Förderung der Textproduktions- und Sprechkompetenz im Rahmen der Vorbereitung auf den DELF-Test


Examensarbeit, 2007
34 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Problemdiagnose und Fördervorhaben

2. DELF scolaire: zur Entwicklung des Förderprojektes
2.1. Grundlagen und schulische Relevanz des DELF
2.2. Vorbereitung und Organisation von DELF scolaire am Gymnasium Lechenich

3. Didaktische Konzeption eines Förderprogramms
3.1. Kompetenzorientierte Bedarfsanalyse
3.2. Konzeption sprachlicher Fördermaßnahmen
3.3. Abgeleitete Lernziele und deren Umsetzung in ein Trainingskonzept

4. Methodische Förderung mündlicher und schriftlicher Sprachkompetenzen
4.1. Lerngruppe und Lernvoraussetzungen
4.2. Inhalte und Durchführung der Trainingsmodule
4.2.1. Modul I/1: Production orale - exercices préparatoires
4.2.2. Modul II/2: Productionécrite - simulation et réflexion de l’épreuve
4.2.3. Modul I/3: Production orale - participeràun débat

5. Evaluation, Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Problemdiagnose und Fördervorhaben

Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist die F ö rderung von mündlicher und schriftli- cher Sprachkompetenz in Vorbereitung auf den DELF-Test. Die Arbeit soll einen Beitrag zur Entwicklung und Durchführung schulischer Sprachförderung in der Fremdspra- che Französisch leisten und hebt dabei insbesondere auf die didaktisch-methodische Erarbeitung, Erprobung und Evaluation eines Trainingskonzeptes zur Vorbereitung auf die Prüfung zum Dipl ô me d ’ Etudes en Langue Française ab. Das im Folgenden darge- legte DELF-Training ist Gegenstand meiner momentanen pädagogischen Praxis und wird von Februar 2007 bis zum DELF-Prüfungstermin Anfang Juni 2007 mit Schü- lerinnen und Schülern1 der Oberstufe des Gymnasiums Lechenich in Erftstadt im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft durchgeführt.

Das Anliegen der Sprachförderung - und hier vor allem der produktiven Kompe- tenzen - erwuchs aus der Beobachtung, dass die wenigen verbleibenden Schüler, die Französisch als Fach in der Oberstufe belegt haben (insgesamt lediglich 28 Schüler in 3 Jahrgangsstufen), besondere Defizite im eigenständigen mündlichen Sprachge- brauch aufweisen. Auch im Bereich der schriftlichen Textproduktion konnten man- gelnde Erfahrung mit dem Erstellen eigener Texte und fehlende Produktionsstrate- gien diagnostiziert werden. Die genannten Defizite zeigten sich mir besonders deut- lich in mündlichen Beiträgen und Klausuren der Schüler der Jahrgangsstufe 11, wel- che ich im Rahmen meines ‚selbständigen Unterrichts‘ unterrichte. Im Kontakt mit dem Lehrer und den Schülern der Jahrgangstufe 12 bestätigten sich die genannten Beobachtungen auch für diese Lerngruppe. Das auffälligste Ergebnis der Diagnose liegt bei der Tatsache, dass auch sehr leistungsstarke Schüler selbst Förderbedarf auf diesem Gebiet äußerten.2 Das Desiderat verstärkter Förderung von Sprachanwen- dungskompetenz wurde nicht zuletzt durch den Wunsch der betroffenen Schüler be- kräftigt, ihre Ausdrucksmöglichkeiten in der Zielsprache Französisch zu erhöhen und die eigene sprachliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Für einige Schüler stellte der Übergang vom eher lehrbuch- und grammatikorientierten Französischunterricht der Jahrgangsstufe 10 in den Grundkurs der Jahrgangsstufe 11 einen regelrechten ‚Pra- xisschock‘ dar, da im Grundkurs der 11 nunmehr die selbständigere Sprachverwen- dung, handlungsorientiertere Aufgabenstellungen und der Umgang mit komplexeren Texten gefordert sind. Hier wurden einigen Schülern ihre Lücken im Bereich der produktiven Kompetenzen schmerzlich bewusst. Dies gilt vor allem für die beiden Schülerinnen, die mit nur zweijähriger Sprachausbildung in Französisch als dritter Fremdsprache im Grundkurs der Jgst. 11 mit den „F7-Schülern“ gemischt wurden. Einige Schüler äußerten auch ihr Interesse an einem späteren Auslandsstudium in Frankreich und Bedenken aufgrund der fehlenden nötigen sprachlichen Qualifikatio- nen. Das Bedürfnis nach gezielter Förderung der sprachpraktischen Fähigkeiten habe ich aufgegriffen und unterstützt durch die Schulleitung und die Fachkonferenz Fran- zösisch die Vorbereitung interessierter Schüler auf die Prüfung für die Erlangung des französischen Sprachzertifikats DELF als Projekt der individuellen Förderung am Gymnasium Lechenich angeboten.

