Wachstum durch Innovationen - Ein Konflikt zwischen sozialem Engagement und Wettbewerbsfähigkeit?


Hausarbeit, 2010

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung - der Stein wird zum Faustkeil

2. David Ahlstrom und der soziale Anspruch
2.1 Disruptive Innovationen zur Erhöhung der Wohlfahrt
2.2 David Ahlstrom und die rosarote Brille
2.3 Die Gefahren der disruptiven Innovationen

3. Wettbewerbsfähig und fürsorglich - ein Widerspruch?
3.1 Das Überleben kommt an erster Stelle
3.2 Unternehmen + Staat = sozial

4. Die Bedeutung der volkswirtschaftlichen Komponente
4.1 Das volkswirtschaftliche Rezept zur wirtschaftlichen Entwicklung
4.2 Stellenwert der Innovationen in der Wachstumsrechnung

5. Fazit - der scheinbare Widerspruch

6. Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: The Innovators Solution

Abbildung 2: Teufelskreis der Armut

Abbildung 3: Anteile der neoklassischen Produktionsfaktoren am Gesamtwachstum

1. Einleitung - der Stein wird zum Faustkeil

Die Entwicklung der modernen Zivilisation geht zweifelsohne mit der Fähigkeit des Menschen einher, das eigene Umfeld zu gestalten und kontinuierlich zu verbessern. So kann die Erkenntnis, dass ein Stein mehr als ein einfaches Wurfobjekt darstellen kann, als erste nennenswerte Innovation der Menschheit gesehen werden. Auch weit über 800.000 Jahre1 später bestimmen Innovationen den Alltag. Doch inwieweit können Unternehmen dem Anspruch, durch Innovationen die Wohlfahrt der Menschheit zu verbessern, gerecht werden, ohne dabei ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit aus den Augen zu verlieren. Dieser Konflikt eskaliert dadurch, dass Volkswirtschaften sich auf einem unterschiedlichen technischen und wirtschaftlichen Niveau befinden. Es rechtfertigt sich der Ansatz der disruptiven Innovationen, Technologien günstiger und technisch verschlechtert auf den Markt zu bringen, damit der Fortschritt auch Kundengruppen zugänglich gemacht wird, welche sich diesen sonst nicht leisten könnten2. Die vorliegende Ausarbeitung stellt hierbei die Aufsätze von David Ahlstrom (Professor an der Chinesischen Universität von Hong Kong) und Andrew Delios (Professor an der Nationalen Universität von Singapur) gegenüber, welche differierende Auffassungen des oben beschriebenen Konfliktes beleuchten. Zudem soll eine volkswirtschaftliche Analyse zeigen, inwieweit sich Wirtschaftswachstum durch Innovationen erklären lässt.

2. David Ahlstrom und der soziale Anspruch

David Ahlstrom sieht den Zweck einer Unternehmung weniger in der Erzielung von Gewinn, sondern in der Verantwortung gegenüber den Eigentümern, den Mitarbeitern und der Gesellschaft3. Er untermauert diese Sicht mit der Forderung des Ökonomen Milton Friedman, der diese im Jahre 1970 im New York Times Magazine veröffentlichte, dass die Verantwortung der Unternehmen gegenüber den Shareholdern hervorzuheben sei, wobei die Missachtung dieser Verpflichtung die Wettbewerbsfähigkeit negativ beeinflussen kann.

