„Online zocken“

Eine Untersuchung zur Nutzung von MMORPG’s am Beispiel der ERA Gaming Community


Bachelorarbeit, 2008

74 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung:

1. Entwicklungsgeschichtliche und wissenschaftliche Einführung:
a. Die Entwicklung der virtuellen Welten
b. Ultima Online das „erste“ MMORPG
c. Das neue Modell: Everquest
d. Exkurs kompetitives versus kooperatives Modell
e. Everquest Part 2
f. Virtuelle Gemeinschaften
g. Spielmotivation
h. Spielertypen
i. Forschungsüberblick zur Nutzung von Computerspielen

2. Das Untersuchungsdesign:
a. Die Untersuchung
b. Das Erkenntnisinteresse
c. Methodische Umsetzung
d. Die Gruppendiskussion
e. Analyse
f. Kategoriensystem
g. Ergebnisse der Untersuchung und Interpretation
h. Beantwortung der Forschungsfragen
i. Fazit
j. Ausblick
k. Literatur
l. Anhang

Einleitung:

Die digitale Unterhaltungsbranche erlebte in den letzten Jahren einen beispiellosen Aufschwung, welcher sich auch in den nächsten Jahren trotz Wirtschaftskrise fortsetzen wird. Vor allem PC- Spiele, die via Internet mit anderen Spielern gemeinsam genutzt werden, genießen ein hohes Maß an Popularität. Die virtuellen Welten der so genannten „MMORPGS“, Massiveley Multiplayer Online Roleplaying Games bieten Tausenden von Spielern gleichzeitig die Möglichkeit, gemeinsam Abenteuer zu bestehen mit anderen Spielern zu interagieren und in Wettbewerben zu messen. Mit dem „breakthrough hit“ World of Warcraft (WoW), wurde das Onlinespielen zum Massenphänomen, das mit aktuell 11 Millionen aktiven Spielern das erfolgreichste Spiel seiner Art ist und in der Branche einen noch nicht gekannten Boom ausgelöst hat.

Die MMORPGS, deren erste Publikationen inzwischen 11 Jahre zurück liegen, haben endgültig eine Massentauglichkeit erreicht und sind für die Meisten, vor allem jungen Menschen, ein Begriff. Mit dem steigenden ökonomischen Erfolg ist auch die Wissenschaft in einem zunehmenden Maße gefordert, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und diesen neuen Untersuchungsgegenstand zu erschließen. Inzwischen wird regelmäßig über Onlinerollenspiele in den Medien berichtet, vor allem wird die Befürchtung geäußert, dass das hohe Motivationspotential dieser Spiele dazu führen kann, dass Kinder und Jugendliche in die virtuellen Welten abtauchen und den Realitätsbezug verlieren. Jüngste Studien liefern besorgniserregende Ergebnisse, wonach 5% der Spieler Anzeichen von Spielsucht aufweisen. Es mangelt jedoch an einschlägigen und interdisziplinären Forschungsarbeiten, die verlässliche Zahlen über die Zusammensetzung und Spielmotivationen der Spieler Auskunft geben können (vgl. Seifert / Jöckel 2008, 297; Quandt / et al. 2008, 169).

Das Ziel dieser Arbeit ist es anhand einer Spielgemeinschaft die Nutzungsmotive und die Bedeutung der sozialen Interaktion für das Spielerlebnis zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden als Grundlage für weitere Studien im Rahmen einer Diplomarbeit herangezogen.

1.a. Die Entwicklung virtueller Welten:

Virtuelle Welten sind in einem Computer oder Computernetzwerk implementiert, das eine Umwelt simuliert, die in sich geschlossen ist. Einige, jedoch nicht alle Entitäten in dieser Umwelt stehen unter der Kontrolle von Menschen. Aufgrund des Umstandes, dass mehrere Individuen die Umwelt simultan manipulieren können, spricht man von einer shared oder m ultiuser Welt. Die Umwelt existiert und verändert sich kontinuierlich, selbst wenn keine Menschen anwesend sind und mit ihr interagieren. Das bedeutet, sie ist persistent (vgl. Bartle 2004, 1).

Der Begriff Persistenz meint zum einen, dass das Spiel also die virtuelle Welt auch dann nicht aufhört zu existieren, wenn der Spieler ausloggt.

Zum anderen haben Ereignisse und Handlungen der Spieler eine nachhaltige Auswirkung auf die virtuelle Welt, die nicht, beziehungsweise nur in sehr seltenen Ausnahmen zurückgenommen werden können. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem reroll, was gleichbedeutend ist mit der Zurückversetzung der Welt auf einen ältere Version oder Speicherstand seitens des Betreibers. Dies hat natürlich auch zur Folge, dass alles was zwischen dem Zeitpunkt des Backups und der Gegenwart passiert nicht mehr existent ist. Die Tatsache, dass die virtuelle Welt parallel zur realen existiert und sich kontinuierlich weiterentwickelt, ist eine genrespezifische Eigenschaft, die einen starken zusätzlichen Anreiz für die Spieler hat (vgl. Seifert / Jöckel 2008, 297f).

