Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die Kirche der zentrale Lernort. In ihr können einerseits explizit Inhalte des christlichen Lebens vermittelt und aufgezeigt werden, andererseits aber auch Inhalte des Glaubens implizit entdeckt werden. In der Bachelorarbeit mit dem Titel "Kirchenraumpädagogik: außerschulisches Lernen am Beispiel der Kirche St. Konrad in Bad Niedernau" soll herausgefunden werden, inwieweit die Kirche St. Konrad im Rahmen außerschulischen Lernens im Religionsunterricht einen positiven Beitrag zum religiösen Lernen der SchülerInnen dienen kann.
Die Dynamik des Lernens in der heutigen Zeit ist ein zentrales Thema, das durch die aktuellen Ergebnisse der PISA-Studie erneut ins Rampenlicht gerückt ist. Die Herausforderung besteht darin, Bildung neu zu denken, SchülerInnen optimal zu fördern und sie auf die Anforderungen des Lebens vorzubereiten. Diese Problematik erstreckt sich auch auf den Religionsunterricht an Schulen. Obwohl Religion nicht in der PISA-Studie erfasst wurde, besteht dennoch Bedarf an Weiterentwicklung und Optimierung. Zum einen, weil Erkenntnisse über effektives Lernen auf alle Fächer angewandt werden können und zum anderen, weil die Ausgangsbedingungen im Religionsunterricht zunehmend schwieriger werden. So kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Lernenden eigene religiöse Erfahrungen mit in den Unterricht bringen. Dies lässt sich unter anderem auf die fehlende religiöse Erziehung zurückführen, welche immer öfter keine Rolle mehr für Eltern in der Erziehungsarbeit spielt. Mögliche Gründe für diese Entwicklung wiederum sind die Säkularisierung, die Skandale der Kirche und das breite Alternativangebot bei den ohnehin begrenzten zeitlichen Kapazitäten. Kurzum: Die Kirchenbänke bleiben immer öfter leer und die Aussicht auf neue, junge Menschen wird durch die fehlende religiöse Erziehung betrübt. Dennoch besteht weiterhin, trotz der Distanzierung einiger Menschen von der Kirche als Institution, eine Faszination für die Kirchengebäude. Sei es als persönlicher Rückzugsort oder zur Besichtigung der besonderen Gestaltung und Bauweise. In der folgenden wissenschaftlichen Arbeit wird eine Möglichkeit aufgezeigt, welche dieses Interesse zu nutzen weiß, um den Kirchenraum erfahrbar zu machen. Während die Anfänge des Ansatzes sich mit dem Interesse von Erwachsenen beschäftigt haben, wurde im späteren Verlauf ein Konzept für Kinder entwickelt. Dieses soll im Vordergrund der Arbeit stehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Außerschulisches Lernen
3 Kirchenraumpädagogik
3.1 Kirchenraumpädagogik oder Kirchenpädagogik?
3.2 Kirche als besonderer Raum
3.3 Entstehung und Entwicklung
3.4 Ziele der Kirchenraumpädagogik
3.5 Verortung im Bildungsplan der Grundschule
3.6 Didaktische Grundsätze
4 St. Konrad Kirche in Bad Niedernau
4.1 Zentrale Elemente der Baugeschichte
4.2 Innenraumgestaltung und deren theologische Deutung
5 Kirchenraumpädagogische Analyse der St. Konrad Kirche
5.1 Kirche St. Konrad als Ort des außerschulischen Lernens
5.2 Praxisideen für die drei ausgewählten Elemente (Taufstein, Ambo, Stuckreliefs)
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Potenzial der St. Konrad Kirche in Bad Niedernau im Rahmen der Kirchenraumpädagogik genutzt werden kann, um religiöses Lernen bei Grundschulkindern im außerschulischen Kontext zu fördern.
- Grundlagen und Didaktik der Kirchenraumpädagogik
- Geschichte und architektonische Besonderheiten der Kirche St. Konrad
- Analyse zentraler Ausstattungselemente (Taufstein, Ambo, Stuckreliefs)
- Verknüpfung der Erkenntnisse mit dem Bildungsplan der Grundschule
- Entwicklung von Praxisideen für den Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
3.2 Kirche als besonderer Raum
Im vorausgegangenen Abschnitt wurde die Wahl des Begriffes „Kirchenraumpädagogik“ erläutert, um den Fokus auf das Gebäude zu legen. Dennoch hebt sich die Kirche als sakraler Bau von anderen architektonischen Gebäuden ab. So bezeichnet M. Goecke-Seischab die Kirchen als „zu Stein […] gewordene Zeugnisse des christlichen Glaubens“, in der „theologische Einstellungen“ wiederzufinden sind. Diese Erkenntnisse sind für die Erschließung dieser Räumlichkeiten von Bedeutung. So unterschiedlich die Kirchen auch sind, die meisten unter ihnen teilen grundlegende Eigenschaften. Christliche Gotteshäuser sind traditionell nach Osten ausgerichtet, um auf die aufgehende Sonne zu verweisen. Theologisch begründen lässt sich dies durch die Worte Jesu „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht im Finstern wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12) weiter durch die erwartete Wiederkunft Christi als „der Sonne des Heils“ (Mt 24,27 & Offb 7,2). Räumlich führt der Weg durch das Hauptportal durch den Gang des Mittelschiffs auf den Altar (-raum) zu und nähert sich dadurch dem Zentrum des liturgischen Geschehens.