2.1 Disruptive Innovationen zur Erhöhung der Wohlfahrt

Nach Ahlstrom sind die Unternehmen gezwungen Innovationen auf den Markt zu bringen, so dass sich dieses Vorgehen in Wirtschaftswachstum, einer Verringerung der Arbeitslosigkeit und einer Erhöhung der Lebensstandards niederschlägt4. Ahlstrom argumentiert weiter, dass sich diese Entwicklungen nicht nur territorial begrenzt, sondern weltweit zeigen sollten. Er stützt seine Argumentation auf die Robert J. Barro und Xavier Sala-i-Martin definierte Beta- Konvergenz, bei der Entwicklungsrückstände durch einen Zugang zu verbesserten Technologien aufgeholt werden können. In der langen Sicht betrachtet, könne so das Pro- Kopf-Einkommen eines Staates erheblich wachsen5. Die Unternehmen seien dazu angehalten mit Hilfe disruptiver Innovationen dieses langfristige Wachstum aufrecht zu erhalten. Disruptive Technologien bieten Marktteilnehmern neuere und andersartige Leistungen gegenüber bestehenden Produkten an. Dabei wird die Produktleistung der neu auf den Markt gebrachten Produkte meist als schlechter beurteilt, gleichzeitig bieten sie jedoch neue Leistungsattribute, die speziellen Kundengruppen einen Mehrwert bieten. Produkte, die auf einer disruptiven Technologie basieren, sind typischerweise günstiger, einfacher zu handhaben, kleiner und häufig angenehmer zu nutzen6. Aufgrund der Durchdringung neuer Märkte sei es den Unternehmen möglich ein höheres Wachstum zu generieren, welches sich in der Wohlfahrt der Gesellschaft und somit auch der Sicherheit und der Gesundheit niederschlagen würde7. Ahlstrom führt weiter aus, dass insbesondere in den letzten zwei Jahrhunderten eine Generation stets einen höheren Lebensstandard aufweise als deren Vorgänger8. In diesem Zeitraum betrug das Wirtschaftswachstum der USA durchschnittlich 1,8% pro Jahr, so dass sich das Pro-Kopf-Einkommen von ungefähr 3.340$ bis zum neuen Jahrtausend verzehnfachte9. Das Wirtschaftswachstum sei, angelehnt an die neoklassische Theorie des dynamischen Wettbewerbs von Joseph Schumpeter, abhängig von Innovationen und Imitatoren. Der Markt benötigt innovative Unternehmen, die durch eine Verbesserung der eigenen Wettbewerbssituation die Wirtschaft stärken10. Jedoch bestehe die Gefahr, dass sich die Ansprüche der Zielgruppe von den Leistungen der Unternehmen unterscheiden, wenn letztere ihr Angebot stets auf Basis der eigenen Fähigkeiten modellieren. Dieses sei anhand vieler Produkte von Microsoft zu erkennen, welche eine derart vielfältige Funktionalität aufweisen, die in großen Teilen von dem durchschnittlichen Endbenutzer weder gekannt noch nachgefragt wird. Disruptive Innovationen setzen, mit den oben beschriebenen Eigenschaften, am unteren Ende der Marktnachfrage an. Erfolgreiche Beispiele könnten in der Entwicklung des Computers und der Discount-Supermärkte gesehen werden11. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der, zumindest absolut gesehen, größte Teil der Weltbevölkerung weniger als 1.500$ pro Jahr verdient, jedoch Produkte und Leistungen besser entwickelter Unternehmen und Volkswirtschaften nachfragt. Dieser Konflikt sei nur durch die Anpassung des Angebotes an die Nachfrage zu lösen, da sich Technologien im Gegensatz zu den Pro-Kopf-Einkommen kurzfristiger verändern lassen12 - nach Ahlstrom muss die Technologie einige Schritte zurück machen, damit die Weltwirtschaft auf lange Sicht wachsen und unterentwickelte Volkswirtschaften aufholen können.

2.2 David Ahlstrom und die rosarote Brille

Es bestehen keine Zweifel daran, dass ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum das Pro- Kopf-Einkommen auf lange Sicht vervielfachen kann. Jedoch vernachlässigt Ahlstrom, dass 3.000$ am Ende des 19. Jahrhunderts nicht mit 35.000$ im 21. Jahrhundert verglichen werden können. Alleine eine Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten würde diesem Vergleich die Basis rauben. Ebenso vergisst Ahlstrom, dass unterentwickelte Volkswirtschaften natürlicherweise in der Regel schneller wachsen, wenn diese in Sach- und Humankapital investieren. Ahlstrom unterstellt weiterhin, dass wachsende Unternehmen sich gegenüber Mitarbeitern und Kunden ethisch verhalten würden. Es gelingt ihm jedoch darzulegen, dass (disruptive) Innovationen einen - zumindest zeitweisen - Einfluss auf das Geschehen der Weltwirtschaft besitzen. Zudem scheint es plausibel die Nachfrage unterentwickelter Volkswirtschaften durch eine Angleichung des Angebotes abzudecken, um somit den Aufholprozess dieser Nationen zu begünstigen. Getrieben von der Faszination über die Wirkung der Innovationen, vergisst Ahlstrom leider die Argumentation schlüssig und objektiv reflektiert darzulegen.

2.3 Die Gefahren der disruptiven Innovationen

Disruptive Innovationen können im B2C-Bereich, insbesondere aufgrund eines geringen Preises, schnell einen hohen Markterfolg erzielen. Dieses gilt nicht nur für unterentwickelte Volkswirtschaften, sondern beispielsweise auch für Nationen, die durch wirtschaftliche Krisen gezeichnet sind. Da in beiden Fällen der Preis stärker als die Leistungsfähigkeit von Produkten gewichtet wird, geben sich Konsumenten mit einem niedrigeren Standard zufrieden. Der Unterschied zwischen disruptiven Innovationen und solchen, welche eine bestehende Entwicklung weiter fortschreiben, veranschaulicht folgende Grafik13:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: The Innovators Solution

