Didaktische Reflexion zu kreativen Bearbeitungsansätzen in Joseph von Eichendorffs "Das Marmorbild"


Seminararbeit, 2010

15 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1 Literaturgeschichtliche Kontextualisierung – Romantik als Epoche
II.2 Liebe, Freundschaft, Sinnlichkeit – Eine systematische Erarbeitung
der Figurenkonstellation
II.3 Die Adoleszenzproblematik in Joseph von Eichendorffs Das Marmorbild
II.4 Zusätzliche Impulse zu einer kreativen Auseinandersetzung und Anregungen zu „künstlerischen“ Gestaltungen
II.4.1 Kreatives Schreiben
II.4.2 Standbilder und Collagen
II.4.3 Die progressive Universalpoesie als Ausgangspunkt einer
interdisziplinären Erarbeitung: Bildende Kunst – Musik – Literatur
II.4.4 Vertonungen

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Da sagt Florio, zu Bianca gewendet: „Ich bin wie neugeboren, es ist mir, als würde noch alles gut werden, seit ich Euch wiedergefunden. Ich möchte niemals wieder scheiden, wenn Ihr es vergönnt.“ [...].[1]

Mit diesen Worten formuliert Eichendorff in seiner Erzählung Das Marmorbild den Ausgang des jugendlichen Protagonisten Florio aus einer unsteten Zeit der Sinn- und Identitätssuche, welche auch in der sich anschließenden didaktischen Analyse Berücksichtigung finden wird.

Der Fokus der folgenden Darstellung soll hierbei auf der Auslotung des Potentials des Werkes für kreative Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht liegen. Gerade kreative Erarbeitungsmethoden ermöglichen den Schülerinnen und Schülern einen großen Spielraum, um sich mit den Unterrichtsinhalten zu identifizieren und somit einen persönlichen Bezug zum Thema herzustellen. Außerdem trägt die kreative Erarbeitung des Lernstoffs nicht unerheblich zum Lernerfolg bei.

Durch Methoden, die die Schülerinnen und Schüler im Unterricht animieren, sich selbst einzubringen und den Unterricht mitzugestalten, wird dazu beigetragen, die intrinsische Motivation der Klasse zu fördern. Eine andauernde Lernmotivation korreliert hierbei mit einem erhöhten Lernerfolg.

Um möglichen Befremdlichkeitseffekten bezüglich der Sprache und der Thematik der Novelle entgegenzuwirken, wird vorweg eine literaturgeschichtliche Kontextualisierung der Erzählung in die Epoche der Romantik erfolgen. Um die Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie sind, soll zunächst ihr Alltagsverständnis von romantisch in die Erarbeitung eingebunden werden. In einem folgenden Arbeitsschritt gilt es, das Alltagsverständnis von romantisch gegenüber der literaturgeschichtlichen Epoche abzugrenzen. Nach der Erarbeitung und Sicherung eines Bündels von Merkmalen der Romantik als Literaturepoche wird in einem nächsten Arbeitsschritt dazu übergegangen werden, die Figurenkonstellation der Novelle zu untersuchen. Ein Hauptaugenmerk dabei wird auf den Protagonisten Florio gelegt werden, dessen Charakteristik sich nur in einem Wechselspiel mit den anderen Figuren erschließen lässt. Zunächst sollen seine Verbindungen zu Bianca und Venus und in einem Folgeschritt sein Verhältnis zu Fortunato und Donati eruiert werden. Gerade die Liebesbeziehungen des Protagonisten ermöglichen den Schülerinnen und Schülern einen persönlichen Bezug herzustellen und die Thematik der Novelle in ihre eigene Lebenswirklichkeit zu transferieren.

In einem weiteren Schritt soll ausgehend vom Protagonisten Florio in die Adoleszenzproblematik der Erzählung eingeführt werden. Seine Erfahrungen innerhalb des Marmorbildes sollen der Klasse als Ausgangspunkt dienen, um eigene Erfahrungen im Themengebiet Adoleszenz zu problematisieren.

