Überwindung von Meyer-Drawes "Grenzen pädagogischen Verstehens" mittels des Skills-Lab-Modells

Skills-Lab in der Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz


Hausarbeit, 2019

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konkurrenzdenken zwischen Theorie und Praxis
2.1 Gründe für das Konkurrenzdenken
2.2 Auswirkungen auf die Auszubildenden

3 Das Skills-Lab-Modell
3.1 Definition und Grundsätze des Skills-Lab-Modells
3.2 Ziele des Skills-Lab-Modells

4 Überwindung von Meyer-Drawes „Grenzen pädagogischen Verstehens“ mittels dem Skills-Lab-Modell
4.1 Überwindung der privativen Grenze
4.2 Überwindung der konstitutiven Grenze
4.3 Überwindung der kritischen Grenze

5 Chancen des Skills-Lab-Modells für die Ausbildung
5.1 Chancen für die Auszubildenden
5.2 Chancen für die Praxisanleitung
5.3 Chancen für den Theorie-Praxis-Transfer

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Der dritte Lernort "Simulator" kann den Transfer in beide Richtungen erleichtern. (Friedrich, 2018, S. 442) 10

Abkürzungsverzeichnis

OP = Operation

OTA = Operationstechnische Assistenz

Skills-Lab = Skills Laboratory

1 Einleitung

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.“ Mit diesen Wor­ten berät der getarnte Mephistopheles im ersten Teil von Goethes Faust (2005, S. 66) den Schüler, der zu Dr. Fausts Sprechstunde kommt. Er meint damit, dass theoretisches Wissen allein noch keine optimale Umsetzung garantiert. Dabei wiederspricht er dem Vorurteil, dass die „bloße Praxis“ ohne einen theoretischen Hintergrund ein blindes Handeln darstellt. Schon zu Zeiten Goethes bestand also ein Konflikt zwischen Theorie und Praxis; dieser hat sich bis heute nicht beruhigt. Nach Meyer-Drawe (1984, S. 253ff.) stellt die Praxis auf der einen Seite Erwartungen, die für die Theorie unmöglich umzusetzen sind, auf der anderen Seite unter­liegt die Praxis „den vielfältigsten Handlungszwängen und Erfolgserwartungen“ der Theorie. Der kontrollierte Erwerb praktischer Kompetenzen stellt aufgrund dessen für die Auszubil­denden zur Operationstechnischen Assistenz (OTA) oftmals eine Herausforderung dar. Die Schüler/innen klagen häufiger über eine Uneinigkeit zwischen Theorie und Praxis. Beide Parteien nehmen sich zu wichtig und übersehen dabei die Unsicherheiten der Lernenden. Diese stehen mitten im Konflikt und antworten darauf immer öfter mit Pragmatismus: „Sag‘ dem Lehrer, was die Schule hören will, mach‘ es in der Praxis so, wie es die Praktiker wol­len“ (Sahmel, 2008, S. 9). Die Schüler/innen passen ihr Handeln an die Erwartungen der Person an, die sie gerade bewertet. „So erlebt der Schüler u. a. widersprüchliche Erklärun­gen, undurchsichtige Handlungen, deren Sinn und Zweck er nicht versteht, sie aber trotzdem mitmachen muss“ (von Stösser, 1992, S. 117). Dadurch können keine strukturierten Handlungsabfolgen erlernt werden, worunter die Qualität der Ausbildung leidet und die Zu­friedenheit der Lernenden sinkt. Um das zu vermeiden, müssen Theorie und Praxis an einem Strang ziehen. Das Skills Laboratory (Skills-Lab) kann die Kooperation zwischen Theorie und Praxis fördern und so die Lernenden dabei unterstützen ihre Handlungskompetenzen zu verbessern. Wie dieses Modell das Theorie-Praxis-Problem „Konkurrenzdenken“ verändern kann wird Inhalt dieser Arbeit sein. Dazu wird folgende Frage beantwortet:

Wie kann die Anwendung des Skills-Lab-Modells in der Ausbildung zur Operations­technischen Assistenz das Konkurrenzdenken zwischen Theorie und Praxis verbessern?

