Die stockende und kurz vor dem Scheitern stehende Doha-Runde ist in mehrfacher Hinsicht ein schmerzlicher Rückschlag auf dem Weg zum Freihandel und mehr Wohlstand auf der ganzen Welt. Die Autorität der Welthandelsorganisation (WTO) als global anerkannte Institution für Handelsfragen steht auf dem Spiel. Ihr multilateraler Ansatz ist in Gefahr. Die möglichen ökonomischen und politischen Kosten eines Scheiterns der Welthandelsrunde sind immens. Die Ursachen sind unter anderem in einer dramatischen Verschiebung der weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse der vergangenen Jahre zu suchen. Diese „neue Geografie des Welthandels“ wirkt sich in ungeahnter Weise auf die Weltwirtschaft und nicht zuletzt auf die Welthandelsorganisation aus. Mit den Worten des diplomatische Altmeister Henry Kissinger: „Die Welt als Ganzes ist heute so sehr in Bewegung wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr.“1 Die Aufteilung zwischen dem reichen Norden und armen Süden hört auf zu existieren, weil die großen Staaten des Südens wirtschaftlich immer stärker werden. Sie emanzipieren sich vom bislang dominierenden Norden, und solidarisieren sich in bisher nicht gekannter Intensität.
Die wirtschaftlichen Aufsteiger im Süden beziehen eine Position der Stärke und wollen politische Mitbestimmung, ob im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen oder bei den Verhandlungen der WTO. Angeführt wird diese Bewegung von Brasilien, China und Indien. Auch die multinationalen Konzerne dürfen als Faktor in dieser neuen Geographie des Welthandels nicht unbeachtet gelassen werden. Die Trennungslinien verwischen, nicht nur zwischen Norden und Süden, sondern im globalen Ausmaß. Getragen wird dieser Vorgang von einer Globalisierungswelle, die übergreifende Chancen, aber auch globale Probleme in sich birgt.
Die Arbeit beschäftigt sich mit diesen neuen Mächte, den Reaktionen der Handelswelt und der Position der WTO in diesem bezug. Die Frage nach den Auswirkungen auf die WTO und ihren Zielen, soll mit Hilfe der theoretischen Grundlagen zum Freihandels, sowie aktueller Literatur zu den Verhandlungsrunden und zum Umfeld der WTO geklärt werden.
Gliederung
Einleitung
1 Grundlagen
1.1 Vom GATT zur WTO
1.2 Ziele und Aufgaben
1.3 Theorie
1.4 Wechselwirkung Globalisierung und Liberalisierung
2 Neue Größen im Welthandel
2.1 (Verlierer) Rolle der Entwicklungsstaaten
2.2 Die neuen Mächte
2.3 Faktor globale Unternehmen
3 Reaktionen und Wandel
3.1 Neuer Protektionismus
3.2 Die Verhandlungsrunden
3.3 Ausblick
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der verschobenen weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse auf die Welthandelsorganisation (WTO). Dabei wird analysiert, wie der Aufstieg neuer Mächte sowie der Einfluss transnationaler Unternehmen die traditionellen Verhandlungsstrukturen und das Ziel eines multilateralen Freihandels herausfordern.
- Die Veränderung der globalen Machtverhältnisse zwischen Industrie- und Schwellenländern.
- Die Rolle transnationaler Konzerne als Akteure in der neuen Geographie des Welthandels.
- Die Krise des multilateralen Ansatzes und das Scheitern der Doha-Runde.
- Die Gefahren des zunehmenden Protektionismus im Kontext der globalen Finanzkrise.
- Notwendige Reformansätze für die Handlungsfähigkeit der WTO.
Auszug aus dem Buch
2.3 Faktor globale Unternehmen
Im Zuge der Globalisierung wurden die Handelsschranken und Staatsmonopole beseitigt, die staatliche Regulierungen verringert. Hauptprofiteure dieser Handelsliberalisierung und Marktöffnungspolitik der WTO sind Konzerne, die weltweit komplexe Produktionsnetzwerke unterhalten. Diese Transnationale Konzerne, in der Forschung auch als strategische Kooperationsnetzwerke wirtschaftlicher Zusammenarbeit definiert, agieren weltweit und lenken die Weltwirtschaft.
