Georg Kerchensteiner. Die Bedeutung seiner Ideen


Seminararbeit, 2008

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung – Wer war Kerschensteiner?

2. Vorstellung seiner Theorie
2.1 historische Vorgeschichte und Entwicklung seiner Theorien
2.2 Individuum und Gemeinschaft
2.3 konkrete Umsetzung

3. Kritik/ Resumee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung – Wer war Kerschensteiner?

„Das Wertvollste, was wir einem Schüler geben können, ist… nicht das Wissen, sondern eine gesunde Art des Wissenserwerbs und eine selbstständige Art des Handelns.“[1]

Dieses Zitat von ihm beschreibt Kerschensteiner und seine Ideen schon sehr deutlich. In dieser Hausarbeit möchte ich mich intensiver mit dem Mann beschäftigen, der auch der „Vater der Berufsschule“ genannt wird. Zuerst werde ich grob erklären, um wen es sich handelt, dann genauer auf seine Ideen, Theorien und Vorstellungen eingehen und abschließend ein paar seiner Kritiker zu Wort kommen lassen und ein kurzes Resumee ziehen. Georg Kerschensteiner wird am 29. 07. 1854 in München geboren. Seine eigene Schulzeit ist von strenger Aufsicht gekennzeichnet, die Vermittlung von Stoff findet hauptsächlich durch Lehrervortrag und anschließendes Auswendiglernen der Schüler statt.

Schon in jungen Jahren steht für ihn fest, dass das nicht der einzige Weg des Wissenserwerbs sein kann. Bereits als junger Lehrer wendet er unkonventionelle Unterrichtsmethoden an. Er will die Volks- und Fortbildungsschulen reformieren und die Schüler in ihrer Eigenart und Denkweise ansprechen.

Seine Kernaussage ist, dass die Stärken vieler Personen nicht in der Theorie sondern in der Praxis liegen. Die selbstständige Arbeit bezeichnet er als wichtigsten pädagogischen Moment der Schulbildung.[2] Er wendet sich gegen das „Hineinstopfen“ von Wissen in den Schüler. Seiner Meinung nach gibt es vier Begabungsrichtungen: die (fremd-)sprachliche, die mathematische, die physikalisch – technische und die praktisch – konstruktive. Er will die Berufsbildung mit der Menschenbildung verbinden. Allgemeine Menschenbildung soll mit der Erziehung zur Handarbeit verbunden werden, die harmonische Ausbildung aller Kräfte wird angestrebt.

Der Mensch ist nicht nur Individuum sondern gleichzeitig Gemeinschaftswesen und Staatsbürger mit sozialen Verflechtungen und Verpflichtungen. Die Schule soll nicht Stätte individuellen Ehrgeizes und theoretisch – intellektueller Einseitigkeit sein, sondern Stätte sozialer Hingabe und menschlicher Vielseitigkeit. Kerschensteiner gehört zu den Reformpädagogen, die den lehrerzentrierten Unterricht der Herbartianer ablehnen und einen Paradigmenwechsel anstreben. Die Berufsausbildung spielt bei ihm eine große Rolle, seiner Meinung nach schützt sie vor Anarchie und Chaos. Er ist der Begründer der Berufsschule und bedeutend sowohl für die Pädagogik als auch im besonderen Maße für die Berufspädagogik.

2. Vorstellung seiner Theorie

2.1 historische Vorgeschichte und Entwicklung seiner Theorien

Bevor ich näher auf Kerschensteiners Vorstellungen eingehe, möchte ich kurz die historische Ausgangslage vor und während seiner Zeit in Deutschland skizzieren. Bildung gab es nur für den Adel und das Bürgertum, die niederen Stände blieben zum größten Teil ungebildet, die Volksbildung wurde vernachlässigt. Auf dem Land gab es viele Arbeitslose. Diese waren gezwungen zu den Maschinen in die Großstädte zu ziehen, weil es dort im Gegensatz zu den Dörfern Arbeit gab. Das besitz- und bildungslose Proletariat entstand, da immer mehr Leute in die Städte kamen. Die Menschen mussten ihre Arbeitskraft zu sinkenden Preisen verkaufen. Die Schulen der damaligen Zeit waren „Lehrerschulen“, der Lehrer war der Mittelpunkt des Unterrichtes und beherrschte den Schüler. Dieser sollte möglichst passiv sein, den Stoff aufnehmen und sich einprägen. Seine Interessen spielten keine große Rolle. Es wurde keine Rücksicht auf seine Verfassung genommen.

Die Reformpädagogen, zu denen auch Kerschensteiner zählt, wollten zeitgemäßere Methoden sowie Stoffe und Einrichtungen erneuern. Der Mensch soll zu einer selbstständigen Persönlichkeit erzogen werden und so zu einem Glied der Gesellschaft werden. Im vergangenen Jahrhundert wurde die gewerbliche Erziehung vernachlässigt, die in der Fortbildungsschule vermittelten Inhalte hatten kaum mit dem Gewerbe des Schülers zu tun.

