Thema der Hausarbeit ist die Frage, inwiefern man Iwein beim Erschlagen des Gegners Schuld auf sich geladen hat. Hierzu wird Forschungsliteratur verwendet und deren THesen am Text überprüft. Auch auf das Problem des Begriffs SChuld im höfischen Roman wird eingegangen. Primärtext: Hartmann von Aue: Iwein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellung der Sekundärliteratur
3 Grammatische Analyse der Verse 1056 und 1057
4 Untersuchung der Frage nach der Schuld Iweins am Beispiel der „Brunnenaventiure“ und des Terminversäumnisses
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob die Romanfigur Iwein im Werk von Hartmann von Aue schuldig wird, indem sie den Begriff der Schuld im Kontext der mittelalterlichen Literaturepoche und der zeitgenössischen Forschung kritisch analysiert.
- Analyse der „Brunnenaventiure“ im Hinblick auf ein mögliches Fehlverhalten Iweins.
- Untersuchung des Terminversäumnisses als objektive Schuld im Kontext mittelalterlicher Rechtsvorstellungen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur (insb. Fischer, Voss, Wapnewski).
- Grammatikalische Untersuchung zentraler Versstellen (Verse 1056 und 1057).
- Einordnung der Iwein-Figur in das religiöse Denken des Mittelalters (Augustinische Prädestinationslehre).
Auszug aus dem Buch
Untersuchung der Frage nach der Schuld Iweins am Beispiel der „Brunnenaventiure“ und des Terminversäumnisses.
Nachdem nun die grammatikalische Analyse des Verses 1056 beendet ist, werde ich nun selbst der Frage nach einer möglichen Schuld Iweins nachgehen. Hierzu werde ich die Brunnenaventiure, den Zweikampf Iweins gegen Ascalon und Iweins Terminversäumnis analysieren. Hierbei werde ich auch die oben beschriebene Sekundärliteratur berücksichtigen und ihre Thesen kritisch überprüfen.
Beginnen möchte ich mit der Brunnenaventiure. Wie bereits erläutert, wird hier eine mögliche Schuld Iweins vor allem in der Verfolgung Ascalons âhne zuht gesehen. Sie geht einher mit der Interpretation dieses Wortlauts als Attribut zu her Iwein. Somit würde Iwein in dieser Situation höchst negativ beschrieben. Andere Textstellen machen dies jedoch unwahrscheinlich. Zum einen beschreibt die Erzählinstanz Iwein als ein so hövesch man (Vers 1040). Dies geschieht während des Zweikampfes. Es scheint kaum möglich, dass ein so anerkennend beschriebener Mensch allein durch das Verfolgen eines Gegners, der sich dem Zweikampf mit ihm entziehen möchte, zu einem sittenlosen Mensch mutiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise an den Roman Hartmanns von Aue sowie die Nennung der wichtigsten Sekundärquellen.
2 Darstellung der Sekundärliteratur: Darstellung und Diskussion der Positionen von Wapnewski, Fischer und Voss bezüglich der „Brunnenaventiure“ und des Terminversäumnisses.
3 Grammatische Analyse der Verse 1056 und 1057: Untersuchung der grammatikalischen Funktion der Wendung „âhne zuht“ und deren Auswirkungen auf die moralische Interpretation des Verhaltens Iweins.
4 Untersuchung der Frage nach der Schuld Iweins am Beispiel der „Brunnenaventiure“ und des Terminversäumnisses: Eigene kritische Analyse der Schuldfrage unter Einbeziehung der Forschung und der augustinischen Prädestinationslehre.
5 Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse, das Iwein als „unverschuldeten Schuldigen“ einordnet und die Diskrepanz zwischen modernen und mittelalterlichen Moralvorstellungen hervorhebt.
Schlüsselwörter
Iwein, Hartmann von Aue, mittelalterlicher Artusroman, Schuld, Brunnenaventiure, Terminversäumnis, mittelalterliche Gesellschaft, ritterlicher Zweikampf, höfische Literatur, Prädestinationslehre, Augustinus, Literaturwissenschaft, Schuldhaftung, Erfolgshaftung, êre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die moralische Bewertung von Handlungen des Protagonisten Iwein im gleichnamigen Roman von Hartmann von Aue und hinterfragt den modernen Schuldbegriff in diesem literarischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die ritterliche Ehre, das Spannungsverhältnis zwischen häuslichen Pflichten und höfischem Leben sowie theologische Konzepte von Sünde und Prädestination im Mittelalter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob Iwein durch die Tötung Ascalons und sein späteres Terminversäumnis tatsächlich moralische Schuld auf sich lädt oder ob dies eine Fehlinterpretation aus heutiger Sicht ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine textimmanente Analyse in Verbindung mit einer kritischen Auseinandersetzung mit der gängigen Sekundärliteratur sowie eine philologische Untersuchung zentraler Textstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Forschungspositionen, eine grammatikalische Analyse spezifischer Verse und eine vertiefende Untersuchung der beiden zentralen Krisenmomente (Brunnenaventiure und Terminversäumnis).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Iwein, Schuld, höfische Gesellschaft, Brunnenaventiure, Terminversäumnis, ritterliche Konventionen und die Prädestinationslehre.
Wie bewertet der Autor die Interpretation der „Brunnenaventiure“ durch Wapnewski?
Der Autor lehnt die Interpretation von Wapnewski ab, da diese Iwein ein moralisches Fehlverhalten unterstellt, welches durch andere Textstellen, in denen Iwein positiv beschrieben wird, widerlegt werde.
Warum spielt die Prädestinationslehre nach Augustinus für die Analyse eine Rolle?
Die Lehre dient dem Autor als Schlüssel zum Verständnis, warum Iwein trotz seiner „objektiven Schuld“ und des Regelbruchs weiterhin als idealer Held dargestellt wird – Schuld ist hier eine menschliche Grundbedingung und kein Ausschlusskriterium für Tugend.
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- Jörn Possienke (Author), 2007, Die Frage nach der Schuld Iweins, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152267