Deutschland mangelt es an Auszubildenden. Sowohl die Anzahl als auch der Anteil der unbesetzten Ausbildungsplätze haben sich von 2010 bis 2021 in etwa verdreifacht. Diese Entwicklung ist für die deutsche Wirtschaft bedrohlich, denn die berufliche Ausbildung ist eines der wichtigsten Mittel, um dem oft prognostizierten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. In Zukunft werden vor allem Fachkräfte auf mittlerem Niveau fehlen. Diese Arbeit widmet sich daher der Frage, wie die Attraktivität von Ausbildungen in Schule und Unterricht am Gymnasium erhöht werden kann. Dabei werden mittels einer Literaturanalyse sowohl Verbesserungspotenziale bestehender Maßnahmen als auch Ideen für neue Möglichkeiten aufgezeigt.
Dabei wird folgendermaßen vorgegangen: Das erste Kapitel zeigt auf, wie und warum die Nachfrage nach Ausbildungen in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Außerdem werden eine theoretische Struktur dargelegt sowie bisherige Maßnahmen zur Erweiterung des Berufswahlspektrums vorgestellt. Anschließend werden Verbesserungsmöglichkeiten sowie neue Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität von Berufsausbildungen in Schule und Unterricht am Gymnasium erarbeitet und diskutiert. Zuletzt folgt ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Hintergrund
2.1 Aktuelle Situation
2.2 Systematisierung
2.3 Bestehende Maßnahmen
2.3.1 Weitergabe von berufsbezogenen Informationen und Erfahrungen
2.3.2 Vermittlung berufsbezogener Normen und Wertorientierungen
2.3.3 Zuschreibungen, Vergleichsprozesse und Rollenmodelle
3. Ergebnisse
3.1 Weitergabe von berufsbezogenen Informationen und Erfahrungen
3.2 Vermittlung berufsbezogener Normen und Wertorientierungen
3.3 Zuschreibungen, Vergleichsprozesse und Rollenmodelle
4. Diskussion
4.1 Weitergabe von berufsbezogenen Informationen und Erfahrungen
4.2 Vermittlung berufsbezogener Normen und Wertorientierungen
4.3 Zuschreibungen, Vergleichsprozesse und Rollenmodelle
4.4 Allgemein
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, wie die Attraktivität von beruflichen Ausbildungen bei Schülern am Gymnasium gesteigert werden kann, um dem zunehmenden Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, durch welche Maßnahmen und schulische Ansätze das Interesse dieser speziellen Zielgruppe geweckt werden kann, die sich bisher vorwiegend für ein Studium entscheidet.
- Analyse der aktuellen Situation und Ursachen des Attraktivitätsverlustes beruflicher Bildung
- Strukturierung von Einflussfaktoren auf die Berufswahl basierend auf dem Modell von Richter
- Bewertung bestehender Maßnahmen der Berufsorientierung
- Entwicklung neuer Ansätze zur Stärkung nicht-akademischer Berufsfelder am Gymnasium
- Diskussion der Rolle von Eltern, Lehrkräften und Geschlechterrollen bei der Berufswahl
Auszug aus dem Buch
2.1 Aktuelle Situation
Seit einiger Zeit scheint die berufliche Ausbildung bei Jugendlichen mehr und mehr an Attraktivität zu verlieren (Clement, 2013; Tillmann et al., 2014). Auf den ersten Blick zeigt sich ein eindeutiges Bild: Seit 2008 geht die Zahl der Bewerbungen stetig zurück (Maaz et al., 2022). 2022 standen „422.000 gemeldete Bewerber … 546.000 Ausbildungsstellen … gegenüber. … Auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen kamen rechnerisch 80 gemeldete Bewerber“ (Bundesagentur für Arbeit [BA], 2022, S. 13). Das hat Folgen für die deutsche Wirtschaft: In vielen Branchen wird ein zunehmender Fachkräftemangel erwartet. So spricht bspw. Mischler (2017, S. 27) davon, dass „künftig nahezu alle Berufe des Handwerks mit Fachkräfteengpässen konfrontiert werden.“ Dasselbe gilt für die Pflegeberufe: Bis 2030 wird dort eine Lücke von etwa 600.000 Fachkräften erwartet. Als Hauptgrund gilt der Mangel an Auszubildenden (Görres, Stöver, Bomball & Adrian, 2015).
