In dieser Arbeit möchte ich die neurobiologischen Eigenheiten des Menschen, insbesondere sein Spiegelneuronensystem, in Bezug zum Lernen setzen. Wie kann man aus dem wie der Mensch biologisch gemacht ist, eine entsprechende Didaktik formen? Wir werden uns mit dem Aufbau und dem Prinzip der Neuronen, als auch des menschlichen Gehirns beschäftigen, und uns dadurch immer weiter dem Lernbegriff nähern. Wir erfahren, wie es Informationen aufnimmt und verarbeitet. Wie lernt der Mensch durch seinen Körper? Welche Aspekte des Lernens kann man speziell festmachen? [...]
Spiegelneurone wurden erst vor wenigen Jahren entdeckt (G. Rizolatti). Sie bilden ein verzweigtes Netz von Nervenzellen im Gehirn. Durch die Anwesenheit anderer Menschen bzw. deren Aktionen die wir sehen, lösen diese Nervenzellen spiegelbildlich die Gefühle und Körperzustände des Gegenübers in uns aus. Damit bilden Spiegelneurone die neurobiologische Grundlage für intuitives Wissen und Mitfühlen. Deshalb ist auch Lachen dermaßen ansteckend, dass wir uns kaum dagegen „wehren“ können. Aber auch negative Stimmungen werden gespiegelt [...]
Es zeigen sich enorme Konsequenzen für die Schule und das Alltagsleben bezüglich der SN. Zusehen, Zuhören und Lesen bedeutet: Lernen! Jetzt wird auch verständlich, warum in anderen Kulturen, manche Berufe erst nach 7-15 Jahren als erlernt gelten. Im Umkehrschluss soll aber eine Matheaufgabe in der Schule durch einmaliges an die Tafel schreiben als schülerfreundlich angesehen werden. Besonders Videoaufnahmen im (Sport)-Unterricht können so Lernerfolge erzielen. Weil SN mit Gefühlen verbunden sind, sollten Aufgaben in der Schule sich insofern stärker am Schüler orientieren, ergo, er liest das Buch, das ihm am meisten gefällt, nicht welches der Lehrer ihm vorschreibt zu lesen[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition
2.1 Aufbau der Spiegelneurone
3 Das Prinzip der Spiegelneuronen
3.1 Das Gehirn
3.1.1 Wahrnehmung
3.1.1.1 Intersubjektivität
3.1.1.2 Ontogenetische Entwicklung
3.1.1.2.1 Entwicklung des Spiegelneuronensystems
3.1.1.3 (Er)lernen von Identität
3.1.1.4 Der Mechanismus der SN
3.1.1.4.1 Der Sperrmechanismus
3.1.1.4.2 Zwei Feuermodi
3.1.1.4.3 Sinnbezogenheit
3.1.1.4.4 Einbettung der SN im neuronalen Kreislauf
3.1.1.5 Bedeutungsrelevanz für den Pädagogen
4 Lernen durch Spiegelneurone?
4.1 Definition von Lernen
4.2 Resonanzphänomenen in der menschlichen Ontogenese
4.2.1 Joint attention und (Aktions)-Verstehen
4.2.2 Imitation und soziales Lernen
4.3 Formen des Lernens durch SN
5 Bedeutung für die Schule
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die neurobiologischen Grundlagen des Lernens unter besonderer Berücksichtigung des Spiegelneuronensystems, um daraus Erkenntnisse für eine neurodidaktische Praxis abzuleiten.