Diese transnationalen Unternehmen üben ihre instrumentelle Macht vor allem über Lobbyingaktivitäten aus, die im Zuge der Globalisierung quantitativ und qualitativ expandiert haben. Vor allem die den Unternehmen zur Verfügung stehenden Ressourcen sichern einen Wettbewerbsvorteil gegenüber zivilgesellschaftlichen Akteuren. Entscheidend sind auch die sogenannten Expert Meetings bei den Verhandlungsrunden im Rahmen der WTO, in denen die abzuschließenden Verträge vorformuliert werden. An diesen Treffen nehmen offizielle Mitarbeiter von multinationalen Konzernen mit Experten-Status teil. Zudem sind solche Mitarbeiter oft Teil der nationalen Verhandlungsdelegationen etwa zum TRIPS- oder GATS-Vertrag. Multinationalen Konzerne werden also nicht zu Unrecht im politikwissenschaftlichen Diskurs als neue Machtzentren gehandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Krise der Doha-Runde und die Verschiebung der weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse, die die Autorität der WTO in Frage stellt.
1 Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung vom GATT zur WTO, die theoretischen Ansätze des Freihandels sowie den Zusammenhang zwischen Globalisierung und Liberalisierung.
2 Neue Größen im Welthandel: Hier werden die Rollen der Entwicklungsländer, der aufstrebenden Schwellenländer und der transnationale Konzerne als prägende Akteure in der modernen Weltwirtschaft analysiert.
3 Reaktionen und Wandel: Das Kapitel untersucht die zunehmenden protektionistischen Tendenzen und den schwierigen Verlauf der multilateralen Verhandlungsrunden.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Herausforderungen für die WTO zusammen und diskutiert notwendige institutionelle Reformen zur Sicherung der multilateralen Handelsordnung.
Schlüsselwörter
Welthandelsorganisation, WTO, Globalisierung, Liberalisierung, Freihandel, Schwellenländer, transnationale Konzerne, Protektionismus, Doha-Runde, Welthandel, multilaterale Verhandlungen, wirtschaftliche Machtverhältnisse, Handelshemmnisse, Governance, Weltwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der Welthandelsorganisation (WTO) in einer globalisierten Welt und den Auswirkungen verschobener wirtschaftlicher Machtverhältnisse auf ihre Funktionsfähigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Entstehung neuer regionaler Mächte wie China, Indien und Brasilien, die Rolle transnationaler Unternehmen sowie die Gefahren des Protektionismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Auswirkungen dieser neuen Geographie des Welthandels auf die Ziele der WTO zu analysieren und Wege aufzuzeigen, wie die Institution reformiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Handelsgrundlagen sowie auf eine Auswertung aktueller Fachliteratur zu den Verhandlungsrunden der WTO.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Grundlagen der WTO, identifiziert die Akteure des Wandels und untersucht die Reaktionen der Handelswelt, insbesondere den neuen Protektionismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Globalisierung, WTO, Freihandel, Schwellenländer und multilaterale Governance charakterisiert.
Inwiefern beeinflussen transnationale Konzerne die WTO?
Transnationale Konzerne nehmen durch Lobbying und die Teilnahme an Expert Meetings direkten Einfluss auf die Gestaltung internationaler Handelsverträge und Verträge zum geistigen Eigentum.
Was ist die Bedeutung der sogenannten G 20 für die WTO?
Die G 20 stellen als Zusammenschluss von Schwellen- und Entwicklungsländern einen gewichtigen Gegenpol zur Nord-Agenda dar und fordern erfolgreich eine stärkere Berücksichtigung ihrer Interessen.
Warum ist das Scheitern der Doha-Runde problematisch?
Das Stocken der Runde verstärkt protektionistische Tendenzen und fördert den Abschluss bilateraler Handelsverträge, was die multilaterale Handelsordnung langfristig schwächen kann.
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- Sebastian Woye (Autor), 2009, WTO im Wandel, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127332