Auch wenn virtuelle Welten heute viele Anwendungen finden, so haben sie ihren Ursprung in Computerspielen. Aufgrund dieses Herkunft und der Vorreiterrolle, den die Unterhaltungsindustrie mit der Entwicklung virtueller Welten inne hat, basiert das gängige Vokabular auf Spielen. So spricht man nicht von Nutzern sondern von Spielern und die Interaktion der Spieler mit der virtuellen Umwelt wird schlichtweg als Spielen bezeichnet (vgl. Bartle 2004, 2). Die Regeln der virtuellen Welt sind frei von ethischen oder moralischen Vorstellungen, sie folgen einer internen, am Spielprozess und Handlungsabläufen orientierten Logik (vgl. Fritz 2007, 136).

Die ersten virtuellen Welten waren textbasiert, das bedeutet, dass die Umwelt und die Ereignisse via Textmeldungen anstatt mit Bildern beschrieben wurden. Die Entwicklung virtueller Welten ist vor allem mit einem Namen untrennbar verbunden: Richard A. Bartle. Gemeinsam mit Roy Trubshaw entwickelte er 1978 die erste virtuelle Welt genannt MUD.

Beide waren damals Studenten an der Essex Universität in England, als sie im Herbst des Jahres 1978 MUD programmierten. MUD steht allgemein für Multi-User Dungeons, auch wenn das nicht ganz zutreffend für alle virtuellen Welten ist, da mit dem Wort Dungeon eine kampforientierte Welt impliziert wird. Der Begriff hat sich jedoch durchgesetzt, denn „ Virtual worlds are often called MUDs because MUD was the name oft he first one to prosper “ (zit. Bartle 2003, 4).

Das folgende Beispiel zeigt einen Auszug aus dem textbasierten MUD:

Yes! Your last game was today at 4:19:42. Hello again, Bughunter! Narrow road between lands. You are stood on a narrow road between The Land and whence you came. To the north and south are the small foothills of a pair of majestic mountains, with a large wall running round. To the west the road continues, where in the distance you can see a thatched cottage opposite an ancient cemetary. The way out is to the east, where a shroud of mist covers the secret pass by which you entered The Land. *A playful rabbit snuffles round your feet.

* The rabbit has just left. *_(Quelle: Bartle 1999, @1 )

Spieler können mittels Kommandoeingabe mit der Welt interagieren, beispielsweise könnte man in Kontakt mit anderen Spielern treten, in dem man das Kommando „shout,“ gefolgt von der Nachricht eingibt „hello, who's out there?". Dasselbe gilt für Ereignisse, man könnte versuchen den Hasen zu töten, indem man „kill rabbit with sword" eingibt.

Das Spiel ist in der Lage den Befehl „kill“ mit dem gewünschten Ziel „rabbit“ und dem verwendeten Gegenstand „sword“ zu verbinden und die gewünschte Aktion auszuführen. 1979 entschied sich Trubshaw eine neue Version von MUD zu programmieren, da die verwendete Programmiersprache an ihre Grenzen gestoßen war.

Während er die Game Engine2 in BCPL (ein Vorläufer der Programmiersprache C) geschrieben hat, wurde die Spielwelt in einer von ihm selbst entworfenen Sprache genannt MUDDL geschrieben. Die Idee dahinter war, dass verschiedene virtuelle Welten in MUDDL entworfen werden können, während die Engine unverändert blieb und als Interpret fungierte. Dieses Konzept wird heute nach wie vor für alle Computerspiele angewendet und oftmals werden Engines lizenziert und von anderen Entwicklern für die Entwicklung ihrer eigenen Spiele verwendet, was hauptsächlich aus Kostengründen eine rationale Lösung ist. Die Einführung von Computergrafik führte zu einer Unterscheidung zwischen text Mud ’ s und graphical Mud ’ s, jedoch aufgrund der enorm gestiegenen Spielerzahl, wurde die definierende Eigenschaft dieser neuen Generation die Anzahl der Spieler, die sie beherbergen konnten. Infolge dessen spricht man von MMORPG’s (Massively-Multiplayer Online Roleplaying Games), manchmal auch MMOG’s oder MMO‘s. Doch was genau sind die Eigenschaften, die virtuelle Welten ausmachen und worin liegt ihre Bedeutung?

Bartle definiert fünf grundlegende Konventionen, die eine virtuelle Welt ausmachen:

- Die Welt hat Regeln, die es den Spielern erlaubt Veränderungen zu bewirken.
- Spieler werden durch einen individuellen Charakter repräsentiert
- Interaktion mit der Welt findet in Echtzeit statt
- Die Welt wird von den Spielern geteilt
- Die Welt ist zumindest zu einem gewissen Grad persistent (vgl. Bartle 2004, 1ff).

MMO(RP)G’s nehmen einen Sonderstatus unter den Onlinespielen ein, welche durch den wachsenden wirtschaftlichen Erfolg insbesondere durch World of Warcraft, auch an Bedeutung für die Medien und Kommunikationswissenschaften gewinnen. Die Population einer virtuellen Welt wird lediglich durch die technische Kapazität der Server begrenzt, der aktuelle Rekord liegt bei 42.711 simultanen Spielern, aufgestellt durch das MMO Eve-Online (vgl. Seifert / Jöckel 2008, 297).