Die im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit dokumentierte Förderkonzeption und das Pilotprojekt zum DELF scolaire können und sollen nach erfolgreichem ers- tem Durchlauf als Schulprogrammbaustein etabliert werden, um das Sprachangebot der Schule um Aspekte der individuellen Förderung, des Fachmarketings Französisch sowie der Sprach- und Berufsqualifikation zu bereichern. Die konzeptionelle Erarbei- tung und Durchführung der DELF-AG und des konzipierten Sprachförderprog- ramms betreffen somit in der Hauptsache die Lehrerfunktionen ‚Fördern‘ und ‚In- novieren‘. Diese werden ergänzt durch Tätigkeiten des ‚Unterrichtens‘, ‚Diagnostizie- rens‘, ‚Organisierens‘ und ‚Evaluierens‘.

Vorrangiges Lernziel des Trainings ist die Befähigung der teilnehmenden Schüler, den DELF-Test auf dem Niveau B1 zu bestehen.3 Der spezielle Fokus des erarbeite- ten Förderprogramms auf die mündlichen und schriftlichen Produktionskompeten- zen - konkreter auf die Prüfungsteile production orale und productionécrite - ergibt sich nun aus der Kombination des von mir diagnostizierten Förderbedarfs auf diesen Gebieten und der Abfrage der Bedürfnisse der teilnehmenden Schüler durch eine Selbstevaluation. Somit wird das Programm von seiner Ausrichtung her den Anfor- derungen an zeitgemäßen Unterricht im Sinne einer verstärkten Kompetenzorientie- rung des fremdsprachlichen Unterrichts gerecht. Die didaktische Reduktion auf den produktiven Bereich soll zudem die Möglichkeit eröffnen, eingehender und systematischer auf die diagnostizierten Problemfelder eingehen zu können, als eine alle Gebiete umfassende Förderplanung es erlauben würde.4

Im Folgenden werden zunächst die didaktische Legitimation von DELF scolaire und die Vorbereitungsarbeit auf die Einführung der Arbeitsgemeinschaft am Gymnasium Lechenich skizziert. Im Anschluss daran soll die Systematik von didaktischer Legitimation, Konzeption und Durchführung des Prüfungstrainings dargestellt und erörtert werden. Abschließend wird das Projekt evaluiert.

2. DELF scolaire: zur Entwicklung des Förderprojektes

2.1. Grundlagen und schulische Relevanz des DELF

Das DELF ist ein weltweit anerkanntes staatliches Sprachzertifikat, das sich in seinen Niveauabstufungen am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen5 orientiert. Das Diplom zertifiziert die Kompetenzen in den vier Bereichen Hörver- stehen, Leseverstehen, Textproduktion und mündlicher Ausdruck. Die Vorbereitung von Schülern auf die DELF-Prüfung stellt somit die Möglichkeit dar, das Desiderat der Sprachförderung mit einem konkreten erreichbaren und überprüfbaren Ziel zu verbinden. Gleichzeitig birgt das DELF einen hohen motivationalen Anreiz für die teilnehmenden Schüler, im Hinblick auf das Bestehen eines weltweit anerkannten staatlichen Sprachzertifikats die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Die Motivation liegt nicht zuletzt darin, dass ein solches Diplom neben Studien- und Berufsvorteilen auch ein hohes Maß an Selbst- und Fremdbestätigung einbringen kann. Die zertifi- zierte Fähigkeit, frei und flexibel formulieren zu können, wird sicherlich zu einem souveräneren Umgang mit den eigenen sprachlichen Fertigkeiten führen und helfen dem Klischee entgegenzuwirken, dass Schulfranzösisch langfristig nur zu passiven Kenntnissen führe.

