Paulo Freire und sein Einfluss auf die pädagogische Praxis. Die Pädagogik der Unterdrückten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leben Paulo Freires

3. Gesellschaftliche Hintergründe

4. „Das dialogische Prinzip“

5. „Conscientizacao“

6. Einflüsse

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Im Zuge des Blockseminars „Die ungelösten Probleme der Erziehung“, das von Prof. Dr. Dr. Winfried Böhm im Sommersemester 2009 vom 10. bis zum 12. Juni auf Kloster Banz durchgeführt wurde, beschäftigten wir uns neben bedeutenden Einflussgrößen auf die Pädagogik wie Platon, Pestalozzi, Rousseau oder Marx auch mit dem brasilianischen „Volkerzieher“ Paulo Freire.

Seine freiheitliche Sicht von Erziehung und seine Alphabetisierungskampagnen in Südamerika haben mich sehr beeindruckt, sodass ich mich entschloss, die Pädagogik Freires als Hausarbeitsthema zu wählen.

Im Folgenden werde ich das Leben Freires vor dem Hintergrund seiner pädagogischen Arbeit und seines Einflusses auf die pädagogische Praxis beleuchten. Dabei möchte ich auch die gesellschaftlichen Hintergründe in Brasilien darstellen, die Freire zu seiner Alphabetisierungsarbeit angehalten haben.

Grundlage dieser Arbeit war für Paulo Freire das „dialogische Prinzip“, das ein ebenbürtiges Verhältnis von Lehrer und Lernendem voraus setzt, sowie die Bewusstseinsbildung („Conscientizacao“), die auf die Befreiung von unterdrückerischen Verhältnissen aus sich selbst heraus abzielt. Er war der Meinung, dass man dies nur durch Alphabetisierung und Aufklärung erreichen könne und wird deshalb als Mahner für die soziale und politische Verantwortung der Wissenschaften und der Erziehung bezeichnet. Zahlreiche internationale pädagogische Institutionen tragen seinen Namen.

2. Das Leben Paulo Freires

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Paulo Freire wird am 19. September 1921 in Recife/ Pernambuco im Nordosten Brasiliens, in einem der unterentwickelsten und ärmsten Gebiete der Erde geboren.

Sein Vater ist Offizier der Militärpolizei und bringt viel Verständnis für den Jungen auf. Bereits vor Schulbeginn bringt er ihm Lesen und Schreiben bei. Das Lehrprinzip seines Vaters verwendet Freire später in seiner Alphabetisierungsarbeit.

Die Familie gehört bis zur Weltwirtschaftskrise dem Mittelstand an, als der Vater jedoch stirbt, steigt sie sozial ab und erlebt Hunger und Leid. Freire muss zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und verpasst deshalb viel Lernstoff in der Schule, seine Leistungen sind schlecht (vgl. Bräuer, Rolf: „Soziale Konstitutionsbedingungen politischen Lernens in der Theorie Paulo Freires: Eine Auseinandersetzung mit der Theorie Freires unter dem Aspekt ihrer Übertragbarkeit auf Arbeiterbildung in der BRD“, S. 7 ff.).

Mit elf Jahren fasst er den Entschluss, sein Leben dem Kampf gegen den Hunger zu widmen.

Nach der Schule beginnt er Jura zu studieren, unterbricht es allerdings zugunsten der Familie. 1944 kann er das Studium beenden und wird Anwalt für Gewerkschaften, leitet dort rechtskundliche Kurse und arbeitet als Portugiesischlehrer.

Im gleichen Jahr heiratet der 23- Jährige Paulo die Grundschullehrerin Elza Maria Costa. Aus dieser Ehe gehen fünf Kinder hervor.

Seine juristische Tätigkeit gibt Freire recht schnell wieder auf, da es ihn nicht erfüllt, das Besitztum der Reichen zu verteidigen. Sein Interesse verlagert sich zunehmend auf die Bereiche Pädagogik, Psychologie, Philosophie und Sprachen.

