Laut einer einleitenden Übersicht des Statistischen Bundesamts über Freizeitgestaltung,
wenden die Deutschen im Durchschnitt 19 Stunden ihrer Freizeit für kulturelle Aktivitäten
auf. Das Fernsehen nimmt darin mit 13 Stunden die meiste Zeit in Anspruch.
Unbeachtet der Tatsache, dass das Fernsehen nicht unbedingt bildungsfördernd ist, bietet es
interessante Einblicke, wie sich Macht und Politik im und durch dieses kulturelle Medium
abzeichnen kann. In den 70er Jahren setzte man sich erstmals, basierend auf den britischen
Cultural Studies, näher mit Medienforschung auseinander. Heute gibt es hinreichend Studien
zu Analysen der Rezeptionsästhetik des Fernsehens, Zuschauerforschung und
Fernsehforschung im Allgemeinen. Im Folgenden soll ein Abriss der Cultural Studies
dargestellt werden, aus dem sich nach über 20 Jahren die Media Studies, als einer von vielen
Zweigen der Gegenstandsbereiche, entwickelte. Weiter soll ein Überblick über die
Fernsehforschung gegeben werden, der im Hinblick auf die Menge an Studien und Methoden
keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Es soll ersichtlich werden, wie sich
Cultural Studies auf den Alltag anwenden lassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Cultural Studies
II. Anfänge
III. Media Studies
IV. Fernsehforschung
V. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit bietet einen grundlegenden Abriss der Cultural Studies und ihrer Entwicklung hin zu den Media Studies sowie einen Überblick über die Fernsehforschung, um aufzuzeigen, wie kulturelle Studien auf den Alltag angewendet werden können.
- Entstehung und Grundkonzepte der britischen Cultural Studies
- Die Entwicklung der Media Studies und der Einfluss von Stuart Hall
- Kommunikation als kulturelle Praxis und der "ritual view"
- Fernsehforschung: Aneignung von Medieninhalten im Alltag
- Die Rolle von Macht, Vergnügen und hegemonialen Strukturen
Auszug aus dem Buch
III. Media Studies
Die wohl bekannteste Theorie der frühen Media Studies ist Stuart Halls Kodieren – Dekodieren – Modell: Auf den ersten Blick ähnelt es dem Laswell`schen Kommunikationsmodell von Sender-Medium-Botschaft-Empfänger, allerdings rückt es im Gegensatz zu diesem Basismodell, den kulturellen Prozess der Bedeutungsproduktion an allen Stationen von Kommunikation ins Zentrum und hinterfragt den Prozess zudem, was bei Basismodellen oft vergebens gesucht wird.
Schon James Carey indes erweiterte das etwas simple Modell von Laswell zu einer Sichtweise des transmission view, der er die Sichtweise des ritual view entgegenstellte. Während der transmission view die weit verbreitete Ansicht widerspiegelt, Kommunikation sei der Vorgang der Übermittlung oder Übertragung von Botschaften, wird Kommunikation beim ritual view als Kultur/Praxis gesehen, die auf Gemeinschaft und Identität beruht. Hier werden Rituale als Zeremonie übertragen, die auf diesem habituellen Weg, Menschen zusammenbringen. Kommunikation wird zum Prozess, durch den gemeinsame Kultur kreiert und transformiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, indem sie die Bedeutung des Fernsehens als kulturelles Medium im Alltag betont und den Aufbau der Arbeit erläutert.
I. Cultural Studies: Dieses Kapitel definiert die Cultural Studies als politisches Theorieprojekt, das Macht, Dominanz und Identität als zentralen Bestandteil des kulturellen Feldes analysiert.
II. Anfänge: Es werden die Ursprünge der Cultural Studies in den 50er Jahren und die Arbeit der Gründungsgeneration wie Stuart Hall und Raymond Williams beleuchtet.
III. Media Studies: Das Kapitel behandelt die Entwicklung der Media Studies mit Fokus auf das Kodieren-Dekodieren-Modell von Stuart Hall und den Wandel von Übermittlungsprozessen hin zu kulturellen Ritualen.
IV. Fernsehforschung: Hier wird untersucht, wie Fernsehen als soziales Ereignis und Instrument der Bedeutungsaushandlung im Alltag fungiert.
V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine kritische und selbstreflexive Fernsehkritik notwendig ist, um die komplexen gesellschaftlichen Zusammenhänge hinter scheinbar simplen Konsumgewohnheiten zu verstehen.
Schlüsselwörter
Cultural Studies, Media Studies, Fernsehen, Fernsehforschung, Machtverhältnisse, Hegemonie, Identität, Rezeption, Bedeutungsproduktion, Alltagswelt, Kodieren-Dekodieren, Stuart Hall, John Fiske, Populärkultur, Aneignung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Verortung der Cultural Studies und zeigt deren Anwendungsmöglichkeiten in der modernen Fernsehforschung und Medienanalyse auf.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Macht und Identität, die Bedeutung der Populärkultur sowie die Analyse, wie Zuschauer Medieninhalte in ihrem Alltag aktiv rezipieren und deuten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Abriss über die Cultural Studies zu geben und die Verschiebung von einem rein technischen Kommunikationsverständnis hin zu einem kulturtheoretischen Ansatz zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Literaturanalyse grundlegender kulturtheoretischer Texte und Ansätze, insbesondere die Verbindung von Diskursanalyse und sozialwissenschaftlichen Methoden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte der Cultural Studies, das Kodieren-Dekodieren-Modell von Hall, das Konzept der Fernsehaneignung sowie die Rezeption von John Fiske.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hegemonie, Bedeutungsaushandlung, kulturelle Praxis, Medienaneignung und das Wechselspiel zwischen Alltag und Medienkonsum.
Wie unterscheiden Cultural Studies die "Transmission" vom "Ritual View"?
Während der Transmission View Kommunikation als reine Übertragung von Botschaften begreift, sieht der Ritual View darin eine soziale Praxis, die Identität stiftet und Gemeinschaft herstellt.
Warum spielt die Kategorie "Macht" eine so große Rolle?
In den Cultural Studies ist Macht nicht lokalisierbar, sondern ein ständiger Aushandlungsprozess, der erst durch kulturelle Praktiken und Medien sichtbar wird.
Was kritisiert die Arbeit an traditioneller Fernsehkritik?
Sie kritisiert, dass traditionelle Kritiker oft von einer passiven Masse ausgehen und das widerständige Potenzial unterschätzen, das Fernsehen für verschiedene soziale Gruppen haben kann.
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- Elsa-Laura Horstkötter (Author), 2009, Cultural Studies und Media Studies, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126536