Der wesentliche Aspekt besteht darin, dass Angebote aufgrund disruptiver Innovationen auf der einen Seite zwar einen geringeren Leistungsumfang aufweisen, aber auf der anderen Seite eine vergrößerte Zielgruppe angesprochen werden kann. Zudem bestehen Kostensenkungspotenziale, da beispielsweise auf technische Extras, welche nicht nachgefragt werden, verzichtet werden. Diese Potenziale können durch einen niedrigeren Preis an die Endverbraucher weitergegeben werden. Jedoch weisen disruptive Innovationen auch eine Reihe von Risiken auf, welche in keinem Falle vernachlässigt werden dürfen. Erstens sind hier die fehlenden Incentives für die Mitarbeiter zu nennen. Zu Beginn ist mit geringen Umsätzen zu rechnen, da in aller Regel mit der Durchdringung von Nischenmärkten begonnen wird. Es ist daher schwierig innerhalb eines Unternehmens diesen Innovationen einen adäquaten Stellenwert entsprechend den etablierten Produkten zuzuordnen. Das Management sieht sich mit der Gefahr konfrontiert, dass umsatzbedingte Zielvorgaben nicht eingehalten werden können. Zweitens ist mit den disruptiven Innovationen eine Gefährdung des Kerngeschäftes verbunden. Das bestehende Geschäft kann kannibalisiert werden, so dass die Konsequenzen der disruptiven Konkurrenzprodukte stets überwacht werden müssen. Drittens widerspricht sich der Anspruch, Kapitalreserven zur Sicherung des Kerngeschäftes zu bilden, mit der langfristig erforderlichen Finanzierung disruptiver Strategien. Gerade in den Anfangsjahren sei nur mit geringen Wachstumsraten zu rechnen. Viertens ist es von entscheidender Bedeutung sich bewusst zu machen, dass verschiedene strategische Ansätze eine unterschiedliche Unternehmenskultur benötigen, insbesondere dann, wenn ein etabliertes Unternehmen bei der Gründung eines Start-Up-Unternehmens im Bereich disruptiver Innovationen beteiligt ist14.

3. Wettbewerbsfähig und fürsorglich - ein Widerspruch?

Ahlstrom lässt die Frage offen, inwieweit es Unternehmen gelingen kann, neben der sozialen Verantwortung die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu vernachlässigen. Unter diesem Gesichtspunkt beschreibt Andrew Delios einen anderen Ansatzpunkt Innovationen in einem Unternehmen hervorzubringen.

[...]


1 http://www.holy.or.at/texte/Uni%20Nova%20Basel.%20Am%20Anfang%20war%20der%20Faustkeil.pdf, 02.11.2010

2 http://www.monitor.com/DE/Portals/0/MonitorContent/imported/MonitorGermany/Articles/PDFs/MP_disruptive_innov ation.pdf, 02.11.2010

3 Ahlstrom, D. (2010): Innovation and Growth: How Business Contributes to Society. In: Academy of Management Perspectives 08/2010, S. 11

4 Ahlstrom, D. (2010): Innovation and Growth: How Business Contributes to Society. In: Academy of Management Perspectives 08/2010, S. 11

5 Barro, R. J.; Sala-i-Martin, X. (1998): Wirtschaftswachstum, München, S. 443 ff. 6 Christensen, C. M. (2007): The innovator´s dilemma, New York, 18. Auflage, S. 18

7 Ahlstrom, D. (2010): Innovation and Growth: How Business Contributes to Society. In: Academy of Management Perspectives 08/2010, S. 12

8 Ahlstrom, D. (2010): Innovation and Growth: How Business Contributes to Society. In: Academy of Management Perspectives 08/2010, S. 14

9 Ahlstrom, D. (2010): Innovation and Growth: How Business Contributes to Society. In: Academy of Management Perspectives 08/2010, S. 15

10 Ahlstrom, D. (2010): Innovation and Growth: How Business Contributes to Society. In: Academy of Management Perspectives 08/2010, S. 17

11 Ahlstrom, D. (2010): Innovation and Growth: How Business Contributes to Society. In: Academy of Management Perspectives 08/2010, S. 18

12 Friedman, T. L. (2000): The Lexus and the olive tree: Understanding globalization, New York

13 http://thewaythingsare.typepad.com/photos/uncategorized/2008/09/22/disruptive_innovation_2.jpg

14 http://www.monitor.com/DE/Portals/0/MonitorContent/imported/MonitorGermany/Articles/PDFs/MP_disruptive_innov ation.pdf, 07.11.2010

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wachstum durch Innovationen - Ein Konflikt zwischen sozialem Engagement und Wettbewerbsfähigkeit?
Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V166402
ISBN (eBook)
9783640824731
ISBN (Buch)
9783640824540
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Delios, BWL, Wachstum, Innovation, VWL
Arbeit zitieren
Stefan Evers (Autor), 2010, Wachstum durch Innovationen - Ein Konflikt zwischen sozialem Engagement und Wettbewerbsfähigkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166402

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