung von Datums- und Zeitangaben

Beispiele: Ich gebe meine Masterarbeit Freitag, den 10. Dezember, (um) 11:00 Uhr im Prüfungsamt ab.

München, den 01. Januar 2022

 

Komma bei direkter Rede

Wenn der vorausgehende Hauptsatz mit einer direkten Rede abschließt, dann wird ein Komma gesetzt, auch wenn diese Rede mit einem Ausrufezeichen oder Fragezeichen abgeschlossen wird.

Beispiel: Ich sagte: „Guten Abend!“, er gab mir aber keine Antwort.

Wenn die direkte Rede mit einem Punkt enden würde, wird dieser vor dem Begleitsatz weggelassen.

Beispiel: „Ich bin gleich zurück“, sagte die Dozentin.

Unterbricht der Begleitsatz einen Satz der direkten Rede, dann wird der eingeschobene Begleitsatz mit Kommata eingeschlossen.

Beispiel: „Es ist schön“, dachte er, „die Hausarbeit endlich abgegeben zu haben.“

Enthält die direkte Rede vor dem eingeschobenen Begleitsatz einen abgeschlossenen Satz, so gelten die gleichen Regeln wie für die einfache direkte Rede.

Beispiel: „Ich weiß noch, wie du deinen Studienplatz bekommen hast“, sagt sie. „Du hast dich damals riesig gefreut.“

 

Appositionen

Immer in Kommata stehen die sogenannten Appositionen, auch Beifügungen. Das sind Einschiebungen, die selbstständig nicht als Satz fungieren und eine ergänzende Information einbringen.

Beispiel: Die Bibliothekarin, eine alte Dame, half mir bei der Suche nach passender Sekundärliteratur.

 

Kommaregel bei “sowohl … als auch”

In den allermeisten Fällen steht zwischen der mehrgliedrigen Konjunktion „sowohl … als auch“ kein Komma, da diese Konjunktion selbst das Komma in Aufzählungen ersetzt wie beispielsweise die Konjunktionen „und“ oder auch „oder“.  

Beispiel: Maria mag sowohl Mathe als auch Deutsch als auch Englisch.

Wenn „sowohl … als auch“ mit eingeschobenen Nebensätzen verbunden ist, muss man jedoch ein Komma setzen.  

Beispiel: Ich muss mich sowohl darum bemühen, dass die Praxisbeispiele in meiner Argumentation überzeugen, als auch, dass sie realitätsnah sind.

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Quellen

  • https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma
  • https://www.scribbr.de/wissenschaftliches-schreiben/kommasetzung/

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