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Diakonie in mittelalterlichen Beginengemeinschaften

Über eine frühe Form christlich motivierter Sozialer Arbeit und deren Wiederentdeckung in der Gegenwart

Título: Diakonie in mittelalterlichen Beginengemeinschaften

Tesis , 2006 , 73 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Master of Arts, Diplom-Diakoniewissenschaftler, Diplom-Religionspädagoge, Diplom-Sozialpädagoge Marco Schäfer (Autor)

Teología - Teología histórica, historia eclesiástica
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Es gab sie durchaus - Frauen im Mittelalter, die intellektuell reich gesegnet waren. Vor rund tausend Jahren mussten Frauen jedoch aus gesellschaftlichen Zwängen heiraten und Kinder gebären oder ein Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft führen. Im Beginentum entstand eine Alternative zu beiden bisher möglichen Lebensentwürfen. Unverheiratete Frauen schlossen sich in Gemeinschaften zusammen und führten ein weitgehend selbständiges Leben, das sie der Weitergabe von Wissen, besonders an Mädchen und Frauen, und vielfältigen diakonischen Aufgaben widmeten.

Im ersten Teil der arbeit wird erläutert, wie es zur Entstehung der Beginenbewegung in Deutschland und in vielen anderen Teilen Europas gekommen ist. Zu diesem Zweck stelle ich die vier wichtigsten Entstehungsvarianten aus der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur vor. Im zweiten Teil gehe ich auf die Tätigkeitsfelder der Beginengemeinschaften, vor allem auf den diakonischen Wirkungskreis, ein, um schließlich im dritten Teil darzustellen, welche Dimensionen das Wirken heutiger Beginen hat und was diese von den „alten“ Beginen unterscheidet.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. DIE BEGINENBEWEGUNG

