Diese schriftliche Arbeit setzt sich mit Peer-Tutoring im Kontext von hochschulischer Bildung auseinander. Bei der fachlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema leiten vor allem die Fragen nach den Auswirkungen von Peer-Tutoring auf das Lernen von Tutor*innen und Tutand*innen sowie die Verbindungen von Peer-Tutoring zu einzelnen Lerntheorien die Arbeit.
Um die zentralen Fragen dieses Berichtes beantworten zu können, setzt sich der erste Teil mit Peer-Learning auseinander. Hierfür wird zunächst eine grundlegende Begriffsbestimmung formuliert, um im Anschluss auf drei bekannte Lerntheorien genauer eingehen zu können. Es handelt sich dabei um die Theorie des Modelllernens, die Diffusionstheorie und den Partizipationsansatz.
Im zweiten Teil der Arbeit wird der Blick genauer auf die Form des Peer-Tutoring gelenkt. Auch an dieser Stelle wird zunächst eine Begriffsbestimmung als Grundlage formuliert, um daran anschließend auf Auswirkungen und Lerneffekte von Peer-Tutoring auf Tutor*innen und Tutand*innen eingehen zu können. Hierbei wird, neben möglichen Vorteilen und Rollenkonflikten, auch auf die zwei hochschuldidaktischen Formen von Tutorien, Erstsemestertutorium und Fachtutorium, eingegangen. Der dritte Teil beschäftigt sich mit einigen empirischen Forschungsarbeiten zum Thema Peer-Tutoring und fasst ihre zentralen Ergebnisse zusammen.
Auch an dieser Stelle liegt der Fokus der Studienbetrachtung auf der Beantwortung der Fragestellung für diese schriftliche Arbeit. Zum Abschluss dieses Berichtes wird in einem kurzen Fazit kritisch Stellung zur Beantwortung der leitenden Fragestellung genommen. Peer-Tutoring ist die wohl am häufigsten verbreitete Form von Peer-Learning und besonders im Kontext von hochschulischer Bildung bekannt. Ein Großteil der Hochschulen hat diese Form des Lernens bereits in den hochschuldidaktischen Alltag integriert. Somit bieten viele Hochschulen verschiedene Peer-Tutoring-Angebote, wie beispielsweise Erstsemestertutorien oder Fachtutorien, für die Studierenden an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Peer-Learning
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Hintergrundtheorien
2.2.1 Modelllernen
2.2.2 Diffusionstheorie
2.2.3 Partizipationsansatz
3. Peer-Tutoring
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Tutorien
3.3 Vorteile von Peer-Tutoring
3.4 Rollenkonflikt
4. Forschungen zu Peer-Tutoring
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Peer-Tutorings im Kontext der hochschulischen Bildung, beleuchtet theoretische Fundamente sowie praktische Herausforderungen und analysiert den aktuellen Forschungsstand hinsichtlich der Lerneffekte für alle beteiligten Akteure.
- Grundlagen des Peer-Learnings und zentrale Hintergrundtheorien.
- Differenzierung und Funktion verschiedener Arten von Tutorien.
- Analyse der Vorteile sowie potenzieller Rollenkonflikte für Studierende in der Tutorenrolle.
- Kritische Würdigung empirischer Studien zur Wirksamkeit von Peer-Tutoring-Programmen.
