„Das Lerninsel-Konzept diskutiert an einem fiktiven Beispiel innerhalb der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung“ mutet zunächst etwas befremdlich an, da die in dieser Hausarbeit diskutierte Lern- und Arbeitsform ihren Ursprung im Bereich der Automobilindustrie hat. Die tradierte Pflegeausbildung in Deutschland hat jedoch aufgrund der späten und von der Dualen Berufsbildung abweichenden Akademisierung des Lehrpersonals Defizite im Bereich wissenschaftlicher Forschung und Lehre. Diese Defizite begründen eine verspätete Rezeption von Ergebnissen aus Lehr- und Lernforschung. Die Veränderungen der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege konzentrieren sich bisher vorwiegend auf Inhalte und Strukturen der schulischen Ausbildung. Die betriebliche Ausbildung ist bisher nur wenig organisiert und systematisiert und dadurch reformbedürftig (vgl. Müller 2009, S. 6 ff. & Roes 2004, S. 11-16). Um einen Ausweg aus der zuvor beschriebenen Situation aufzuzeigen, sollen folgende Fragen durch die Hausarbeit beantwortet werden: Welche lerntheoretischen Voraussetzungen liegen dem Lerninsel-Konzept zugrunde? Welchen Nutzen und welche Grenzen ergeben sich aus der Umsetzung des Lerninsel-Konzeptes für das Individuum und die betriebliche Organisation innerhalb der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Lentheoretische Perspektive
2.1 Vom radikalen Konstruktivismus zum neuen Konstruktivismus
2.2 Der Denkansatz des neuen Konstruktivismus – Situated Cognition
2.3 Lernen aus Sicht des neuen Konstruktivismus – Situiertes Lernen
2.4 Die subjektwissenschaftliche Perspektive
2.5 Das Lernmodell des subjektwissenschaftlichen Ansatzes
3 Das Lerninselkonzept in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung
3.1 Ursprung des Lerninsel-Konzeptes
3.2 Gründe für die Einführung in die Pflegeausbildung
3.3 Kennzeichen von Lerninseln im Allgemeinen
3.4 Notwendige Rahmenbedingungen im Krankenhaus
3.5 Auswahl eines Lerninselbelegmodells im Krankenhaus
3.6 Unterstützung von Lernprozessen und deren Evaluation
3.7 Grenzen des Lerninsel-Konzeptes
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Lerninsel-Konzept als eine Methode zur Verbesserung der betrieblichen Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege, indem sie lerntheoretische Voraussetzungen aus dem Konstruktivismus und der subjektwissenschaftlichen Perspektive analysiert und deren Anwendbarkeit im Krankenhausbetrieb diskutiert.
- Konstruktivistische und subjektwissenschaftliche Lerntheorien
- Ursprung und Merkmale von Lerninseln
- Anforderungen und Rahmenbedingungen im Krankenhaus
- Modelle der Lerninselbelegung in der Pflege
- Nutzen und Grenzen des Lerninsel-Konzepts für die Pflegeausbildung
Auszug aus dem Buch
3.3 Kennzeichen von Lerninseln im Allgemeinen
In Anlehnung an Dehnbostel et al. (2001, S. 10) werden für die Einführung des Konzepts in die Betriebspraxis des Krankenhauses nachfolgend Kennzeichen formuliert. Deren Umsetzung ist für die Funktionalität der angestrebten Verbindung von Arbeiten und Lernen von Bedeutung. Zudem dienen sie als Maßstab für eine sich anschließende Reflektion und Evaluation der Prozesse einer Lerninsel. Wie schon zuvor angeführt, lässt sich auch hier eine Übereinstimmung mit konstruktivistischen und subjektwissenschaftlichen Positionen feststellen (vgl. Kap. 2.3 und Kap. 2.5 der vorliegenden Arbeit):
1. Lerninseln sind im Arbeitsprozess eingebunden. Die Aufgaben innerhalb der Lerninsel sind authentisch, werden also real innerhalb der betrieblichen Praxis umgesetzt und gebraucht.