Bis dato hatte es jedoch noch keiner geschafft, das gewaltige Potential der virtuellen Welten zu entfesseln, das änderte sich 1997 mit Ultima Online…

1.b. Ultima Online das „erste“ MMORPG:

Bereits drei Monate nach dem Start hatte Ultima Online oder auch kurz UO bereits 50.000 subscriber. Als das Spiel binnen eines Jahres die 100.000 Spieler Marke durchbrach war man sprachlos. Abgesehen von den Spielkäufen zahlte jeder Kunde nach einer freien Spielzeit von 3 Monaten 9.95$ pro Monat, für ein Spiel das sie bereits gekauft hatten und verhalfen so dem Entwickler Origin Systems Inc. zu monatlichen Einnahmen in Höhe von 12 Millionen Dollar. Während es dem Entwickler von konventionellen Spielen grundsätzlich egal war ob der Konsument sein Produkt nach dem Kauf spielt oder nicht, musste UO gut genug sein, dass die Leute es nicht nur spielen würden, sondern auch bereit waren monatlich dafür zu zahlen. Mit seinem Erfolg setzte UO für alle nachfolgenden MMO’s die Messlatte hoch. Die Benchmark von 100.000 Spielern ist fortan der Indikator, ob ein Spiel ein Erfolg ist oder nicht. Wie ist es Ultima Online gelungen so viele Spieler zu begeistern? Die übliche Antwort ist: Man war zu rechten Zeit am rechten Ort, was natürlich eine äußerst unbefriedigende Phrase ist. UO hatte eine insgesamt neun teiligen Fantasy Rollenspielserie als Vorläufer, die unter der Führung von Richard Garriot entwickelt wurden. Ähnlich wie später World of Warcraft, hatte das Spiel aufgrund seiner Vorläufer bereits einen breiten Bekanntheitsgrad und eine Fangemeinde, was vermutlich ein guter Grund war UO auszuprobieren. Der Hauptgrund dürfte jedoch schlichtweg die Tatsache gewesen sein, dass das Spiel Komplexität und Tiefgang bot, die bis dato von keinem anderen MUD erreicht wurde. UO hatte jedoch auch seine Kehrseiten, es war seiner Zeit voraus und infolge von mangelnder Erfahrung und schlechtem Management wurden einige eklatante Fehler begangen:

- Die Software wurde nicht ausreichend getestet, wodurch sich schwerwiegende Bugs (Spielfehler) eingeschlichen haben.
- Die ursprüngliche monatliche Gebühr wurde von 10$ pro Monat auf 2.49$ pro Tag bis maximal 30$ im Monat erhöht, was 1/3 der Spieler veranlasste UO den Rücken zu kehren.
- Und schließlich ein selbstzerstörerischer Kundenservice aufgrund einer No Comment policy (vgl. Bartle 2004, 20ff).

1.c. Das neue Modell: Everquest

1998 skizzierte die Analystin Seema Williams von Forrester Research das erwartete Wachstum für die Einnahmen aus dem Onlinespielemarkt von $277 Millionen im Jahr 1998, auf $1.9 Mrd. im Jahr 2002. Von den $1.9 Mrd. würden $1.3 Mrd. auf Onlinewerbung und Sponsoring, die restlichen $600 Millionen auf CD Verkäufe und Onlinegebühren entfallen. Zu der Zeit als Williams diese Prognose abgab, war ein neues Spiel in die Betatestphase eingetreten: Everquest

(EQ). Everquest wurde von niemand Geringerem entwickelt als dem Unterhaltungsriesen Sony. Es sollte alles bis dahin Entstandene in den Schatten stellen. Das Spiel kam 1999 auf den Markt und glänzte durch eine grafisch aufwendige dreidimensionale Welt, die genug Platz für 1500- 2000 Spieler pro Server bot. Während das soziale und ökonomische System nicht an den Tiefgang von Ultima Online herankamen, glänzte Everquest durch die Größe und Divergenz der Spielwelt, sowie der unterschiedlichen Charakterklassen und Rassen aus denen der Spieler wählen konnte.

Die Kombination aus Grafik, Actionelementen, Erforschung und Charakterentwicklung bilden die Grundsäulen des Spielkonzepts. Die zentrale und zukunftsweisende „Neuerung“ war jedoch etwas anderes: Kooperation.

Während Meridian59 und Ultima Online stark auf kompetitive Spielerbeziehungen ausgelegt waren, setzte man in Everquest auf das kooperative Modell. Dieses Modell beruht auf kooperativen MUD’s wie Avatar, oder Trubshaw‘s und Bartle‘s Original MUD. Die Aussage des leitenden Spieleentwicklers Bill Trost - "Everquest is a direct descendant of the legacy left behind by the early MUDs and MMORPG ‘ s." (Trost; zit. nach Jones 2003) - verdeutlicht den Einfluss der Vorläufer auf die Entwicklung der modernen MMO’s, die in ihrer Vollständigkeit nicht ohne den historischen Kontext betrachtet werden können (vgl. Jones, 2003). Tatsächlich waren die Ähnlichkeiten zwischen EQ und DikuMUD so groß, dass die Programmierer eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben mussten, dass sie keinen DikuMUD Code für Everquest verwendet haben (vgl. Bartle 2004, 25).

