Um sich angesichts der veränderten Bedingungen behaupten zu können, brauchen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute mehr denn je umfassende berufliche und soziale Kompetenzen. Sie müssen in der Lage sein, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen selbstständig und kompetent zu bewerten und zu gestalten“ (BMBF 2009, S.60) Im neuesten Berufbildungsbericht (2009) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden datengestützte Informationen zu zentralen Entwicklungen und Rahmenbedingungen der Berufsbildung niedergelegt. Auf dieser Grundlage, als einem Instrument neben anderen, soll es Politik und Wirtschaft ermöglicht werden, auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu reagieren. Einer der zentralen Thesen, die Wichtigkeit beruflicher und sozialer Kompetenz betreffend, kommt eine Schlüs-selstellung zu. Hier findet sich die Aktualität der Frage nach der Definition und dem Stellenwert von Kompetenz und der dazugehörigen Theorie in der Berufausbildung.
In dem Seminar „Kompetenztheorie im Kontext beruflichen Lernens“ wurden die verschiedensten Begriffs- und Theorieansätze, unter welchen der Kompetenzbegriff subsumiert wird, behandelt und diskutiert. Dabei wird in dem wissenschaftlichen Diskurs gerade der Kompetenzbegriff vielfach ähnlich und genauso häufig unter-schiedlich genutzt und interpretiert. Dabei stimmen die meisten Definitionsansätze darin überein, dass Kompetenzen an das Subjekt und seine Befähigung zu eigenverantwortlichem Handeln gebunden sind.
Mit einer Expertise um Eckard Klieme ist die Diskussion um den Kompetenzbegriff in Curricula in großem Rahmen angestoßen worden. Im Bericht zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards werden allgemeine Bildungsziele aufgegriffen und in Kompetenzen formuliert, welche als Zielvorgaben für bestimmte Alterstufen und Jahrgänge dienen sollen (vgl. Klieme et al. 2007, S.9f). Es folgte die Diskussion um die Übertragbarkeit auf die berufliche Bildung. Schon nach PISA 2000 wurden Konzepte erörtert, welche Anhand eines komplexen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Perspektive in der Diskussion um Kompetenz
3. Kompetenzkonzepte – Theoretische Basis
4. Das Kompetenzkonzept des BIBB - Projektes
5. Erprobung des Konzeptes
5.1 Grobe Skizzierung der Erprobung – Schneidung Handlungsfelder
5.2 Grobe Skizzierung der Erprobung – Bestimmung der Kompetenzbereiche
6. Mittelfristige Anschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit dem vom BIBB entwickelten Kompetenzkonzept, das darauf abzielt, Ausbildungsordnungen durch eine kompetenzorientierte Gestaltung flexibler und moderner zu gestalten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, wie theoretische Kompetenzmodelle in die praktische Gestaltung beruflicher Bildungsstandards integriert werden können und welche Herausforderungen sich bei der Operationalisierung von Handlungsfeldern ergeben.
- Grundlagen der Kompetenztheorie im beruflichen Lernkontext
- Analyse des Kompetenzmodells des BIBB-Forschungsprojekts
- Methodische Vorgehensweise bei der Erprobung in ausgewählten Berufen
- Vergleich zwischen Handlungsfeldern und Ausbildungsbausteinen
- Kritische Reflexion zur Operationalisierung und wissenschaftlichen Fundierung
Auszug aus dem Buch
5. Erprobung des Konzeptes
Während in dem Zwischenbericht vom Februar 2008 noch keine konkreten Aussagen zur Form der Erprobung standen sind mittlerweile Ausschnitte hiervon in Manuskriptform in Umlauf. Für eine Kritik an dem Erprobungsansatz soll dieser zunächst auf Grundlage eines vorläufigen BWP Artikels sowie dem Vortrag von einem der Projektmitarbeiter, Herrn Schreiber am 25.03.2009 an der Helmut Schmidt Universität der Bundeswehr Hamburg, vorgestellt werden.
Demzufolge wurde das Modell im kaufmännisch-verwaltenden, gewerblich-technischen und personenbezogenen Dienstleistungsbereich erprobt. Dabei standen die Berufe Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel, Zerspanungsmechaniker/-in, Tischler/-in und Medizinische/r Fachangestellt/r im Mittelpunkt. Die Auswahl dieser Berufsbilder wird mit den hohen Ausbildungszahlen, dem Grad der Modernisierung sowie den unterschiedlichen Prüfungsformen begründet (vgl. Hensge et al 2009, S.3). Dabei sollte in erster Linie der Versuch unternommen werde, das bereits angesprochene Kompetenzmodell mit berufsspezifischen Termini zu füllen um dann, quasi rückwirkend, mögliche Formen der kompetenzbasierten Ausbildungsordnung zu evaluieren. Dieses prozesshafte Vorgehen sollte bzw. soll Ergebnisse und Erfahrungen liefern, die in Gestaltungsempfehlungen für die kompetenzorientierte Weiterentwicklung von Ordnungsmitteln abgeleitet werden können.
Ferner lauten demnach die spezifischen Forschungsfragen in diesem Abschnitt der Studie: „1. Wie werden Arbeits- und Geschäftsprozesse in dem jeweiligen Beruf gedeutet und wie können Handlungsfelder geschnitten werden? 2. Wie werden in den Handlungsfeldern unter Berücksichtigung der im Modell angelegten Dimensionen beruflicher Handlungskompetenz, Kompetenzbeschreibungen ermittelt? 3. Wie können die Handlungsfelder und deren Kompetenzbeschreibungen in einem Verordnungstext dargestellt werden?“ (Hensge et al 2009, S.3).