Die Beantwortung dieser Frage erfolgt mittels Literaturrecherche. Im folgenden Kapitel wer­den die Gründe und Auswirkungen des Konkurrenzdenkens betrachtet, bevor im nächsten Teil näher auf das Skills-Lab-Modell eingegangen wird. Anschließend wird das Modell mit Käte Meyer-Drawes „Grenzen pädagogischen Verstehens“ in Zusammenhang gebracht. Im vorletzten Kapitel werden die Chancen von Skills-Lab für die Auszubildenden, die Praxis- anleiter/innen und den Theorie-Praxis-Transfer erläutert, bevor das Fazit einen abschlie­ßenden Überblick über das Thema gibt.

2 Konkurrenzdenken zwischen Theorie und Praxis

Wie das Zitat von Sahmel in der Einleitung ausdrückt, führen die gegensätzlichen Erwar­tungen von Theorie und Praxis zu einem Konflikt, unter dem die Lernenden leiden. Wieso das Konkurrenzdenken zwischen Theorie und Praxis so ausgeprägt ist und welche Auswir­kungen das auf die Auszubildenden hat, wird im folgenden Kapitel erörtert.

2.1 Gründe für das Konkurrenzdenken

Laut Sahmel (2002, S. 66) ist der Unterschied, zwischen dem was die Lehrenden in der Schule vermitteln und dem was die Pflegekräfte in der Praxis tun, groß. Die Theorie möchte, dass die Auszubildenden nach wissenschaftlichen Standards arbeiten, die Hintergründe ihres Handelns verstehen und Abläufe kritisch hinterfragen. Sie sollen die Prozesse ganz­heitlich sehen und die Patienten dabei in den Mittelpunkt stellen. Nach Radke (2008, S. 128) ist für die Praxis allerdings „alles das praxisfremd [Herv. i. Org.], was im Alltag keine konkrete Anwendbarkeit, im Sinne eines messbaren Nutzens verspricht.“ Die Abläufe sollen schnell und reibungslos verlaufen um dem ansteigenden Zeitdruck gerecht zu werden. Die Praxis wirft der Schule vor unnützes Wissen zu lehren, während die Schule der Praxis ein altertümliches Arbeiten ohne Einhalten von wissenschaftlich belegten Standards anlastet (vgl. Sahmel, 2002, S. 66). Nach Meyer-Drawe (1984, S. 253) „[übersieht] eine Konfrontation von praktischen Erwartungen und theoretischen Möglichkeiten, die auf gegenseitige Ersetz­barkeit aus ist, die spezifischen Leistungsmöglichkeiten von Theorie genauso wie den pro­duktiven Sinn von Praxis.“ Sowohl Praxis als auch Theorie sehen ihre Arbeit als bedeut­samer an und übersehen dabei die Bedürfnisse der Auszubildenden.

2.2 Auswirkungen auf die Auszubildenden

Die Auszubildenden sind die Leidtragenden dieses Konfliktes zwischen Theorie und Praxis. Sie stehen zwischen den Fronten und müssen ihr Handeln jeweils den Lernorten anpassen. Die Lernenden können sich nicht festlegen und keine festen Strukturen entwickeln. Unter diesen Umständen ist ein korrektes Erlernen von beruflicher Handlungskompetenz nur be­dingt möglich. Sie erleben die Ausbildung als inkonsequent und müssen unter dem Druck der ständigen Anpassung leiden. Zudem nehmen die Schüler/innen die wissenschaftlich ba­sierten Unterrichtsinhalte nicht mehr ernst und handeln lediglich in Prüfungssituationen schu­lisch korrekt um den Lehrenden gerecht zu werden (vgl. Radke, 2008, S. 128). Die Schüler handeln mit zunehmender Ausbildungszeit intuitiver. Nach Neuweg (2005, S. 8) „[ist] aber intuitiv-improvisierendes Handeln nicht notwendig auch erfolgreiches Handeln und implizites „Wissen“ kann auch implizites Vorurteil und implizite Blindheit sein.“ Durch dieses intuitive, häufig inkorrekte Handeln entwickeln die Auszubildenden subjektive Theorien, die das kor­rekte Pflegehandeln verdrängen.

3 Das Skills-Lab-Modell

Die OTA-Schüler/innen sollen nach ihrer Ausbildung in der Lage sein, bestimmte Aufgaben in verschiedenen operativen Bereichen eigenverantwortlich und/oder unterstützend auszu­führen. Grundlage für dieses professionelle Handeln ist dabei eine gut ausgebildete berufliche Handlungskompetenz, deren Erlernen durch das Skills-Lab unterstützt werden kann. Definition und Ziele des Modells werden im Folgenden erläutert.

