Private Equity (PE), privates Beteiligungskapital, hat als Investitionsalternative zu den klassischen Anlageklassen (Aktien, Renten, Immobilien) in Europa seit Beginn der 1990er Jahre stark an Bedeutung gewonnen. Nicht zuletzt die öffentlich geführten Debatten über „Heuschrecken“ sind Ausdruck dieser Entwicklung. Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen, entgegen den teilweise öffentlich dargestellten negativen Auswirkungen, dass PE-Investitionen größtenteils gesamtwirtschaftliche positive Effekte hervorrufen, wie bspw. bei der Beschäftigung.
[....] Der Ausblick für die Anlageklasse PE bleibt optimistisch und es wird eine weitere Erholung der PE-Branche erwartet. Diese steigende Bedeutung von PE ist mit dem Glauben der Investoren verbunden, eine hohe Rendite erwirtschaften zu können. Zudem wird PE, aufgrund der ihr zugeschriebenen geringen Korrelation insbesondere zum Aktienmarkt, als Diversifikationsvehikel in der Asset Allocation verwendet.
Im Gegensatz zu Public Equity, börsennotiertem Beteiligungskapital, gibt es für PE jedoch keine liquiden Sekundärmarkte (z. B. Wertpapierbörsen) und somit keine beobachtbaren Marktwerte. Aufgrund dessen sind klassische Performancemaße nur eingeschränkt anwendbar. Wissenschaftliche Studien kommen in ihrer Analyse zur Performance von PE zu unterschiedlichen Ergebnissen. So ermitteln bspw. Ljungqvist und Richardson (2003) eine bessere Performance von PE relativ zum S&P 500. Kaplan und Schoar (2005) hingegen weisen eine schlechtere Performance von PE gegenüber dem S&P 500 nach. Auch bezüglich des Diversifikationspotentials, wie auch der risikoadjustierten Performance, sind unterschiedliche Ergebnisse beobachtbar. Eine einheitliche Vorgehensweise, Methodik und Berücksichtigung der Besonderheiten von PE scheinen somit nicht vorzuliegen, was die Aussagekraft für die Finanzinvestoren und ihre verfolgten Ziele einschränkt.
In der vorliegenden Arbeit wird die Anlageklasse PE vorgestellt und Besonderheiten und damit verbundenen Probleme der Performancemessung werden analysiert. Ebenso werden Methoden der Performancemessung von PE dargestellt, die Vor- und Nachteile diskutiert und hinsichtlich der Eignung für PE beurteilt. Darauf aufbauend wird versucht, zukünftigen Handlungsbedarf aufzuzeigen, um die Besonderheiten von PE bei der Performancemessung adäquat zu berücksichtigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen von Private Equity
2.1 Definition von Private Equity
2.2 Formen von Private Equity
2.3 Private Equity als Investitionsalternative
2.4 Ablauf einer Private-Equity-Investition
3 Performancemessung von Private-Equity-Investitionen
3.1 Definition des Begriffs Performancemessung
3.2 Probleme bei der Performancemessung
3.2.1 Perspektive und Ebene der Performancemessung
3.2.2 Besonderheiten und Probleme bei der Performancemessung
3.3 Methoden der Performancemessung von Private-Equity-Investitionen
3.3.1 Absolute Performancemessung
3.3.2 Durchschnittliche Performancemessung
3.3.3 Relative Performancemessung
3.3.4 Risikoadjustierte Performancemessung
3.3.5 Multiplikatoren
3.3.6 Handhabung in der Praxis
3.3.7 Zusammenfassung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Anlageklasse Private Equity umfassend vorzustellen, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Performancemessung zu analysieren und gängige Methoden kritisch zu vergleichen, um Handlungsbedarf für eine adäquatere Messung aufzuzeigen.