Seit dem Schuljahr 2006/2007 besteht die Möglichkeit, die DELF-Prüfung als so- genanntes DELF scolaire an den Schulen in NRW durchzuführen. Die Schulen fun- gieren dabei als Prüfungszentren, an denen die schriftlichen Aufgabenteile abgelegt werden können. Ein mündlicher Prüfungsteil wird zentral durch ein Institut Français organisiert. Der Dienst der staatlichen Sprachzertifizierung Frankreichs ist das Centre International d ’ Etudes Pédagogiques CIEP. Im Auftrag des Minist è re de l ’ Education Nationale ist das CIEP zuständig für die Konzeption der Sprachprüfungen, für deren Organisa- tion durch die ausländischen Kulturinstitute und für das Ausstellen der Zertifikate. Erstmals wurden 1985 DELF-Sprachdiplome ‚ersten und zweiten Grades‘ vergeben, sowie eine Bescheinigung über vertiefte Sprachkenntnisse, das DALF.6 Seit dem 1. September 2005 sind diese Zertifikate an den Referenzrahmen angepasst und werden nunmehr auf den Niveaustufen A1, A2 (utilisateurélémentaire), B1 und B2 (utilisateur indépendant) als DELF sowie auf den Stufen C1 und C2 (utilisateur autonome/compétent) als DALF angeboten. Das Sprachzertifikat auf der Niveaustufe C1 ersetzt den für die Immatrikulation erforderlichen Sprachtest der französischen Universitäten (vgl. Nie- weler 2006: 302) und erhält dadurch seinen konkreten Nutzen für eine akademische Laufbahn7. Seit Inkrafttreten der Anpassung an den Referenzrahmen kann die Prü- fung auf jeder Niveaustufe abgelegt werden, unabhängig davon, ob vorige Niveaustu- fen bereits erreicht wurden. Auf jeder Stufe werden Hör- und Leseverstehen sowie mündliche und schriftliche Sprachproduktion getestet. Diese vier Teilbereiche stellen jeweils ein Viertel der Gesamtprüfungsleistung dar, die auf 100 maximal zu errei- chende Punkte kalibriert wurde. Die Prüfung ist bestanden, wenn mindestens 50 Punkte insgesamt und in jedem der vier Bereiche mindestens 5 Punkte erreicht wur- den, wodurch Minderleistungen in einzelnen Bereichen eingeschränkt ausgeglichen werden können.8

Die Aufgabenformate des Tests sind auf die Altersstruktur der Adressaten abge- stimmt: Die Version DELF tous publics richtet sich an Erwachsene Prüflinge, die Ver- sionen DELF junior und DELF scolaire wurden auf ein jugendlicheres Publikum zuge- schnitten und sind inhaltlich identisch. DELF scolaire weist lediglich die Besonderheit auf, dass die schriftlichen Prüfungsteile an einer als Prüfungszentrum fungierenden Schule abgenommen werden, was einen Organisations-, Motivations- und Kosten- vorteil mit sich bringt und die schulische Einbindung der Prüfungen befördern soll. Der mündliche Prüfungsteil wird an einem Institut Français durchgeführt, was sowohl den besonderen Praxisanreiz als auch das größte Hemmnis für Schüler darstellt, sich der Prüfung zu stellen.

In einer Handreichung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW werden folgende Gründe angeführt, weshalb Schüler neben den auf dem Zeugnis ausgewiesenen Französischkenntnissen zusätzlich ein außerschulisches Sprachdiplom erwerben sollten:9

- DELF ist gleichwertig zu anderen international anerkannten Sprachdiplo- men;
- schulexterne Sprachdiplome motivieren Schüler zu besseren Lernleistungen und sind im außerschulischen und vor allem im ausländischen Bereich aussa- gekräftiger als Zeugnisnoten;
- die auf den nachschulischen Bereich ausgedehnte Referenzniveauhierarchie bietet Motivation für lebenslanges Lernen;
- die Standardisierung trägt zur externen Feststellung, Sicherung und Weiter- entwicklung von Schulqualität bei.

