Inklusiver Unterricht. Eignung einer Förderschule oder eine inklusive Regelschule für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf


Hausarbeit, 2021

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Begriffserklärungen ,,Inklusion", ,,inklusiver Unterricht", ,,sonderpädagogischer Förderbedarf"

3. Inklusive Regelschule oder Förderschule?

4. Bedingungen für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an inklusiven Regelschulen.

5. Fazit.

6. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Im Jahre 2009 ist die UN- Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten, mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv bzw. integrativ an Regelschulen zu unterrichten.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob eine Förderschule oder eine inklusive Regelschule für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf geeigneter ist. Diese Frage soll auf der Grundlage von zwei Texten beantwortet werden. Zum einen wird für die Beantwortung der Frage, welche Schule für Kinder mit SPF geeigneter ist, der Text ,,Wo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser? Ein Vergleich schulischer Kompetenzen zwischen Regel- und Förderschulen in der Primarstufen" von Aleksander Kocaj herangezogen, der zunächst mit Hilfe einer Studie herausfinden will, ob und inwieweit sich die Kompetenzen von Kindern mit SPF an Regelschulen und Förderschulen im Primarbereich unterscheiden. Die Vergleiche ergeben sich aus den Kompetenzen von standardisierten Leistungstests von Kindern mit SPF an Regelschulen und an den Förderschulen. Kinder mit SPF an Regelschulen zeigten höhere Kompetenzwerte im Lesen, Zuhören und in Mathematik als Kinder mit SPF an Förderschulen, besonders Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Zum anderen dient der Beitrag ,,Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung (im Bereich ,,Lernen") an Regelschulen" von Cornelia Gresch und Anne Piezunka als Grundlage zur Beantwortung der Frage, der zugrunde legen möchte, welche Voraussetzungen zum aktuellen Zeitpunkt für eine Untersuchung von Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung (Förderschwerpunkt Lernen) an Regelschulen in Deutschland gegeben sind.

Die folgende Gliederung soll bei der Beantwortung dieser Frage helfen und den Einstieg in die Thematik erleichtern. Zunächst werden die Begriffe ,,Inklusion", ,,inklusiver Unterricht" und ,,sonderpädagogischer Förderschwerpunkt" definiert. Darauf aufbauend, wird im Hauptteil der Arbeit anhand der Studie von Aleksander Kocaj erläutert, inwiefern sich die Schulleistungen von Schülern mit SPF in einer inklusiven Regelschule und in einer Förderschule unterscheiden und auf welcher Schule sie besser lernen. Außerdem werde ich mit Hilfe des Beitrags von Cornelia Gresch und Anne Piezunka, die Bedingungen für Kinder mit SPF an inklusiven Regelschulen beschreiben. Im Fazit werde ich die Vorteile für inklusive Regelschulen und Förderschulen abwägen und daraufhin die Arbeit mit Beantwortung der Leitfrage abschließen.

2. Begriffserklärungen ,,Inklusion", ,,inklusiver Unterricht" und,,sonderpädagogischer Förderbedarf"

Im folgenden Kapitel werden die Begriffe ,,Inklusion", ,,inklusiver Unterricht" und ,,sonderpädagogischer Förderbedarf" definiert, die für das Verständnis dieser Arbeit besonders wichtig sind.

Inklusion ist ein lateinischer Begriff und bedeutet übersetzt ,,Einschluss". Inklusion im Schulsystem bedeutet, heterogene Gruppen von Schülern individuell zu unterrichten und individuell auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Bei dem Konzept der Inklusion geht es um die Teilhabe für alle (unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen).

,,Bei inklusivem Unterricht stimmen Regelschulen ihre Infrastruktur, Methoden, Lernmaterialien und Personalpolitik auf alle Schüler ab. Sie sorgen dafür, dass jeder Schüler sich wohl fühlt."1 Das Ziel des inklusiven Unterrichts ist es, dass die Förderschulen abgeschafft werden und Kinder mit SPF mit ausreichender Unterstützung auch an Regelschulen unterrichtet werden können. Inklusiver Unterricht bedeutet, dass vielfältige Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet werden.