3.1 Definition und Grundsätze des Skills-Lab-Modells

Nach Fichtner (2013, S. 106) „[wird] unter Skills-Lab im Allgemeinen eine zentrale Trainingseinrichtung ver­standen, in denen spezifische (meist ärztliche) Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt werden. Der Begriff kommt aus dem Englischen und setzt sich aus den beiden Worten »skill« (= Können, Geschick) und der Abkürzung »lab« für »laboratory« (= Untersuchungsraum) zusammen.“

Die Lernenden können in diesen Trainingseinrichtungen bereits vor dem ersten Patienten­kontakt, in einem geschützten Umfeld und unter gleichen Bedingungen, praktische Fertig­keiten erlernen. In den Simulationsräumen üben die Schüler/innen an Modellen, Demonstra­tionspuppen oder auch an Mitschüler/innen und eignen sich unter Aufsicht der Lehrperson entscheidende Grundlagen an, die später in der Praxis optimiert werden sollen (vgl. Schewior-Popp, 2005, S. 148). Im Skills-Lab können alle Handlungsmuster des Arbeitsfeldes abgedeckt werden - von einfachen bis hin zu kritischen Notfallsituationen. Neben der Durch­führung der Simulationen sollen die Teilnehmer/innen lernen ihre Handlungen zu reflektieren und im Team zu arbeiten und dabei ihre kommunikativen Kompetenzen fördern. Dadurch, dass die Simulationen sehr realitätsgetreu nachgestellt werden, entwickeln die Auszubildenden vergleichbare Gefühle wie im Arbeitsalltag. Diese Emotionen sollen durch Selbstreflexion verarbeitet werden. Außerdem werden die Übungen mit theoretischem Unterricht und schriftlichen und bildgebenden Lernmaterialien begleitet (vgl. Kirsten & Kagermann, 2018, S. 447ff.).

3.2 Ziele des Skills-Lab-Modells

Ziel des Modells ist es, fachtheoretisches Wissen mit fachpraktischem Handeln zu verbinden und so die Handlungskompetenz der Lernenden zu steigern. Durch die vielseitigen Übungen des Skills-Lab, werden die methodischen, fachlichen, sozialen und personalen Kompetenzen der Schüler/innen gefördert (vgl. Kirsten & Kagermann, 2018, S. 447). Nach Schewior-Popp (2005, S. 20) ist die Intention von Skills-Lab „die Kluft zwischen Theorie und Praxis, zwi­schen Denken und Handeln zu minimalisieren.“

4 Überwindung von Meyer-Drawes „Grenzen pädagogischen Verstehens“ mittels dem Skills-Lab-Modell

Im folgenden Kapitel werden Käte Meyer-Drawes „Grenzen pädagogischen Verstehens“ (1984) in den Zusammenhang mit dem Skills-Lab-Modell in der Ausbildung zur OTA ge­bracht. Grundsätzlich befasst sich der Text mit einem Thema, dass schon viele Male dis­kutiert wurde: der Unlösbarkeit des Theorie-Praxis-Problems. Zwar spricht Meyer-Drawe in ihrem Text die Studierenden des Fachs Pädagogik an, doch lassen sich ihr Aussagen auf die Ausbildung zur OTA übertragen. Die Grenzen pädagogischen Verstehens beschäftigen sich im weitesten Sinne mit der „vorherrschenden Akzeptanzkrise pädagogischer Theorie“ (Meyer-Drawe, 1984, S. 250) und dem damit verbundenen Konkurrenzdenken zwischen Theorie und Praxis. Was die Anwendung des Skills-Lab-Modells zur Überwindung dieser Grenzen beitragen kann, wird im Folgenden erörtert.

4.1 Überwindung der privativen Grenze

Die privativen Grenzen drücken sich durch das Ausschließen der Theorie seitens der Praxis aus. Die positiven Aspekte der Theorie werden hier von der „Theoriefeindlichkeit und Theo­retikerschelte“ (Meyer-Drawe, 1984, S. 250) seitens der Praktiker überschattet. Wissen ist ein Luxusgut und schnell durch Handlungsabfolgen und Beziehungen zu ersetzen. Nach Meyer-Drawe (1984, S. 252f.) „[ist] die Macht von Theorie nicht mehr selbstverständlich, sie wird durch die Dignität von Praxis relativiert.“ Im neuen Referentenentwurf für die Ausbildung zur OTA (2019, S. 14) sind jedoch 2100 Stunden theoretischer und praktischer Unterricht gefordert; 500 Stunden mehr als in den bisherigen Ausbildungsrichtlinien. Mit dieser Mehr­zahl an Unterrichtsstunden kann vermehrt fachpraktischer Unterricht, auch in Form von Skills-Lab, eingebracht werden. Bei der richtigen Umsetzung des Skills-Lab-Modells spielen neben den Lehrenden auch die Praxisanleiter/innen eine wichtige Rolle. Nach Kirsten & Kagermann (2018, S. 455) „werden sie [fachlich] bei der Entwicklung von Szenarien hinzugezogen, sie bringen realistische Ideen aus der Praxis mit und relativieren den theoretischen Anspruch im Diskurs mit den Erfahrungen aus der Praxis und im Hinblick auf verfügbare Ressourcen.“

