Skizze eines Projekts im Sachunterricht: Fair Trade

Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit Produktion und Handel von Schokolade


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Zu den Hintergründen
2.1 Das internationale Siegel TransFair - Fair Trade
2.2 Kakaoanbau und Schokoladenproduktion

3 Beschreibung des Projektverlaufs
3.1 Initiierungsphase
3.2 Einstiegsphase
3.3 Planungsphase
3.4 Durchführungsphase
3.5 Präsentationsphase
3.6 Auswertungsphase
3.7 Weiterführungsphase

4 Diskussion der Projektkriterien

5 Zur Bedeutung der Methode Projekt im Sachunterricht - Ein Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit wird das Projektbeispiel einer 4. Klassenstufe zum Thema Fair Trade anhand der exemplarischen Ware Schokolade vorgestellt. Dabei wird der Projektverlauf - auch wenn es sich dabei um ein fiktives Projekt handelt - vom ausschlaggebenden Schülerimpuls (Initiierungsphase) bis zu den Nachwirkungen des Projektes (Weiterführungsphase) beschrieben. Im Anschluss werden die Projektkriterien nach Gudjons (2008) diskutiert und anhand des beschriebenen Beispiels aufgezeigt, worin Bedeutung, Sinn und Vorteile der Methode Projekt im (Sach-)Unterricht liegen.

Zum besseren Verständnis der Thematik sollen zunächst kurze Hintergrundinformationen zu dem Fair Trade-Siegel und zu der für dieses spezielle Projekt bedeutsamen Schokoladenpro- duktion gegeben werden, bevor dann der Projektverlauf beschrieben und diskutiert wird.

2 Zu den Hintergründen

2.1 Das internationale Siegel TransFair - Fair Trade

Seit seiner Gründung im Jahre 1992 vergibt der gemeinnützige Verein TransFair ein interna- tional gültiges und anerkanntes Siegel für fair gehandelte Waren, die nach streng festgelegten Regeln produziert wurden. Betriebe und Plantagen, die das Siegel erhalten, verpflichten sich zur Zahlung von Mindestlöhnen sowie zur Sicherung von sozialen und ökologischen Stan- dards in den Lebens- und Arbeitsbedingungen der produzierenden Arbeiterschaft. TransFair fördert des Weiteren benachteiligte kleinbäuerliche Familienbetriebe und unterstützt nachhal- tig wirtschaftende Betriebe, Bildungsinitiativen und in demokratischer Eigenverwaltung or- ganisierte Bauernkooperativen. Waren, die das Fair Trade-Siegel erhalten, sind somit unter Bedingungen produziert worden, die sowohl die Kriterien ökologischer Nachhaltigkeit wie auch sozialer Gerechtigkeit erfüllen.

Das für Deutschland gültige TransFair-Siegel wurde im Jahr 2003 durch das internationale Fair Trade-Siegel ersetzt, das eine weltweit einheitliche Erkennung ermöglicht. Alle Informationen sind der Webseite www.transfair.org entnommen (Zugriff: 10.02.2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Das alte Das neue internationale

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: TransFair-Siegel Fair Trade-Siegel

