Gegenstand der vorliegenden Masterthesis ist die Untersuchung der Möglichkeit zur Bestimmung des inneren Werts einer Aktie mittels eines vereinfachten Bewertungsmodells, das auf öffentlich verfügbaren Informationen basiert. Die Relevanz zur Schaffung eines neuen Modells liegt in der Tatsache, dass die derzeit bestehenden Modelle entweder nur durch komplizierte Verfahren und durch den Zugang zu nicht-öffentlichen Insiderinformationen realisierbar sind oder aber zu einfach gehalten sind und zu wenig Faktoren berücksichtigen, um den inneren Aktienwert realistisch einzuschätzen.
Das entwickelte Modell gründet auf etablierten Ansätzen der Geschäftsmodell- und Branchenanalyse. Das Business Model Canvas liefert einen strukturierten Überblick über das Geschäftsmodell, während die Branchenstrukturanalyse nach Porter dabei hilft, die Wettbewerbssituation zu erfassen. Daraufhin erfolgt ein Vergleich mit Vergleichsunternehmen, bei dem insbesondere das Trailing-KGV und diverse Bilanzkennzahlen herangezogen werden, um eine erste Einschätzung zur Bewertung des zu analysierenden Unternehmens zu erlangen. Abschließend werden konjunkturelle Einflüsse berücksichtigt, um jene Marktrisiken und -chancen zu reflektieren, die vom Aktienmarkt möglicherweise noch nicht vollständig eingepreist sind.
Methodisch konzentriert sich die Arbeit auf eine Sekundärforschung, in der öffentlich verfügbare Unternehmensdaten, Branchenstatistiken und makroökonomische Indikatoren qualitativ ausgewertet werden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wird ein eigens entwickeltes Bewertungsmodell abgeleitet, bei dem ein angepasstes Trailing-KGV (postafKGV) als Schlüsselfaktor fungiert. Dazu wird das Trailing-KGV mithilfe zweier Adjustierungsfaktoren (α für bilanzielle Korrekturen und β für die konjunkturelle Einschätzungen) multipliziert, um ein angepasstes Trailing-KGV zu erhalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit
1.2 Methodische Vorgehensweise
2 Grundzüge der Aktienbewertung
2.1 Definitorische Einordnung Kapitalmarkt
2.2 Definitorische Einordnung Aktie
2.3 Aktienbewertung und Innerer Aktienwert
2.4 Definitorische Einordnung Fundamentalanalyse
2.5 Verschiedene Modelle zur Aktienbewertung
2.5.1 Cashflowmodelle
2.5.2 Wertschöpfungsmodelle
2.5.3 Multiplikatoren
2.5.4 Realoptionen
2.6 Identifizierung der Forschungslücke
2.6.1 Kritik der Cashflowmodelle
2.6.2 Kritik der Wertschöpfungsmodelle
2.6.3 Kritik der Multiplikatorenmodelle
2.6.4 Kritik der Realoptionsmodelle
2.6.5 Zusammenfassung
3 Entwicklung des Modells
3.1 Grundlegender Aufbau des Modells
3.2 Analyse des Geschäftsmodells
3.2.1 Theoretische Erläuterung der Vorgehensweise
3.2.2 Anwendung auf die Volkswagen AG
3.3 Analyse der Branche
3.3.1 Theoretische Erläuterung der Vorgehensweise
3.3.2 Anwendung auf die Volkswagen AG
3.4 Auswahl von Vergleichsunternehmen
3.4.1 Börsengehandelte Unternehmen und Offenlegungspflichten
3.4.2 Branchenzugehörigkeit
3.4.3 Unternehmensgröße und Marktkapitalisierung
3.4.4 Lokaler Markt und geografische Ausrichtung
3.4.5 Weitere Kriterien zur Feinanpassung
3.4.6 Relevanz für das Bewertungsmodell
3.4.7 Anwendung auf die Volkswagen AG
3.5 Analyse der ausgewählten Unternehmen
3.5.1 Bestimmung des relevanten Multiplikators
3.5.2 Bilanzanalyse
3.5.3 Bewertung der Ergebnisse
3.5.4 Anwendung auf die Aktie Volkswagen AG
3.6 Einfluss der Konjunktur
3.6.1 Konjunkturphasen
3.6.2 Wichtige Konjunkturindikatoren
3.6.3 Konjunkturelle Einordnung der Ergebnisse
3.6.4 Anwendung auf die Volkswagen AG
3.7 Abschätzung des inneren Aktienwertes
3.7.1 Trailing KGV als Ausgangspunkt
3.7.2 Bilanzanalyse zur Einordnung des Trailing KGVs
3.7.3 Rolle der konjunkturellen Situation
3.7.4 Vorgehensweise zur Ermittlung
3.7.5 Möglichkeiten und Grenzen des Modells
3.7.6 Anwendung auf die Aktie Volkswagen AG
4 Methodenkritik
5 Forschungsausblick
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Masterarbeit ist die Entwicklung eines praxisorientierten Bewertungsmodells zur Ermittlung des inneren Aktienwertes, das ausschließlich auf öffentlich verfügbaren Informationen basiert und somit für Nicht-Insider ohne Zugang zu Insiderinformationen praktikabel ist. Die Forschungsfrage lautet: „Wie lässt sich der innere Wert einer Aktie auf Basis von öffentlich zur Verfügung stehenden Informationen realistisch einschätzen?“
- Grundlagen der Aktienbewertung und Fundamentalanalyse
- Methodische Konzeption eines Bewertungsmodells auf Basis des Trailing-KGV
- Integration von Bilanzkennzahlen zur Validierung der Bewertung
- Berücksichtigung von konjunkturellen Einflüssen auf die Aktienbewertung
- Praktische Anwendung des entwickelten Modells am Beispiel der Volkswagen AG
Auszug aus dem Buch
3.7.1 Trailing KGV als Ausgangspunkt
Als zentrale Kennzahl dient das Trailing-KGV, das den aktuellen Börsenkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie der letzten vier Quartale setzt. Der große Vorteil dieser Kennzahl liegt in ihrer einfachen Berechenbarkeit, da sowohl Kursdaten als auch die jüngsten Unternehmensergebnisse in Geschäftsberichten oder Finanzportalen öffentlich zugänglich sind.