1946 bis 1956 ist Freire Leiter für Erziehung und Kultur, die letzten zwei Jahre sogar Direktor des Sozialdienst der Industrie (SESI), der soziale Infrastruktur für Industriearbeiter wie beispielsweise Kranken- oder Erholungsheime, Kindergärten, Freizeitstätten und Schulen organisiert. Seine Aufgabe stellt die Elternarbeit im Kindergarten und der Primarschule dar und er gründet zum besseren Informationsaustausch Elterzirkel. Auseinandersetzungen mit den Gremien des SESI veranlassen ihn allerdings zum Rücktritt aus seiner Position.

Gemeinsam mit anderen Pädagogen veranstaltet er Theateraufführungen und Weiterbildungsveranstaltungen und organisiert Kummerkästen um das Bewusstsein darüber zu schaffen, dass lokale Nöte unmittelbar mit der regionalen und nationalen Wirklichkeit zusammen hängen und um die Menschen zur politischen Partizipation und Selbstorganisation befähigen zu können (vgl. Bräuer, S. 18 ff.)

Paulo Freire kriegt die Ehrendoktorwürde der Universität Recife verliehen und übernimmt den Lehrstuhl für Geschichte und Philosophie der Erziehung an der „Escola de Belas Artes“, wobei er Kontakt mit der radikalen katholischen Studentenorganisation (JUC) pflegt und zu schreiben beginnt.

Des Weiteren wird er Beauftragter für studentische Angelegenheiten des Rektoriats der Uni und gründet ein Kulturzentrum für Studenten sowie einen „Kulturkreis“ für Erwachsene, in denen er seine Alphabetisierungsarbeit plant.

Darin wird er auch durch seine Mitarbeit als Leiter der Erwachsenenbildung beim „Movimento de Cultura Popular“ (MCP), der Bewegung für Volkskultur beeinflusst, dessen Ziel die berufliche, kulturelle und politische Aus- und Weiterbildung unterprivilegierter Bevölkerungsschichten ist. Es werden Diskussionen über Erziehungsprobleme gehalten und Elternclubs, Lese- Theater- und Filmclubs gegründet.

Freire beginnt 1963 mit seiner groß angelegten Alphabetisierungkampagne. Seine 30-stündigen Kurse, in denen er mithilfe der Silbenmethode und Visualisierung Erwachsenen Lesen und Schreiben beibringt erhalten langsam Publizität. Interdisziplinäre Forscherteams beschäftigen sich mit den spezifischen brasilianischen Problemen um sie in Seminaren innerhalb und außerhalb der Universität aufzuarbeiten. Freires Methode wird erprobt und ist erfolgreich, allerdings wird er durch das Regime als „gefährlicher Subversiver“ eingeschätzt (vgl. Freire, Paulo: „Schule, die Leben heißt , Befreiungstheologie konkret; ein Gespräch“, S. 15) Die Massenerprobung seiner Methode wird 1964 durch den Militärputsch in Brasilien verhindert. Aus Solidarität mit den Jugendlichen, die „sich auf seine Pädagogik eingelassen hatten und ins Gefängnis gingen“ bleibt er im Land (Freire, S. 55).

Im Juni 1964 wird Paulo Freire verhaftet und nach 70 Tagen Haft nach Chile ausgewiesen. Seine Ideen werden von den Militärs übernommen und verfemt.

Im Exil fungiert der „Volkserzieher“ allerdings als UNESCO Berater, arbeitet weiterhin an seinen Ideen und startet neue Alphabetisierungskampagnen. Seine Frau Elza begleitet ihn ins Exil und macht ihm keinerlei Vorwürfe. (vgl. Freire, S. 104)

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Paulo Freire und sein Einfluss auf die pädagogische Praxis. Die Pädagogik der Unterdrückten
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Philosophisches Institut 2)
Veranstaltung
Die Grundfragen der Pädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V166822
ISBN (eBook)
9783640829286
ISBN (Buch)
9783640829064
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paulo Freire, Conscientizacao, Das dialogische Prinzip, Volkserzieher, Alphabetisierungskampagne, Bewusstseinsbildung, Pädagogik der Unterdrückten, Pädagogik der Freiheit, Brasilien, Befreiung
Arbeit zitieren
Lara Luckwaldt (Autor), 2010, Paulo Freire und sein Einfluss auf die pädagogische Praxis. Die Pädagogik der Unterdrückten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166822

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