2.2 Kakaoanbau und Schokoladenproduktion

Schokolade besteht, wenn man sich die Zutatenliste einer handelsüblichen Tafel Vollmilch- schokolade anschaut, im Wesentlichen aus Zucker, Kakaobutter/Kakaomasse, Milchpulver, pflanzlichen Ölen und Butter (in absteigender Reihenfolge). Die beiden Hauptzutaten Zucker und Kakao stammen dabei ursprünglich aus wirtschaftlich benachteiligten Ländern in Westaf- rika und Lateinamerika. Während Zucker heutzutage auch in hiesigen Breitengraden gewon- nen werden kann, stammt der Kakao weiterhin zu mehr als 50% aus Westafrika, der Rest wird aus Lateinamerika sowie Indonesien importiert (vgl. www.transfair.org [10.02.2009]). Die Kakaobohne wird dabei im Ursprungsland geerntet, getrocknet, in einem aufwändigen Ver- fahren fermentiert und verschifft, während die Verarbeitung zu der für die Schokolade nötigen Kakaomasse und -butter in den schokoladeproduzierenden Importländern erfolgt. Zurzeit liegt der Weltmarktpreis von Kakao über dem Fair Trade-Mindestpreis, so dass ein ausgleichender Preisaufschlag zur Sicherung der Mindestlöhne seitens TransFair nicht nötig ist. Dies kann sich jedoch jederzeit wieder ändern, da der Kakaopreis starken Schwankungen unterlegen und der Kakaomarkt alles andere als stabil ist (vgl. ebd.).

3 Beschreibung des Projektverlaufs

3.1 Initiierungsphase

Ein Mädchen der vierten Klassenstufe geht für ihre Familie ein paar Dinge im Supermarkt einkaufen und steht plötzlich vor einer schweren Aufgabe: Wie alle Kinder mag es Schoko- lade und möchte sich eine Tafel kaufen. Ihre Mutter hat ihr dafür 80 Cent mitgegeben. Das Mädchen möchte eigentlich fair gehandelte Schokolade kaufen, da sie durch einen Fernsehbe- richt davon erfahren hat, dass bei der Produktion von normaler Schokolade die meisten Betei- ligten unfair behandelt oder sogar ausgebeutet werden. Aus diesem Bewusstsein möchte sie Schokolade mit dem Fair Trade-Zeichen kaufen, doch die ist teurer als die normale. Die 80 Cent reichen nicht. Da ihre Familie und somit auch sie wenig Geld haben, weiß sie nicht, was sie tun soll und verzichtet schließlich ganz auf die Schokolade. Am Nachmittag erzählt sie drei Freundinnen von ihrem Dilemma. Gemeinsam wollen sie rausfinden, warum die Fair Trade-Schokolade teurer ist und ob es nicht auch normale Schokolade gibt, die mit fairen Methoden hergestellt wird. Am nächsten Tag tragen sie dieses Anliegen in die Schule.

Als die vier Schülerinnen im Morgenkreis von ihrem Gespräch und ihrer Frage berichten, beginnt eine lebhafte Diskussion. Was denn mit ausbeuten gemeint sei, wird das Mädchen gefragt, und es berichtet daraufhin von dem Fernsehbericht. Es zeigt sich, dass auch ein paar andere Schülerinnen und Schüler den Bericht gesehen haben, da er im Kinderkanal lief. Ande- re Kinder wiederum fragen, was denn die Schokolade aus dem Supermarkt mit den Menschen in Afrika zu tun habe. Insgesamt wird ersichtlich, dass es einen sehr unterschiedlichen Wis- sensstand über die Hintergründe und Zusammenhänge der Schokolade und ihrer Produktion gibt. Bei allen Schülerinnen und Schülern ist jedoch das Bedürfnis geweckt, sich näher mit dem Weg der Schokolade und dem, was in diesem Fernsehbericht erzählt wurde, zu beschäf- tigen. Außerdem wollen die Schülerinnen und Schüler der ursprünglichen Frage der vier Mädchen nach den unterschiedlichen Preisen nachgehen. Die Lehrkraft beschließt, dem im- mensen Interesse der Klasse an dieser Thematik nachzukommen und stellt den Schülerinnen und Schülern entsprechende Unterrichtszeit für ihr Vorhaben zur Verfügung.