Das kooperative Modell war ein voller Erfolg, Everquest wurde zum populärsten MMO seiner Zeit. Insgesamt wurden seit 1999 über 2.5 Millionen Kopien vom Spiel und den insgesamt 7 (heute 15) kostenpflichtigen Erweiterungen verkauft. Die Zahl der aktiven Subscriptions lag bis 2005 ständig über 400.000, mit bis zu 100.000 gleichzeitig aktiven Spielern, welche aufgrund der monatlichen Gebühren für stetige Einkünfte sorgten (vgl. Taylor 2006, 21). Um dies zu verdeutlichen, im August 2004 hatte Everquest nach wie vor 430.000 aktive Nutzer und das fünf Jahre nach seinem Start, trotz der wachsenden Konkurrenz durch andere Titel (vgl. Poitzmann 2007, 28).

1.d. Exkurs kompetitives versus kooperatives Modell:

Wettbewerb nimmt in Computerspielen generell eine zentrale Rolle ein. Unter dem Begriff Wettbewerb können jedoch zweierlei Dinge verstanden werden: Zum Einen das Streben nach selbstgesetzten Zielen, oder dem Übertreffen bereits erbrachter Leistungen. Legt man diese Definition vom internen Wettbewerb zugrunde, so könnte man jedes Computerspiel zum kompetitiven Modell zählen, da das Erreichen von Zielen, die vom Spiel vorgegeben oder selbst gesetzt sind, im Mittelpunkt steht. Ein Beispiel hierfür wären die vom Spiel vorgegebenen Ziele wie das Erfüllen einer bestimmten Aufgabe, welche vom Spieler übernommen wird und so das Spielziel zum Ziel des Spielers wird.

Zum anderen ist der Wettbewerb mit externen Leistungsstandards gemeint, die in einem sozialen Wettbewerb von anderen Individuen oder Gruppen vorgegeben werden. Dies kann auch bedeuten, dass es zu Konflikten kommt, wenn die Ziele zweier Individuen oder Gruppen nicht miteinander vereinbar sind. Für einen sozialen Wettbewerb müssen also stets mindestens zwei soziale Entitäten beteiligt sein, wobei der Begriff „soziale Entität“ sowohl für menschliche Kontrahenten als auch für virtuelle computergesteuerte Charaktere steht, die über eine künstliche Intelligenz verfügen. Diese kompetitiven Handlungen unterscheiden sich je nach dem Genre des betreffenden Computerspiels.

Während in Egoshootern menschliche oder nichtmenschliche Charaktere mit allerlei Gerät bekämpft werden, stehen sich in Strategiespielen ganze Armeen gegenüber, die um die Vorherrschaft ringen. Computerspielen folgen im Gegensatz zur Realität festgelegten Regeln, die die Konsequenzen eines Konfliktes relativ überschaubar machen. Die Nachhaltigkeit der Auswirkungen eines Wettbewerbs ist in der Regel minimal, was zur Folge hat, dass kompetitive Computerspiele ein niedriges Konfliktpotential aufweisen. Zudem behält der Spieler seine Souveränität, da er jederzeit das Spiel beenden und so die Konfliktsituation auflösen kann (vgl. Hartmann 2008, 211f).

Insbesondere im Hinblick auf MMORPG’s ist es jedoch zu hinterfragen, inwiefern ein Spieler über eine vollständige Souveränität verfügt, da das Spiel nicht ohne Folgen zu einem beliebigen Zeitpunkt beendet werden kann, worauf infolge noch näher eingegangen wird. In Computerspielen spielt die Dramaturgie eine wichtige Rolle, wie beispielsweise die Hintergrundgeschichte für die agierenden Konfliktparteien, welche zumeist klar in Gut und Böse unterscheidbar sind. Oftmals wird dem Spieler im Verlauf der Handlung die Wahl überlassen, welcher Seite er sich anschließt, was den Spielverlauf zugunsten der gewählten Seite entscheidet. Infolge muss er je nach Genre eine Reihe von Herausforderungen bewältigen, die weder zu leicht noch zu schwer sein sollten, da der Spieler zum einen gefordert werden will, jedoch zum anderen schnell frustriert ist, wenn eine Aufgabe nicht lösbar ist (vgl. Hartmann 2008, 212).

Klimmt konnte in mehreren Studien nachweisen, dass dem empfundenen Schwierigkeitsgrad einer gestellten Aufgabe eine erhebliche Bedeutung beigemessen wird und infolge zum positiven Unterhaltungserleben beiträgt, „ wenn die bewältigte Aufgabe ausreichend schwierig war; zu leichte Aufgaben sind hingegen nicht geeignet [ … ] zum Unterhaltungserleben beizutragen “

(zit. Klimmt 2006, 153f). Wenn Computerspieler schlechte Leistungen erbringen oder an einer gestellten Aufgabe scheitern, wirkt sich das negativ auf das Unterhaltungserleben aus (vgl. ebd., 153).

Dies lässt sich mit dem Begriff der optimalen Schwierigkeit definieren, was Spieleentwickler vor die vielleicht größte Herausforderung überhaupt stellt, da die Fähigkeiten der Spieler stark variieren, es ist schließlich nicht jeder ein Kasparow.

