Inwieweit ist es für Unternehmen ein Problem, dass Achtsamkeit die Motivation reduziert, wenn sie die Leistung nicht beeinträchtigt? Das Ziel dieser Arbeit dient einer kritischen Beleuchtung der neuesten Erkenntnisse über die demotivierende Wirkung von Achtsamkeit in Relation zu ihrer Relevanz für den Berufsalltag.
Der theoretischen Einführung über die Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte von Achtsamkeitspraktiken in der heutigen Gesellschaft folgt ein Überblick über die Studieninhalte und -ergebnisse von Havenbrack und Vohs. Für eine möglichst adäquate Beantwortung der Frage werden zunächst die Begriffe Motivation, Leistung und Leistungsmotivation voneinander abgegrenzt und in den Kontext des gesellschaftlichen Wandels gestellt. Der Hauptteil dieser Arbeit widmet sich im Anschluss der Untersuchung von Forschungsergebnissen über die Auswirkungen achtsamkeitsbezogener Interventionen am Arbeitsplatz.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 WAS IST ACHTSAMKEIT?
2.1 DEFINITION
2.2 URSPRUNG
2.3 VERBREITUNG
2.4 ETABLIERUNG IN DIE GESELLSCHAFT
2.4 ETABLIERUNG IN UNTERNEHMEN
3 METHODIK
4 DIE STUDIE VON A. C. HAFENBRACK UND K. D. VOHS
5 MOTIVE UND MOTIVATION MENSCHLICHER ARBEIT
6 WERTEWANDEL IN DER GESELLSCHAFT
7 FORSCHUNGSERGEBNISSE
7.1 SELBSTREGULIERUNG
7.2 EMOTIONSREGULIERUNG
7.3 ARBEITSGEDÄCHTNISLEISTUNG
7.4 HYPOAROUSAL UND HYPERAROUSAL
7.5 DMN-AKTIVIERUNG
7.6 SCHLAFQUALITÄT
7.7 STRESS
8 ACHTSAMKEIT AM ARBEITSPLATZ (FORSCHUNGSERGEBNISSE)
9 DISKUSSION
10 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die kontroversen Forschungsergebnisse von Hafenbrack und Vohs, welche suggerieren, dass Achtsamkeitsinterventionen die Motivation von Mitarbeitern reduzieren könnten, ohne dabei das Leistungsniveau negativ zu beeinflussen.
- Kritische Analyse der motivationalen Auswirkungen von Achtsamkeitspraktiken im Berufsalltag.
- Abgrenzung der Begriffe Motivation, Leistung und Leistungsmotivation.
- Untersuchung des gesellschaftlichen Wertewandels im Kontext der Achtsamkeitsbewegung.
- Synthese der neurobiologischen und psychologischen Auswirkungen von Achtsamkeit auf Arbeitsleistung und Wohlbefinden.
Auszug aus dem Buch
4 Die Studie von A. C. Hafenbrack und K. D. Vohs
Hafenbrack und Vohs untersuchten in fünf Experimenten und zwei Metaanalysen die Beziehungen zwischen Achtsamkeit, Aufgabenmotivation und Aufgabenleistung. Sie stellten fünf Hypothesen auf.
Die erste Hypothese lautete, dass Achtsamkeit sich nachteilig auf die Aufgabenmotivation auswirken würde. Die Zweite, dass ein reduzierter Fokus auf die Zukunft (und dadurch ein reduzierter Erregungszustand) seriell die demotivierende Wirkung vermittelt. Die dritte Hypothese wurde zweigeteilt. Hypothese 3a sagte voraus, dass die Aufgabenerfüllung nach einem intervenierten Achtsamkeitszustand beeinträchtigt sei und Hypothese 3b, dass Achtsamkeit einen stärkeren negativen Einfluss auf die Aufgabenmotivation haben würde, als auf die Aufgabenleistung. Alle Ergebnisse aus den Experimenten deuteten auf eine verminderte Motivation hin, jedoch gab es keine Einschränkungen in der Aufgabenerfüllung. Als fünftes wurde schließlich untersucht, ob die verminderte Stresswahrnehmung als Erklärung für die bisherigen Ergebnisse herangezogen werden kann (vgl. Hafenbrack; Vohs, 2018b).