Im vorliegenden Modell wird der Mittelwert der ermittelten Trailing KGV der Vergleichsunternehmen inklusive des Trailing KGVs des zu analysierenden Unternehmens gebildet. Dieser Wert entspricht dem preafKGV.
Zu beachten ist, dass das Trailing KGV nur einen Vergangenheitsbezug liefert. Da es auf historischen Gewinnen basiert, spiegelt es aktuelle Markt- und Unternehmensentwicklungen nur eingeschränkt wider. Bei Unternehmen, die sich in einem dynamisch verändernden Umfeld bewegen oder stark von konjunkturellen Faktoren oder regulatorischen Änderungen abhängig sind, kann das reine Trailing-KGV daher schnell zu Fehleinschätzungen führen. Hier ist die Ermittlung des Trailing-KGVs mittels des Multiplikatormodells gegenüber den Cashflow-, Wertschöpfungs- und Realoptionsmodellen, deren Parameter sich immer auf die zukünftig zu erwartende Entwicklung des zu analysierenden Unternehmens beziehen, klar im Nachteil. Aus diesem Grund bietet das Modell einen Ansatz, zusätzliche Informationen zu berücksichtigen, die Aufschluss über die finanzielle Robustheit und das langfristige Potenzial geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Ziels der Masterthesis, ein Aktienbewertungsmodell für Nicht-Insider basierend auf öffentlichen Daten zu entwickeln, sowie Erläuterung der Forschungsmethodik.
2 Grundzüge der Aktienbewertung: Theoretische Einordnung von Kapitalmarkt, Aktie und Fundamentalanalyse sowie kritische Analyse bestehender Bewertungsmodelle und Identifizierung der Forschungslücke.
3 Entwicklung des Modells: Detaillierte Darstellung des neuen Bewertungsmodells, inklusive Geschäftsmodell- und Branchenanalyse, Kriterien zur Vergleichsunternehmensauswahl, Bilanzanalyse, Konjunktureinfluss und praktisches Anwendungsbeispiel.
4 Methodenkritik: Kritische Reflexion der Einschränkungen des Modells, insbesondere hinsichtlich der Subjektivität bei der Festlegung von Anpassungsfaktoren und dem Verzicht auf umfassendes Backtesting.
5 Forschungsausblick: Diskussion des weiteren Forschungsbedarfs, inklusive der Notwendigkeit empirischer Validierung, Standardisierung der Korrekturfaktoren und Integration neuer digitaler Datenquellen.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der Praxistauglichkeit des entwickelten Modells als Orientierungshilfe für Anleger.
Schlüsselwörter
Aktienbewertung, Innerer Aktienwert, Fundamentalanalyse, Trailing-KGV, Geschäftsmodellanalyse, Branchenstrukturanalyse, Bilanzanalyse, Konjunkturindikatoren, Aktienmarkt, Investitionsentscheidung, Volkswagen AG, Multiplikatormethode, Finanzkennzahlen, Unternehmensbewertung, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein praxisorientiertes Bewertungsmodell, mit dem Investoren den inneren Wert einer Aktie bestimmen können, ohne auf schwer zugängliche Insiderinformationen angewiesen zu sein.
Welche zentralen Themenbereiche werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Fundamentalanalyse, verschiedene Aktienbewertungsmodelle, die Methodik zur Geschäftsmodell- und Branchenanalyse sowie die Bilanzierung und konjunkturelle Einordnung von Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie der innere Aktienwert realistisch und handhabbar ausschließlich auf Basis öffentlich verfügbarer Daten geschätzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Sekundärforschung, bei der bestehende Ansätze kritisch analysiert und zu einem neuen, anwendbaren Modell kombiniert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Entwicklung des Modells, der theoretischen Herleitung, der Auswahl von Vergleichsunternehmen sowie der praktischen Anwendung an der Volkswagen AG als Fallbeispiel.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Aktienbewertung, Fundamentalanalyse, Trailing-KGV und das vorgestellte "post-analytical fair KGV".
Warum wird die Volkswagen AG als Anwendungsfall gewählt?
VW dient als anschauliches Beispiel, da das Unternehmen in den letzten Jahren vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen stand und somit die Sensitivität des Modells gut demonstriert.
Welche Rolle spielen die Faktoren Alpha und Beta im Modell?
Diese Faktoren dienen dazu, das auf Basis historischer Daten ermittelte KGV durch aktuelle Informationen aus der Bilanzanalyse (Alpha) und konjunkturelle Prognosen (Beta) anzupassen und somit zukunftsorientierter auszurichten.
- Citar trabajo
- Janis Börsch (Autor), 2025, Den inneren Aktienwert herleiten. Entwicklung eines praxisorientierten Bewertungsmodells, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1584065