Beeinträchtigungen und gesetzlicher Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen

Plus: Vergleich der Umwelthaftungsrichtlinie 2004/35/EG mit dem Umweltschadensgesetz


Studienarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Gentechnikrecht
1.1 Beschreibung möglicher Beeinträchtigungen der gentechnikfreien Landwirtschaft durch den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO)
1.2 Regelungen im neuen Gentechnikgesetz (GenTG) und im neuen Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) mit dem Ziel des Schutzes der gentechnikfreien Landwirtschaft

2. Das Haftungssystem der UH-RL 2004/35/EG und einschlägige Vorschriften des nationalen Rechts sowie deren Abweichungen zum Gemeinschaftsrecht

1. Gentechnikrecht

1.1 Beschreibung möglicher Beeinträchtigungen der gentechnikfreien Landwirtschaft durch den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO)

Die Agrogentechnik birgt fast ein Viertel Jahrhundert nach der erstmaligen Freisetzung von gentechnisch veränderten Laborpflanzen der Gattung Nicotiana (Tabak) in den USA und in Frankreich[1] nach wie vor bleibende Risiken, die gentechnikfreie Landwirtschaft zu gefährden. Anders als mit den Resistenzgenen bei Kulturpflanzen, wie z. B. Herbizid- oder Insektenresistenzen stehen jedoch für Nutztiere (noch) keine kommerziell interessanten Gene zur Verfügung, die in das Genom von Tieren transformiert werden könnten.[2] Die Risiken bestehen daher momentan durch die Bei- bzw. Vermischung von transgenen Pflanzenmaterialien der sog. „Grünen Gentechnik“[3] bei Lagerung und Transport z. B. über unzureichend gereinigte Gerätschaften, Verwechslungen und andere Einträge von gentechnisch veränderten Pflanzen, z. B. über Pollenflug oder Durchwuchs und anschließende Kreuzung bzw. Rekombination mit gentechnikfreien Kulturpflanzenbeständen oder Wildpflanzen.[4] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) spricht hierbei von Verwilderung sowie vertikalen und horizontalen Gentransfer.[5]

Diese langfristigen Folgen können nach dem Stand der Wissenschaft und Technik bis heute nicht sicher genug abgeschätzt werden[6]. In diesem Zusammenhang ist die grüne Gentechnik nicht nachhaltig im Sinne der Agenda 21 der UNO und damit des Umweltvölkerrechts, sondern ist mit dem Risiko der langfristigen Gefährdung der Verfügbarkeit von Naturressourcen für kommende und gegenwärtige Generationen behaftet (z. B. Fälle Monsanto ./. Schmeiser ./. Monsanto, Kanada[7] ). Kausalitäten mit veränderten Stoffwechselprodukten in der Nahrungskette als auch Störungen natürlicher Nahrungsketteneffekte im Ökosystem durch Toxizitäten, Resistenzbildungen und damit Artenverschiebungen[8] können herangezogen werden.

Darum ist es unverantwortlich das Gefährdungspotenzial, das von freigesetzten gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) ausgeht, damit abzutun, dass alles seine Risiken hat oder solche Prozesse und Effekte, wie z. B. Generosion, Allergene in Nahrungsmitteln und Resistenzbildungen schon immer in der landwirtschaftlichen Landnutzung vorgekommen seien[9]. Birnen lassen sich nun einmal nicht mit Äpfeln vergleichen. Gendrift transgener Pflanzen greift ungewollt ins Erbgut ein, kann diverse DNA modifizieren, schädigen und damit herkömmliche Arten und Sorten nicht nur über Flächenkonkurrenz verdrängen, indem die bestehenden Kreuzungsbarrieren zwischen den Pflanzenarten, ja sogar zwischen Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen und Viren[10] mittels gentechnischer Methoden durchbrochen worden sind. Bei GVP mit Insektizid- oder Fungizidresistenzen können schädliche bis toxische Wirkungen für Nicht-Ziel-Organismen[11] wie Nützlinge und Bodenorganismen, die sich von Pflanzenteilen ernähren, nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung nicht ausgeschlossen werden. Das kann herkömmliche Bodennutzungssysteme stark einschränken und im Extremfall, z. B. bei der Erzeugung von gentechnikfreiem Vermehrungssaatgut für den Folgeanbau sogar unmöglich machen – kontraproduktiv dem Ziel der Koexistenz im deutschen Gentechnikrecht.

Deutsches (wie auch europäisches Recht) unterscheidet bei der Risikobewertung zwischen Risiken für die Umwelt und wirtschaftlichen Risiken für die Landwirte[12], wobei das eine mit dem anderen naturgemäß zusammenhängt und umgekehrt.

