Vergleich der Opferszenen im „Engelhard“ Konrads von Würzburg und im „Armen Heinrich“ Hartmanns von Aue


Seminararbeit, 2009

9 Seiten, Note: 12 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Opferszenen
2.1. Das Aussatzmotiv: Strafe & Prüfung Gottes
2.2. Die gesellschaftliche Isolation
2.3 Der Entschluss zum Opfer

3. Der Opfertod

4. Die Heilung

5. „Amicus&Amelius-Legende“ vs. „Silvesterlegende“

6. Das Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Blut eines Menschen wird im Mittelalter, genau wie in der Bibel, von Gott beansprucht (1.Mose 9,5), denn „die Seele des Fleisches ist im Blut“, und „sein Blut, das ist seine Seele“ (3.Mose 17, 10-14).1

Die mittelalterlichen Aussatzgeschichten, in denen die Krankheit aufgrund des Blutes junger Kinder oder einer Jungfrau geheilt wird, können verschiedene Formen annehmen und somit auch zu unterschiedlichen Opferszenen führen.2 So auch in den beiden Opferszenen in Konrads von Würzburg „Engelhard“3 und in Hartmanns von Aue „Armer Heinrich“4.

Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Analyse der ungleichen Opferszenen, wobei das Hauptaugenmerk auf der unterschiedlichen Darstellungsweise der Krankheit liegt. Zusätzlich wird beschrieben woraus die Unterschiede beider Opferszenen hervorgehen. Der legendentypische Handlungsablauf bei Erkrankung durch Aussatz wird hierbei berücksichtigt:

1. Gott erwählt ein Individuum, das bedingt durch seinen Willen erkrankt und nur mit Hilfe seines Willens auch wieder geheilt werden kann.
2. Selbsteinsicht in sündhaftes Verhalten oder Anerkennung Gottes als höchste Instanz.
3. Suche der Erkrankten nach einer Heilungsmöglichkeit.
4. Das Symbol des Blutes dient als Symbol zur Heilung der Erkrankten durch Gott.5

Ferner wird auf das Aussatzmotiv in der Literatur des Mittelalters und den Folgen für die Betroffenen eingegangen. Die Verbindung zwischen der „Silvesterlegende“ und „Der arme Heinrich“ zum einen und der Geschichte „Amicus und Amelius“ und „Engelhard“ zum anderen wird abschließend im Hauptteil behandelt. In einem Fazit sollen die Resultate der vorliegenden Arbeit nochmals zusammengefasst und ausgewertet werden.

2. Entwicklung der Opferszenen

2.1. Das Aussatzmotiv: Strafe & Prüfung Gottes

Ausgangspunkt der Opferszenen ist sowohl bei Dietrich als auch bei Heinrich das Eintreten des Aussatzes.

Durch den Willen Gottes erkrankt der vorher angesehene, gebildete und wohlhabende Heinrich an Aussatz. Er sieht ein, er habe Gott nicht genügend geachtet (V. 394) und wie ein werlttôr (V. 396) gehandelt, der glaubt all sein Ansehen und Besitz ohne Gott erlangen zu können (V. 396-399). Heinrichs Sünde ist seine Selbstgerechtigkeit. Es geht in dieser Situation explizit um das menschliche Handeln Gott gegenüber.6

In Analogie zu Heinrichs Situation fügt Gott Dietrich am ganzen Körper große Leiden (V. 5163) zu. Dietrich und Engelhard fragen Gott nach dem Grund dieser Bestrafung (V. 5162-5374). Der Unterschied zu Heinrich liegt darin, dass der Leser nicht erfährt, warum ihm das schreckliche Leid widerfährt. Hierbei könnte die Vermutung angestellt werden, die Krankheit sei die Strafe Gottes dafür, dass Dietrich anstelle von Engelhard gegen Ritschier gekämpft hat. Die Figuren der mittelalterlichen Literatur können Gott jedoch nicht betrügen, da er allmächtig ist und „alle Herzen durchschaut“7. Deswegen könnte Gott auf einer moralisch-ethischen Ebene entschieden haben, den hasserfüllten und neidischen Ritschier auf Grund seines valschen muotes verlieren zu lassen und den tugendhaften Dietrich durch seine triuwe gewinnen zu lassen.8 „Dietrichs Aussatz ist [somit] nicht kausal mit seiner Hilfeleistung beim Gottesurteil verbunden.“9 Dietrich, der vil triuwebære, erduldet schuldlos sein Schicksal und in dieser Notsituation möchte Gott ihm helfen (V. 5430-5434). Demzufolge könnte man Dietrichs Krankheit nicht als Strafe von Gott betrachten, sondern als eine weitere, jedoch intensivere Freundschaftsprobe für Dietrich und Engelhard.

Folglich geht es einerseits um Heinrichs Krankheit als Gottesstrafe und andererseits um Dietrichs Krankheit als Prüfung Gottes hinsichtlich der Freundschaft.

[...]


1 http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=1831 (Stand: 22.09.09)

2 Vgl. Ruh, Kurt: Kleine Schriften. In Volker Mertens (Hg.): Dichtung des Hoch- und Spätmittelalters. Band I. Berlin, New York 1984, S. 24

3 Konrad von Würzburg: Engelhard, hg. v. Paul Gereke. Tübingen² 1963.

4 Hartmann von Aue: Der arme Heinrich, hg. v. Ursula Rautenberg. Stuttgart 2001.

5 Vgl. Haferlach, Torsten: Die Darstellung von Verletzungen und Krankheiten und ihrer Therapie in mittelalterlicher deutscher Literatur unter gattungsspezifischen Aspekten. Heidelberg 1991, S. 186/187

6 Vgl. Wolf, Jürgen: Einführung in das Werk Hartmanns von Aue. Darmstadt 2007, S. 111-113.

7 Vgl. Brandt, Rüdiger: Konrad von Würzburg. Kleinere Epische Werke. Berlin 2000, S. 139.

8 Vgl. Schnell, Rüdiger: Die „Wahrheit“ eines manipulierten Gottesurteils. Eine rechtsgeschichtliche Interpretation von Konrads von Würzburg Engelhard. In: Poetica. Zeitschrift für Sprach- und Literaturwissenschaft 16 (1984), S. 28-29.

9 Vgl. Oettli, Peter: Verschränkung und Steigerung. Zur Interpretation von Konrads von Würzbürg „Engelhard“. In: Zeitschrift für Deutsche Philologie 105 (1986), S. 64.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Opferszenen im „Engelhard“ Konrads von Würzburg und im „Armen Heinrich“ Hartmanns von Aue
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V143776
ISBN (eBook)
9783640529049
ISBN (Buch)
9783640529186
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Opferszenen, Konrads, Würzburg, Heinrich“, Hartmanns, Punkte
Arbeit zitieren
Roxana Buzila (Autor), 2009, Vergleich der Opferszenen im „Engelhard“ Konrads von Würzburg und im „Armen Heinrich“ Hartmanns von Aue, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143776

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