Sonderpädagogischer Förderbedarf liegt dann vor, wenn Kinder in ihren individuellen Bildungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten so weitreichend beeinträchtigt sind, dass sie ohne gezielte sonderpädagogische Förderung und Unterstützung keinen erfolgreichen Bildungsabschluss absolvieren können. In folgenden Bereichen kann sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt werden: Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung,körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung, Hören und Kommunikation, Sehen, Autismus.2

3. Inklusive Regelschule oder Förderschule?

Im Folgenden referiere ich die Forschungsergebnisse von Aleksander Kojac, die sich gleichzeitig mit der Beantwortung meiner Fragestellung, welche Schule für Kinder mit SPF geeigneter ist (Inklusive Regelschule vs. Förderschule), beschäftigt.

Die Studie von Aleksander Kojac versucht zu erklären, ob sich die Leistungen der Kinder mit SPF aufgrund der Art der Schule unterscheiden und wie sie an der jeweiligen Schule lernen. Des weiteren werden in dem Text optimale Lernbedingungen für Kinder mit SPF kontrovers diskutiert. Die Studie vergleicht anhand von Daten des bundesweiten IQB Ländervergleichs 685 Kinder mit SPF an Regelschulen mit 413 Kindern mit SPF an Förderschulen miteinander. Dabei fokussiert sich die Untersuchung auf drei Förderschwerpunkte: Lernen, Sprache, emotionale/ soziale Entwicklung. In der Untersuchung werden Kompetenzen von Schülern in der Primarstufe (Ende vierte Klasse) in den Fächern Deutsch (Lesen, Zuhören)3 und Mathematik (Zahlen/ Operationen, Raum/ Form, Muster/ Strukturen, Größen/ Messen, Daten/ Häufigkeit/ Wahrscheinlichkeit)4 mit standardisierten Leistungstests erfasst. Am Rande sei auch erwähnt, dass außer den schulischen Kompetenzen auch die kognitiven Grundfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler erfasst werden. Diese bestehen aus zwei Untertests (KFT 4 - 12 + R)5: Wortschatz und Figurenanalogien. Auch die sozialen, kulturellen und zuwanderungsbezogenen Hintergrundmerkmale der Schüler spielten bei der Untersuchung eine wichtige Rolle.

Beispielsweise wurde der Zuwanderungshintergrund der Schüler anhand des Geburtslands der Eltern erfasst oder es wurde die in der Familie gesprochenen Sprache berücksichtigt und je nach dem entschieden, ob in der Familie überwiegend Deutsch oder überwiegend eine andere Sprache gesprochen wird. Des weiteren wurden die Lerngelegenheiten, wie z.B. das Schuleintrittsalter und die Dauer des Besuchs einer Kindertagesstätte oder Vorschule, hierfür berücksichtigt. Schließlich wurden auch diagnostizierte Teilleistungsstörungen der Kinder erfasst und in den Auswertungen als Kontrollvariable berücksichtigt. Dazu gehören laut der Studie vier Kategorien: 1. Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung (ADHS), 2. Lernstörungen (isolierte Rechtschreibstörung, Lese- Rechtsschreibstörung, Rechenstörung), 3. Mehrfachdiagnose (Kombination aus ADHS und einer Lernstörung) und 4. nicht definierte Teilleistungsstörungen.

Bei der Untersuchung wurde das Propensity Score Matching- Verfahren6 eingesetzt, welches Grundprinzip darin besteht, ,,für jeden Schüler der Stichprobe anhand der für die Zuweisung relevanten Merkmale den Wahrscheinlichkeitswert, den sogenannten Propensity Score, zu berechnen, in eine der beiden Schularten überzugehen". Letzten Endes werden nur die Leistungen derjenigen Schüler beider Gruppen verglichen mit ähnlichem PS. Das Verfahren der Untersuchung erfolgte in fünf Schritten7, die ich kurz skizzieren werde, um anschließend auf die Ergebnisse einzugehen.

Im ersten Schritt wurden die systematischen Unterschiede in den Gruppen, mit Hilfe der multivariaten Varianzanalyse und des Chi2- Tests, untersucht. Hierbei sollten die Merkmale identifiziert werden, die mit Zuweisung zu der jeweiligen Schulart wie auch mit den Kompetenzständen in Deutsch und Mathe zu tun hatten. Im zweiten Schritt wurden die bedingten Wahrscheinlichkeiten (PS) für die Gruppenzuordnung, anhand von binären Regressionen, ermittelt. Im dritten Schritt erfolgte das Full Matching Verfahren, d.h.