Die Praxis wird so in den Anleitungsprozess am Lernstandort Schule miteinbezogen. Sie hat Einfluss auf den Unterrichtsinhalt und die Ausführung der Simulationen. Um dabei einen fachlich korrekten Unterricht zu gestalten fordert Skills-Lab eine enge Zusammenarbeit zwi­schen Theorie und Praxis. Die Praxis muss ihre Erwartungen an die Theorie anpassen und sich mit den Perspektiven der Theorie befassen.

4.2 Überwindung der konstitutiven Grenze

Im Gegensatz zu den privativen Grenzen kritisiert Meyer-Drawe (1984, S. 253) mit den kon­stitutiven Grenzen die sich überschätzende Theorie. Eine Theorie, die der Meinung ist, sie könnte der Praxis zuvorkommen und Handlungsmuster vor dem Ausüben der Tätigkeit auf­klären; eine Theorie, die die Sinnhaftigkeit der Praxis übersieht. Die Handlungskompetenz der Auszubildenden entsteht jedoch nicht durch reine Theorie und nicht umsonst soll die Ausbildung zur OTA nach dem neuen Referentenentwurf (2019, S. 14) mindestens 2500 Stunden praktische Ausbildung beinhalten. Zudem soll auch der theoretische Teil der Aus­bildung laut dem Entwurf (2019, S. 13) fachpraktischen Unterricht einschließen. „Theo­retische Konstrukte müssen sich, insofern sie relevant sein sollen für konkretes Handeln, auf Praxis beziehen“ (Meyer-Drawe, 1984, S. 254). Praktischer Unterricht im Skills-Lab kann Meyer-Drawes Aussage entsprechen. Das Skills-Lab ist kein wirklicher OP-Saal, sondern eine pädagogische Einrichtung und deshalb kann die Theorie auch hier nicht gänzlich „an die Stelle der Praxis treten“ (Meyer-Drawe, 1984, S. 253). Mit seinen realitätsnahen Simula­tionen kann das Modell die Auszubildenden jedoch dabei unterstützen, sich im wirklichen OP-Alltag zurechtzufinden und somit ihre Ziele schneller zu erreichen. Zudem können die Lernenden ihre bereits gemachten Erfahrungen miteinbringen und das Handeln kann reflektiert betrachtet werden. Nach Meyer-Drawe (1984, S. 254) ist die konstitutive Grenze „durch die prinzipielle Nicht-Koinzidenz von Reflexion und Vollzug [bestimmt].“ Im Skills-Lab erfolgen Reflexion und Handeln jedoch fast zeitgleich und so kann das Skills-Lab-Modell den Theoretikern und den Praktikern gerecht werden.

4.3 Überwindung der kritischen Grenze

Mit der kritischen Grenze möchte Meyer-Drawe die Konsequenzen für ein verantwortliches Handeln aufzeigen, die sich aus den privativen und konstitutiven Grenzen ergeben. Um ge­wissenhaft Handeln zu können, ist es erforderlich die erlernte Theorie in die Praxis umzu­setzen. Nach Meyer-Drawe (1984, S. 256) muss der Lernende dafür „einen Einstellungs­wechsel vom Beobachtenden zum verantwortlich Handelnden vollziehen.“ Dieser Wechsel geschieht jedoch „nur durch Üben selbst“ und findet meist erst in der Praxisphase statt. Mit dem Skills-Lab-Modell haben die Auszubildenden die Möglichkeit bereits vor dem Praxis­einsatz ihr Wissen anzuwenden und ihr Handeln zu üben. Die Schüler/innen dürfen Fehler machen und erhalten die Chance Lösungsalternativen zu entwickeln (vgl. Kirsten & Kagermann, 2018, S. 449). Durch die direkte Durchführung der Theorie im fachpraktischen Unterricht fällt den Lernenden das Umsetzen von Theorie in Praxis im OP-Alltag leichter und der „Praxisschock“ (Meyer-Drawe, 1984, S. 256) kann ausbleiben.