Herbizidresistenzen können sich auf Unkräuter und -gräser übertragen und daher unwirksam werden. Herbizidresistentes Ausfallgetreide in der Folgefrucht kann mit dem Wirkstoff nicht bekämpft werden. Sollte eine Folgefrucht die gleiche Herbizidresistenz, z. B. gegen Glyphosat aufweisen, bleibt der Pflanzenschutzmitteleinsatz gegen den GVP-Durchwuchs unwirksam. Auskreuzungen zwischen Sorten mit unterschiedlichen Herbizidresistenzen, z. B. zwischen Rapssorten können Pflanzen mit mehreren Herbizidresistenzen ergeben, was eine erfolgreiche chemische Unkrautbekämpfungsstrategie im Verlaufe der weiteren Fruchtfolge kompliziert und irgendwann fast unmöglich macht.[13] Mit dem Anbau von GVP, wären also geänderte ackerbauliche Verfahren zu erwarten[14], die dann wiederum Einfluss auf die horizontalen und vertikalen Wechselbeziehungen in den Agroökosystemen bzw. Bodennutzungssystemen und darüber hinaus auf die anderen terrestrischen sowie aquatischen Ökosysteme der näheren und ferneren Anbauregionen klein- oder großräumiger Landschaften nehmen können. Das bedeutet vor allem die Agrobiodiversität als auch die Koexistenz von Agrobodennutzungssystemen unter integrierten, ökologischen oder konventionellen Bedingungen ohne gentechnisch veränderte Pflanzen können neben dem Anbau von GVP verunreinigt und gegen den Willen ohne Gentechnik wirtschaftender Bäuerinnen und Bauern verdrängt werden.

[...]


[1] UMWELTINSTITUT MÜNCHEN e. V. (o. J.): Die Natur als Experimentierfeld – Freisetzungen. -URL:

http://umweltinstitut.org/gentechnik/freisetzungsversuche/freisetzung-einfuhrung-und-ubersicht-178.html

[2] i-bio –INFORMATION BIOWISSENSCHAFTEN: Gentechnik bei Tieren: Der Stand der Dinge. -URL:

http://www.transgen.de/lebensmittel/tiere/649.doku.html (11.02.2009)

[3] Vgl. CZYBULKA, D. (2006): Landschafts-, Agrarumwelt- u. Gentechnikrecht. Uni Rostock. S. 31

[4] Vgl. CZYBULKA, D. (2006): Landschafts-, Agrarumwelt- u. Gentechnikrecht. Uni Rostock. S. 254, 255

[5] SACHVERSTÄNDIGENRAT FÜR UMWELTFRAGEN – SRU (2009): Gentechnik. –URL:

http://www.umweltrat.de/cln_118/DE/Themen/Gentechnik/gentechnik.html (18.05.2009)

[6] DIEPENBROCK, WULF; ELLMER, FRANK; LÈON, JENS (2005): Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanz-

enzüchtung. Verlag: Eugen Ulmer. Stuttgart. S. 323

[7] MYSPACE: Video: Percy Schmeiser über Gentechnik. –URL: http://vids.myspace.com/index.cfm?

fuseaction=vids.individual&videoid=100944178 (26.11.2009)

[8] Vgl. CZYBULKA, D. (2006): Landschafts-, Agrarumwelt- u. Gentechnikrecht. Uni Rostock. S. 254

[9] LEIBNITZ-GEMEINSCHAFT e.V. (Hrsg.), (2008): Neue Optionen für die Züchtung. In: Zwischenruf.

Keine Zukunft ohne Landwirtschaft. S. 15 (Broschüre)

[10] DIEPENBROCK, WULF; ELLMER, FRANK; LÈON, JENS (2005): Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanz-

enzüchtung. Verlag: Eugen Ulmer. Stuttgart. S. 321

[11] SACHVERSTÄNDIGENRAT FÜR UMWELTFRAGEN – SRU: Gentechnik. –URL:

http://www.umweltrat.de/cln_118/DE/Themen/Gentechnik/gentechnik.html (18.05.2009)

[12] BMELV: Koexistenz und Umweltrisiken. –URL: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/

Landwirtschaft/Pflanze/GrueneGentechnik/KoexistenzundUmweltrisiken.html?nn=309986 (o. J.)

[13] DIEPENBROCK, WULF; ELLMER, FRANK; LÈON, JENS (2005): Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanz-

enzüchtung. Verlag: Eugen Ulmer. Stuttgart. S. 325, 326

[14] SACHVERSTÄNDIGENRAT FÜR UMWELTFRAGEN – SRU (2009): Gentechnik. –URL:

http://www.umweltrat.de/cln_118/DE/Themen/Gentechnik/gentechnik.html (18.05.2009)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Beeinträchtigungen und gesetzlicher Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen
Untertitel
Plus: Vergleich der Umwelthaftungsrichtlinie 2004/35/EG mit dem Umweltschadensgesetz
Hochschule
Universität Rostock  (Juristische Fakultät)
Veranstaltung
Landwirtschafts-, Agrarumwelt- u. Gentechnikrecht
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V153321
ISBN (eBook)
9783640655045
ISBN (Buch)
9783640655014
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der erste Teil zur Beeinträchtigung durch GVP und zum gesetzlichen Schutz der Landwirtschaft ohne Gentechnik wurde recht umfassend und ausgiebig bearbeitet.
Schlagworte
Gentechnik, gentechnisch veränderte Organismen (GVO), gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP), Fall Monsanto./.Schmeiser in Kanada, Gentechnikgesetz, GenTG, BNatSchG, Resistenzen, Nicht-Ziel-Organismen, Gentechnikforschung, Generosion, Allergene, GVP-Durchwuchs, Kreuzung, Rekombination, transgenes Pflanzenmaterial, Gentransfer, Koexistenz, Herbizidresistenz, biologische Sicherheit, Freisetzung, GVO-Freisetzung, EU-FreisetzungsRL, UH-RL, USchadG
Arbeit zitieren
Gundula Klämt (Autor), 2009, Beeinträchtigungen und gesetzlicher Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153321

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