Das 4CID Modell: ein Anwendungsbeispiel für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern-/Familienbildung


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Das 4CID Modell in der praktischen Anwendung: Ein Lehrplanentwurf für den Bildungswissenschaftler in der Eltern- und Familienbildung
2.1 Die Fertigkeitenhierarchie
2.2 Die Sequentialisierung der Aufgabenklassen
2.3 Scaffolding mittels Lernaufgaben
2.4 Informationen zu wiederkehrenden und nicht-wiederkehrenden Fertigkeiten
2.4.1 Unterstützende Informationen (supportive information)
2.4.2 Just-in-Time Informationen (JIT-information)

3. Theoretische Einordnung
3.1 Lerntheoretische Hintergründe und Aspekte des situierten Lernens
3.2.Didaktische Szenarien zur Integration in das 4CID Modell
3.3 Mediendidaktische Überlegungen zum 4CID Modell

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Fertigkeitenhierarchie für den Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- und Familienbildung (eigener Entwurf)

Abbildung 2: Aufgabenformat und Scaffolding (eigner Entwurf)

Abbildung 3: Pr ä sentationsstrategien für unterstützende Informationen (eigener Entwurf)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vereinfachende Annahmen mit Aufgabenklassen (eigene Darstellung)

1. Einleitung

Das im Zentrum dieser Arbeit stehende 4-Komponenten-Instuktionsdesign Modell (engl. 4 Component Instructional Design) gilt nach Niegemann et al. ,,derzeit international als wichtigstes Modell fur das Training komplexer kognitiver Fahigkeiten" (2008, S. 36). Die vorliegende Ausarbeitung legt in einem Praxisteil ein Anwendungsbeispiel des Modells anhand eines Trainingsent- wurfs für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- und Familien- bildung vor. Ein sich anschließender Theorieteil nimmt Stellung zu lerntheore- tischen Hintergründen, didaktischen Szenarien und Medieneinsatz in Bezug auf das 4CID Modell.

Vorab soll an dieser Stelle der Bereich Eltern- und Familienbildung knapp um- rissen werden. Das Handlungsfeld der Eltern- und Familienbildung ist in Deutschland sowohl inhaltlich als auch strukturell sehr heterogen. Als Teilge- biet der Erwachsenenbildung wird Eltern- und Familienbildung sowohl infor- mell, in Formen der Selbsthilfe, als auch institutionell betrieben. Ein Großteil der institutionellen Eltern- und Familienbildung findet in Familienbildungsstät- ten statt. Einen guten Überblick über diesen Bildungsbereich liefert die Inter- netseite http://www.familienbildung.info/index.htm. Im Rahmen dieser Arbeit wird das Anwendungsbeispiel auf das Arbeitsfeld Familienbildungsstätte (in dieser Arbeit abgekürzt: FBS) eingegrenzt. Dabei wird unterstellt, dass der Bildungswissenschaftler darauf vorbereitet werden soll, die Verantwortung für den Geschäftsbereich Kurs- und Seminarprogramm zu übernehmen, wobei er selbst keine Lehrtätigkeit ausübt.

Es ist der besseren Lesbarkeit geschuldet, dass in dieser Arbeit lediglich das männliche Genus benutzt wird. Die entsprechenden Stellen beziehen selbstverständlich die weiblichen Formen mit ein.

2. Das 4CID Modell in der praktischen Anwendung Ein Lehrplanentwurf für den Bildungswissenschaftler in der Elternund Familienbildung

