Nonverbalen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht. Bedeutung von Augenkommunikation


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 „Nonverbale Kommunikation“ versus „Körpersprache“

3 Kommunikation der Augen als Bestandteil der Nonverbalen Kommunikation

4. Biologische und kulturelle Grundlagen der Augenkommunikation

5. Mimik undBlickverhalten

6. Deliberatives Wegblicken nach Ehlich/Rehbein

7. Die Bedeutung der Augenkommunikation für den Unterricht

8. Spezifische Bedeutung für den Fremdsprachenunterricht

9. Fazit und Ausblicke

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir verwenden Zeit und Energie, um zu unserer Muttersprache noch 'weitere Sprachen zu lernen. Es ist mir unerklärlich, 'warum wir uns nicht die Zeit nehmen, unsere Primärsprache zu 'verbessern: Die Sprache unseres Körpers.“

(Samy Molcho, 2011)

Die menschliche Fähigkeit zum Sprechen gilt als die Grundvoraussetzung, um an allen sozialen Formen und Interaktionen teilnehmen zu können.

Allerdings sind es nicht nur die verbalen bzw. paraverbalen Elemente, die den Kommunikationsprozess entscheidend beeinflussen. Weitaus größere Bedeutung erlangten nach vielen Jahren umfangreicher und komplexer Forschung in den unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen, die anteiligen nonverbalen Faktoren.

In der vorliegenden Arbeit soll dabei der Schwerpunkt auf dem visuellen Bereich der Körpersprache liegen, wobei zunächst auf die unterschiedlichen biologischen und kulturellen Faktoren der Augenkommunikation eingegangen werden soll.

Daran anschließend werden die Teilbereiche Mimik und Blickverhalten näher betrachtet und es wird der Frage nachgegangen, in wieweit das Wechselspiel der Mimik und der Augenbewegungen überhaupt beeinflussbar ist und welche Rückschlüsse man daraus für Unterrichtssituationen ziehen kann. Dabei soll versucht werden, die Bedeutung der visuellen Kommunikation insbesondere für den Fremdsprachenunterricht aufzuzeigen.

2. „Nonverbale Kommunikation“ versus „Körpersprache“

Betrachtet man die Publikationen der verschiedenen Fachdisziplinen lassen sich zunächst keine einheitlichen Definitionen erkennen. Vor allem sozialpsychologische und pädagogische Ansätze bestimmen die Kategorisierungen der nonverbalen Kommunikationsformen.

Die in der wissenschaftlichen Diskussion oft zitierten „Axiome der Kommunikationstheorie" nach Watzlawick (1969) zeigen, dass in jeder Form der zwischenmenschlichen Kommunikation, in der der verbale Faktor scheinbar im Mittelpunkt steht, dem nonverbalen Anteil eine weitaus höhere Bedeutung anzumessen ist. Watzlawick geht davon aus, „dass man, wie immer man es auch versuchen mag, nicht nicht kommunizieren kann“( Watzlawick 1969, S.51)

Es erfolgt ein Informationsaustausch zwischen mindestens zwei Individuen, wobei der Sender sich ausgesuchten Vorräten an bestimmten Zeichen, sogenannten „Codes“ bedient, die wiederum auf der Empfängerseite decodiert werden und somit der Basis jeder Kommunikationsform entsprechen.

Dabei wird häufig zwischen vokalen nonverbalen Zeichen unterschieden, diese werden u.a. nach der Art der Stimmführung, Lautstärke bzw. Sprechgeschwindigkeit differenziert. Die nonvokalen nonverbalen Zeichen umfassen danach verschiedene Formen derMimik, Gestik, Körperhaltung, usw.

Neben einigen spezifischen Begriffen, wie z.B. „Kinesik“ für das Bewegungsverhalten (Birdwhistell, 1970) oder „Proxemik“ für die unterschiedlich ausgeprägten, kulturabhängigen Distanzphänomene (Hall, 1968) hat sich interdisziplinär, sowie international vorrangig der Begriff der „Nonverbalen Kommunikation“ durchgesetzt.

Parallel dazu formuliert Kalverkämper (1995) seine Aussage „Es ist unmöglich, nicht mit dem Körper kommunikativ zu wirken“ (Kalverkämper 1995, S.143) und verweist damit auf den Begriff der „Körpersprache“, der vor allem im deutschsprachigen Raum weithin verbreitet ist. Er gibtjener Definition den Vorrang „weil er erstens den Träger angibt...und somit als Zeichenform: die Leiblichkeit“ und 2. „weil er den 'Sprach'- Begriff als System- Begriff einbezieht“ und somit die Kommunikativität und 3. „weil er kulturhistorisch...argumentiert - die älteste Bezeichnung für das Gemeinte ist“ (ebda.)

Es lässt sich somit aussagen, dass beide Definitionen parallel zueinander Anwendung finden und kulturell bedingte spezifische Rahmen bilden können.

