Die wirtschaftliche Lage deutscher Zeitungen hat sich seit dem Jahrtausendwechsel zusehends verschlechtert. Das Nachfrageverhalten nach Tageszeitungen ist rückläufig und Werbeumsätze sinken. Verantwortlich hierfür ist die Digitalisierung und ein geändertes Mediennutzungsverhalten, das zu strukturellen Veränderungen auf dem Werbe- und Lesermarkt führt.
Regionale Zeitungsverlage senken daher nicht nur ihre Kosten, sie suchen auch nach neuen Strategien, um ihre Umsätze zu stabilisieren und zu steigern. Neben verschiedenen Formen der Diversifikation, um das bestehende Leistungsprogramm auszuweiten, finden auch Diskussionen zu strategischen Allianzen und Outsourcing-Überlegungen ihre Berechtigung.
Vor diesem Hintergrund werden die Anforderungen an das Informationssystem von Zeitungsverlagen und somit an das Controlling immer größer. Ein rein operatives Controlling, welches nur finanzielle historische Daten liefert, wird dem führungsrelevanten Informationsbedarf des Managements nicht gerecht. Erst Informationen, die ein frühzeitiges Agieren auf Veränderungen des Marktes ermöglichen (hierzu zählen neben der rein finanziellen Perspektive auch Daten über die Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenbindung, Prozesslaufzeiten, etc.), führen zu einer kontrollierten strategischen Positionierung des Unternehmens und sichern den langfristigen Erfolg.
An der Kritik der Eindimensionalität finanzieller Kennzahlensysteme setzt das von Kaplan und Norton entwickelte Konzept der Balanced Scorecard (im folgenden kurz: BSC) an. In diesem Konzept wird die traditionelle Betrachtung finanzieller Kennzahlen um eine Kunden-, interne Prozess- sowie eine Lern- und Entwicklungsperspektive ergänzt und auf die verfolgte Unternehmensstrategie bezogen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Controlling
- 2.1 Ursprünge des Controlling
- 2.2 Grundlagen des Controlling
- 2.2.1 Funktion
- 2.2.2 Ziele
- 2.2.3 Instrumente
- 2.2.4 Operative und strategische Aufgabenfelder
- 2.3 Tendenzen der zukünftigen Entwicklung des Controlling
- 3. Die Balanced Scorecard als Controlling-Instrument
- 3.1 Leitidee und Grundintention
- 3.1.1 Überwindung des Strategie-Hindernis
- 3.1.2 Überwindung des Mitarbeiter-Hindernis
- 3.1.3 Überwindung des Ressourcen-Hindernis
- 3.1.4 Überwindung des Feedback-Hindernis
- 3.2 Strategische Voraussetzungen
- 3.2.1 Vision
- 3.2.2 Mission
- 3.2.3 Strategie
- 3.2.4 Strategieentwicklung mit der SWOT-Analyse
- 3.3 Die Architektur der klassischen Balanced Scorecard nach Kaplan und Norton
- 3.3.1 Strukturelemente
- 3.3.2 Perspektiven
- 3.3.3 Ursache-Wirkungs-Beziehungen
- 3.4 Die Rolle des Controlling
- 4. Die Balanced Scorecard als Controlling-Instrument regionaler Zeitungsverlage
- 4.1 Zum gegenwärtigen Stand regionaler Zeitungsverlage
- 4.1.1 Einordnung in die deutsche Zeitungslandschaft
- 4.1.2 Zur wirtschaftlichen Lage
- 4.2 Die Implementierung der Balanced Scorecard im Bereich regionaler Zeitungsverlage
- 4.2.1 Strategische Voraussetzungen
- 4.2.2 Lösungsansatz zur Architektur der Balanced Scorecard
- 4.2.3 Ursache-Wirkungs-Beziehungen
- 4.3 Betriebliche Akteure
- 4.3.1 Das Management
- 4.3.2 Das Controlling
- 4.3.3 Die Belegschaft
- 4.3.4 Der Betriebsrat
- 4.4 Integration in das Instrumentarium der Unternehmensführung
- 4.4.1 Zielvereinbarungssysteme
- 4.4.2 Anreizsysteme
- 4.4.3 Risikomanagement
- 4.5 Software-Unterstützung
- 4.5.1 Enterprise-Resource-Planning-Systeme
- 4.5.2 Data-Warehouse-Lösungen
- 4.5.3 Spezifische Balanced-Scorecard-Software
- 4.5.4 Spreadsheet-Lösungen
Häufig gestellte Fragen
Warum brauchen regionale Zeitungsverlage die Balanced Scorecard?
Angesichts sinkender Werbeumsätze und veränderter Mediennutzung reicht rein operatives Controlling nicht mehr aus; die BSC hilft, strategische Ziele wie Kundenbindung und digitale Transformation messbar zu machen.
Was sind die vier klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard?
Nach Kaplan und Norton sind dies die Finanzperspektive, die Kundenperspektive, die interne Prozessperspektive sowie die Lern- und Entwicklungsperspektive.
Welche strategischen Herausforderungen haben deutsche Zeitungen heute?
Dazu zählen die Digitalisierung, der Rückgang der Print-Abonnements, Outsourcing-Überlegungen und die Notwendigkeit, neue Erlösmodelle im Lesermarkt zu finden.
Wie wird die BSC in die Unternehmensführung integriert?
Durch die Verknüpfung mit Zielvereinbarungssystemen, Anreizsystemen für Mitarbeiter und dem Risikomanagement wird die Strategie im gesamten Verlag verankert.
Welche Rolle spielt der Betriebsrat bei der BSC-Einführung?
Die Arbeit beleuchtet den Betriebsrat als wichtigen betrieblichen Akteur, dessen Einbindung für die Akzeptanz von Kennzahlensystemen und Leistungsanreizen entscheidend ist.
Was ist eine SWOT-Analyse im Verlagswesen?
Sie dient der Strategieentwicklung durch die Analyse von Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) des Verlags.
- Arbeit zitieren
- Nils Oetjen (Autor:in), 2008, Die Balanced Scorecard als Controlling-Instrument regionaler Zeitungsverlage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120463