Die 645 Versuchsteilnehmer (364 Frauen und 281 Männer) stammten aus den USA und Frankreich. Die Teilnehmer der Studie wurden gebeten sich eine fokussierte Achtsamkeitsmeditation anzuhören um im Anschluss auf einer Skala von 1 - 5 ihre Motivation zur Leistungserbringung zu bewerten. Vor Abfrage des Motivationslevels fand eine Manipulation durch Kommentare der Forscher statt. Sie trafen Aussagen wie „einige Leute berichteten, dies sei eine angenehme Aufgabe“ oder „einige Leute berichteten, dies sei eine unangenehme Aufgabe“. Auf diese Weise wollten sie untersuchen, ob es einen Einfluss auf die Bewertung der wahrgenommenen Motivation nehmen wird. Die Vergleichsbedingung war eine mind-wandering- (dt.: Gedankenwanderung) Aufnahme, die dazu animierte, die Gedanken schweifen zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die mediale Debatte über die Auswirkungen von Achtsamkeitsmeditation auf die Arbeitsmotivation und Darstellung der Forschungsfrage.
2 WAS IST ACHTSAMKEIT?: Definition, historischer Ursprung, Verbreitung der Achtsamkeitsbewegung und ihre Etablierung in Gesellschaft und Unternehmen.
3 METHODIK: Beschreibung der systematischen Literaturrecherche unter Nutzung verschiedener wissenschaftlicher Datenbanken zur Beantwortung der Forschungsfrage.
4 DIE STUDIE VON A. C. HAFENBRACK UND K. D. VOHS: Detaillierte Darstellung der Experimente und Hypothesen, welche die Grundlage für die kritische Auseinandersetzung der Arbeit bilden.
5 MOTIVE UND MOTIVATION MENSCHLICHER ARBEIT: Theoretische Grundlagen zu Motiven, Motivation und Leistung, inklusive kausaler Attributionsmodelle.
6 WERTEWANDEL IN DER GESELLSCHAFT: Erläuterung der Verschiebung von traditionellen Anreizsystemen hin zu Selbstverwirklichung und Work-Life-Balance.
7 FORSCHUNGSERGEBNISSE: Wissenschaftliche Untersuchung der Auswirkungen von Achtsamkeit auf Selbstregulierung, Kognition, Schlafqualität und Stressabbau.
8 ACHTSAMKEIT AM ARBEITSPLATZ (FORSCHUNGSERGEBNISSE): Analyse der spezifischen Wirkungsweisen von Achtsamkeit auf das Arbeitsklima und die Mitarbeiterzufriedenheit.
9 DISKUSSION: Kritische Reflexion der vorliegenden Befunde unter Einbeziehung der theoretischen Motivationsforschung.
10 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Achtsamkeit, Meditation, Arbeitsmotivation, Leistungsmotivation, Unternehmensführung, Stressreduktion, Arbeitsgedächtnis, Emotionsregulierung, MBSR, Wertewandel, Selbstregulierung, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Arbeitsklima, psychische Belastung, Resilienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kritische Behauptung, dass Achtsamkeitsmeditation die Motivation von Mitarbeitern beeinträchtigt, und prüft, ob dies in der Unternehmenspraxis tatsächlich ein relevantes Problem darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit verknüpft Themen der Arbeits- und Organisationspsychologie, wie Motivationsforschung und Leistungsmanagement, mit den neurowissenschaftlichen und gesundheitsbezogenen Aspekten der Achtsamkeitspraxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet: Inwieweit ist es für Unternehmen ein Problem, dass Achtsamkeit die Motivation reduziert, wenn die tatsächliche Leistung dabei nicht beeinträchtigt wird?
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturrecherche, die aktuelle Forschungsergebnisse und Studien analysiert, um eine fundierte, theoretische Einordnung des Themas zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Motivation und Arbeit, eine Darstellung der kritischen Studie von Hafenbrack und Vohs sowie eine detaillierte Auswertung wissenschaftlicher Evidenzen zu den positiven Effekten von Achtsamkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Achtsamkeit, Arbeitsmotivation, Leistungsmotivation, Stressreduktion und betriebliches Gesundheitsmanagement charakterisiert.
Wie bewertet die Autorin die Studie von Hafenbrack und Vohs?
Die Autorin betrachtet die Schlussfolgerungen von Hafenbrack und Vohs sowie deren mediale Verbreitung als kritisch, da sie die Komplexität und den transformativen Charakter von Achtsamkeitsprozessen vernachlässigen.
Warum stellt ein kurzzeitiger Motivationsabfall laut Fazit kein Problem dar?
Ein kurzzeitiger Motivationsabfall ist laut der Autorin kein ernsthaftes Problem, da Achtsamkeit durch positive Effekte auf das Arbeitsklima und die Stressresilienz einen stabilen Mehrwert für Unternehmen bietet.
- Citar trabajo
- Tatjana Schmidt (Autor), 2019, Die motivationale Auswirkung achtsamkeitsbasierter Interventionen in Unternehmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1045331