An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass die in diesem Projekt genannten Handlungsfelder, vom Konzept her, nicht neu sind. Bereits im Sommer 2007 gab es eine Pilotinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Umsetzung der Förderung von Altbewerbern/-bewerberinnen mit einem Konstrukt, das dem der Handlungsfelder ähnelt. Durch die Anregungen des Innovationskreises berufliche Bildung (IKBB) wurde das Bundesinstitut für Berufsbildung damit beauftragt, auf der Basis der bereits bestehenden Ausbildungsordnungen bundeseinheitliche und kompetenzbasierte Ausbildungsbausteine für 14 Ausbildungsberufe zu entwickeln (vgl. Frank, Grunwald 2008, S.14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Kompetenzorientierung in der Berufsbildung ein und skizziert das vom BIBB initiierte Forschungsprojekt zur Entwicklung eines eigenen Kompetenzmodells.
2. Theoretische Vorüberlegungen: Dieses Kapitel setzt sich mit der wissenschaftlichen Metaperspektive auf das BIBB-Modell auseinander, ohne dabei grundlegende pragmatische Zielvorgaben vorab zu bewerten.
2.1 Perspektive in der Diskussion um Kompetenz: Hier werden die bildungspolitischen Einflussfaktoren der letzten Jahre wie PISA, EQR und ECVET beleuchtet, die den Bedarf nach einer kompetenzorientierten Ausbildung begründen.
3. Kompetenzkonzepte – Theoretische Basis: Das Kapitel diskutiert die Schwierigkeiten der Kompetenzdiagnostik in der Berufsbildung und stellt das BIBB-Forschungsvorhaben in den Kontext bestehender Studien wie VET-LSA.
4. Das Kompetenzkonzept des BIBB - Projektes: Vorstellung des Referenzrahmens des BIBB, der auf der beruflichen Handlungskompetenz basiert und eine Matrixstruktur zur Verknüpfung von Kontext und Individuum nutzt.
5. Erprobung des Konzeptes: Dokumentation der praktischen Anwendung des Modells in vier ausgewählten Berufsfeldern unter Berücksichtigung spezifischer Forschungsfragen.
5.1 Grobe Skizzierung der Erprobung – Schneidung Handlungsfelder: Erläuterung der methodischen Schritte zur Identifizierung typischer Arbeits- und Geschäftsprozesse sowie der Unterscheidung zwischen linearen und parallelen Strukturen.
5.2 Grobe Skizzierung der Erprobung – Bestimmung der Kompetenzbereiche: Beschreibung der Operationalisierung der Kompetenzquadriga und der Nutzung von Expertenwissen zur Definition von Kompetenzzielen innerhalb der Handlungsfelder.
6. Mittelfristige Anschlussbetrachtung: Ein kritisches Resümee über den bisherigen Sachstand, das auf die Lücken in der theoretischen Fundierung hinweist und auf den noch ausstehenden Abschlussbericht verweist.
Schlüsselwörter
Berufsbildung, Kompetenzmodell, BIBB, Handlungskompetenz, Ausbildungsordnung, Kompetenzdiagnostik, Handlungsfelder, Berufsbildungsbericht, Lernfeldcurricula, berufliche Handlungsfähigkeit, Qualifikationsrahmen, Kompetenzorientierung, Operationalisierung, Praxisrelevanz, Berufspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) entwickelte Kompetenzmodell, das zur Neugestaltung und Modernisierung von Ausbildungsordnungen eingesetzt werden soll.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Fundierung von Kompetenzbegriffen, der praktischen Erprobung des BIBB-Konzepts in verschiedenen Berufen und dem Vergleich zu anderen Ansätzen wie den Ausbildungsbausteinen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Ansatz des BIBB zur kompetenzbasierten Gestaltung von Ausbildungsordnungen systematisch darzustellen und kritisch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine metatheoretische Untersuchung und Literaturanalyse, kombiniert mit der Auswertung von Projektberichten und ergänzenden Vortragsinhalten der beteiligten Forscher.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Vorüberlegungen, die Vorstellung des BIBB-Modells sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Erprobung des Modells in vier ausgewählten Berufsfeldern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Berufliche Handlungskompetenz, BIBB, Ausbildungsordnung, Handlungsfelder und Kompetenzdiagnostik charakterisiert.
Wie unterscheiden sich Handlungsfelder von Ausbildungsbausteinen laut dem Autor?
Der Autor stellt fest, dass beide Ansätze eng mit dem Kompetenzbegriff verknüpft sind, jedoch unterschiedliche Schwerpunkte in der linearen Strukturierung von Lernprozessen und der Integration von Anforderungen setzen.
Welche Kritik äußert der Verfasser am Vorgehen des BIBB?
Der Verfasser kritisiert vor allem das Fehlen einer einheitlichen theoretischen Basis und die pragmatische Vorgehensweise, bei der wissenschaftlich validierte Ansätze zugunsten rein ökonomischer Zweckmäßigkeit in den Hintergrund rücken könnten.
- Quote paper
- B.A. Maximilian Stangier (Author), 2009, Kompetenzstandards in der Berufsbildung – Ein Kompetenzkonzept des BIBB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166616