Gesellschaftlicher Wandel und technische Entwicklungen haben einen im- mensen Einfluss auf Bildungsprozesse. Einerseits werden die Systeme, in denen wir uns bewegen immer komplexer und für den einzelnen weniger durchschaubar. Andererseits liefert die technische Entwicklung mit Hilfsmit- teln, wie beispielsweise Hypermediasystemen, Möglichkeiten, Faktenwissen in beliebiger Menge ,zu bevorraten'. Die Wichtigkeit deklarativer Wissensbestän- de tritt an vielen Stellen hinter prozeduralem Wissen zurück, wodurch eine Anpassung der Bildungsprozesse an diese neuen Relationen notwendig wird. Schon 1997 veröffentlichte Jeroen J.G. van Merrienboer mit dem 4CID Modell einen auf den Theorien des Instructional Designs und des komplexen Lernens basierenden Ansatz zur Konzeption authentischer Lernumgebungen. Authen- tizität wird hierbei in erster Linie durch realitätsbezogene Lernaufgaben er- reicht, die eine integrierte Vermittlung von Fertigkeiten, Kenntnissen und Ein- stellungen vorsehen und somit den Wissenstransfer unterstützen (Bastiaens, Deimann, Schrader, Orth, 2010, S. 87). Zu diesem Zweck sieht das 4CID Mo- dell die Verschränkung folgender vier Komponenten vor:

1. Authentische, bedeutungsvolle, praxisbezogene Lernaufgaben
2. Unterstützende Informationen für nicht-wiederkehrende Fertigkeiten
3. Just-in-time Informationen für rekurrierende Fertigkeiten
4. Part-task-Practice.

Die ersten drei Komponenten werden in dieser Arbeit anhand des Trainings- entwurfs für den Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- und Familien- bildung erläutert. Part-task-Practice nimmt im 4CID Modell eine Ausnahme- stellung ein - es ist die einzige Komponente, die nicht ganzheitlich angelegt ist. Sie wird nur benötigt, wenn es darum geht, wiederkehrende Fertigkeiten einzuüben, die in hohem Maße automatisiert werden sollen (Bastiaens et al, 2010, S. 92).

Um diese Komponenten zu einem ganzheitlich angelegten Lehrplan zu verknüpfen, schlägt van Merrienboer insgesamt 10 Schritte vor, von denen an dieser Stelle nur die wichtigsten nachvollzogen werden können. Das Gesamtkonzept ist bei van 0HUULɺQERHU und Kirschner (2007) nachzulesen.

2.1 Die Fertigkeitenhierarchie

Bevor ein Lehrplanentwurf angefertigt wird, sollte sich dessen Designer über die Lernziele im Klaren sein. Daher besteht sein erster Arbeitsschritt in der Zerlegung der zu vermittelnden Gesamtkompetenz in konstituierende Teilfer- tigkeiten. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Fertigkeiten ein Exper- te auf seinem Gebiet beherrscht. Diese werden dann als Leistungsziele defi- niert. Sodann werden die Interdependenzen zwischen den Fertigkeiten unter- sucht, um sie nach zeitlichen und konditionalen Gesichtspunkten in einer Fer- tigkeitenhierarchie anzuordnen. Die so entstehende Hierarchie bildet temporä- re Zusammenhänge als horizontale Relation von links nach rechts ab, wäh- rend konditionale Voraussetzungen vertikal von unten nach oben auf einander aufbauen (Bastiaens et al. 2010, S. 95). Nach van Merrienboer und Kirschner gibt der konditionale Aufbau Aufschluss auf die Frage, ,,which more specific skills are necessar to be able to perform the more general skill under consideration" (2007, S. 81, Hervorhebung im Original). Temporäre Relationen betreffen gegeneinander abgrenzbare Fertigkeiten, die gegeben sein müssen, um die Gesamtkompetenz auszuüben. Wie van Merrienboer und Kirschner darstellen, geben sie Antwort auf die Fragestellung: ,,Are there any other skills necessary to be able to perform the skill under consideration" (S. 81, Hervorhebung im Original). Temporäre Zusammenhänge können sequen- tielle Abhängigkeiten (die linke Fertigkeit muss verrichtet sein, bevor die rech- te ausgeübt werden kann) sowie simultan ablaufende als auch in der Reihen- folge austauschbare Verrichtungen anzeigen (S. 81 f.). Neben dem Anliegen, die jeweiligen Standards zu fixieren, dient die Fertigkeitenhierarchie auch der Identifizierung wiederkehrender und nicht-wiederkehrender Fertigkeiten (Bas- tiaens et al. 2010, S. 95). Dieser Punkt wird in Kapitel 2.4 wieder aufgegriffen und vertieft.

