Mit den Worten „Was jetzt ist, wird durch die Herrschaft des Wesens der modernen Technik geprägt“ (Heidegger 1957, 42.), läßt Heidegger die Technik als Technologie (Vgl. Heidegger 1977, 285.) erscheinen, als für die Moderne charakteristische Vollendung von Technik zur alleinigen Weise des Hervorbringens von zuhandenen Gegenständen zu einem uns fordernden Bestand. Technik sei endlich vollendete Metaphysik. Zu-nächst ist die Frage, die Transformation der Frage nach Technik, für Heidegger Voraussetzung moderner Technik. Denn jene Frage ermöglicht erst die Überführung des Seienden, d.h. des zuhanden Gegenständlichen, in einen Modus, den Heidegger Bestand herausfordernden Stellens nennt. Das Seiende wird herausgefordert, sich zu stellen, und zugleich ist der Mensch, als das in der Lichtung des Da stehende Seiende, in diesen Bestand gestellt. In Technologie als wesenhaft metaphysisch-vollendeter moderner Technik lösen sich mithin die Gegenstände als Gegenstände auf. Der Mensch hat nicht mehr irgendeine Beziehung innerhalb eines verweisend-vorhandenen Zeugganzen als herausforderndes Stellen, sondern steht selbst in dessen Bereich. Dieses thematisiert Heidegger mit dem Begriff des Gestells. (Vgl. Heidegger 1962, 23f.)
Inhaltsverzeichnis
I Punkt der Vollendung und Kehre
II Sein und Zeit und Sein
III Gelassene Heimkehr und Wüste
IV Heideggers Hand und τέχνη
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Technikphilosophie Martin Heideggers und analysiert den Zusammenhang zwischen der modernen Technik, der Seinsvergessenheit und der bei Heidegger zentralen Vorstellung einer möglichen „Kehre“. Ziel ist es, den Weg von der Fundamentalanalyse in „Sein und Zeit“ bis hin zur ontologischen Kritik der Technik als „Gestell“ nachzuvollziehen und die Rolle der poetischen Sprache sowie der Gelassenheit als Antwort auf die metaphysische Vollendung darzulegen.
- Die Transformation der Technik zur metaphysisch vollendeten Technologie (Gestell).
- Das Verhältnis von Seinsvergessenheit, Gefahr und der Möglichkeit der Kehre.
- Die hermeneutische Fundamentalanalyse des Daseins als notwendiger Ausgangspunkt.
- Die Rolle der Dichtung und Sprache bei Hölderlin als Zugang zur Seinswahrheit.
- Das Konzept der Gelassenheit als Antwort auf das fordernde Wesen der Technik.
Auszug aus dem Buch
I Punkt der Vollendung und Kehre
Da ich versuchen möchte, mich an Heideggers Sprache zu halten, werde ich mich in ihr versuchen, ganz im Sinne eines Hinweises Heideggers an seine Studenten: „Skifahren lernt man am Berg für den Berg.“ Laßt uns also denkend versuchen, Heideggers Wege der Technik und ihrer Möglichkeit einer Kehre mitzugehen. „Im folgenden fragen wir nach der Technik. „Das Fragen baut an einem Weg.“ Oder wie es Antonio Machado schon zwischen 1907 und 1917 formulierte: „Caminante, no hay camino, se hace camino al andar.” Vorab eine erste Wegskizze zur Technikphilosophie und Kehre Heideggers am Punkt ihrer Vollendung.
Mit den Worten „Was jetzt ist, wird durch die Herrschaft des Wesens der modernen Technik geprägt“, läßt Heidegger die Technik als Technologie erscheinen, als für die Moderne charakteristische Vollendung von Technik zur alleinigen Weise des Hervorbringens von zuhandenen Gegenständen zu einem uns fordernden Bestand. Technik sei endlich vollendete Metaphysik. Zunächst ist die Frage, die Transformation der Frage nach Technik, für Heidegger Voraussetzung moderner Technik. Denn jene Frage ermöglicht erst die Überführung des Seienden, d.h. des zuhanden Gegenständlichen, in einen Modus, den Heidegger Bestand herausfordernden Stellens nennt. Das Seiende wird herausgefordert, sich zu stellen, und zugleich ist der Mensch, als das in der Lichtung des Da stehende Seiende, in diesen Bestand gestellt. In Technologie als wesenhaft metaphysisch-vollendeter moderner Technik lösen sich mithin die Gegenstände als Gegenstände auf. Der Mensch hat nicht mehr irgendeine Beziehung innerhalb eines verweisend-vorhandenen Zeugganzen als herausforderndes Stellen, sondern steht selbst in dessen Bereich. Dieses thematisiert Heidegger mit dem Begriff des Gestells.
Zusammenfassung der Kapitel
I Punkt der Vollendung und Kehre: Dieses Kapitel führt in die Heideggersche Problematik der Technik als „Gestell“ ein, welches den Menschen und die Welt in einen Zustand der reinen Verfügbarkeit und Seinsvergessenheit versetzt.
II Sein und Zeit und Sein: Hier wird die Fundamentalanalyse aus „Sein und Zeit“ analysiert und erläutert, warum Heidegger dieses Werk als unzureichend für das Verständnis der Wahrheit des Seins betrachtete.
III Gelassene Heimkehr und Wüste: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung von Metaphern wie dem „Weg“ und der „Heimkunft“ (unter Rückgriff auf Hölderlin), um einen poetischen Zugang zur Seinsnähe aufzuzeigen.
IV Heideggers Hand und τέχνη: Das abschließende Kapitel diskutiert die Rettungsmöglichkeit durch die Kehre und das Konzept der „Gelassenheit“ als Antwort auf die technologische Herausforderung der Moderne.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Technikphilosophie, Gestell, Seinsvergessenheit, Kehre, Dasein, Fundamentalanalyse, Gelassenheit, Sein und Zeit, Metaphysik, Ontologie, Hölderlin, Sprache, Technik, Existenzialien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Technikphilosophie Martin Heideggers, insbesondere mit seiner Analyse der modernen Technik als „Gestell“ und der philosophischen Notwendigkeit einer „Kehre“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Wesen der modernen Technik, das Vergessen des Seins, die Rolle des Daseins und die Bedeutung der Sprache und Dichtung für ein tieferes Seinsverständnis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Heideggers Denkweg zur Technikphilosophie aufzuzeigen und zu klären, wie der Mensch der totalen Verfügbarkeit des Gestells durch eine Haltung der Gelassenheit begegnen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer phänomenologisch-hermeneutischen Vorgehensweise, die versucht, Heideggers eigene Gedankenführung in seinem Stil nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von „Sein und Zeit“, die Analyse der Rolle von Dichtung bei Hölderlin sowie die philosophische Reflexion über die „Kehre“ und die Technik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gestell, Kehre, Seinsvergessenheit, Dasein, Gelassenheit und Ontologie charakterisiert.
Inwiefern spielt der Humanismusbrief eine Rolle für die Argumentation?
Der Humanismusbrief dient als wichtige Quelle, um die Entwicklung von Heideggers Denken nach „Sein und Zeit“ und seine Abkehr von der dortigen Begrifflichkeit zu verstehen.
Warum wird der Begriff des „Gestells“ als Gefahr interpretiert?
Weil das Gestell den Menschen dazu verleitet, die Welt nur noch als einen „Bestand“ zu sehen, der herausgefordert und genutzt werden muss, wodurch das eigentliche Sein des Seienden verloren geht.
- Citation du texte
- Dr. phil. Robert Dennhardt (Auteur), 2001, Das verKehrte Gestell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140181