Daniel Aufschläger, der bekannte Tibetkenner, schreibt in der Publikation zum vierzigjährigen Jubiläum des Klösterlichen Tibet-Institutes in Rikon „Buddhismus und westliche Welt im Gespräch“: "Im Jahre 1980 übernahm Peter Grieder die Position des Kurators im Tibet-Institut. Er bildete sich autodidaktisch in Sachen Tibet weiter, unter anderem durch die Betreuung von Studentenarbeiten. Zu jungen Leuten fand er einen besonders guten Draht, denn er vermittelte den Buddhismus in einfachen Worten und in unserer Sprache; im Laufe der Jahre führte er Hunderte von Klassen durch das Tibet-Institut. Peter Grieder war ein begnadeter Kulturvermittler.
Eine Schlüsselrolle bei seiner Tätigkeit nahm die Unterstützung einer Arbeit über das Tibetische Totenbuch ein. Dieses Thema begründete einen weiteren Schritt in seiner Laufbahn, nämlich als Referent im C.-G.-Jung-Institut. Seine Vortragstätigkeit über den Buddhismus führten in bald über die Landesgrenzen hinaus. Er fand auch Zeit, sich Buchprojekten zu widmen, davon zwei veritable Bestseller: „Buddhismus – eine atheistische Religion?“ und „Tibet – Land zwischen Himmel und Erde“. Peter Grieder wurde zu einem der bedeutendsten Vermittler des tibetischen Buddhismus in der Schweiz. Seine Kollegen im Stiftungsrat konnte er davon überzeugen, 1985 die erste Kalachakra-Initiation in Europa in Rikon zu organisieren, die ein voller Erfolg wurde.
Obwohl selber kein Buddhist, hat er eine grosse Affinität zu dieser Religion, die eigentlich keine ist. Unter anderem fasziniert ihn, dass der Buddhismus nicht auf Glauben baut, sondern auf Logik und Erkenntnis: „Der Buddhismus ist einsichtig wie unsere Wissenschaft. So gibt es eine einfache Brücke zu unserer Geisteswelt. Das westliche Denken ist mit dem Buddhismus kompatibel.“
Im Alter von 77 Jahren trat Peter Grieder 2004 von seiner Funktion im Tibet-Institut zurück. Er setzt sich aber weiterhin aktiv mit philosophischen Fragen auseinander, unter anderem als Förderer des „World Spirit Forum Arosa“, das als spirituelles Gegenstück zum World Economic Forum Davos konzipiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
Das Tibetanische Totenbuch spricht von 49 Tagen...
Die Bedeutung der Klöster für Tibet und seine Kultur
Die tibetische Kultur im Exil
Die tibetischen Flüchtlinge sind nicht mit leeren Händen gekommen
Zielsetzung und Wirken des Klösterlichen Tibet-Institutes in der Schweiz
Der klösterliche Alltag in Rikon
Die erste Generation der geflüchteten Tibeter im Schweizer Exil
Die Bedeutung der Arbeit für die Buddhisten - am Beispiel der Tibeter
Das Tibetanische Totenbuch
Das Totenbuch der Tibeter
Ist der Buddhismus eine atheistische Religion?
Tibetische Bildmeditation
Die Lehre Buddhas und das Bodhisattva-Ideal
Der Zeitbegriff in Ost und West
Die 'stehende Zeit'
Der 'leere' Raum
Buddhismus und das moderne Weltbild
Stellungnahme zur Schrift ‚Und der Dalai Lama lächelte..’ von Bruno-Waldvogel-Frei
Der Zeitbegriff in Ost und West - Das Unendliche - einige Annäherungen
Der 'leere' Raum
Die Buddhistische Erkenntnislehre
Der Kaiser Alexander und der Yogi
Der geheime tantrische Weg zur Erleuchtung
Samatha, der Meditationspfad zur geistigen Ruhe
Gedanken zum Thema 'Wiedergeburt'
Der zyklische Zeitbegriff
Zur Diskussion mit Schülern:
Mandala, der Weg zur Mitte
DIE WELTWOCHE vom 13. Februar 2003
Beitrag von Lukas Lessing: „Der Schrein trügt“
Kinder sind Brücken zum Himmel
Einführung in Hermann Hesses Roman 'Siddhartha'
Der historische Siddhartha Gautama Buddha
Der Sohn des Brahmanen
Bei den Samanas
Gotama
Erwachen
Kamala
Bei den Kindermenschen
Samsara
Am Flusse
Der Fährmann
Der Sohn
OM
Govinda
Gott im Buddhismus
Der Buddhismus und die Praxis der Gewaltfreiheit
Gesundheit und Selbstverantwortung im Buddhismus
Der Buddhismus ist kein Glaubensbekenntnis sondern eine Erkenntnislehre
'Die Vier Edlen Wahrheiten': die Diagnose
Eröffnungsansprache ,WSF World Spirit Forum’ Arosa
Der ‚blaue Planet’
Katalog Basel, Einführung zur Tibet-Ausstellung
Exodus
Die Schweiz und die Flüchtlinge aus dem Schneeland
Projektionen, Illusionen und Überraschungen auf beiden Seiten
Der Bau des Klosters Rikon
Die Tibeter in der zweiten und dritten Generation, in der Schweiz und in Indien.