3.2 Einstiegsphase

Nachdem beschlossen wurde, eine Projektgruppe zu bilden, die in den nächsten Wochen ge- meinsam zu dem Thema Faire Schokolade arbeitet (dieser Name wurde von einem Schüler vorgeschlagen) wird zunächst der Morgenkreis im gewohnten Ablauf fortgesetzt. In der an den Morgenkreis anschließenden Unterrichtsstunde kann das Projekt dann beginnen. Die Schülerinnen und Schüler äußern nun noch einmal in Ruhe ihre subjektiven Erfahrungen und Zugänge zum Thema Schokolade. Die einzelnen Beiträge werden vertieft diskutiert. Auch hierbei zeigt sich ein recht heterogener Wissens- und Erfahrungsstand. Die Beiträge gehen inhaltlich weit auseinander. Die Lehrkraft stellt jedoch sicher, dass jedes der Kinder seine persönlichen Erfahrungen und Interessen äußern kann, ohne dass diese einer Bewertung unterliegen. Gegen Ende der Stunde schlägt sie vor, dass jedes Kind der Klasse sich zuhause schon einmal in irgendeiner Form mit der Thematik beschäftigt. Der Kreativität sollen dabei keine Grenzen gesetzt sein - von einem Interview mit den Eltern über die eigene Preisrecher- che im Supermarkt bis hin zur Kindersuchmaschine im Internet ist alles möglich.

3.3 Planungsphase

Am nächsten Tag stellen die Schülerinnen und Schüler zunächst die Ergebnisse ihrer eigenen Beschäftigung mit dem Thema vor. Dabei stellt sich heraus, dass die Thematik eine recht wei- te Bandbreite hat und es immer noch mehr Fragen als Antworten gibt. Bei einigen Schü- ler/innen kristallisieren sich zudem bereits konkrete Handlungswünsche heraus. Die Lehrkraft schlägt vor, Fragen, Interessen, Rechercheergebnisse und Handlungswünsche gleichermaßen auf Karteikarten zu sammeln und diese im Anschluss gemeinsam zu sortieren. Nachdem je- de/r Schüler/in eine oder mehrere Karteikarten beschrieben hat, werden diese an die ausge- klappte Tafel geheftet. Die Schülerinnen und Schüler lesen sich die Karten nun in Ruhe durch und sortieren sie gemeinsam zu einer Art thematischer Landkarte. Dabei entstehen vier große Bereiche. Die Klasse beschließt, zu jedem dieser Bereiche eine Arbeitsgruppe zu bilden:

1. Schokoladenherstellung

(Woraus besteht eigentlich Schokolade? Wo und wie wird Schokolade gemacht? Wo kommen die Zutaten her? Unterschiedliche Arten von Schokolade...)

2. Supermarkt - Schokoladenangebot und Preise

(Wie kommt die Schokolade in den Supermarkt? Warum hat sie unterschiedliche Preise? Wie groß ist der Preisunt]erschied zwischen den verschiedenen Schokoladen? Um wie viel teurer ist die Schokolade mit dem Fair Trade-Zeichen?...)

3. Das Fair Trade-Zeichen

(Was bedeutet eigentlich das Fair Trade-Zeichen auf der Schokoladenverpackung? Was ist mit fair gemeint? Wie können Schokoladen oder andere Waren unfair sein? Wie viele Menschen kaufen überhaupt Sachen mit dem Fair Trade-Zeichen? Und warum?...)

4. Kakaoanbau und Kakaotransport

(Wo kommt der Kakao, der in der Schokolade ist, her? Wächst er an Bäumen? Wie entsteht Kakao? Wie kommt der Kakao nach Deutschland? Wie teuer ist eigentlich Kakao?...)

