Das Ziel der Proseminararbeit ist es zu untersuchen, welche nützlichen Erkenntnisse der funktionale Ansatz aus der Dekonstruktion und der Psychoanalyse gewinnen kann und ob ihn diese zwei Forschungsdisziplinen eher bestätigen oder widerlegen. Der Fokus liegt hier auf den psychischen Vorgängen im Hintergrund einer Textrezeption, der Subjektivisierung des Translats und Wechselbeziehung zwischen Original und Translat.
Philosophie, besonders dann Dekonstruktion, wird unter den Laien nicht oft mit Übersetzung in Zusammenhang gebracht. Aber gerade dieser Ansatz kann ein neues Licht auf die Translationswissenschaft werfen und sie weiterzuentwickeln. Die Translationswissenschaft versucht sich nämlich neu zu positionieren, indem sie sich selbst aus anderen Perspektiven betrachtet. Die philosophische Strömung der Dekonstruktion bietet dabei ein gutes Mittel dazu, die anerkannten translationswissenschaftlichen Theorien und Methoden zu revidieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Skopostheorie und ihre Weiterentwicklung
3. Dekonstruktion
3.1 Dekonstruktion über Translation
3.2 Dekonstruktion und Psychoanalyse
3.3 Dekonstruktion und kritische Pädagogik
4. Bedeutung der Dekonstruktion für den funktionalen Ansatz
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den potenziellen Beitrag der dekonstruktivistischen Philosophie und der Psychoanalyse zum funktionalen Ansatz in der Translationswissenschaft. Das primäre Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser Disziplinen herauszuarbeiten und zu hinterfragen, wie Erkenntnisse aus der Dekonstruktion die funktionale Translationspraxis und Didaktik bereichern oder herausfordern können.
- Grundlagen der Skopostheorie und ihre funktionale Weiterentwicklung
- Einführung in die Dekonstruktion und deren Konzepte (Sous Rature, différance)
- Interdependenz von psychoanalytischen Theorien und dekonstruktivistischem Denken
- Kritische Beleuchtung der Übersetzerrolle und der Autorenschaft
- Analyse der Vereinbarkeit von Dekonstruktion und Translationswissenschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Dekonstruktion über Translation
Das zweite wichtige Mittel des dekontruktivischen Denkens, das für die Translationswissenschaft von großer Wichtigkeit ist, ist die différance. Mit dem Konzept der différance fordert Derrida zum kritischen Umdenken der traditionellen Sprachauffassung auf.
Der klassischen – essentialistischen – Sprachauffassung, dessen Wurzeln bis in die Antike fallen, liegt die Unterscheidung zwischen Form (Signifikant) und Inhalt (Signifikat) eines sprachlichen Zeichens zugrunde. Die Beziehung zwischen denen ist arbiträr. Die Essentialisten glaubten daran, dass es möglich ist, jedem Gegenstand der objektiven Realität eine fixe Bedeutung (Signifikat) zuteilen. Die Sprache diene nur dazu, die gegebene Realität zu beschreiben und die „unveränderbaren“ Bedeutungen wiederzugeben (vgl. Arrojo 2010: 147f.). Die Bedeutung eines Zeichens hängt also von unserer mentalen Bild ab, das wir in Beziehung mit dem Gelesenen oder Gehörten Begriff setzen (vgl. Goldgaber 2019: 141). Der Übersetzer kann den Übersetzungsprozess als „exchange of meanings“ (ibid.: 141) sehen, bei dem es zum Tausch ausgangssprachlicher Signifikanten für die fremdsprachlichen kommt, während das Signifikat gleich bleibt. Über-setzen ist hier also keine Metapher.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Translationswissenschaft als junge Disziplin und begründet die Relevanz der Dekonstruktion für deren Weiterentwicklung.
2. Die Skopostheorie und ihre Weiterentwicklung: Dieses Kapitel erläutert den funktionalen Ansatz als Kern der modernen Translationswissenschaft und beleuchtet die Rolle von Zweck, Kultur und Kommunikation.
3. Dekonstruktion: Hier werden die philosophischen Grundlagen der Dekonstruktion sowie deren spezifische Anwendung auf Translation, Psychoanalyse und Pädagogik eingeführt.
4. Bedeutung der Dekonstruktion für den funktionalen Ansatz: Dieses Kapitel vergleicht beide Ansätze hinsichtlich zentraler Aspekte wie Andersheit, dem Status des Ausgangstextes sowie der Rolle von Autor und Empfänger.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt insbesondere den Einfluss der Dekonstruktion auf die translationswissenschaftliche Didaktik hervor.
Schlüsselwörter
Dekonstruktion, Skopostheorie, Translation, funktionaler Ansatz, différance, Psychoanalyse, Essentialismus, Logozentrismus, Übersetzungsdidaktik, Intertextualität, Subjektivität, Bedeutungskonstruktion, Sprachauffassung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Verbindung zwischen der dekonstruktivistischen Philosophie und dem funktionalen Ansatz der Translationswissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Skopostheorie, dekonstruktivistische Kernkonzepte wie die différance, psychoanalytische Ansätze zur Sprachverarbeitung sowie deren Auswirkungen auf die Übersetzungsdidaktik ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, welche nützlichen Erkenntnisse der funktionale Ansatz aus der Dekonstruktion und der Psychoanalyse gewinnen kann, um die translationswissenschaftliche Praxis zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Vergleichsanalyse, die Fachliteratur sowie dekonstruktivistische Theorien heranzieht, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der behandelten Forschungsdisziplinen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des funktionalen Ansatzes, die detaillierte Einführung der Dekonstruktion und eine kritische Vergleichsanalyse beider Strömungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Dekonstruktion, Skopostheorie, Translation, Bedeutungskonstruktion und der interdisziplinäre Dialog zwischen Philosophie und Übersetzungswissenschaft.
Inwiefern beeinflusst die Dekonstruktion die Rolle des Übersetzers?
Die Dekonstruktion hinterfragt die passive Rolle des Übersetzers als reinem Vermittler und hebt hervor, dass der Übersetzer durch Interpretation selbst zum Mit-Autor des Zieltextes wird.
Warum wird die Psychoanalyse in den Vergleich einbezogen?
Die Psychoanalyse wird genutzt, da sie Parallelen in der Sprachbetrachtung aufweist, etwa in der Analogie zwischen dem Unbewussten und einer Fremdsprache, was Derrida als Impuls für ein neues Translationsverständnis diente.
- Citar trabajo
- Helena Fuxová (Autor), 2021, Der funktionale Ansatz bei der Translation. Erkenntnisse aus der Dekonstruktion und der Psychoanalyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001497