Abschließend soll im Bezug auf Schlegels Forderung nach einer progressiven Universalpoesie das Potential einer interdisziplinären Erarbeitung des Marmorbildes ausgelotet werden. Hierbei wird ein Schwerpunkt auf die Bildenden Kunst und die Musik, insbesondere auf Vertonungen, zu setzen sein.

II. Hauptteil

II.1 Literaturgeschichtliche Kontextualisierung – Romantik als Epoche

Mit einem „Dinner zu zweit bei Kerzenlicht, mit Kuschelmusik, der Meeresbrandung im Mondlicht oder einem stimmungsvollen Sonnenuntergang“[2] seien nur einige Begrifflichkeiten genannt, die die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe in ihrem Alltagsverständnis mit der Begrifflichkeit der Romantik in Verbindung setzen könnten. Eine schon beinahe inflationäre Verwendung dieser zumeist positiven Konnotation des Begriffs romantisch findet sich in den Bereichen Fremdenverkehr, Gastronomie, Architektur und Mode. Es lässt sich eine Vielzahl von Hotels ausfindig machen, die unter der eigens eingerichteten Kategorie Romantikhotel buchbar sind. Der Urlaub in einem solchen Hotel kann durch die Zubuchung eines romantischen Candle Light Dinners oder eines romantischen Ausflugs versüßt werden.[3]

Auch wenn die Literaturepoche der Romantik nicht der Alltagsvorstellung eines Oberstufenschülers entspricht, kann diese an den Beginn einer Erarbeitung der Epoche gesetzt werden, indem man die Schülerinnen und Schüler dort abholt, wo sie sind. Die Sicherung des Alltagsverständnisses kann in Form einer Mind-Map an der Tafel oder einer Folie erfolgen. Im Unterrichtsgespräch lassen sich Themenfelder wie Fremdenverkehr oder Mode bilden, denen die Assoziationen zugeordnet werden können. Durch diesen assoziativen Einstieg in die Arbeit mit Eichendorffs Marmorbild wird der Klasse eine Anknüpfungsmöglichkeit an bereits vorhandenes Wissen zur Begrifflichkeit romantisch ermöglicht. Dieses Anknüpfen an Vorwissen kann die Motivation der folgenden Erarbeitung fördern.

Im Rahmen eines literaturgeschichtlichen Herangehens an die Erzählung muss dieses Vorwissen in der Folge durch zusätzliche Epochencharakteristika ergänzt und korrigiert werden. An dieser Stelle kann eine gemeinsame Annäherung an das Marmorbild dazu beitragen, erste Berührungsängste beim Lesen des Textes zu nehmen[4] und bereits vorhandenes Wissen zum Begriff Romantik in die Textarbeit zu integrieren. Die inhaltliche Dimension des Textes kann beispielsweise durch einen Lesetest abgeprüft werden. Ausgehend von diesem Test, der sowohl benotet als auch unbenotet den Inhalt sichern soll, müssen der Klasse unbekannte Zusammenhänge des Textes dargelegt werden. Hierzu zählt vor allem der mythologische Hintergrund, der durch die mannigfache Nennung der antiken Götter Venus, Diana, Neptun, Bacchus oder auch der Najaden und Sirenen in den Text Eingang findet. Die Erläuterung der in der Erzählung auftretenden Gottheiten kann zum Anlass genommen werden, um in einem Exkurs die antike Götterwelt zu thematisieren. Gerade im Hinblick darauf, dass auch in zahlreichen Lektüren der Oberstufe die antike Götterwelt Eingang findet, kann ein solcher Exkurs gerechtfertigt werden. Exemplarisch sei an dieser Stelle nur Goethes Iphigenie auf Tauris genannt, die zum literarischen Kanon der Kursstufe gehört.

