Schule soll auf das Leben vorbereiten – doch wie kann das gelingen, wenn Lernen fast ausschließlich im Klassenraum stattfindet? Außerschulische Lernorte bieten eine Möglichkeit, Unterricht lebendiger und praxisnäher zu gestalten. Doch welche Rolle spielen sie tatsächlich im Politik- und Wirtschaftsunterricht? Und wie bewerten Lehrkräfte ihren Nutzen?
Diese Arbeit untersucht die Perspektiven von Lehrkräften auf außerschulische Lernorte im hessischen Gymnasialunterricht. Durch qualitative Interviews mit Lehrkräften werden Einflussfaktoren, Herausforderungen und Erfolgsbedingungen für Exkursionen und außerschulische Lernangebote erfasst. Dabei wird deutlich: Außerschulische Lernorte haben das Potenzial, den Unterricht spannender und wirkungsvoller zu gestalten, doch organisatorische Hürden und fehlende institutionelle Unterstützung erschweren ihre Umsetzung.
Neben einer theoretischen Einordnung des Konzepts beleuchtet diese Arbeit, wie außerschulisches Lernen sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann und welche strukturellen Änderungen notwendig wären, um diese Form des Lernens stärker zu fördern.
Ein wertvoller Beitrag zur Debatte über moderne Didaktik, der zeigt, dass erfolgreiches Lernen nicht nur in der Schule, sondern auch außerhalb ihrer Mauern stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Außerschulischer Lernort
2.1.1 Kontextualisierung
2.1.2 Definition
2.2 Lernformen und Lernorte
2.3 Schematisierung außerschulischer Lernorte
2.4 Verankerung in der Hessischen Gesetzgebung
2.5 Bildungstheoretische Grundlagen
2.5.1 Empirische Forschung
2.5.2 Normative Forschung
2.5.3 Zusammenfassung
2.6 Implikationen von außerschulischen Lernorten auf Lernen
2.6.1 Allgemein
2.6.2 Im Politik & Wirtschaftsunterricht
2.7 Akteure von außerschulischen Lernens
3. Forschungsfrage
4. Methodik
4.1 Untersuchungsdesign und Vorgehen
4.2 Beschreibung des Ausgangsmaterials
4.3 Stichprobenbeschreibung
4.4 Interviewleitfaden
5. Ergebnisse
5.1 Kategorien
5.2 Kategoriensystem
6. Diskussion
6.1 Ziele und Ergebnisse dieser Arbeit
6.2 Beitrag der Ergebnisse zur Forschung
6.3 Grenzen der Arbeit und Ideen für zukünftige Forschung
6.4 Praktische Implikationen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Perspektive von Lehrkräften an Gymnasien im Land Hessen auf die Nutzung außerschulischer Lernorte im Politik- und Wirtschaftsunterricht (PoWi) zu beleuchten und Faktoren zu identifizieren, die deren Durchführung beeinflussen.
- Bedeutung der Lehrperson für den Erfolg außerschulischen Lernens
- Notwendigkeit einer intensiven Vor- und Nachbereitung
- Strukturelle Rahmenbedingungen (Orga-Aufwand, rechtliche Aspekte)
- Einfluss der subjektiven Einstellung der Lehrkräfte
- Integration außerschulischer Lernorte in den Unterrichtsverlauf
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Definition
Was ist ein außerschulischer Lernort? Aus dem Begriff selbst ist abzuleiten, dass es sich um einen Lernort handelt, der sich außerhalb der Schule befindet. Jedoch ist es lohnend, das Begriffspaar zunächst einzeln zu betrachten. Nach einer frühen bildungsbezogenen Definition des Wortes „Lernort“ ist unter einem „Lernort eine im Rahmen des öffentlichen Bildungswesens anerkannte Einrichtung zu verstehen, die Lernangebote organisiert“ (Deutsche Bildungskommission, 1977, S. 171). Diese enge Definition sieht Lernorte nur dann vorliegen, wenn sie ausschließlich auf den Zweck des formellen Lernens ausgerichtet sind. Weite Definitionen gehen darüber hinaus. Schmid und Klenk (2018) beschreiben den Lernort als „Ort, an dem der Lernprozess stattfindet“ (Schmid & Klenk, 2018, o. S.). In anderen Quellen sind unter dem Begriff „[…] alle Orte zu verstehen, die Lernprozesse anregen, ergänzen oder abrunden können“ (Marquard, 2006, S. 12).