3. Kommunikation der Augen als Teil der Nonverbalen Kommunikation

Die Augen als anatomische Einheiten sind per se kaum in der Lage, eine Form der eigenständigen Kommunikation auszuführen. Allerdings sind sie als primäres Wahrnehmungsorgan und als Indikator zur Abbildung verschiedener kognitiver Prozesse von entscheidender Bedeutung. Oft werden sie als „Spiegel der Seele“ bezeichnet.

Dabei werden oft die Augenbewegungen, die als Reaktion eines äußeren Reizes unbewusst entstehen, von den bewusst herbei geführten Bewegungsabläufen unterschieden.

Viel mehr stehen sie im Zusammenhang mit dem mischen Verhalten der gesamten Gesichtsregion, sowie der Haltung und der Neigung des Kopfes.

Man geht davon aus, dass einerseits die unbewusst ablaufenden Augenbewegungen einen entscheidenden, wenngleich auch nahezu sehr schwierig nachweisbaren Einfluss aufjegliche Form der Kommunikation haben. Andererseits lassen sich nach Ehlich/Rehbein (1982) die bewusst gesteuerten Augenbewegungen zu den sogenannten „Ausdruckseinheiten“ bzw. ,, Ausdrucksrepertoires“ zusammenfassen und bilden somit den Hauptanteil am nonverbalen Kommunikationsgeschehen. (Ehlich/Rehbein 1982, S. 43).

Einen weiteren Einfluss dazu bilden die Augenlider, die gemeinsam mit den Pupillen eine Erweiterung des Ausdrucksrepertoires der Augen darstellen, was man u.a. durch beabsichtiges Zwinkern bzw. Blinzeln verdeutlichen kann. Ebenso spielt die Region der Augenbrauen bei der Übermittlung von Informationen eine entscheidende Rolle, in dem sie u.a. Ungläubigkeit oder Missfallen ausdrücken können.

Die Autoren stellen des Weiteren heraus, dass die Ähnlichkeit zur verbalen Sprache aufgrund der verständlichen Ausdruckseinheiten der Augen und somit der handlungsorientierten Verwendung, durchaus gegeben ist. Allerdings differenzieren sie die Möglichkeiten auch und zeigen auf, dass „die visuellen Kommunikationsmöglichkeiten aufgrund der physikalisch-physiologischen Voraussetzungen weniger reich und entsprechend weniger elaboriert sind als die akustisch vermittelten verbalsprachlichen.“ (Ehlich/Rehbein 1982, S.44). Sie stellen damit heraus, dass die visuell vermittelten Kommunikationsformen immer einer „face-to-face“-Situation bedürfen und somit ebenfalls, im Gegensatz zur verbalen Sprache, die tatsächliche Sichtbarkeit der Gesprächspartner voraussetzt.

4. Biologische und kulturelle Grundlagen visueller Kommunikation

Die unterschiedlichen Bewegungsabläufe der Augen erscheinen oft mühelos und selbstverständlich zu sein und doch sind sie erst evolutionärgeschichtlich erwachsen. Der vestibulo-okuläre Reflex, bildet dabei eine essentielle Voraussetzung für die Stabilisierung von visuellen Sinneseindrücken auf der Retina und ermöglicht somit auch bei ruckartigen Bewegungen des Kopfes das gleichzeitige stabile Sehen.

Bereits die Theorien Darwins zur Evolutionsgeschichte und der „Entstehung der Arten“ (1858/59) sowie die Veröffentlichung seines Werkes ,,On the Expression of the Emotions in Man and Animals“(1872) begründen, dass die mimischen Gesichtsausdrücke und Gefühlsäußerungen bei Tieren und Menschen zahlreiche Ähnlichkeiten aufweisen. Während allerdings die Bedeutung der Augen bei Tieren eher auf Droh- bzw. Tamfaktoren eingegrenzt werden, kommen sie bei Primaten und bei Menschen vorwiegend als kooperierendes Signal vor. Vor allem bei Neugeborenen lassen sich universelle Ausdrucksformen im mimischen Verhalten erkennen (vgl. Eibl-Eibesfeldt, 1984). Dabei reagieren diese bereits im Alter von wenigen Tagen auf die Augenbewegungen z.B. der Mutter und bilden damit eine entscheidende Grundlage für spätere Sozialisationsprozesse.

Daraus resultierend kann man ableiten, dass die biologischen Voraussetzungen für visuelle Kommunikationsformen in allen Kulturkreisen gleich sind. Im Laufe der Entwicklung eines einzelnen Individuums kommt es dann zu den kulturell ausgeprägten Unterscheidungsformen, wie oft am Beispiel des arabischen Raumes beschrieben wird, in dem Blickkontakte deutlich intensiver und häufiger stattfinden, als vergleichsweise im nordamerikanischen oder europäischen Raum. Imjapanischen Kulturkreis hingegen ist der Blickkontakt weniger direkt, sondern vorwiegend auf den Halsbereich konzentriert. Dabei spielt vor allem eine höhergestellte Hierarchie, wie sie bei Lehrenden oder allgemein bei älteren Personen Anwendung findet, eine entscheidende Rolle, (vgl. Argyle, 1979)

Beide Formen der Theorien, die biologische Gleichheit, sowie die kulturelle Prägung wurden über Jahrzehnte hinweg interdisziplinär analysiert und werden auch weiterhin die Grundlage für zahlreiche empirische Forschungen bieten.