Der zu erarbeitende Blueprint basiert auf der in Abbildung 1 dargestellten Fer- tigkeitenhierarchie. Eine zentrale Stellung nimmt die Erstellung des Seminar- und Kursprogramms ein. Dieses ist eingebettet in temporäre Abläufe: Bevor das Programm aufgestellt werden kann, gilt es den Bedarf zu planen; nach- dem es veröffentlicht wurde, gilt es die darin angebotenen Kurse und Semina- re zu begleiten und schließlich zu. Die Anordnung anderer Teilfertigkeiten un- terliegt simultanen bzw. austauschbaren Abläufen. Während der Betreuung des aktuellen Semesterprogramms kann mit der Evaluierung bereits abgeschlossener Veranstaltungen begonnen werden. Ob die Öffentlichkeitsarbeit vor oder nach Veröffentlichung des Kursprogramms betrieben wird, ist eine Entscheidung, die von Fall zu Fall unterschiedlich gehandhabt wird, somit be- steht für diese Fertigkeiten eine austauschbare Reihenfolge. Der Übersicht- lichkeit halber werden diese Relationen in Abbildung 1 nur auf der obersten konditionalen Ebene markiert.

Zur Erlauterung der konditionalen Relation soil aus der Fertigkeit .Seminarund Kursprogramm aufstellen' die Teilfertigkeit .wirtschaftliche Realisierbarkeit uberprufen' herausgegriffen werden: Die Oberlegungen starten mit der Ermittlung der Kosten, die dem Bildungsträger entstehen. Dazu muss der Bildungs- wissenschaftler wissen, welche großen Kostenträger zur berücksichtigen sind. In die Berechnung der Teilnehmerbeiträge ist jedoch die Gewährung von För- dermitteln einzubeziehen. Da die öffentliche Hand in aller Regel nach dem Subsidiaritätsprinzip fördert, fließt die erstellte Kostenrechnung in die Bearbei- tung der Förderanträge mit ein. Um diese Anträge stellen zu können, muss der Bildungswissenschaftler wissen, welche Fördertöpfe zur Verfügung stehen. Unter Einbezug der Elemente .Kostenrechnung' und .Fordermittel' wird der Bildungswissenschaftler in die Lage versetzt, Teilnehmerbeitrage zu kalkulieren. Diese Fertigkeit wird benötigt, um die ermittelten Beiträge mit denen anderer Bildungsanbieter zu vergleichen und abzuwägen, ob die Preiskalkula- tion marktgängig ist. Diese Fähigkeit ist wiederum konstituierend für Überle- gungen darüber, ob und unter welchen Umständen die geplanten Bildungs- maßnahmen wirtschaftlich realisierbar sind sowie für die Entscheidung, wel- che Angebote das künftige Kurs- und Seminarprogramm umfassen sollte.

2.2 Die Sequentialisierung der Aufgabenklassen

Die Definition von Teilfertigkeiten wird häufig zur Portionierung der Stofffülle genutzt. Dieses Vorgehen nimmt in Kauf, dass Lernende erst gegen Ende der Schulung die Möglichkeit erhalten, alle Fertigkeiten zu integrieren. Dem steht der ganzheitliche Ansatz des 4CID Modells gegenüber, das - bis auf die hochgradig automatisierenden Part-Task-Practice Einheiten - stets mit der gesamten Kompetenz arbeitet (van Merrienboer, Kirschner & Kester 2003, S. 5 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das 4CID Modell: ein Anwendungsbeispiel für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern-/Familienbildung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V170286
ISBN (eBook)
9783640890705
ISBN (Buch)
9783640890941
Dateigröße
1113 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die HA wurde mit der Note 1,3 bewertet. Als Manko wurde die fehlende Bezugnahme auf das ausgearbeitete Anwendungsbeispiel im Fazit gewertet.
Schlagworte
4CID, 4C/ID, Instructional Design, Familienbildung, Bildungswissenschaftler
Arbeit zitieren
Martina Thomas (Autor), 2010, Das 4CID Modell: ein Anwendungsbeispiel für einen Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern-/Familienbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170286

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