Nachdem das Thema auf diese Art präzisiert und gebündelt wurde, ordnen sich die Schüler- innen und Schüler je nach eigenem Forschungsinteresse den einzelnen Arbeitsgruppen zu. Die so entstandenen Gruppen sind dadurch zwar unterschiedlich groß, die darin versammelten Schüler/innen aber umso motivierter. Eine Schülerin schlägt vor, aus den späteren Ergebnis- sen der Arbeitsgruppen doch eine Ausstellung zu organisieren, die am Tag der offenen Schule in sechs Wochen auf Stellwänden präsentiert wird (an diesem Tag sind Eltern und Geschwis- ter in die Schule eingeladen und jede Klasse bereitet etwas eigenes für dieses Fest vor). Die Klasse, die am Ende ihres Projektes gerne ein handfestes Produkt ihrer Forschungsbemühun- gen präsentieren möchte, findet diesen Vorschlag gut. Ein Junge jedoch wendet ein, dass ihre Ergebnisse dann nur für einen Tag zu sehen seien. Ob man denn nicht lieber eine Wandzei- tung für die Pausenhalle machen wolle. Auf diese Weise könnten sich auch möglichst viele Kinder der anderen Klassen in Ruhe die von ihnen zusammengetragenen Informationen an- schauen. Auch für diesen Vorschlag gibt es eine breite Zustimmung, so dass die Klasse schlussendlich per Abstimmung beschließt, einfach beides zu machen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sollen zum Großteil in Form einer Wandzeitung gestaltet werden, die erstma- lig zum Schulfest in sechs Wochen auf Stellwänden präsentiert wird und die dann im An- schluss für weitere Zeit in die Pausenhalle umzieht.

Als nächstes überlegen die Schüler/innen, wie, wo und wann die Arbeitsgruppen zu ihrem jeweiligen Aspekt des Themas arbeiten könnten. Ein Schüler stellt sehr richtig fest, dass es ja auch Schnittmengen zwischen den einzelnen Gruppen gibt. Daraufhin entsteht die Idee, dass jede Arbeitsgruppe einen Gruppensprecher wählt, der zugleich Ansprechpartner für die anderen Gruppen ist, wenn es Fragen oder gemeinsame Schnittpunkte gibt.

[...]


Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Skizze eines Projekts im Sachunterricht: Fair Trade
Untertitel
Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit Produktion und Handel von Schokolade
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Interdisziplinäre Sachbildung / Sachunterricht)
Veranstaltung
MM1 - Grundlagen der Kompetenzentwicklung im Sachunterricht
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V165216
ISBN (eBook)
9783640810802
ISBN (Buch)
9783640811168
Dateigröße
2858 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verantwortlich für dieses Modul war die SU-'Ikone' Prof. Dr. Astrid Kaiser.
Schlagworte
Projektskizze, Universität Oldenburg, Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Sachunterricht, Interdisziplinäre Sachbildung, Astrid Kaiser, Petra Kemena, Produktion und Handel von Schokolade, Projektbeispiel, Primarstufe, Grundschule, GS, Projektverlauf, Initiierungsphase, Nachwirkungen, Projekt, Weiterführungsphase, Projektkriterien nach Gudjons, Methode Projekt, TransFair, Fair Trade, Siegel, www.transfair.org, Kakaoanbau und Schokoladenproduktion, Fair Trade-Mindestpreis, Kakaopreis, Kakaomarkt, vierte Klassenstufe, Supermarkt, Lebenswelt, Planungsphase, Kakaoanbau und Kakaotransport, Schokoladenherstellung, Firma Hachez, Exkursion, Fragenkatalog, Auswertungsphase, zehn Merkmale, Situationsbezug, ausbeuterische Bedingungen, Orientierung an den Interessen der Beteiligten, gesellschaftliche Praxisrelevanz, zielgerichtete Projektplanung, Selbstorganisation und Selbstverantwortung, Einbeziehen vieler Sinne, Soziales Lernen, demokratische Verkehrsformen, Produktorientierung, Interdisziplinarität, Ökonomie, Soziologie, Politik, Ökologie und Technik, Grenzen des Projektunterrichtes, Die Projektmethode, Manfred Bönsch, Karl Frey, Dagmar Hänsel
Arbeit zitieren
M.Ed. Georg Rabe (Autor), 2009, Skizze eines Projekts im Sachunterricht: Fair Trade , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165216

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