1.0 Vorgeschichte und historischer Rahmen

1.0.1 Der Investiturstreit

1.0.2 Cluny – der Idealtyp eines „reichsfreien“ Klosters

1.0.3 Die Armutsbewegung des 12. und 13. Jahrhunderts

1.0.4 Das 4. Laterankonzil (1215)

1.1 Herkunft des Namens „Beginen“

1.1.1 Die drei Stifterthesen

1.1.1.1 Erste Stifterthese: Königin Beatrix von Böhmen

1.1.1.2 Zweite Stifterthese: Heilige Begga

1.1.1.3 Dritte Stifterthese: Lambert le Bégue

1.1.2 Zahlreiche andere Thesen

1.2 Entstehung der Beginenbewegung

1.2.1 Das Beginentum als Folge eines gesteigerten Interesses an monastischer Lebensform angesichts überfüllter Klöster

1.2.1.1 Die Zwitterstellung des Beginentums

1.2.2 Beginenhäuser als Versorgungsanstalten alleinstehender Frauen

1.2.3 Feministische Erklärungsansätze

1.2.4 Beginengemeinschaften als genossenschaftliche Organisationen der Selbsthilfe

1.2.5 Anmerkung zu den vier aufgezeigten Entstehungsvarianten

1.2.6 Die Überinterpretation des Beginentums durch die Unterlegung mit neuzeitlichem Gedankengut

2. DIE TÄTIGKEITEN DER BEGINEN

2.1 Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Beginen

2.2 Die Bildungsarbeit der Beginen

2.3 Krankenpflege und Sorge um Sterbende und Tote

2.3.1 Die Krankenpflege

2.3.2 Sorge um Sterbende und Dienste im Bereich Bestattung

2.4 Die Armenpflege

2.5 Das Wirken der Beginen als frühe Form christlich motivierter Sozialer Arbeit

3. DIE FINANZIELLE GRUNDLAGE DER BEGINENKONVENTE

3.1 Das Eigenvermögen der Bewohnerinnen

3.2 Das Einkommen aus eigener Tätigkeit

3.3 Die Konvente als Stiftungen

4. DIE LEBENSREGELN DER BEGINEN

4.1 Der Tagesablauf

4.2 Die Hierarchie

4.3 Das Gelübde

5. BEZIEHUNGEN DER BEGINEN ZU KIRCHLICHEN UND WELTLICHEN INSTITUTIONEN UND SOZIALEN GRUPPEN

5.1 Beziehungen zu Bischöfen und dem Pfarrklerus

5.2 Beziehungen zu Ordensgemeinschaften

5.3 Beziehungen zu Bürgerschaften und Stadträten

6. ZWEI BEISPIELHAFTE BEGINENVITEN

6.1 Maria von Oignies – Askese und Sorge um Arme und Kranke

6.2 Marguerite Porète – Autorin und Predigerin

7. DIE WIEDERENTDECKUNG DES BEGINENTUMS IN DER GEGENWART

7.1 Die Kölner Beginen

7.2 Weitere Beispiele: Beginen in Rostock, Thüringen und Tübingen

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht das historische Phänomen der Beginen als eine frühe, christlich motivierte Form der Sozialen Arbeit. Dabei wird analysiert, wie diese Frauengemeinschaften zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert sozioökonomische Nöte linderten und welche Parallelen sowie Unterschiede zu modernen Beginenbewegungen der Gegenwart bestehen.

  • Historischer Kontext der Beginenentstehung im Mittelalter
  • Die Beginen als frühe Akteurinnen christlicher Sozialarbeit
  • Strukturen und Finanzierung der Beginenkonvente
  • Beziehungen zu kirchlichen und weltlichen Institutionen
  • Vergleich zwischen mittelalterlichen Gemeinschaften und modernen Beginen-Wohnprojekten

Auszug aus dem Buch

1.0.1 Der Investiturstreit

Im 11. Jahrhundert war es nicht unüblich, dass ein Landesherr, der in finanziellen Nöten war, Bistümer, die sich in seinem Herrschaftsgebiet befanden, an den Meistbietenden versteigerte. Adelige hatten so die Möglichkeit, für Mitglieder ihrer Familien ein oder sogar mehrere Bischofswürden zu erwerben. Auch Prälaturen, Dekanate, Pfarreien und Klöster wurden zum Verkauf angeboten. Geistliche Würden verkamen so nicht selten zu wirtschaftlichen und politischen Gütern. Auch das Weitervererben von kirchlichen Ämtern und Gütern, die auf solche Weise erworben waren, an die Söhne der Geistlichen war keine Seltenheit.

Papst Leo IX. (Papst von 1048 bis 1054) widersetzte sich dem Zeitgeist und verurteilte Simonie (den Handel mit kirchlichen Ämtern) und Priesterehen aufs Schärfste. Damit löste er eine Bewegung aus, die sich für eine Erneuerung der Kirche und einen größeren Einfluss des Papsttums stark machte.

Humbert von Silva Candida verfasste ganz in diesem Sinne im Jahre 1058 die leidenschaftliche Kampfschrift Adversus Simoniacos. Er definierte diejenigen als Simonisten, die für ein geistliches Amt Geld nahmen oder ein solches mit ihrem Geld erwarben und verurteilte mit aller Härte die Praxis, dass Laien über die Besetzung kirchlicher Stellen mitbestimmten oder diese sogar eigenmächtig vergaben. Seine Forderung war eindeutig: die Kirche müsse von der Welt geschieden, von Macht und Einflussnahme der Laien befreit werden. Dabei befürwortete er eine eindeutige Subordination – kirchliche Gewalt müsse über weltlicher Gewalt stehen! Priester hätten sich ganz ihrer Braut, der ihr anvertrauten Gemeinde, zu widmen – eine Priesterehe sei deshalb in der Kirche Christi undenkbar!

Zusammenfassung der Kapitel

1. DIE BEGINENBEWEGUNG: Beleuchtet den historischen Kontext, die Entstehungstheorien und den Ursprung der Beginenbewegung.

2. DIE TÄTIGKEITEN DER BEGINEN: Analysiert die wirtschaftlichen und sozialen Aufgabenfelder, wie Krankenpflege, Bildung und Armenhilfe.

3. DIE FINANZIELLE GRUNDLAGE DER BEGINENKONVENTE: Untersucht die ökonomischen Säulen, bestehend aus Eigenvermögen, Erwerbseinkünften und Stiftungen.