- Neurobiologische Funktionsweise und Aufbau von Spiegelneuronen
- Zusammenhang zwischen Spiegelneuronen, Empathie und sozialer Identität
- Rolle von Imitation und Resonanzphänomenen in der Ontogenese
- Implikationen der Neurodidaktik für den schulischen Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1.1.4 Der Mechanismus der SN
Um den Lernvorgang beim Menschen besser zu verstehen, schauen wir uns den Vorgang zunächst aus der Mikroebene an. Das Entladen der SN bei Beobachtung, als auch Ausführung, erfordert eine exakte Angepasstheit visueller mit motorisch analogen Zellen. Dieser sogenannte direct matching mechanism sorgt dafür, dass fremde Handlungen mit eigenen verglichen werden. Dies passiert unmittelbar, wodurch ein symmetrisches Miterleben der Erlebnisse des Gegenübers ermöglicht wird. Dabei wird eine Verschiebung der intersubjektiven Perspektive attestiert (der ersten und dritten), die auch als Simulation beschrieben werden kann. Daraus folgert, dass alle Hirnareale wie ein großes Netz zusammenarbeiten. In Bezug zu den SN lässt sich feststellen, das auch Nerven mit multiplen Funktionen simultan arbeiten. Auf der Makroebene ist die sprachliche und Verstehensebene genauer zu betrachten. Hier kommt es zu einer Irritation, wenn es um gemeinsame Bedeutungen geht. Hier ist die Zielgerichtetheit der SN bezüglich der Motivationserkennung des Anderen von enormer Bedeutung. Sind diese SN aktiv, erkenne ich die Motivation des Anderen durch die eigens aktivierten motorischen Pendanten des Ziels und der anschließenden Wiederholung in mir. Es sind willenlos ablaufende, biochemische Prozesse im Gehirn, bei denen im Weiteren festgestellt wurde, dass die SN sogar dann feuern, wenn der Beobachtende das Ziel einer Handlung nicht sehen kann. Von daher leisten die SN ein sogenanntes Aktions-Verstehen. Man spricht hier auch von der neuronalen apperzeptiven Ergänzung der Sinnesdaten, d. h., das Nachvollziehen wird durch Hinzunahme eigenen motorischen Wissens möglich. Dieses Abstraktionssystem ist wie dafür gemacht, damit das Kind seine sich ständig verändernde Umwelt wahrnimmt und sich ihr anpassen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die neurobiologische Fragestellung und den Zusammenhang zum menschlichen Lernen.
2 Definition: Erläuterung der Entdeckung und Funktion von Spiegelneuronen als soziales Resonanzsystem.
3 Das Prinzip der Spiegelneuronen: Detaillierte Analyse des Gehirns, der neuronalen Mechanismen und deren Bedeutung für die Pädagogik.
4 Lernen durch Spiegelneurone?: Untersuchung von Lernprozessen, Resonanzphänomenen und der Rolle von Imitation in der Ontogenese.
5 Bedeutung für die Schule: Diskussion der Konsequenzen für den schulischen Alltag und die Rolle des Lehrenden.
6 Fazit: Zusammenfassende Forderungen für eine neurodidaktisch informierte Unterrichtsgestaltung.
Schlüsselwörter
Spiegelneurone, Neurodidaktik, Gehirn, Lernen, Intersubjektivität, Ontogenese, Imitation, Empathie, Aktions-Verstehen, Soziales Lernen, Pädagogik, Neuronale Kreisläufe, Wahrnehmung, Identität, direct matching mechanism.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den neurobiologischen Grundlagen des Menschen, insbesondere dem Spiegelneuronensystem, und deren Relevanz für Lernprozesse und Didaktik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Funktionsweise von Spiegelneuronen, die Entwicklung sozialer Identität, Prozesse des Imitationslernens sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse im pädagogischen Kontext der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aus den biologischen Gegebenheiten des menschlichen Gehirns Ansätze für eine entsprechende Didaktik abzuleiten, die das Lernen effizienter und schülergerechter gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die neurobiologische und psychologische Fachliteratur sowie Vorträge analysiert, um eine Brücke zur Pädagogik zu schlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Aufbau von Spiegelneuronen, Mechanismen wie den "direct matching mechanism", die Entwicklung der Intersubjektivität bei Kindern und die Formen des Lernens durch Nachahmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den Spiegelneuronen sind Begriffe wie Neurodidaktik, Intersubjektivität, Imitation und Empathie zentral für das Verständnis der Arbeit.
Warum ist der Sperrmechanismus der Spiegelneurone wichtig?
Er verhindert einen unkontrollierten Domino-Effekt bei unwillkürlichen Handlungen und sorgt dafür, dass die Feuerungsenergie nicht über ein kritisches Maß steigt, was fremdgesteuertes Handeln unterbindet.
Wie unterscheidet der Autor zwischen den zwei Feuermodi der Spiegelneuronen?
Es wird zwischen "strict congruent mirror neurons" (reagieren bei identischen visuellen und motorischen Mustern) und "broad congruent mirror neurons" (reagieren bei ähnlichen Handlungen) unterschieden.
Welche Rolle spielt der Lehrer laut Fazit?
Der Lehrer steht im Mittelpunkt, da er durch sein eigenes Verhalten (Übertragung) Lernfreude oder -blockaden beim Kind auslösen kann; er sollte den Lernstoff interessant und lebensnah vermitteln.
- Quote paper
- Manuel Berg (Author), 2010, Lernen durch Spiegelneurone, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151340