Diese Arbeit beschäftigt sich im Kern mit den in den Reformdiskussionen stehenden direkten Besteuerungen des Konsums, der Cashflowsteuer. Im Zuge der Diskussionen ist zu beobachten, dass die direkte Besteuerung des Einkommens durch eine direkte Besteuerung des Konsums (gemessen in Zahlungsströmen) abgelöst werden soll. Andererseits nimmt die indirekte Konsumbesteuerung weltweit zu. Gemeint ist hier die Umsatzsteuer, die mit der zahlungsstromorientierten Form (Cashflow) der Besteuerung verwandt ist. Betrachtet man die Steuerreformdiskussionen bzw. Veränderungen der Besteuerungsstruktur unterschiedlichster Länder in den vergangenen Jahren, so scheint die Unzufriedenheit bezüglich der bestehenden Besteuerungsreformen, insbesondere der etablierten Einkommenssteuern, zuzunehmen. Die in diesem Kontext umgesetzten Steuerreformen beschäftigen sich dabei regelmäßig lediglich mit Detailproblemen. Demgegenüber unterliegt ein fundamentaler Steuersystemwechsel – soll er gezielt und bewusst herbeigeführt werden – wesentlich höheren konzeptionellen Anforderungen, weil die Frage im Vordergrund steht, welche theoretische Vorstellung es erlaubt, ein konsistentes Steuersystem zu bilden. Unter einer investitionstheoretischen Perspektive sprechen viele Argumente für eine Cashflowbesteuerung, das heißt einer Besteuerungsform, die den Zahlungsströmen folgt.
Ist die Entscheidung getroffen, die Besteuerung anhand der Zahlungsströme auszurichten, so stellt sich unmittelbar die Frage, wie die Cashflowbesteuerung konkret ausgestaltet werden soll. Hierzu bietet sich ein Blick in die USA an – das einzige Land, in dem eine Vielzahl unterschiedlichster Formen der Cashflowbesteuerung diskutiert wurde und wird. Die US-amerikanische Steuerreformgeschichte zeigt diesbezüglich schon sehr früh Vorschläge, welche mit Gerechtigkeitsargumenten, ökonomischer Effizienz und einer einfacheren Steuererhebung begründet wird. Aus dieser Unzufriedenheit heraus wurden ab 2015 mehrere Cashflowsteuervorschläge veröffentlicht und in den Gesetzgebungsprozess eingebracht, deren propagierte Eigenschaften wie stärkere Investitionsanreize, geringere Besteuerung der Ersparnis, größere Neutralität, Wohlfahrtssteigerungen, Einfachheit und damit höhere Effizienz und Gerechtigkeit helfen sollten, Mängel des bestehenden Systems zu beseitigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Grundlagen der Besteuerung in Deutschland
2.2 Internationale Besteuerungsaspekte und -prinzipien
3. Aktuelle Lage und Hintergründe in Europa bzw. den USA zu Steuerreformgedanken
3.1 Stand der Harmonisierung von direkten und indirekten Steuern in der EU
3.2 Aktuelle Steuervermeidungspolitik der Unternehmen, die Reformen und Maßnahmen gegen die Gewinnverlagerung in Niedrigsteuerländer entgegenwirkt
3.3 Maßnahmen gegen die unangemessene Ausnutzung des internationalen Steuergefälles
4. Destinated-Based-Cash-Flow-Tax
4.1 Anforderungen an ein „gutes“ Steuersystem als Basis für eine effiziente Besteuerung
4.2 Grundgedanken für die Beurteilung von relevanten Steuersystemen im Hinblick auf die Diskussionen über die DBCFT
4.3 Anwendung und Diskussion (inkl. Berechnungsmodelle) des Steuersystems DBCFT
4.4 Auswirkungen/Probleme der Implementierung der DBCFT auf den deutschen und den EU-Markt bzw. direkt auf Unternehmen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsweise der Destinated-Cash-Flow-Based-Taxation (DCFBT) und analysiert deren potenzielle Auswirkungen im Falle einer Implementierung auf dem deutschen sowie dem europäischen Markt, wobei insbesondere die US-amerikanische Steuerreformdiskussion als zentrale Fallgrundlage dient.