5. Mimik und Blickverhalten

Mit dem Oberbegriff „Mimik“ werden alle sichtbaren und kurz andauernden Bewegungsabläufe im Gesichtsbereich bezeichnet. Dabei geht man von etwa 20 Muskeln aus, die diese spontanen Aktivitäten auslösen können und an denen man die verschiedensten Emotionen ablesen kann. Die dabei von einem Sender ausgehenden Informationssignale werden auf der Seite des Empfängers visuell aufgenommen und gedeutet.

In diesem Austausch von Blicken sieht Simmel (1923) „die vielleicht unmittelbarste und reinste Wechselbeziehung, die überhaupt besteht“, und begründet die Bedeutung des Blickkontaktes mit der Annahme, dass „wenn der Blick von Auge in Auge nicht bestünde- der, im Unterschied gegen das einfache Sehen oder Beobachten des Anderen eine völlig neue und unvergleichliche Beziehung zwischen ihnen bedeutet.“ (Simmel: 1923, 484)

Man kann davon ausgehen, dass vor allem die Augenregion direkt angeblickt wird, allerdings wird auch oft die Nasen- und Mundregion bei kommunikativen Prozessen mit einbezogen.

Aufgrund der Vielfalt und komplexen Zusammenhänge, sowie der meist nur kurzzeitigen Momente, in denen man sich als Empfänger auf die Mimik seines Gegenübers konzentrieren kann, scheint es unmöglich, alle diese Aussagen während einer Gesprächssituation deuten zu können. Allerdings sind diese sehr komplexen Verhaltensmuster im Gesicht reich an verschiedensten Informationen und nehmen somit einen großen Einfluss auf die Qualität der Kommunikation.

Zum Blickverhalten im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass während eines Gesprächverlaufs unterschiedliche Blickkontakte zur Unterstützung der Kommunikationssituation beitragen. Darunter auch das Abwenden des Blickes bzw. einzelnen Blickwanderungen, die sich u.a. nach der kognitiven Aufnahmefähigkeit des Zuhörers richten können. Wendet man den Blick der anderen Person zu oder ab, ist der Gesprächspartner gelangweilt von der Unterhaltung, die gerade stattfmdet, ist er konzentriert oder traurig, oder nur in seine eigene Gedankenwelt versunken. Individuelle Blicksignale sind oft sehr schwierig zu deuten und Fehlinterpretationen nicht vermeidbar.

Cranach verweist beim Blickverhalten auf u.a. folgende Unterscheidungen von Blicken (vgl. Cranach 1971, S. 204):

- Einseitiger Blick', dabei blickt nach Aussagen Cranachs der Sender dem Empfänger der Nachricht direkt ins Gesicht und dabei werden vor allem die Augen fixiert
- Gegenseitiger Blick: Sender und Empfänger blicken sich gegenseitig an
- Blickkontakt'. Beide Personen bemerken einen gegenseitigen Blick und es entsteht ein direkter Kontakt über die Augen
- Blickvermeidung'. Dabei meidet eine Person den Blick zum Kommunikationspartner, wenngleich sie von diesem angeblickt wird. Somit kann kein direkter Blickkontakt entstehen.

Beobachtet man ein Gespräch zwischen zwei Personen so lässt sich feststellen, dass im Laufe der Gesprächssituation die jeweiligen Partner sich anblicken und auch voneinander wegblicken.

Wie Argyle (1989) feststellte, blickt man sein Gegenüber als Zuhörer beinahe doppelt so lang an, als wenn man selbst Sprecher ist. Er begründet es damit, dass man als Sprecher den Partner nur ansieht um ein mögliches Feedback auf eine verbale Äußerung zu erhalten.(vgl. Argyle 1989, S. 230).

Relevant für die Beurteilung des Blickverhaltens ist ebenso die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Personengruppe, das Geschlecht der Kommunikationspartner, sowie auch der jeweilige Kontext. So kann einerseits ein langandauernder Blick zwischen zwei Personen einen positiven, als auch einen negativen Hintergrund haben. Bei Kindern wiederum dient diese Form des Blickkontaktes oft auch als spielerische Auseinandersetzung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Nonverbalen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht. Bedeutung von Augenkommunikation
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Auslandsgermanistik)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V1031008
ISBN (eBook)
9783346435286
ISBN (Buch)
9783346435293
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augenkommunikation
Arbeit zitieren
Manja Rehschuh (Autor:in), 2014, Nonverbalen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht. Bedeutung von Augenkommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031008

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