5 Chancen des Skills-Lab-Modells für die Ausbildung

Neben dem Konkurrenzdenken zwischen Theorie und Praxis leiden die Auszubildenden in Pflegeberufen, nach dem ver.di Ausbildungsreport Pflegeberufe 2015, zudem unter dem Zeitmangel ihrer Praxisanleiter/innen. 60 Prozent der Lehrlinge gaben an, dass die Praxis- anleiter/innen für die Anleitung zu wenig Zeit erhalten. Übungsmöglichkeiten können auf­grund dessen oft nicht wahrgenommen werden. Die Skills-Lab-Methode ermöglicht das kon­trollierte Üben von Fertigkeiten in einem angemessenen Tempo. Die Chancen, die dies den OTA-Auszubildenden und den Praxisanleiter/innen ermöglicht und die Auswirkungen auf den Theorie-Praxis-Transfer, werden im folgenden Kapitel geklärt.

5.1 Chancen für die Auszubildenden

Das Skills-Lab ist ein geschützter Raum, in dem kompetentes pflegerisches Handeln erlernt werden kann. Für Mamerow (2008, S. 106) können sich die Lernenden so ihre pflegerische Handlungskompetenz in einem angemessenem Schwierigkeitsgrad aneignen, bevor sie sich den komplexen Aufgaben in der Praxis stellen müssen. Zudem bietet das Skills-Lab ein ge­schütztes Lernumfeld, bei dem Hierarchien abgebaut werden. Dies gibt den Auszubildenden mehr Sicherheit im OP-Saal und eventuell vorhandene Ängste können verringert werden. Sie können Aufgaben bereits selbstständiger erledigen und das Gefühl haben nicht permanent auf eine Praxisanleitung angewiesen zu sein. Laut Schewior-Popp (2005, S. 150) „[haben] die Schüler die Möglichkeit, zunächst sequenziert, d. h. in Teilschritten zu üben.“ Aufgrund des Personal- und Zeitmangels ist das in der Praxis oft nicht möglich. Skills-Lab kann also den Druck aus der Lernsituation nehmen, in dem die einzelnen Teilschritte ruhig durchgeführt und bei Bedarf wiederholt werden können. So kann zudem Handlungs­systematik entwickelt werden und auch das Verhalten in Notfallsituationen kann Schritt für Schritt trainiert werden. Die Lernenden wissen so im Ernstfall über die Abläufe Bescheid und können gezielt helfen. Neben der Fachkompetenz werden durch den freien Unterricht auch die Sozial- und Persönlichkeitskompetenz gestärkt. Die gestellten Pflegeaufgaben müssen gemeinsam gemeistert und eigene Strategien zur Problemlösung entwickelt werden. Dies fördert die Kreativität und Zielstrebigkeit der Lernenden und stärkt durch die Erfolgser­lebnisse ihr Selbstbewusstsein. Aufgrund der Partner- bzw. Gruppenarbeiten werden Eigen­schaften wie z. B. Konfliktfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kritikfähigkeit und Verantwor­tungsbewusstsein gefördert. Zudem unterstützt das Skills-Lab-Modell durch seine Vielfältig­keit ein individuelles und soziales Lernen und die Auszubildenden haben Spaß dabei sich neues Wissen anzueignen und es direkt auszuprobieren. So bleiben die Inhalte länger und besser in Erinnerung (vgl. Mamerow, 2008, S. 106).

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Details

Titel
Überwindung von Meyer-Drawes "Grenzen pädagogischen Verstehens" mittels des Skills-Lab-Modells
Untertitel
Skills-Lab in der Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz
Hochschule
SRH Fernhochschule  (SRH Wilhelm-Löhe-Hochschule Fürth)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V1030778
ISBN (eBook)
9783346435309
ISBN (Buch)
9783346435316
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skills-Lab, Pädagogik, Operationstechnische Assistenz, Ausbildung, Meyer-Drawe, Grenzen pädagogischen Verstehens, Theorie-Praxis-Transfer
Arbeit zitieren
Christine Ober (Autor:in), 2019, Überwindung von Meyer-Drawes "Grenzen pädagogischen Verstehens" mittels des Skills-Lab-Modells, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030778

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