Die Anpassung an die Niveaustufen des Referenzrahmens ist insofern besonders hervorzuheben, als sie die Kompatibilität zwischen den DELF-Prüfungen und dem (bislang nur die erste Fremdsprache gültigen) Kernlehrplan Französisch für die Sek. I gewährleistet. Lehrplanerfüllender Unterricht wird zukünftig noch verstärkter als bis- her diejenigen Fähigkeiten fördern müssen, die auch für eine erfolgreiche DELF- Prüfung vonnöten sind. Dies gilt besonders für die sprachpraktischen Fähigkeiten, die zugleich Sprach- und Anwendungswissen erfordern. DELF bietet einen auf diese Anforderungen abgestimmten authentischen Praxisanlass und stellt zugleich eine bei- nahe als ‚sportlich‘ zu bezeichnende und konkret definierte Leistungsanforderung dar, auf die sich von und mit Schülern hinarbeiten lässt. Die Neuauflagen moderner Lehrwerke - z.B. Découvertes von Klett und A plus! von Cornelsen - beinhalten daher bereits eine Vielzahl entsprechend ausgewiesener Übungen zu den vier DELF- Bereichen, was die Relevanz des Themas DELF für den zeitgemäßen kompetenz- orientierten Unterricht nur bestätigen kann. Das DELF als Element des schulischen Sprachangebots in der Fremdsprache Französisch ist somit nicht nur eine Motivation für Schüler, ihr Können auszubauen und zu evaluieren, sondern auch für Lehrer, ih- ren Unterricht hinsichtlich der Befähigung der Schüler für das DELF zu überprüfen. Die schulische Relevanz des DELF wird dadurch bestärkt, dass es als Diagnose- und Beurteilungsinstrument für die Qualität von Lehr- und Lernprozessen dienen kann.10

Die didaktische Legitimation, die dieser Arbeit zugrundeliegt, entsteht somit aus der Möglichkeit, die Vorbereitung auf das DELF an einen authentischen Sprachpra- xisanlass und zugleich an die Erfüllung moderner Lehrplananforderungen zu binden.

2.2. Vorbereitung und Organisation von DELF scolaire am Gymnasium Lechenich

Die konkrete Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, den DELF-Test am Gym- nasium Lechenich anzubieten, begann mit der durch die Schulleitung an die Fach- konferenz weitergeleitete Information der Bezirksregierung Köln zur Einführung von DELF scolaire an den Schulen des Landes und zu einem entsprechenden Fortbil- dungsangebot des Institut Français in Köln. In Absprache mit der Fachkonferenz übernahm ich das Thema und besuchte die Veranstaltung in Köln am 18. Oktober 2006, über die ich die Fachkonferenz auf der Sitzung am 30. Oktober unterrichtete. Im Vordergrund des Berichts standen die Information über Aufbau, Organisations- rahmen, Zielgruppe und Vorzüge des DELF scolaire und mein Angebot, ein Pilotpro- jekt für die Oberstufe auf dem Niveau B1 zu koordinieren und durchzuführen. Die anwesenden Kollegen sowie die Eltern- und Schülervertreter befürworteten das In- novationsangebot, vor allem in Hinblick auf eine Verstärkung des Fachmarketings und eine möglicherweise resultierende Aufwertung des Fachs Französisch an der Schule. Der vom Fachkonferenzvorsitzenden gestellte Antrag auf Einführung des DELF scolaire unter meiner Verantwortung und auf Einrichtung einer vorbereitenden Arbeitsgemeinschaft wurde einstimmig angenommen und im Protokoll vermerkt. Ich besprach daraufhin mit der Schulleitung die Modalitäten der Einführung der AG so- wie erste Schritte zur gezielten Information von Schülern und Eltern. Diese seien hier in Kürze aufgeführt:

- Ausgabe einer Informationsbroschüre des CIEP an alle Schüler der Oberstufe, die Französisch als Fach gewählt haben (vgl. Anhang, S.iii-v) sowie an Eltern anlässlich des ‚Tags der offenen Tür‘ am 25.11.2006;
- gezielte Ansprache der Schüler in beiden Oberstufenkursen;
- testweise Durchführung von Prüfungsteilen der öffentlich zugänglichen DELF-Prüfung auf dem Niveau B1 im eigenen Grundkurs der Jahrgangsstufe 11 und in Vertretungsstunden in den Jahrgangsstufen 12 und 13;
- gleichzeitige Veröffentlichung eines selbstverfassten Artikels in der Schulzeitung 4/2006 und auf der Schulhomepage www.gymnasium-lechenich.de (vgl. Anhang S. vi).