Dies findet sich auch in einigen theoretischen Konzepten wieder, in denen davon ausgegangen wird, dass ein Genusserleben bei der Rezeption von Medieninhalten, in unserem Falle Computerspiele, immer dann eintritt, „ wenn unter selbst bestimmten und gut kontrollierbaren Bedingungen eine Kette von Herausforderungen von optimaler Schwierigkeit bewältigt werden kann “ (zit. Hartmann 2008, 213). Die signifikanten psychischen Erfahrungen, die beim medialen Konsum gemacht werden, bezeichnet Hartmann als Erlebnisqualitäten. Demzufolge selektiert eine Person Medienangebote unter anderem danach, in denen sie besonders viele positiv bewertete Erlebnisqualitäten vorfindet. Bei kompetitiven Computerspielen wären das die Erregung und Anspannung einer Wettbewerbssituation und infolge die Euphorie des Sieges, bzw. die Frustration einer Niederlage.

Die bisher erfolgten Ausführungen lassen sich in folgender These formulieren: Je stärker die Wettbewerbsorientierung einer Person ist, desto eher werden kompetitive Computerspiele genutzt. Diese These lässt jedoch auch den Umkehrschluss zu, dass Personen die weniger wettbewerbsorientiert sind, kompetitive Spiele auch weniger nutzen. Nicht jeder empfindet die Anspannung einer Wettbewerbssituation als angenehm, im Gegenteil bestimmte Personen können solche Erlebnisqualitäten als unangenehm empfinden, was den Spielspaß drastisch reduzieren dürfte (vgl. Hartmann 2008, 212ff).

Wie Hartmann in seiner Untersuchung zudem feststellen konnte, ist die Zuwendungs- intention zu kompetitiven Computerspielen bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Wenn man davon ausgeht, dass die Selektions- und Erlebensprozesse von weiblichen Spielern sich von denen der männlichen Spieler unterscheiden, wäre das in Konsequenz eine Erklärung dafür, warum sich Frauen weit weniger Computerspielen zuwenden als Männer, da die Mehrzahl der angebotenen Computerspiele einen kompetitiven Charakter aufweisen. Diese Vermutung wird dadurch bekräftigt, dass Spiele die nicht sozial-kompetitiv ausgeprägt sind überproportional viele weibliche Spieler aufweisen, wie zum Beispiel die Sims. In der von Yee durchgeführten Studie “The Norrathian Scrolls“ konnte diese Annahme im Bezug auf Everquest belegt werden.

„ We found that female players find the social interaction of the game significantly more appealing than male players. Male players, on the other hand, are significantly more likely to enjoy the sense of power the game gives “(zit. Yee, 2001, @).

Es ist jedoch fest zu halten, dass noch keine hinreichenden empirischen Daten vorliegen und in zukünftigen Studien auf eine entsprechende Repräsentation weiblicher Spielerinnen geachtet werden muss, um einen Generalisierungsanspruch zu rechtfertigen (vgl. Hartmann 2008, 220ff).

Die Tatsache, dass Mädchen und Frauen Computerspiele im Allgemeinen weniger oft und ausgiebig nutzen, ist bereits in Laborstudien in Deutschland und den USA nachgewiesen worden. Darüber hinaus schnitten Spielerinnen durchschnittlich schlechter ab als die männlichen Probanden. Solche Befunde heizen wiederum die öffentliche Diskussion an, inwiefern die geringere Spieltätigkeit und der Mangel an Erfahrung mit Computern sich auf die Mediensozialisation von Kindern und Jugendlichen und infolge auf die Erfolgsaussichten von Frauen in IT-Berufen auswirken. Die Ursache für die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Zuwendung zu Computerspielen und der Performanz, werden in der narrativen Modellierung von Geschlechterrollen gesehen. Die meisten Computerspiele weisen Themen und Handlungsrollen auf, die explizit für Männer zugeschnitten sind, wie Soldaten, Gangster oder Feldherren und dadurch für Mädchen schlichtweg weniger attraktiv sind.

Hinzu kommt, dass weibliche Charaktere oft in stereotypen Rollen mit Bikinifigur in Erscheinung treten, wodurch eine zusätzlich abstoßende Wirkung erzeugt wird, weil sie sich mit den Charakteren nicht identifizieren können. Eine der seltenen und überaus erfolgreichen Ausnahmen sind „ Die Sims “, eine Art interaktive Soap-Opera in der die soziale Interaktion der Charaktere im Mittelpunkt steht. Wie bereits angesprochen weisen „ Die Sims “ einen überproportional hohen Anteil an weiblichen Spielern auf, was auf unter anderem auf die schwache Wettbewerbsintensität des Spiels zurückzuführen ist. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Wettbewerbsverhalten sind in der Sportpsychologie bekannt und können als Erklärungsansatz für Computerspiele herangezogen werden, um die Diskrepanz bei der Zuwendung von Computerspielen zu erklären.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wettbewerbsorientierung einerseits und den Handlungs- bzw. Geschlechterrollen andererseits, entscheidende Merkmale für negative Erlebnisqualitäten und der daraus resümierenden Nutzungsverhalten von weiblichen Computerspielern sind (vgl. Klimmt 2006, 26ff). Ein gänzlich anderes Bild bietet sich im Bezug auf Onlinespiele, welche insbesondere durch den Erfolg von World of Warcraft in das Zentrum des Interesses gerückt waren. Nach einem aktuellen Bericht, verfasst von Alex Krotoski Journalistin und Expertin auf dem Gebiet des Genderdiskurses, verbringt keine Gruppe mehr Zeit mit Onlinespielen als Frauen zwischen 35 und 50 Jahren. Nach Krotoski’s Auswertung, welche auf Daten der Spielindustrie und hier vor allem auf Verkaufszahlen beruhen, zeigt sich, dass der Anteil der spielenden Frauen zunimmt. Es gibt jedoch erhebliche nationale Differenzen, so ist der Anteil von spielenden Frauen in den USA bei 39% in Großbritannien 27% und in Deutschland 22%. Unangefochten liegt Südkorea mit fast 70% in Front. Im Bezug auf Großbritannien weist die durchschnittliche Spielerin ein Alter von 30-35 Jahren auf und bevorzugt browserbasierte Spiele. Hierbei handelt es sich um Spiele, die über eine geringe Komplexität verfügen, leicht erlernbar sind und flexible Spielzeiten ermöglichen.