2. Aufgaben in Lerninseln sind hinreichend gebündelt – also komplex und nicht zersplittert wie im Taylorismus oder in der Funktionspflege. Es werden ganzheitliche Handlungen angestrebt, die eine planende, steuernde und prüfende Komponente beinhalten.
3. Die Lerninseln sind gebunden an ökonomische und qualitative Verantwortung für die durchgeführten Arbeitsaufgaben. Jeder Einzelne in einer Lerninsel ist gefordert, diese Verantwortung wahrzunehmen.
4. Lerninseln basieren auf dem Organisationsprinzip der Teamarbeit. Arbeitsaufgaben werden gemeinsam geplant, gesteuert, ausgeführt und evaluiert. Hierbei stehen nicht nur technische Aspekte der abgelaufenen Prozesse zur Diskussion, auch die sozialen Aspekte der Teamarbeit werden reflektiert und analysiert. Eventuelle Konsequenzen aus den gewonnenen Erkenntnissen fließen dann fortlaufend in den weiteren Arbeitsprozess ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Ausgangslage der deutschen Pflegeausbildung, identifiziert Reformbedarf in der betrieblichen Ausbildung und formuliert die Forschungsfragen zur Anwendbarkeit des Lerninsel-Konzepts.
2 Lentheoretische Perspektive: Dieses Kapitel fundiert das Lerninsel-Konzept theoretisch, indem es den Konstruktivismus, den Ansatz der Situated Cognition und die subjektwissenschaftliche Perspektive von Klaus Holzkamp darlegt.
3 Das Lerninselkonzept in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung: Der Hauptteil beschreibt den Ursprung von Lerninseln, deren spezifische Merkmale sowie die notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen und Belegungsmodelle für eine Implementierung im Krankenhaus.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Umsetzbarkeit sowie den Nutzen des Lerninsel-Konzepts für die Pflegeausbildung, wobei auf bestehende Grenzen hingewiesen wird.
Schlüsselwörter
Lerninsel-Konzept, Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung, Konstruktivismus, Situated Cognition, subjektwissenschaftlicher Ansatz, betriebliches Lernen, Organisationsentwicklung, Pflegeausbildung, Lernprozess, Kompetenzentwicklung, Handlungsfähigkeit, Arbeitsorganisation, Pflegepraxis, Teamarbeit, Lernbegleiter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, wie das aus der Automobilindustrie stammende Lerninsel-Konzept auf die betriebliche Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege übertragen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung durch konstruktivistische Lerntheorien sowie die praktische Gestaltung, Organisation und Evaluation von Lerninseln im Krankenhaus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die lerntheoretischen Voraussetzungen des Konzepts zu klären sowie den Nutzen und die Grenzen seiner Umsetzung für das Individuum und die Organisation zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und verknüpft dabei pädagogische Lernkonzepte mit organisationswissenschaftlichen Modellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet die Merkmale von Lerninseln, diskutiert notwendige Rahmenbedingungen im Krankenhaus, beleuchtet Belegungsmodelle und erläutert die Rolle von Mentoren bei der Lernprozessbegleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lerninsel-Konzept, konstruktivistisches Lernen, betriebliche Pflegeausbildung und Handlungsfähigkeit geprägt.
Warum wird das Überlappungsmodell für Krankenhäuser als am besten geeignet angesehen?
Das Modell wird aufgrund gesetzlicher Vorgaben zur Stundenverteilung in der praktischen Ausbildung und der festen Dienstplanung von Pflegepersonal als am besten integrierbar bewertet.
Welche Rolle spielt die Projektgruppe bei der Einführung einer Lerninsel?
Die Projektgruppe soll eine breite Akzeptanz sichern, indem sie verschiedene Perspektiven der Beteiligten integriert und als Gremium für Organisation, Planung und Kommunikation fungiert.
- Quote paper
- Michael Träger (Author), 2010, Lerntheoretische Voraussetzungen, Nutzen und Grenzen des Lerninsel-Konzeptes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159458