In einem ersten detektivisch anmutenden Arbeitsauftrag würde die Klasse dazu angehalten, im Text nach den Charakteristika des Alltagsverständnisses von romantisch zu suchen, die nach der vorangegangenen Arbeitsphase durch die Mind-Map gesichert worden sind. Mithilfe von Textbelegen wäre die Klasse im Folgenden in der Lage, ihre Erkenntnisse im Plenum vorzutragen. Besonders großes Erkennungspotential wäre hierbei in den Bereichen Liebe[5] und Natur zu erwarten. Durch diesen Arbeitsauftrag würde den Schülerinnen und Schülern die Bedeutsamkeit ihres Alltagsverständnisses für die weitere Arbeit mit der Lektüre vermittelt. Auch durch das Erfolgserlebnis, das eigene Vorwissen in die Textarbeit integrieren zu können, wird die Motivation gefördert.

In einer sich daran anschließenden Erarbeitungsphase könnte der Arbeitsauftrag die Klasse dazu auffordern, Themenfelder im Marmorbild ausfindig zu machen, die gerade nicht mit dem als Mind-Map gesicherten Begriff von romantisch in Einklang zu bringen wären. Dieser, auch als Hausaufgabe zu bearbeitende Auftrag, kann zu Nennungen wie Mythologie, Phantasie oder gar Elementen aus der Epoche des Mittelalters führen. Daran anschließend wäre die Leitfrage zu erarbeiten, inwieweit gerade diese Bereiche für die Literaturepoche der Romantik spezifisch sind. Auch innerhalb der folgenden Erarbeitungsphasen soll stetig die Alltagsvorstellung der Schülerinnen und Schüler von Romantik ergänzt und korrigiert werden. Dies sollte als ein Prozess zu verstehen sein, der sich durch die gesamte Einheit zieht. Am Ende der Lerneinheit ist es sicherlich von Vorteil, wenn das zuvor vorhandene Alltagsverständnis abschließend mit den Ergebnissen der Einheit verglichen wird.

Mithilfe eines Verfassertextes eines Schulbuches oder eines selbst konzipierten Arbeitsblattes sollen sich die Schülerinnen und Schüler in einer Gruppenarbeit über die Literaturepoche der Romantik informieren. In einem Arbeitsauftrag könnten sie beispielsweise ein Plakat erstellen, auf dem zentrale Autoren und Werke sowie eine historische Einteilung der Epoche in Früh- Hoch- und Spätromantik vermerkt sind. Auch ein eigenständiges Recherchieren nach Inhalten, die auf einem Plakat präsentiert werden sollen, wäre an dieser Stelle denkbar. Die danach durch die Gruppen präsentierten Plakate werden im Klassenzimmer angebracht und dienen dazu, die Schülerinnen und Schüler dauerhaft mit den Ergebnissen ihrer Gruppenarbeit zu konfrontieren und damit eine größere Einprägsamkeit zu erzielen. Obwohl es sich hierbei um eine deduktiv dominierte Erarbeitungsphase handelt, soll durch das Erstellen von Plakaten und die sich anschließende Präsentation der Kleingruppen das Interesse am Thema aufrecht erhalten werden. Der Verfassertext soll ein Informationsbündel enthalten, das eine Visualisierung auf Plakaten ermöglicht. Gerne können die Verfassertexte durch eigene Recherchen ergänzt werden.

[...]


[1] Eichendorff, Joseph v.: Das Marmorbild. Das Schloß Dürade, Stuttgart 1976. S. 48.

[2] Neubauer, Martin: Literaturwissen für Schüler. Romantik, Stuttgart 2007. S. 5.

[3] Vgl. http://www.romantikhotels.com/ (25.05.2010).

[4] Es sei an dieser Stelle vorausgesetzt, dass sich die Schülerinnen und Schüler zuvor die gesamte Erzählung eigenständig erlesen haben und mit dem Inhalt vertraut sind.

[5] Hiermit sei vor allem die Liebe Florios zu Bianka und Venus zu verstehen.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Didaktische Reflexion zu kreativen Bearbeitungsansätzen in Joseph von Eichendorffs "Das Marmorbild"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
gut
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V154315
ISBN (eBook)
9783640670185
ISBN (Buch)
9783640670376
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Joseph von Eichendorff, Deutsch, Didaktik, Das Marmorbild
Arbeit zitieren
Florian Zink (Autor), 2010, Didaktische Reflexion zu kreativen Bearbeitungsansätzen in Joseph von Eichendorffs "Das Marmorbild", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154315

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