Begründet wird diese Präferenz vor allem durch die Begrenztheit der zur Verfügung stehenden Zeitressourcen. Im Gegensatz zu Browsergames erfordern MMO’s schlichtweg mehr Zeit um sie zu erlernen, geschweige denn sie zu meistern (vgl. Deuber-Mankowsky 2007, 100f). Yee ermittelte mittels quantitativer Onlineerhebung (N=1240), dass 16% der Everquestspieler, also immerhin jeder 6. Spieler, weiblich ist und zudem sind weibliche Spieler mit einem Durchschnittsalter von 29 signifikant älter sind als ihre männlichen Mitspieler mit 25 Jahren (vgl. Yee 2001, @).

1.e. Everquest Part 2

Bei Onlinerollenspielen scheinen andere Faktoren als sozialer Wettbewerb ausschlaggebend für das Spielerlebnis zu sein, während in Everquest lediglich drei Server PvP (Player versus Player) zulassen, spielt die überwältigende Mehrheit von 95% der EQ User auf insgesamt 45 PvE (Player versus Enviroment) Servern (vgl. Taylor 2006, 30; Poitzmann 2007, 52). Die Mehrheit der nachfolgenden MMO‘s übernahm das kooperative Modell, „ EQ ’ s impact on subsequent graphical virtual world design was profound, it became the de facto paradigm for the genre “ (zit. Bartle 2004, 27). Aufgrund dessen wollen wir nun unsere Aufmerksamkeit auf jene Aspekte richten, die den bis dahin beispiellosen Erfolg ermöglichten und bis heute als Maßstab für MMO’s gelten. Die Intention die hier verfolgt wird, ist nicht die eine vollständige Abhandlung über die Geschichte virtueller Welten zu verfassen, welche selbst ein eigenes Buch verdient, sondern jene Aspekte zu skizzieren, die Everquest und in weiterer Folge dem gesamten Genre der MMO’s zum Durchbruch verhalfen. Als Everquest 1999 auf den Markt kam, war das Internet gerade in einer Expansionsphase.

Die zur Verfügung stehenden Bandbreiten wurden in den Ballungszentren nach und nach durch weitaus schnellere Breitbandinternetdienste ersetzt. Damit vielen auch die bis dato erheblichen Verbindungsgebühren weg, welche in der Regel stündlich abgerechnet wurden und nun durch einen monatlichen Fixbetrag ersetzt wurden. Die Internetnutzer gewöhnten sich zunehmend daran, ihre Freizeit online zu verbringen, sei es in Chatrooms oder beim Surfen. Kombiniert man diesen Aspekt mit der bereits großen Popularität von Computerspielen lässt es sich bereits erahnen, welcher tiefgründige Erklärungsansatz nun kommt: „ EQ hit a fortunate window of opportunity “ (zit. Taylor 2006, 27). Obwohl EQ keine große Publicity Kampagne hatte, verbreitete sich die Kunde von der wunderschönen virtuellen Welt wie ein Lauffeuer und die bereits in ausreichendem Maße zur Verfügung stehenden Internetbandbreiten waren gerade ausreichend, um die Nachfrage zu befriedigen. Binnen sechs Monaten wurde der direkte Konkurrent Ultima Online überholt und Everquest erreichte eine kritische Masse an Spielern.

Aus welchen Gründen auch immer die Spieler mit EQ angefangen haben, sie blieben wegen der Leute, die sie kennengelernt hatten, denn das Spiel ermutigte die Spieler Gruppen zu bilden und regelmäßig miteinander zu spielen. „ This bonding [ … ] led to EQ ’ s all-conquering progress “ (zit. Bartle 2004, 26; vgl. ebd. 26f). Everquest gelang es die traditionelle Spielkultur von MUD’s und Pencil&Paper Rollenspielen mit den Fortschritten in Computergrafik und virtuellen Multiuserwelten zu kombinieren, welche heute unter dem Synonym MMORPG’s bekannt sind. Für Taylor ist EQ sowohl Spiel als auch virtuelle Welt zugleich und das Verhältnis dieser zwei Kategorien zueinander von besonderem Interesse. Die spielerischen Charakteristiken sind beispielsweise die Jagd auf Monster, das Verfolgen von Quests, um Erfahrungspunkte zu erhalten, die wiederum notwendig sind, um den Charakter weiter zu entwickeln und schließlich die höchste Charakterstufe zu erreichen, die im Zuge der Erweiterungen immer wieder erhöht wurde und gegenwärtig Level 80 beträgt (vgl. Taylor 2006, 27f).