Bei genauerer Betrachtung ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild. So bleibt zunächst festzuhalten, dass der Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat (2010: 3,7%; 2021: 12,2%). Gleichzeitig konnte in diesen Jahren aber konstant etwa jeder achte Bewerber keinen Ausbildungsplatz finden (BIBB, 2022). In der Literatur wird diese Konstellation als Passungsproblem bezeichnet: Nachfrage und Angebot passen nicht zusammen (Matthes, Ulrich, Krekel & Walden, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Problematik des Fachkräftemangels in Deutschland und der sinkenden Attraktivität der beruflichen Ausbildung, insbesondere am Gymnasium.
2. Hintergrund: Theoretische Einordnung der Berufswahlforschung und Systematisierung der Einflussfaktoren auf die Berufswahl sowie Vorstellung bestehender Maßnahmen.
3. Ergebnisse: Erarbeitung von Verbesserungspotenzialen und neuen Maßnahmen für die drei sozialen Einflussmechanismen zur Attraktivitätssteigerung.
4. Diskussion: Kritische Reflexion der erarbeiteten Ergebnisse und der schulischen Möglichkeiten bezüglich der Steigerung der Attraktivität von Ausbildungen.
5. Fazit: Zusammenfassendes Resümee über die Notwendigkeit und praktische Umsetzungsmöglichkeiten, um das Image beruflicher Ausbildungen am Gymnasium zu stärken.
Schlüsselwörter
Berufsausbildung, Gymnasium, Fachkräftemangel, Berufsorientierung, Attraktivitätssteigerung, Literaturanalyse, duale Ausbildung, Ausbildungsnachfrage, Passungsproblem, Geschlechterklischees, Rollenmodelle, Elternarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Problem, dass sich immer weniger Abiturienten für eine berufliche Ausbildung entscheiden, und sucht nach Wegen, diese Attraktivität innerhalb der schulischen Bildung zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Analyse der Berufswahltheorien, die kritische Betrachtung bestehender Maßnahmen der Berufsorientierung an Gymnasien sowie die Einbeziehung gesellschaftlicher Faktoren wie elterliche Erwartungen und Rollenbilder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis einer Literaturanalyse Verbesserungspotenziale und neue Ansätze zu identifizieren, die Ausbildungen für Schüler am Gymnasium als attraktive Alternative zum Studium hervorheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender theoretischer Diskurse, Studien und Konzepte zur Berufsorientierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Systematisierung der Einflussfaktoren durch Richter, die Vorstellung bestehender Maßnahmen und die Herleitung neuer Handlungsmöglichkeiten für die schulische Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Berufsausbildung, Gymnasium, Attraktivitätssteigerung, soziale Einflussmechanismen, Berufsorientierung und Fachkräftemangel.
Warum wird speziell das Gymnasium als Handlungsfeld betrachtet?
Da immer mehr Jugendliche das Gymnasium besuchen und von dort eine sehr hohe Studierneigung ausgeht, besteht hier das größte Potenzial, die Gruppe der Ausbildungswilligen zu vergrößern.
Welche Rolle spielt die Einbeziehung der Eltern bei diesem Vorhaben?
Da Eltern den stärksten Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder ausüben, ist eine intensivere elterliche Einbindung in die Berufsorientierung entscheidend, um Vorurteile gegenüber Ausbildungsberufen abzubauen.
- Quote paper
- Jens Fröhlich (Author), 2023, Möglichkeiten zur Steigerung der Attraktivität von Berufsausbildungen in Schule und Unterricht am Gymnasium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1485055