4. DIE LEBENSREGELN DER BEGINEN: Beschreibt die tägliche Struktur, die hierarchische Ordnung und das Verständnis des Gelübdes innerhalb der Konvente.

5. BEZIEHUNGEN DER BEGINEN ZU KIRCHLICHEN UND WELTLICHEN INSTITUTIONEN UND SOZIALEN GRUPPEN: Diskutiert die ambivalente Stellung der Beginen zwischen päpstlichem Schutz und kirchlicher Verfolgung sowie die Kooperation mit Städten.

6. ZWEI BEISPIELHAFTE BEGINENVITEN: Veranschaulicht anhand von Maria von Oignies und Marguerite Porète die Vielfalt beginischer Lebensläufe.

7. DIE WIEDERENTDECKUNG DES BEGINENTUMS IN DER GEGENWART: Setzt das historische Beginentum in Beziehung zu modernen Frauenprojekten und bewertet deren Gemeinsamkeiten.

Schlüsselwörter

Beginen, Diakonie, Soziale Arbeit, Mittelalter, Beginenkonvente, Armenfürsorge, Stiftungen, Frauenbewegung, Beginenhof, Marguerite Porète, Maria von Oignies, Investiturstreit, Gemeinschaft, Bildung, Seelsorge

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte der Beginen im Mittelalter als eine frühe, eigenständige Form christlich motivierter Sozialer Arbeit und deren Rezeption in der Gegenwart.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen historische Rahmenbedingungen, sozioökonomische Grundlagen der Konvente, Tätigkeitsbereiche wie Krankenpflege und Bildung sowie die gesellschaftliche Position der Beginen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, das Wirken der Beginen historisch einzuordnen und aufzuzeigen, wie sie als frühe Form der Diakonie fungierten, während gleichzeitig ein Vergleich zu modernen Beginengemeinschaften gezogen wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine diakoniehistorische Untersuchung, die auf der Analyse von Fachliteratur, Stiftungsurkunden und biographischen Viten basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Tätigkeiten, Finanzierungsformen, Lebensregeln und die institutionellen Beziehungen der Beginen sowie die Betrachtung konkreter Lebensläufe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Beginen, Diakonie, Soziale Arbeit, Mittelalter, Armenfürsorge, Konvente und Frauenbewegung.

Wie unterschieden sich mittelalterliche Beginen von heutigen Gruppen?

Während der Fokus mittelalterlicher Beginen stark auf christlicher Spiritualität und diakonischem Wirken lag, betonen moderne Beginenhöfe stärker gesellschaftliche Emanzipation und Schutzräume für Frauen.

Inwiefern waren Beginen eine Form von „sozialer Feuerwehr“?

Der Autor bezeichnet sie so, da sie Aufgaben der sozialen Daseinsvorsorge übernahmen, die weder durch die Kirche noch durch staatliche Stellen in ausreichendem Maße abgedeckt wurden.

Final del extracto de 73 páginas  - subir

Detalles

Título
Diakonie in mittelalterlichen Beginengemeinschaften
Subtítulo
Über eine frühe Form christlich motivierter Sozialer Arbeit und deren Wiederentdeckung in der Gegenwart
Universidad
University of Heidelberg  (Diakoniewissenschaftliches Institut (DWI) der Theologischen Fakultät)
Curso
Diplom-Studiengang Diakoniewissenschaft
Calificación
1,3
Autor
Master of Arts, Diplom-Diakoniewissenschaftler, Diplom-Religionspädagoge, Diplom-Sozialpädagoge Marco Schäfer (Autor)
Año de publicación
2006
Páginas
73
No. de catálogo
V122621
ISBN (Ebook)
9783640279173
ISBN (Libro)
9783640283026
Idioma
Alemán
Etiqueta
Diakonie Beginengemeinschaften Diplom-Studiengang Diakoniewissenschaft
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Master of Arts, Diplom-Diakoniewissenschaftler, Diplom-Religionspädagoge, Diplom-Sozialpädagoge Marco Schäfer (Autor), 2006, Diakonie in mittelalterlichen Beginengemeinschaften, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122621
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