Um einen Charakter auf diese Stufe zu bringen, ist ein erheblicher Zeitaufwand von Nöten. Durch das Besiegen von Gegnern und das Lösen von Quests erhält der Charakter Erfahrungspunkte, sobald ein festgelegter Wert erreicht ist, steigt der Charakter eine Stufe auf. Desto höher die Charakterstufe, desto stärker wird er, umso mächtigere Gegner kann er bezwingen. Die Zahl der Erfahrungspunkte, die für einen Aufstieg nötig sind erhöht sich von Stufe zu Stufe und dementsprechend der damit verbundene Zeitaufwand. So ist es möglich, den Spieler über Jahre hinweg bei der Stange zu halten, was durch die Möglichkeit ergänzt wird, verschiedene Charaktere zu erstellen die wiederum ein anderes Spielerlebnis bieten (vgl. Poitzmann 2007, 34). Eine wesentliche spielerische Komponente fehlt jedoch, das Spiel hat kein Ende. Es gibt keinen Gewinner, keine Ziellinie oder einen Punkt an dem ein Weiterspielen unmöglich wird. Selbst wenn die maximale Charakterstufe erreicht wurde, spielen viele Spieler trotzdem weiter, selbst dann wenn jedes Monster besiegt und jedes Quest gelöst wurde.

Es muss sich bei EQ also um mehr als nur ein Spiel handeln, was mit dem offiziellen Slogan „You’re in our world now“ zum Ausdruck gebracht wird, nämlich die virtuelle persistente Welt. Die zweite Kategorie nach der Vorstellung von Taylor bildet der virtuelle Raum, in dem Spieler nicht nur Charaktere, sondern Identitäten erschaffen, sich in Gruppen organisieren, Aufgaben und Pflichten übernehmen, ihre eigenen Geschichten erfinden und in komplexen sozialen Netzwerken kommunizieren (vgl. Taylor 2006, 28).

1.f. Virtuelle Gemeinschaften:

In der Regel besteht keine soziale Verbindlichkeit in Computerspielen, die Spieler entscheiden ob, wann und wie lange sie sich dem Spiel zuwenden, sie bleiben die Herren ihrer Zeit, sie verfügen über eine vollständige Souveränität. Dies ändert sich jedoch, wenn ein Spieler Teil einer Spielgemeinschaft wird, die in virtuellen Welten entsteht (vgl. Fritz 2007, 140). Das kooperative Spielen in Gruppen führt zu einer Verbindlichkeit, so muss man häufiger online sein und länger spielen um mit seiner Gilde mithalten zu können oder an einem Raid teilzunehmen (vgl. Quandt / et al. 2008, 183).

Wie bereits angesprochen sind MMO’s langfristig angelegte Spiele, die soziale Bindungen nicht nur fördern, sondern auch ein hohes Maß an Kooperation erfordern. Spielgemeinschaften prägen seit Jahrhunderten das gesellschaftliche und kulturelle Leben unserer Gesellschaft. Sie bilden sich bereits im Kindesalter, wo man sich zum regelmäßigen Spielen verabredet, dies erstreckt sich darüber hinaus auf alle Formen von Gemeinschaften die an Spielprozessen teilnehmen. „ Gegenstand der Spielprozesse sind Spielkonstrukte, die in besonderer Weisen den W ü nschen und Interessen der Spieler entgegen kommen “ (zit. Fritz 2004, 236; vgl. ebd., 236f). Doch worin liegen die Besonderheiten virtueller Spielgemeinschaften?

Der Begriff Spielgemeinschaft ist im Bezug auf virtuelle Welten nur schwer zu formulieren, da die Formen der Gemeinschaften im Hinblick auf Dauer, Intensität und Verbindlichkeit sehr stark divergieren.

Fritz formuliert folgende wesentliche Merkmale einer virtuellen Gemeinschaft:

- Sie entstehen durch Kommunikationsprozesse, die über Computer und Netzwerke übermittelt werden.
- Sie haben virtuelle Treffpunkte (Foren, Chat, Voicechat, Orte innerhalb der virtuellen Welt)
- Die Mitglieder haben ähnliche Interessen und Motivationen (vgl. Fritz 2008, 136).

Im Mittelpunkt der virtuellen Gemeinschaft steht das Spiel, während sich um das Spiel herum verschiedene Arten von Spielgemeinschaften bilden, die sich nach Fritz in sechs Typen gliedern lassen: (Private Gameparty, LAN-Partys, Gamer-Szene, Internetgamer, MUD’s und MMORPG’s, Clans und Gilden). Da die ersten drei genannten Typen in diesem Kontext keine Bedeutung haben, wird im Folgenden auf die Internetgamer eingegangen. Die virtuelle Spielgemeinschaft der „Internet Gamer“ ist durch charakterisiert durch lockere Gruppierungen, die sich temporär bilden und lediglich eine geringe Konsistenz aufweisen. Die Spieler suchen mithilfe von Gamechat oder spielinternen Suchfunktionen Spielpartner, mit denen sie zumeist nur kurzfristig Kontakt haben, der sich auf das Spielgeschehen beschränkt.