Auszug aus dem Buch
3.4 Rollenkonflikt
Tutor*innen im Kontext von hochschulischer Bildung sind oft Studierende aus dem gleichen Fachbereich, aber aus einem höheren Semester als die teilnehmenden Tutand*innen. Durch die höhere Semesterzahl wird ihnen eine etwas höhere fachliche Kompetenz zugesprochen, welche sie durch ihre Tätigkeit als Tutor*in vertiefen und an andere Studierende weitergeben können (vgl. Rohr; Ouden; Rottlaender 2016, S. 107). Gleichzeitig besteht trotz der Nähe durch den gleichen Status als Student*in ein geringer Hierarchieunterschied zwischen Tutor*innen und Tutand*innen. Die Nähe zueinander kann viele Vorteile, wie eine offene Lernatmosphäre (siehe Kap. 3.3) mit sich bringen, jedoch kann die Nähe in Verbindung mit dem Hierarchieunterschied auch zu möglichen Schwierigkeiten führen (vgl. Antosch-Bardohn; Beege; Primus 2016, S. 21). Die wohl größte Schwierigkeit ist der Rollenkonflikt, den Tutor*innen in der Durchführung des Tutoriums erleben. Der Rollenkonflikt besteht darin, dass die Tutor*innen einerseits selber noch Studierende und damit verbunden auch Kommiliton*innen der Tutand*innen sind. Andererseits treten sie ihm Rahmen des Tutoriums aber als lehrende Person auf. Diese Doppelrolle kann dazu führen, dass der*die Student*in in dem einen Moment mit den Kommiliton*innen gemeinsam Mittagspause macht und sich über Privates unterhält und im Anschluss daran als Tutor*in vor genau der gleichen Gruppe Studierenden steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Peer-Tutoring im Hochschulkontext ein, stellt die Zielsetzung der Arbeit dar und erläutert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2. Peer-Learning: Dieses Kapitel definiert den Begriff Peer-Learning grundlegend und erläutert mit Modelllernen, Diffusionstheorie und Partizipationsansatz drei wesentliche theoretische Säulen.
3. Peer-Tutoring: Hier wird das spezifische Format des Peer-Tutorings abgegrenzt, verschiedene Formen von Tutorien beschrieben sowie die Vorzüge und die typische Problematik des Rollenkonflikts für Studierende diskutiert.
4. Forschungen zu Peer-Tutoring: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den empirischen Forschungsstand zur Wirksamkeit von Peer-Tutoring und analysiert Erkenntnisse zu Lerneffekten bei Tutoren und Tutanden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Nutzen von Peer-Tutoring-Programmen kritisch im Hinblick auf deren Beitrag zur Lernförderung im universitären Alltag.
Schlüsselwörter
Peer-Tutoring, Peer-Learning, Hochschulbildung, Tutoren, Tutanden, Modelllernen, Partizipation, Rollenkonflikt, Lerneffekte, Wissensvermittlung, Tutorium, Lehr-Lern-Methodik, empirische Forschung, akademische Leistung, studentische Lehre.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung und Wirksamkeit von Peer-Tutoring als Lehr-Lern-Format innerhalb der universitären Bildung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen theoretische Begründungen des Peer-Learnings, die organisatorische Struktur von Tutorien, die Vorteile des Modells sowie die Herausforderungen, die sich aus der Doppelrolle der studentischen Tutoren ergeben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen von Peer-Tutoring auf das Lernen von Tutoren und Tutanden zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, welchen Beitrag diese Programme zur hochschulischen Lehre leisten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte wissenschaftliche Arbeit, die den aktuellen Kenntnisstand anhand einer Literaturanalyse bestehender empirischer Forschungen aufbereitet.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die detaillierte Darstellung des Peer-Tutorings inklusive seiner Vor- und Nachteile sowie eine Auswertung einschlägiger Studien zu dessen Effektivität.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Peer-Tutoring, Hochschuldidaktik, studentische Lehre, Rollenkonflikt und Wissensvermittlung charakterisieren.
Warum stellt die Doppelrolle der Tutoren eine besondere Schwierigkeit dar?
Die Schwierigkeit besteht in der Ambivalenz zwischen dem Status als Kommilitone auf Augenhöhe und der gleichzeitigen Rolle als lehrende Autorität, was den Aufbau einer klaren, authentischen tutorielle Rolle erschweren kann.
Welche Bedeutung kommt der Diffusionstheorie im Kontext von Peer-Tutoring zu?
Die Theorie erklärt, wie Wissen und Innovationen innerhalb sozialer Netzwerke, wie etwa in studentischen Gruppen, effektiv durch den Austausch unter Gleichgesinnten verbreitet werden können.
- Citar trabajo
- Johanna Elvers (Autor), 2022, Peer-Tutoring und Peer-Learning. Verbindung zum Modelllernen, dem Partizipationsansatz und zur Diffusionstheorie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1214504