Am 23. Januar 2006 fand im Anschluss an die sechste Stunde eine erste Vorberei- tungssitzung für die Arbeitsgemeinschaft statt, zu der sich 14 Interessenten einfan- den, von denen sich in der Folgezeit 7 Schüler (4 der Jgst. 11 und 3 der Jgst. 12) für den Test schriftlich anmeldeten und 3 Schüler ohne Prüfungswunsch an der AG teil- nehmen wollten11. Gemeinsam wurde ein Termin für die zweistündigen, zunächst im 14tägigen Rhythmus stattfindenden Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft gefunden. Am 09.02.2007 fand die erste reguläre Sitzung der DELF-Arbeitsgemeinschaft statt, der bis zum schriftlichen Prüfungstermin am 16.06.2007 insgesamt neun weitere Sit- zungen plangemäß folgen sollten.

3. Didaktische Konzeption eines Förderprogramms

3.1. Kompetenzorientierte Bedarfsanalyse

Eine zeitgemäße didaktisch-methodische Konzeption von Fördermaßnahmen für den fremdsprachlichen Unterricht muss sich vor allem an der Verbesserung be- stimmter ausgewiesener Kompetenzen orientieren. Die Ausrichtung an Fähigkeiten und Fertigkeiten steht im Kern der aktuellen fachdidaktischen Diskussion und ist für eine Vorbereitung von Schülern auf den DELF-Test in besonderer Weise relevant. Der Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik hin zu Kompetenzfestschreibung und Bildungsstandards resultiert aus den Überlegungen, die im Nachgang zur PISAnens.“ (MSW 2006: 9).

Studie angestellt wurden. Für den Referenzrahmen wie für das DELF und die Kernlehrpläne gilt dabei in gleicher Weise:

„Beschrieben wird […] nicht mehr das, was die Schülerinnen und Schüler lernen sollen (Inputorientierung); stattdessen werden Fertigkeiten ausgewiesen, die […] erwartet werden (Outputorientierung).“ (Blume 2006: 4)

Die Herausforderung, die die curriculare Standardfestschreibung im Vergleich zu früheren eher kanonischen Lehrplänen darstellt, ist die gestiegene Verantwortung des Lehrenden, durch sein Handeln den Weg zu ebnen, den die Schüler zur Erlangung der gewünschten Fähigkeiten begehen sollen, ohne sich auf vorgegebene ‚Inputs‘ und Inhaltskonzepte berufen zu können. Die Schwierigkeit jedes kompetenzorientierten Förderprogramms liegt in der „Outputorientierung“ begründet und stellt sich somit auch für die Vorbereitung auf das DELF. Um Kompetenzen bewusst fördern zu können, ist es daher zunächst angebracht, den Kompetenzbegriff als Ziel der Förde- rung zu analysieren. In der Expertise „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstan- dards“ wird folgende Definition gegeben:

„In Übereinstimmung mit Weinert verstehen wir unter Kompetenzen die bei Indivi- duen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkei- ten, bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, voli- tionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variab- len Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ (Expertise „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“, S. 59, vgl. Anhang S. vii-x).

Der Kompetenzbegriff umfasst die grundlegenden Handlungsanforderungen, denen Schüler in einem bestimmten Lernbereich ausgesetzt sind, Wissen und kognitive Fä- higkeiten sowie Motivation und Kommunikation. Die Förderung von Kompetenzen orientiert sich an folgenden Grundüberzeugungen der Wissenspsychologie:12

- Wissen ist die Basis jeder Kompetenz.
- Kompetenzen lassen sich nur durch
- systematischen Aufbau,
- intelligente Vernetzung und
- variierende situative Einbettung von Wissen aufbauen.