Im Gegensatz dazu weist die virtuelle Spielgemeinschaft der MUD‘s und MMORPG‘s eine höhere Kontinuität auf. Die Spieler treffen sich innerhalb der virtuellen Welt um gemeinsam Aufgaben zu lösen. Diese Spielgemeinschaften werden als Gruppen bezeichnet, die in der Regel eine Größe von zwei bis sechs Personen haben können. Die Gruppe hat ein gemeinsames Ziel wie das Bezwingen eines besonders mächtigen Gegners. Jedes Mitglied der Gruppe übernimmt eine spezifische Aufgabe, je nach den Fähigkeiten des Charakters. Die Gruppe löst sich zumeist nach Beendigung der Aufgabe auf und hat keinen dauerhaften Bestand. Die Aktivitäten beschränken sich fast ausschließlich auf online Kontakte, die Spieler treffen sich nur selten „offline3 “.

Eine zumeist sehr enge Form der Spielgemeinschaft bilden die sogenannten Clans, in MMO’s in der Regel Gilden genannt. Es handelt sich dabei um eine dauerhafte Gruppierung von Spielern, die sich gebildet hat um gemeinsame Interessen und Ziele zu verfolgen. Viele dieser Gruppen haben sowohl online als auch offline Aktivitäten worauf später noch näher eingegangen wird. Die hier angesprochenen Formen von virtuellen Spielgemeinschaften sind alle über das Medium Computerspiel miteinander verbunden und stehen in Wechselwirkungsprozessen. Sie kreieren neue Verknüpfungen zwischen virtueller und realer Welt und unterliegen den Einflüssen des gesellschaftlichen Systems und der von diesen ausgehenden Sozialisationsimpulsen (vgl. Fritz 2004, 239ff).

Die Spielgemeinschaften bilden einen wesentlichen Bestandteil des spielerischen Handelns. Indem sich die Spieler zu solchen Gemeinschaftsstrukturen zusammenschließen, entwickeln sie im Bezug auf das Spiel und auch darüber hinaus soziale Bindungen. Virtuelle Gemeinschaften mindern die Auswirkungen von Niederlagen und die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Erlebnisqualität im Spiel und verstärken durch Lob und Anerkennung Spielerfolge und konstantes Spielverhalten.

Ein hoher zeitlicher Einsatz wird durch Fortschritte im Spiel, ein innerhalb der „ Gaming community “ steigendes soziales Prestige und vertiefte soziale Bindungen innerhalb der Gilde belohnt “ (zit. Grüsser-Sinopoli 2008, 1).

Die Bedeutung von Spielgemeinschaften wird durch die Untersuchung von Cypra unterstrichen, in der von 11.400 befragten Personen über 80% Mitglied in einer Gilde waren. Das Knüpfen von Kontakten und Freundschaften in der virtuellen Welt wirkt sich direkt auf die Spieldauer aus, so beträgt die Spieldauer von Gildemitgliedern durchschnittlich mehr als 32 Stunden pro Woche, während die Spieldauer von Spielern die keine Bindungen eingegangen sind beziehungsweise kein Vertrauen in ihre virtuellen Kontakte haben lediglich 19 Stunden beträgt.

Die Faszinationskraft der interaktiven virtuellen Welt verbindet sich mit der Attraktivität sozialer Kontakte und entwickelt so ein hohes Motivationspotential (vgl. Fritz. 2008, 137). Diese emotionalen Bindungskräfte lassen sich zum Teil dadurch erklären, dass bestehende Beziehungen zwischen Partnern, Freunden oder Arbeitskollegen in die Spielgemeinschaft eingebracht werden. Die virtuelle Welt wird zu einem gemeinsamen Erlebnis, wodurch bestehende Beziehungen stabilisiert und ausgeweitet werden. So kann es beispielsweise für eine junge Frau deshalb so attraktiv sein sich einer virtuellen Welt zuzuwenden, weil ihr Partner sich dort aufhält und sie so zusammen sein können (vgl. Fritz 2008, 141). Eine weitere wesentliche Komponente ist die Art der Kommunikation. In der virtuellen Welt ist vor allem die unmittelbar auf das Spiel bezogene Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil des Spielerfolgs. Mehr noch, die Mehrheit der Spieler ist überzeugt, dass Onlinespiele ohne direkte Kommunikation gar nicht mehr möglich sind.

[...]


1 Zwecks besserer Lesbarkeit werden Internetquellen mit einem Klammeraffen angegeben, die URL findet sich im Literaturteil Internetquellen unter dem betreffenden Namen und Jahr.

2 Eine Engine ist ein zentraler Teil eines Programms, der sich beispielsweise um die Berechnung und Ausgabe der Grafik kümmert (vgl. Winkler 2008, 278).

3 Mit „offline“ ist hier ein Treffen außerhalb der virtuellen Welt gemeint.

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Details

Titel
„Online zocken“
Untertitel
Eine Untersuchung zur Nutzung von MMORPG’s am Beispiel der ERA Gaming Community
Hochschule
Universität Wien  (Publizistik und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Bakkalaureatsseminar
Note
1.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
74
Katalognummer
V175242
ISBN (eBook)
9783640961924
ISBN (Buch)
9783640962433
Dateigröße
1088 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spielgemeinschaft, Computerspiele, Spielmotivation, MMORPG, Onlinerollenspiele, virtuelle Welten, Spielsucht, Spielertypen, 01, 02, 03, 04, 05, 06, 07, 08, 09, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 55, 54, 56
Arbeit zitieren
Bakk. phil. Harald Baumgartlinger (Autor), 2008, „Online zocken“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175242

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