Schüler wurden aus beiden Gruppen aufgrund des ähnlichen PS ausgewählt. Im vierten Schritt wurde evaluiert, inwieweit das Matching zu homogenen Untersuchungsgruppen geführt hat. Dabei betrachtet man die standardisierten Differenzen zwischen den Gruppen. Je geringer diese ausfallen, desto ähnlicher sind sich die beiden Gruppen.8 Im fünften Schritt wurde mit der gemachten Stichprobe aus den vorherigen Schritten eine inferenzstatistische Analyse durchgeführt. Die Schulleistungsdifferenzen können mit hoher Plausibilität auf die Art der Schule zurückgeführt werden. Es ist aber zu beachten, dass Aussagen zur Wirkung nur hinsichtlich der einbezogenen Kontrollvariablen und dem Überlappungsbereich (PS-Verteilung) beider Gruppen gültig ist. Nach diesen fünf Schritten werden die Ergebnisse ausgewertet, die zum größten Teil auch die in der Einleitung erwähnten Fragestellung beantworten können.

Die Autorin Aleksander Kocaj kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder mit SPF an Regelschulen erheblich höhere Kompetenzwerte im Lesen, Zuhören und in Mathematik aufweisen als Kinder an Förderschulen. Das Ergebnis ist besonders ausgeprägt für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen, weniger ausgeprägt ist es allerdings für den Förderschwerpunkt Sprache. Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen profitieren vom Unterricht in Regelschulen. Kocaj stellt fest, dass ,,die Leistungsvorsprünge der Kinder mit SPF in Regelschulen über alle Förderschwerpunkte hinweg dem Lernzuwachs von etwa einem halben Schuljahr im Lesen und in Mathematik sowie annähernd einem Schuljahr im Zuhören." Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen im Kompetenzbereich Lesen und in Mathematik in Regelschulen haben einen Vorsprung von einem Schuljahr. Im Kompetenzbereich Zuhören haben sie sogar einen Vorsprung von mehr als einem Schuljahr im Vergleich zu den Kindern mit SPF an Förderschulen. Schüler mit dem Förderschwerpunkt Sprache haben im Kompetenzbereich Lesen einen Leistungsvorsprung von knapp einem halben Jahr und im Zuhören haben sie einen Leistungsvorsprung von unter einem Schuljahr. Folglich bedeutet das, dass die Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen geringere Leistungsunterschiede aufweisen. Außerdem kommt die Autorin zum Ergebnis, dass sich anhand der logischen Regression zeigte, ,,dass Kinder mit SPF an Regelschulen einen günstigeren sozio- kulturellen Hintergrund und höhere kognitive Grundfähigkeiten aufweisen als Förderschüler." Kojac macht sichtbar, dass Schülerinnen und Schüler mit SPF von einer Beschulung in Regelschulen profitieren. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass Kinder, die an der Förderschule unterrichtet werden, doppelt benachteiligt sind.9 Es gibt zwei ausschlaggebende Gründe für das Argument der doppelten Benachteiligung. Zum einen schneiden Kinder mit SPF aus sozial schwachen Familien aufgrund ihrer Lernausgangsbedingungen in Schultests schlechter ab. Zum anderen führt der Förderschulunterricht, ,,in denen Kinder Kinder mit SPF nach Kontrolle individueller Schülermerkmale niedrigere Kompetenzzustände erreichen" dazu, ,,dass sich herkunftsbedingte Bildungsnachteile institutionell verstärken."10

Aleksander Kocaj zieht aus der Untersuchung das Fazit, dass die Beschulung von Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer inklusiven Regelschule vorteilhafter ist.

[...]


1 Unia.de (2019)

2 Hamburgisches Schulgesetzt (§12 HmbSG)

3 Böhme und Bremerisch- Vos 2012

4 Roppelt und Reiss 2012

5 Heller und Perleth 2000

6 Rosenbaum und Rubin 1983

7 Becker 2011

8 Rosenbaum und Rubin 1985

9 Schümer 2004

10 Schümer 2004, S. 102

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Inklusiver Unterricht. Eignung einer Förderschule oder eine inklusive Regelschule für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1130308
ISBN (eBook)
9783346491152
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inklusiver, unterricht, eignung, förderschule, regelschule, schülerinnen, schüler, förderbedarf
Arbeit zitieren
Vian Muslem (Autor:in), 2021, Inklusiver Unterricht. Eignung einer Förderschule oder eine inklusive Regelschule für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130308

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