Der Weg vom Eingang hin zum Licht des Altars entspricht für viele Christen einem Symbol für deren Weg zu Gott. In der individuellen Wahrnehmung spielen persönliche Erfahrungen eine wesentliche Rolle, insbesondere im Kontext von Kirchenräumen. Veränderungen, Renovierungen oder Umgestaltungen von Kirchen können oft zu starken Emotionen wie Entsetzen und Unbehagen führen. Die Gestaltung der Räumlichkeiten, in denen Gebet, Predigt und Lobpreis stattfinden, scheint von entscheidender Bedeutung zu sein. Kirchenräume symbolisieren die Hoffnung, dass Gott den Menschen hier besonders nahe sein möchte. Dies schließt zwar nicht aus, dass Gott auch an anderen Orten präsent ist, verleiht jedoch den Räumen, die dem Gebet zu Gott und der Teilnahme am himmlischen Gottesdienst gewidmet sind, eine besondere Bedeutung. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Raum und dessen Wirkung über die Möglichkeiten des Erfahrbaren entscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Bedeutung des Kirchenraums als außerschulischen Lernort und begründet die Relevanz einer ganzheitlichen Erschließung vor dem Hintergrund aktueller didaktischer Ansätze.
2 Außerschulisches Lernen: Dieses Kapitel definiert außerschulisches Lernen als konstruktivistischen Prozess und erläutert dessen pädagogischen Stellenwert für die ganzheitliche Wissensaneignung.
3 Kirchenraumpädagogik: Es werden die theoretischen Grundlagen des Fachgebiets, seine didaktischen Prinzipien und die Ziele der Beheimatung und Alphabetisierung im religiösen Kontext dargelegt.
4 St. Konrad Kirche in Bad Niedernau: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Baumaßnahmen und erläutert die theologische Bedeutung der spezifischen Innenraumgestaltung der Kirche.
5 Kirchenraumpädagogische Analyse der St. Konrad Kirche: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf Taufstein, Ambo und Stuckreliefs sowie Entwicklung konkreter Vorschläge zur Einbindung in den Religionsgrundschulunterricht.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die St. Konrad Kirche vielfältige Anknüpfungspunkte bietet, die durch ein kirchenraumpädagogisches Konzept langfristig die religiöse Bildung bereichern können.
Schlüsselwörter
Kirchenraumpädagogik, Außerschulisches Lernen, Religionsunterricht, Grundschule, St. Konrad, Bad Niedernau, Taufstein, Ambo, Stuckreliefs, Sakraler Raum, Ganzheitliches Lernen, Kirchenpädagogik, Religiöse Bildung, Liturgie, Raumerschließung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Kirchengebäude als außerschulischer Lernort genutzt werden kann, um bei Grundschulkindern Verständnis für christliche Traditionen und Glaubensinhalte zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kirchenraumpädagogik als didaktischem Ansatz, der historischen und theologischen Einordnung der St. Konrad Kirche sowie der praktischen Anwendung im Religionsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein kirchenraumpädagogisches Konzept zu entwerfen, das die besonderen Merkmale der St. Konrad Kirche in Bad Niedernau integriert, um das religiöse Lernen für Grundschulkinder erfahrbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu kirchenpädagogischen Ansätzen mit einer fallorientierten, theologischen und kirchenraumpädagogischen Analyse der St. Konrad Kirche.
Welche Elemente der Kirche werden im Hauptteil besonders behandelt?
Im Fokus stehen das Taufbecken, der Ambo und die Stuckreliefs im Chorraum, da diese Elemente sowohl historische als auch hohe religionspädagogische Relevanz besitzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Kirchenraumpädagogik, ganzheitliche Erschließung, außerschulischer Lernort, religiöse Kompetenz und Sakraler Bau.
Warum spielt die Positionierung von Taufstein und Ambo eine Rolle für die pädagogische Arbeit?
Die Positionierung dieser „Prinzipalstücke“ verdeutlicht den Schülern die liturgische Struktur der Kirche und ermöglicht es, den Wandel der Kirche vom bloßen Gebäude hin zum Ort der Begegnung zu begreifen.
Welche Funktion erfüllen die Stuckreliefs in der St. Konrad Kirche?
Sie dienen nicht nur als schmückendes Element, sondern fungieren als kerygmatische Vermittler zentraler Glaubensinhalte, die biblische Ereignisse für Schüler visuell und emotional zugänglich machen.
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- Franziska Duffner (Autor), 2024, Kirchenraumpädagogik. Außerschulisches Lernen am Beispiel der Kirche St. Konrad in Bad Niedernau, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1472812