Tibetischer Buddhismus im Exil
Buddhismus
Die zwei religiösen Strömungen der Menschheit
Der Zeitbegriff in Ost und West
Reinkarnation und Karma
Prinz Siddharta Gautama aus dem Geschlecht der Sakya
Die 'Vier Ausfahrten'
Der Grosse Aufbruch
Die Sieben Lehrjahre
Die Erleuchtung
'Die Vier Edlen Wahrheiten'
Der 'Achtgliedrige Pfad'
Buddhismus, eine atheistische Religion?
Der Wandel von der 'Kleinen Lehre' (Hinayana)
zur 'Grossen Lehre' (Mahayana)
Vajrayana, das 'Diamantene Fahrzeug'
NIRVANA
Ansprache Hochzeit Melanie und Damian
DS-Prävention in einem Heim für resozialisierte ehemalige Bettelkinder ('Street Kids') in Kathmandu, Nepal
Ausgangslage
Auftrag
Vorauszusehende Schwierigkeiten
Konzept
Dokumentation:
Durchführung:
1. Abend, Sexualaufklärung
2. Abend: AIDS-Prävention und Verhütungsmassnahmen
Lebenslauf und Abschiedsworte für Hans Peter
Wer bin ich?
Interview mit Stephan Mögle-Stadel
Ansprache Hochzeit Miriam und Matthias
Abdankung Florian Braun, 3. Januar 2001, Krematorium Rüti
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich tiefgehend mit dem tibetischen Buddhismus als erkenntnisbasierter Lebensphilosophie auseinander und untersucht dessen Integration sowie Rezeption in der westlichen Welt. Zentrales Forschungsinteresse ist dabei die Brücke zwischen der logischen, wissenschaftlich kompatiblen buddhistischen Erkenntnislehre und dem menschlichen Bedürfnis nach ethischer Orientierung und emotionalem Halt.
- Die Analyse des Bardo Thödöl und des Prozesses von Tod und Wiedergeburt als spiritueller Pfad.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Gottesbegriff im Buddhismus vs. westlichen Religionen.
- Die Rolle von Klöstern als kulturelle und soziale Zentren im tibetischen Exil.
- Methodische Reflexionen über Bildung, Sexualaufklärung und soziale Verantwortung in der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen.
- Die Verbindung von westlicher Wissenschaftslogik mit östlicher Weisheitslehre zur Förderung einer friedfertigen Weltsicht.
Auszug aus dem Buch
Die Lehre Buddhas und das Bodhisattva-Ideal
Eine Inschrift aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert in Turkmenistan lautet: 'Buddha ist Licht und sein Name: MENSCH'
Nicht von Gott oder von Göttern ist in der Lehre Buddhas die Rede sondern vom Menschen, vom zu seiner göttlichen Veranlagung erwachten, 'erleuchteten Menschen’.
Die 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung vom Prinzen Siddharta Gautamo, dem nachmaligen Buddha begründete Heilslehre könnte überspitzt atheistisch genannt werden, da sie jede Gottesvorstellung verwirft, jeder metaphysischen Spekulation abhold ist, eine 'ewige Seele' des Menschen ausdrücklich in Abrede stellt, keinen Messias erwartet und somit keinerlei Dogmen oder Glaubensbekenntnisse kennt. Der Buddhismus versteht sich denn auch nicht als Glaubensbekenntnis, sondern vielmehr als eine Erkenntnislehre. Im Gegensatz zu allen anderen Hoch- Religionen soll der Mensch die Wahrheiten erkennen und nicht glauben. Dies kommt unserem westlichen Denken vorerst einmal sehr entgegen. Im Mittelalter hat die Kirche geglaubt, die Erde stünde im Mittelpunkt der Schöpfung. Dann hat die Wissenschaft erkannt, dass dem nicht so ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Das Tibetanische Totenbuch spricht von 49 Tagen...: Das Kapitel erläutert den Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt im tibetischen Buddhismus und betont, dass dieses Wissen als Anleitung für die Lebenden dient, um sich auf den Jenseitsübergang vorzubereiten.