Zur Definition des Begriffs „außerschulisch“ ist zu klären, was unter einer „Schule“ bzw. „schulisch“ verstanden wird. Der Duden definiert den Begriff „Schule“ als „Lehranstalt, in der Kindern und Jugendlichen durch planmäßigen Unterricht Wissen und Bildung vermittelt werden“ (Dudenredaktion, 2024a, o. S.) und als Synonym für den Begriff „Schulgebäude“ (Dudenredaktion, 2024a, o. S.). Das Brockhaus Lexikon fasst diese beiden Definitionen zusammen, indem von Schule als die „Bezeichnung für die institutionalisierten Formen des Unterrichts samt der Gebäude, in denen er stattfindet.“ (Brockhaus Enzyklopädie Online, 2024, o. S.) An dieser Stelle wird darauf verzichtet, auf weitere Bedeutungen von Schule in anderen Kontexten einzugehen.1
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese expliziert das Paradoxon von Schule als in der Außenwelt abgeschotteter Lernraum und begründet die Notwendigkeit außerschulischer Lernorte.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden Definitionen sowie Forschungsstände zu außerschulischen Lernorten, didaktische Modelle und deren bildungstheoretische Verankerung erläutert.
3. Forschungsfrage: Dieses Kapitel leitet die Forschungsfrage aus der identifizierten Empirielücke ab und definiert die zentralen Begrifflichkeiten.
4. Methodik: Es wird das qualitative Untersuchungsdesign inklusive der Stichprobenbeschreibung und der Durchführung der Experteninterviews dargelegt.
5. Ergebnisse: Die induktive Inhaltsanalyse nach Mayring wird hier präsentiert und in acht thematische Kategorien unterteilt.
6. Diskussion: Die Forschungsergebnisse werden kritisch reflektiert, auf Basis der Eingangsprämissen bewertet und in einen forschungspraktischen Kontext gesetzt.
7. Fazit: Eine abschließende Zusammenfassung betont die positive Einstellung der Lehrkräfte und identifiziert den Organisationsaufwand als wesentliches Hindernis für außerschulische Lernorte.
Schlüsselwörter
Außerschulische Lernorte, Politik- und Wirtschaftsunterricht, Lehrkräfteperspektive, Qualitative Inhaltsanalyse, Gelingensbedingungen, Bildungstheorie, Unterrichtsqualität, Organisationsaufwand, Exkursionen, Mündigkeit, Handlungsorientierung, Gymnasien, Hessen, Lehrerbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Nutzung außerschulischer Lernorte durch Lehrkräfte im Politik- und Wirtschaftsunterricht an hessischen Gymnasien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Gelingensbedingungen außerschulischen Lernens, die Einstellungen der Lehrkräfte, die didaktische Einbettung in den Unterricht sowie organisatorische Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Welche Faktoren beeinflussen die Durchführung außerschulischer Lernorte aus Lehrkräfteperspektive am Beispiel des Fachs ‚Politik und Wirtschaft‘ im Land Hessen?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign mit induktiver Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung von Experteninterviews mit fünf Lehrkräften angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung des Themas, eine methodische Herleitung und die Darstellung sowie Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Außerschulische Lernorte, Lehrkräfteperspektive, PoWi-Unterricht, Gelingensbedingungen und qualitative Inhaltsanalyse.
Wie stehen Lehrkräfte nach den Ergebnissen zu außerschulischen Lernorten?
Lehrkräfte stehen außerschulischen Lernorten grundsätzlich sehr positiv gegenüber, sehen jedoch den hohen organisatorischen Aufwand als wesentliche Hürde.
Welche Rolle spielt die Einbettung in den Unterricht?
Die Ergebnisse zeigen, dass außerschulische Lernorte nur dann erfolgreich sind, wenn sie didaktisch in ein Gesamtkonzept integriert sind und eine intensive Vor- und Nachbereitung erfahren.
- Citar trabajo
- Moritz Bischof (Autor), 2024, Außerschulische Lernorte im Politik- und Wirtschaftsunterricht aus der Perspektive von Lehrkräften an Gymnasien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1561990