- Grundlagen der Besteuerung und internationale Steuerprinzipien
- Steuervermeidungspraktiken multinationaler Konzerne am Beispiel Apple
- Kriterien für effiziente und gerechte Steuersysteme
- Wirkungsanalyse der Cashflow-Besteuerung und Border Adjustment Tax
- Implementierungsprobleme und Auswirkungen auf den internationalen Steuerwettbewerb
Auszug aus dem Buch
Aktuelle Steuervermeidungsstrategien am Beispiel „Apple“
Der Untersuchungsausschuss des US-Senats wirft dem Unternehmen Apple nicht vor, Steuervermeidung durchzuführen, sondern seine Gewinne mit illegalen Steuertricks zu verstecken. Der US-Senat gab hierzu einen 40-seitigen Bericht heraus, der ein Wirtschaftsgeflecht von Offshorefirmen und eine Auslegung des US- sowie des irischen Steuerrechts beinhaltet. Laut dem Bericht wollte Apple seine Gewinne nicht nur in ein „Niedrigsteuerparadies“ verschieben, sondern suchte den „heiligen Gral der Steuervermeidung“. Damit agiere Apple im nahezu illegalen Bereich.
Schritt 1 der Steuerstrategie von Apple: Gewinne ins Ausland verlagern. Apple verlagerte seine Gewinne anhand mehrerer Auslandsfirmen, von denen sich die meisten und wichtigsten in Irland befinden, dorthin aus. Die wichtigste Rolle in dieser Steuerstrategie spielte die Firma Apple Sales International (ASI). Diese hat im Mutterkonzern Apple Inc. die Stellung einer Firmentochter dritten Grades.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert den aktuellen Trend zur Ablösung der direkten Einkommensbesteuerung durch konsumorientierte Cashflowsteuern im Zuge internationaler Steuerreformdiskussionen.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Grundsätze der deutschen Besteuerung sowie internationale Steuerverteilungsprinzipien als Basis für ein effizientes und gerechtes Steuersystem.
3. Aktuelle Lage und Hintergründe in Europa bzw. den USA zu Steuerreformgedanken: Es wird die Problematik des internationalen Steuergefälles und der Steuervermeidung multinationaler Konzerne, illustriert am Fall Apple, dargelegt.
4. Destinated-Based-Cash-Flow-Tax: Detaillierte Analyse des DCFBT-Modells, dessen Auswirkungen auf Exporte und Importe sowie die Diskussionen um eine Border Adjustment Tax.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der DCFBT als potenzielles Steuermodell und dessen schwierige Implementierbarkeit in einem Umfeld unterschiedlicher nationaler Interessen.
Schlüsselwörter
Cashflowsteuer, Unternehmensbesteuerung, Destinated-Based-Cash-Flow-Tax, DCFBT, Steuervermeidung, Border Adjustment Tax, EU-Markt, US-Steuerreform, Standortwettbewerb, Gewinnverlagerung, Steuerharmonisierung, Konsumbesteuerung, Grenzausgleich, internationale Steuerprinzipien, Kapitalimportneutralität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische Konzeption und die potenziellen Auswirkungen einer Destinated-Cash-Flow-Based-Taxation (DCFBT) als fundamentalen Steuerreformansatz.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Kritik an bestehenden Steuersystemen, internationale Steuervermeidungsstrategien, der Zusammenhang von Konsumbesteuerung und Standortattraktivität sowie die ökonomischen Folgen einer globalen DCFBT-Implementierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie das DCFBT-Modell funktioniert und welche Auswirkungen seine Implementierung auf den deutschen sowie den EU-Markt haben würde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische theoretische Analyse von Steuermodellen und vergleicht diese mit aktuellen Reformdiskussionen in den USA, ergänzt durch Fallbeispiele und Berechnungsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen der Besteuerung, die Analyse von Steuervermeidungsstrategien multinationaler Unternehmen und eine tiefgehende Diskussion des DCFBT-Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie DCFBT, internationale Unternehmensbesteuerung, Border Adjustment Tax und Steuerharmonisierung charakterisiert.
Wie nutzt Apple laut dem Bericht des US-Senats Steuerschlupflöcher?
Apple nutzt die Widersprüchlichkeiten zwischen dem irischen und dem US-amerikanischen Steuerrecht, um Gewinne in Offshore-Firmen zu verschieben, die in keinem der beiden Länder steuerpflichtig gemeldet sind.
Welche Auswirkungen hätte eine Border Adjustment Tax auf europäische Exporteure?
Europäische Exporteure könnten auf dem US-Markt durch hohe Steuerbelastungen benachteiligt werden, da Importe in die USA im Rahmen des DCFBT-Modells nicht mehr steuerlich abzugsfähig wären.
- Citar trabajo
- Maged Hassanien (Autor), 2021, Destinated-Cash-Flow-Based-Taxation. Die Auswirkungen der Steuerreform auf den deutschen bzw. den EU-Markt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158975