[...]


1 Im Folgenden wird zugunsten der besseren Lesbarkeit für „Schülerinnen und Schüler“ die männliche Form „Schüler“ verwandt.

2 Symptomatisch ist die Angst vieler selbst sehr gut benoteter und leistungsstarker Schüle- rinnen und Schüler vor den Anforderungen des Zentralabiturs und die dadurch bedingte Fachabwahl.

3 Zur Entscheidung für das Niveau B1 und zur Einordnung vgl. Kapitel 4.1.

4 Im Hinblick auf eine möglichst umfassende Prüfungsvorbereitung werden in der Ar- beitsgemeinschaft jedoch auch in zeitlich und inhaltlich geringerem Umfang die Prü- fungsteile compréhension de l ’ oral und compréhension de l ’é crit geschult.

5 Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen ist ein vom Europarat 1998 verabschiedeter einheitlicher Katalog von Sprachkompetenzen ver- schiedener Niveauabstufungen mit zugehörigen Leistungsbeschreibungen. Er findet bei Lehrplänen und Sprachzertifikaten Anwendung und dient sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen europäischen Sprachen der Vergleichbarkeit von Anforde- rungs- und Leistungsniveaus. Im Folgenden wird er kurz ‚Referenzrahmen‘ genannt.

6 DALF = Diplôme Approfondi en Langue Française.

7 Hierzu kursieren widersprüchliche Informationen. Laut Gilles Floret, der das DELF- Programm des Klett-Verlags betreut, genügt den meisten Universitäten bereits das DELF B2 als Aufnahmekriterium. Ähnliche Auskunft erteilte mir auch die für den deutsch-französischen Licence -Studiengang zuständige Mitarbeiterin der Scolarité der Uni- versité de Paris III - Sorbonne Nouvelle.

8 Zum Aufbau des DELF auf dem Niveau B1 vgl. Anhang, S. ii.

9 Vgl. MSW 2006: 6f und Nieweler 1999: 35-43.

10 Inwiefern der DELF-Test dadurch beispielsweise in die Nähe der standardisierten Ab- schlussprüfungen gerückt werden könnte, lässt sich an anderer Stelle diskutieren. Zwar werden durch das DELF nur Kompetenzen zertifiziert, die im Kernlehrplan eingefor- dert werden, jedoch deckt das DELF nicht alle der dort zu findenden Kompetenzerwar- tungen ab. So „fehlt beispielsweise die kreative und einfühlende Auseinandersetzung mit literarischen Vorlagen und damit ein wesentliches Element interkulturellen Le11

11 Grund für die Nichtanmeldung war eine bereits zu diesem Zeitpunkt abzusehende Kol- lision schulischer und privater Termine mit den feststehenden Prüfungsterminen. Ich er- läuterte den Schülern die Möglichkeit, am Institut Français das inhaltsidentische DELF junior abzulegen.

12 Diese Überlegungen von Baumert und Klieme sind Grundlage der Kompetenzorientie- rung für Bildungsstandards, Kernlehrpläne und Maßnahmen zur Standardsicherung im Land NRW, http://www.learn-line.nrw.de/angebote/lernstand9/kontext.html, vgl. An- lage S. vii-x. Zur Kompetenzorientierung und neuen Perspektivierung des Fran- zösischunterrichts vgl. Leupold 2007: 94ff.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Förderung der Textproduktions- und Sprechkompetenz im Rahmen der Vorbereitung auf den DELF-Test
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen - Vettweiß
Veranstaltung
Fachseminar Französisch
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
34
Katalognummer
V164391
ISBN (eBook)
9783640793525
ISBN (Buch)
9783640793082
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DELF, Sprechkompetenz, Französischunterricht, Textproduktion, Kompetenzorientierung, Förderprogramm, Mündlichkeit, Sprachförderung, Training
Arbeit zitieren
Steffen Obeling (Autor), 2007, Förderung der Textproduktions- und Sprechkompetenz im Rahmen der Vorbereitung auf den DELF-Test, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164391

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Förderung der Textproduktions- und Sprechkompetenz im Rahmen der Vorbereitung auf den DELF-Test


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden