Vieles im Leben beeinflusst den Bildungserfolg von Kindern. Die gesamte Lebensplanung im öffentlichen Bereich, die Schule, sowie im privaten Bereich, die Familie, ist eng mit dem Bildungsverlauf und -erfolg der Individuen verbunden. Familie und Schule sind somit die zentralen Lebensbereiche für Kinder, die ihre Entwicklungs- und Lebenschancen beeinflussen. In den letzten Jahrzehnten haben große gesellschaftliche Veränderungen die beiden Systeme Familie und Schule betroffen, wodurch sich die Situation der Kinder im Zusammenhang mit Bildungsprozessen verändert hat. Möglichkeiten der Einzelnen für die Teilnahme am Bildungssystem im Lebenszyklus sowie für das Zusammenwirken von Familien und Erziehungs- und Bildungseinrichtungen verändern sich. Auf der einen Seite wird die Familie zunehmend mit neuen Herausforderungen konfrontiert, auf der anderen Seite werden die Bildungs- und Betreuungsdefizite aufgrund internationaler Vergleiche bezüglich der schulischen Leistungen und der institutionellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Schulsysteme deutlich. Anhand dieser Arbeit soll das Verhältnis von Familie und Schule und ihr Einfluss auf den Bildungserfolg des Einzelnen herauskristallisiert werden. Daran anschließend wird das Augenmerk auf die Ganztagsschule (im Folgenden GTS) gerichtet, inwiefern sie in diesem Zusammenhang an Bedeutung gewinnt.
Zu Beginn wird auf die Bildungssituation im Kindesalter eingegangen und auf die Bedeutung der formalen, informellen und non-formalen Bildung hingewiesen. Da die Schule, neben der Familie, als zweite zentrale Institution der Sozialisation von Kindern anzusehen ist, wird anschließend das strukturelle Verhältnis der beiden Instanzen Familie und Schule beschrieben. Nach der Skizzierung der historischen Entwicklung des Verhältnisses von Familie und Schule, werden die unterschiedlichen Ziele und Funktionen der Instanzen dargestellt. Konkret stellt sich die Frage nach der Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Familie, damit Schüler eine positive Entwicklung erfahren können. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft
3. Verhältnisbestimmungen von Familie und Schule
3.1. Historische Perspektiven
3.2. Ziele und Funktionen von Schule und Familie
3.3. Kooperation von Familie und Schule
4. Der Einfluss familialer Ressourcen auf die schulische Entwicklung
4.1. Ökonomisches Kapital
4.2. Kulturelles Kapital
4.3. Soziales Kapital
5. Familiale Risikofaktoren und Auswirkung auf den Bildungserfolg
6. Chance der Ganztagsschule
6.1. GTS als familiale Unterstützungsmaßnahme
6.2. Annäherung der Bildungschancen durch die Ganztagsschule
6.3. Verbesserte Kooperation durch die Ganztagsschule
6.4. Kritische Anmerkungen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Familie und Schule als zentrale Sozialisationsinstanzen und analysiert, inwiefern familiale Ressourcen den Bildungserfolg von Kindern beeinflussen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, welche Rolle die Ganztagsschule bei der Kompensation sozialer Disparitäten und der Unterstützung von Familien spielen kann.
- Strukturelles Verhältnis und Kooperation zwischen Familie und Schule
- Einfluss von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital auf den Bildungserfolg
- Familiale Risikofaktoren für die schulische Entwicklung
- Potenziale und Grenzen der Ganztagsschule als Bildungs- und Betreuungsinstanz
Auszug aus dem Buch
4.1. Ökonomisches Kapital
Auch finanzielle Ressourcen können einen Beitrag zum schulischen Erfolg von Kindern leisten. So können wohlhabende Familien ihre Kinder auf bessere Schulen anmelden oder ihre Kinder mit besseren Lehrmitteln ausstatten. Das Familieneinkommen spielt eine wichtige Rolle bei der Frage, ob Kinder über längere Zeiträume zur Schule geschickt werden können. Heutzutage lohnt es sich für die meisten Familien, wenn beide Eltern arbeitstätig sind und ihre Kinder durch Schulen und sonstige Erziehungseinrichtungen gut betreut werden. Der materielle Hintergrund hat zudem einen Einfluss auf die kognitive Entwicklung der Kinder, denn Aspekte, wie die Verfügbarkeit von Büchern, können sich kognitiv stimulierend auf die Heranwachsenden auswirken.
Darüber hinaus hängt es von dem materiellen Hintergrund ab, wie viel Zeit die Eltern für die Hausaufgabenbetreuung aufbringen können. An dieser Stelle ist die Befundlage weniger eindeutig, ob diese sich positiv auf den Bildungserfolg auswirkt. Während einige Studien darauf verweisen, dass von Hausaufgaben keine systematischen Effekte auf schulische Leistungen ausgehen, belegen andere Studien, dass kontinuierliche Hausaufgaben durchaus mit eine positive Leistungsentwicklung bewirken, aber die Länge der Hausaufgabenzeit nicht in einem linearen Zusammenhang zur schulischen Leistung steht. Hausaufgaben werden mit einer erzieherischen Funktion begründet, die zum Aufbau von positiven Lernhaltungen und von Fähigkeiten zum selbstregulierten Lernen beitragen sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Bedeutung von Familie und Schule für den Bildungserfolg und führt die Ganztagsschule als zentralen Untersuchungsgegenstand ein.
2. Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft: Dieses Kapitel erörtert Orte der Kompetenzaneignung und definiert einen umfassenden Bildungsbegriff, der formale, informelle und non-formale Bildungsprozesse einschließt.
3. Verhältnisbestimmungen von Familie und Schule: Es werden das historische Spannungsverhältnis sowie die Ziele und Funktionen beider Institutionen analysiert und die Notwendigkeit gelingender Kooperation hervorgehoben.
4. Der Einfluss familialer Ressourcen auf die schulische Entwicklung: Dieses Kapitel untersucht mittels Bourdieus Kapitaltheorie, wie ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital den kindlichen Bildungserfolg und den Habitus maßgeblich prägen.
5. Familiale Risikofaktoren und Auswirkung auf den Bildungserfolg: Hier werden die Auswirkungen von Modernisierungsprozessen, Familienformen und Armut auf die kindliche Entwicklung und schulische Laufbahn beleuchtet.
6. Chance der Ganztagsschule: Das Kapitel analysiert die Potenziale der Ganztagsschule als Unterstützungsinstanz, zur Chancengleichheit und verbesserten Kooperation, formuliert jedoch auch kritische Anmerkungen zur Umsetzung.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Bildung maßgeblich von elterlicher Unterstützung abhängt und die Ganztagsschule zwar eine Chance bietet, aber keine isolierte Lösung für strukturelle Bildungsdefizite darstellt.
Schlüsselwörter
Bildungserfolg, Ganztagsschule, Familie, Schule, Soziale Herkunft, Ökonomisches Kapital, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Bildungsaspiration, Sozialisation, Bildungschancen, Kooperation, Bildungsungleichheit, Kompetenzaneignung, Erziehungspartnerschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wechselseitigen Beeinflussung von Familie und Schule und deren Auswirkungen auf die Bildungschancen von Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Bedeutung familialer Ressourcen, die Rolle der Eltern-Lehrer-Kooperation und das Potenzial von Ganztagsangeboten im deutschen Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszukristallisieren, wie sich das Verhältnis von Familie und Schule auf den Bildungserfolg auswirkt und inwiefern die Ganztagsschule hierbei eine unterstützende Rolle einnehmen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie nationale und internationale Studien (u.a. PISA, TIMSS) und theoretische Konzepte, insbesondere die Kapitaltheorie von Pierre Bourdieu.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung des Verhältnisses von Familie und Schule, die Ressourcenverteilung in Familien und die Chancen sowie kritische Aspekte der Ganztagsschulentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Bildungserfolg, Ganztagsschule, Kapitalformen nach Bourdieu, Sozialisation und Bildungsgerechtigkeit.
Wie wirkt sich die soziale Lage der Familie auf den Schulerfolg aus?
Die soziale Lage beeinflusst den Schulerfolg durch die Weitergabe von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital, was maßgeblich den Habitus und die Bildungsaspirationen der Kinder prägt.
Kann die Ganztagsschule soziale Ungleichheit vollständig ausgleichen?
Nein, die Ganztagsschule wird nicht als Allheilmittel betrachtet; sie bietet zwar Chancen zur Kompensation, kann jedoch Mängel aus dem Elternhaus nicht vollständig ersetzen oder kompensieren.
- Quote paper
- Jacqueline Ka (Author), 2010, Das Verhältnis zwischen Familie und Schule und ihr Einfluss auf den Bildungserfolg von Kindern am Beispiel der Ganztagsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172349