- Grundlegende Definition und Einordnung von Private Equity als Investitionsalternative
- Differenzierung der verschiedenen Formen und Phasen von Private-Equity-Investitionen
- Analyse der spezifischen Probleme bei der Performancemessung (z.B. Illiquidität, fehlende Marktpreise)
- Kritische Diskussion absoluter, durchschnittlicher, relativer und risikoadjustierter Messmethoden
- Beurteilung der praktischen Anwendbarkeit und Standardisierung in der Private-Equity-Branche
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Durchschnittliche Performancemessung
Die durchschnittliche Performancemessung betrachtet, wie die absolute Performancemessung, alle anfallenden Cashflows, jedoch findet der zeitliche Anfall eine Berücksichtigung. Das Investitionsrisiko wird in den Berechnungen jedoch komplett ignoriert. Für PE findet, für diese Art der Performancemessung, in der Regel die sog. interne Zinsfußmethode (Internal Rate of Return, IRR) Verwendung. Es handelt sich dabei um eine wertgewichtete Renditegröße, die der durchschnittlichen Rendite der Investition entspricht. Somit ist der IRR intuitiv interpretierbar, was ein Vorteil gegenüber anderen Methoden der Performancemessung darstellt. Je nach betrachteter Ebene und verfolgtem Ziel sind Brutto- oder Nettowerte zu verwenden. Mathematisch entspricht der IRR dem jährlichen Zinssatz, bei dem die Barwerte aller Cashflows dem Wert Null entsprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Private Equity als alternative Anlageklasse ein und thematisiert die Schwierigkeiten bei der Anwendung klassischer Performance-Maße aufgrund fehlender liquider Sekundärmärkte.
2 Grundlagen von Private Equity: Das Kapitel definiert Private Equity, erläutert die verschiedenen Lebenszyklusphasen einer Investition – von der Frühphasenfinanzierung bis zum Buyout – und beschreibt den allgemeinen Ablauf einer Private-Equity-Beteiligung.
3 Performancemessung von Private-Equity-Investitionen: Der Hauptteil analysiert detailliert die theoretischen Grundlagen, Herausforderungen und verschiedenen Methoden der Performancemessung, unterteilt in absolute, durchschnittliche, relative und risikoadjustierte Verfahren, sowie deren Handhabung in der Praxis.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, betont die weiterhin bestehenden methodischen Herausforderungen bei der Performancemessung von Private Equity und unterstreicht die Notwendigkeit für eine verbesserte Datenbasis und weitere Forschung.
Schlüsselwörter
Private Equity, Performancemessung, Investmentfonds, Rendite, Risikoadjustierung, IRR, Internal Rate of Return, PME, Public Market Equivalent, Buyout, Venture Capital, Benchmarking, Cashflow, Multiplikatoren, Asset Allocation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Darstellung und dem Vergleich verschiedener Methoden zur Performancemessung von Private-Equity-Investitionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Private Equity, der Prozess von der Akquisition bis zum Exit, die spezifischen Schwierigkeiten bei der Performancebewertung (wie Illiquidität) und die kritische Analyse gängiger Kennzahlen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Eignung verschiedener Performancemaße für die Besonderheiten von Private Equity zu bewerten und zukünftigen Handlungsbedarf für eine adäquatere Berücksichtigung dieser Besonderheiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien sowie auf die Darstellung und kritische Bewertung existierender theoretischer Konzepte der Performancemessung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Probleme der Performancemessung erörtert und anschließend verschiedene Methoden wie die absolute, durchschnittliche, relative und risikoadjustierte Performancemessung sowie Multiplikatoren detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Eignung für Private Equity diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Private Equity, Performancemessung, IRR, PME, Risikoadjustierung und Benchmarking charakterisiert.
Warum ist die Performancemessung bei Private Equity schwieriger als bei Aktien?
Im Gegensatz zu börsennotierten Aktien fehlen bei Private Equity liquide Sekundärmärkte und damit beobachtbare Marktpreise, was eine kontinuierliche und objektive Bewertung der Performance massiv erschwert.
Welche Bedeutung hat die EVCA in diesem Kontext?
Die EVCA (European Private Equity and Venture Capital Association) hat Richtlinien für ein einheitliches Berichtswesen und Bewertungsgrundsätze (Fair Value) festgelegt, um die Transparenz und Vergleichbarkeit in der Branche zu erhöhen.
Warum ist der IRR trotz bekannter Nachteile die primäre Methode in der Praxis?
Trotz der kritisierten Reinvestitionshypothese hat sich der IRR aufgrund seiner Standardisierung, der Berücksichtigung des zeitlichen Cashflow-Anfalls sowie seiner einfachen Interpretierbarkeit als Kennzahl in der Praxis als Standard durchgesetzt.
- Citation du texte
- Christian Kahl (Auteur), 2011, Methoden der Performancemessung von Private Equity-Investitionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177295