Die Bedeutung der Klöster für Tibet und seine Kultur: Es wird die historische Funktion der Klöster als Bildungszentren und Bewahrer kultureller Identität für das tibetische Volk, besonders im Exil, dargestellt.
Der klösterliche Alltag in Rikon: Ein Einblick in das Leben der Mönchsgemeinschaft, deren wissenschaftliche und seelsorgerische Arbeit sowie deren Rolle als Brücke zwischen tibetischer Tradition und westlicher Kultur.
Die Bedeutung der Arbeit für die Buddhisten - am Beispiel der Tibeter: Hier wird der Arbeitsethos der tibetischen Flüchtlinge thematisiert, die durch genossenschaftliche Organisation und Disziplin erfolgreich in der Diaspora Fuß gefasst haben.
Das Tibetanische Totenbuch: Eine vertiefende Betrachtung des Bardo Thödöl als Mysterienbuch, das Anweisungen für den Bardo-Zustand gibt, um Befreiung durch Hören zu erlangen.
Ist der Buddhismus eine atheistische Religion?: Das Kapitel diskutiert die Abwesenheit eines Schöpfergottes im Buddhismus und definiert die Lehre stattdessen als Erkenntnisweg, der auf Logik und Erfahrung basiert.
Tibetische Bildmeditation: Erklärung der Meditationspraxis, bei der religiöse Bilder visualisiert und anschließend zur Erkenntnis der Leerheit wieder aufgelöst werden.
Die Lehre Buddhas und das Bodhisattva-Ideal: Beleuchtung des Wandels vom individuellen Heilsweg des Hinayana zum Mahayana, in dem das Bodhisattva-Ideal der allumfassenden Liebe und Hilfe für alle Wesen im Vordergrund steht.
Der Zeitbegriff in Ost und West: Gegenüberstellung des linearen westlichen Zeitverständnisses und der zyklischen, gegenwartsorientierten Sichtweise des Ostens.
Buddhismus und das moderne Weltbild: Untersuchung der Kompatibilität buddhistischer Lehren mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren wachsende Attraktivität für junge Menschen im Westen.
Schlüsselwörter
Buddhismus, Dalai Lama, Tibet-Institut Rikon, Erkenntnislehre, Bodhisattva-Ideal, Nirvana, Bardo Thödöl, Meditation, Gewaltfreiheit, Selbstverantwortung, Interkultureller Dialog, Karma, Wiedergeburt, Ethik, Logik der Liebe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk primär?
Das Buch bietet eine fundierte Einführung in die Philosophie und Praxis des tibetischen Buddhismus, eingebettet in den Kontext der kulturellen Identität der Tibeter im Exil und des Dialogs zwischen östlicher Weisheitslehre und westlichem Denken.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Buch ab?
Die Schwerpunkte liegen auf buddhistischer Erkenntnistheorie, dem Totenkult bzw. dem Bardo-Zustand, der Rolle der Klöster als Kulturträger sowie der Anwendung buddhistischer Prinzipien wie Mitgefühl und Eigenverantwortung in modernen Lebensbereichen.
Was ist das primäre Ziel des Autors?
Das Ziel ist es, den Buddhismus als eine logisch nachvollziehbare, dogmenfreie Erkenntnislehre vorzustellen, die universelle Prinzipien der Liebe und Achtsamkeit bietet, welche über religiöse Grenzen hinweg verbindend wirken.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?
Der Autor verbindet phänomenologische Beobachtungen, religionswissenschaftliche Vergleiche und persönliche Reflexionen aus seiner langjährigen Praxis als Kurator und Dozent zu einem ganzheitlichen, erfahrungsbasierten Analyseansatz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben den philosophischen Grundlagen werden die Praxis der Meditation, die Relevanz des Bardo Thödöl und die ethische Praxis der Gewaltfreiheit sowie die Integration dieser Lehren im Alltag behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die wesentlichen Begriffe sind Erkenntnislehre, Mitgefühl, Selbstverantwortung, Bardo, Mahayana-Buddhismus, Interkulturalität und Weisheit.
Wie unterscheidet sich die im Buch beschriebene Praxis der Sexualaufklärung von gängigen Modellen?
Der Autor integriert als Berater buddhistische Werte wie Aufrichtigkeit und Verantwortung in die Aufklärungsarbeit mit Straßenkindern in Kathmandu, um Tabus zu brechen und Schutz vor Krankheit durch Verständnis zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt der Dalai Lama in der Argumentation des Autors?
Er fungiert als zentrale Integrationsfigur und leuchtendes Beispiel für die „Logik der Liebe“, deren Anwendung in einer globalisierten Welt der Autor als Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben der Kulturen betrachtet.
- Citation du texte
- Peter Grieder (Auteur), 2008, Östliche Weisheitslehren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119991