Auch die gewerblich ausgerichteten Schulen unterrichteten weit weg von der Praxis. Für die handwerkliche Ausbildung spielte der Betrieb die Hauptrolle. Was der junge Handwerker lernen sollte, erfuhr er im täglichen Umgang mit Meister und Gesellen.[3] Die Schule spielte dabei eine sehr untergeordnete Rolle, auf ihre Mithilfe verließ man sich kaum. Die Zünfte waren eine eigene Institution von Bildung und Erziehung, zwar lag das vor Kerschensteiners Zeit, aber es wirkte sich natürlich auf seine Zeit aus. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung.

Kerschensteiner sah den damaligen Zustand der Handwerkerausbildung kritisch. Das Handwerk befand sich damals insgesamt in einer Krise. Die Industrie wuchs, Handel und Verkehr wurde deutlich erleichtert. Das und eine immer raschere Zunahme der Bevölkerung führten zu einem starken Konkurrenzkampf und schließlich zum Niedergang des Handwerks. Die Auffassung der Meister zur Erziehungsaufgabe veränderte sich, der Zwang zur wirtschaftlichen Behauptung führte dazu, dass die ständische Zusammengehörigkeit und die Erziehungsverantwortung sanken. Der Meister sah im Lehrling eher eine Konkurrenz oder eine billige Arbeitskraft als ein Erziehungsobjekt. Allerdings stellt auch eine schlechte Berufsausbildung den Jugendlichen mitten in die konkrete Praxis.

Kerschensteiner will keine vollständige Änderung dieser Situation, sein Ziel ist es die Situation zu verbessern. Wichtig war ihm der hantierende Umgang mit den Dingen, die Verbindung von Nachdenken und konkreter Arbeitsaufgabe.[4] Berufsschule soll aber nicht nur eine Kopie der Berufspraxis sein. Die Praxis ist nicht die Lösung aller Probleme, denn ohne Theorie erreicht man laut Kerschensteiner nicht die geistige Beherrschung einer Tätigkeit. Ein Zusammenspiel von Theorie und Praxis ist also wichtig. Sie sollen einander durchdringen[5], denn Arbeit will nicht nur ausgeführt, sondern auch begriffen sein.[6]

Mit der Berufsausbildung soll also Schulunterricht verbunden werden. Durch diesen wird die berufliche Arbeit vertieft, erweitert und durchdacht. Im Zentrum des Unterrichts soll dabei der Beruf stehen. Ein wichtiges Erziehungsziel ist laut Kerschensteiner die Ausbildung von beruflicher Tüchtigkeit und Arbeitsfreudigkeit. Gewissenhaftigkeit, Fleiß, Beharrlichkeit, Selbstüberwindung, Hingabe an ein tätiges Leben – all das soll dem Schüler vermittelt werden. Außerdem soll körperliche Gesundheit und eine vernünftige Lebensführung entwickelt werden. Wie schon erwähnt steht bei alldem der Beruf im Mittelpunkt. Er ist Mittel um den Jugendlichen in der Volksschule eine Leistungsmotivation zu geben und er ist weiterhin Einordnungsinstrument in Gesellschaft und Staat.[7] Kerschensteiner trennt die Gesellschaft in praktisch und theoretisch veranlagte Individuen. Ersteren liegt demzufolge manuelle Arbeit besser, während die andere Gruppe sich mit geistiger Arbeit wohler fühlt. Diese These ist Fundament Kerschensteiners Bildungsvorstellung.[8]

[...]


[1] Vgl. Georg Kerschensteiners Arbeitsschule und die Arbeitslehre der Gegenwart, Köln und Wien, S. IX

[2] Vgl. Ebd. S. 56

[3] Vgl. Bildung und Berufsbildung, Ratingen, S. 15

[4] Vgl. Bildung und Berufsbildung, Ratingen, S. 16

[5] Vgl. Ebd. S. 17

[6] Vgl. Ebd. S. 32

[7] Vgl. Georg Kerschensteiners Arbeitsschule und die Arbeitslehre der Gegenwart, Köln und Wien, S. 77

[8] Vgl. Ebd. S. 77

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Georg Kerchensteiner. Die Bedeutung seiner Ideen
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Berufs- und Betriebspädagogik)
Veranstaltung
Lehren und Lernen in der Berufsausbildung
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V149342
ISBN (eBook)
9783640599646
ISBN (Buch)
9783640600045
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Georg, Kerchensteiner, Bedeutung, Ideen
Arbeit zitieren
Kristin Schulze (Autor), 2008, Georg Kerchensteiner. Die Bedeutung seiner Ideen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149342

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