(Berufliche) Weiterbildung gewinnt in Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr an Bedeutung, in der Gesamtbetrachtung von Bildung, Beschäftigung und Arbeitmarkt spielt sie eine wesentliche Rolle. Der zunehmende Stellenwert von Weiterbildung ist dabei nicht nur in der politischen und gesellschaftlichen Debatte zu erkennen, sondern spiegelt sich auch in den Daten der Weiterbildungsstatistiken wider.
Diese Bedeutung der (beruflichen) Weiterbildung wird durch eine Entscheidung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, unterstrichen: bis zum Jahr 2015 soll erreicht werden, dass die Beteiligung an formalisierter Weiterbildung (Kurse und Semi-nare) von derzeit 43 % auf 50 % bei der erwerbstätigen Bevölkerung (nach Abschluss der Erstausbildung/25-64-Jährige) steigen soll.
Angesichts der Rolle der (beruflichen) Weiterbildung lohnt sich ein Blick auf deren Entwicklung. Schnell voranschreitende Veränderungen in Arbeit, Beruf und Gesellschaft einschließlich einwirkender Faktoren wie zum Beispiel Demographie, Globalisierung und neue Technologien machen deutlich, dass sich auch Formen und Inhalte der (beruflichen) Weiterbildung verändern (müssen). Mitarbeiter werden im wahrsten Sinne des Wortes zum "human capital" – eine entscheidende Wirkgröße für Unternehmen im Wettbewerb. Die Rahmenbedingungen haben sich auch für Mitarbeiter gewandelt – konnten diese in der Vergangenheit mittels Erstausbildung und kurzen Weiterbil-dungsmaßnahmen ausreichend Qualifikation für das Berufsleben erwerben, entstehen nun vor dem Hintergrund oben benannter multidimensionaler Veränderungsprozesse neue Berufsbiographien mit fachübergreifenden Erwerbsverläufen, um einem Anspruch nach ständiger Wissenserweiterung und persönlicher Weiterentwickelung gerecht zu werden. Das Lehren und Lernen befindet sich in einem Wandlungsprozess. "Lebenslanges Lernen" und "lernende Organisation" sind Begrifflichkeiten, welche die Tendenzen des Wandels aufzeigen. Und dabei wachsen nicht nur die Herausforderungen beim Lernen, sondern auch die Lehr- und Lösungsoptionen.
Im Rahmen dieser Ausarbeitung soll beleuchtet werden, in welcher Art und Weise die derzeitigen multidimensionalen Veränderungsprozesse sich auf Lernen und Lehren in der (beruflichen) Weiterbildung auswirken. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Trainern (beruflicher) Weiterbildung, für die sich die Frage stellt, welche Herausforderungen der Wandel für sie mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Klärungen und Überblick
2.1 Lernen
2.2 Lernkultur
2.3 Lehren
2.4 (Berufliche) Weiterbildung
2.4.1 Definition
2.4.2 Ziele beruflicher Weiterbildung
2.4.3 Akteure der (beruflichen) Weiterbildung
3. Der Wandel
3.1 Historische Betrachtung
3.2 Aktuelle Wandlungstendenzen
3.2.1 Von der Wissensvermittlung zum Kompetenzerwerb
3.2.2 Vom Lernen des Einzelnen zum Organisationslernen
3.2.3 Von der Institutionalisierung zur Individualisierung
3.2.4 Demographische Entwicklung
4. Folgen des Wandels für Trainer in der (beruflichen) Weiterbildung
4.1 Ausgangspunkt: Traditionelle Lehrkultur
4.2 Dimensionen des Wandels für Trainer
4.2.1 Folgen auf inhaltlicher Ebene
4.2.2 Folgen auf methodischer Ebene
4.2.3 Folgen auf räumlicher Ebene
4.2.4 Folgen auf persönlicher Ebene
4.2.5 Qualifikationserfordernisse
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen multidimensionaler Wandlungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft auf die (berufliche) Weiterbildung. Im Fokus steht dabei die Rolle der Trainer, die sich im Zuge veränderter Lernkulturen vom traditionellen „Belehrer“ hin zum „Lernbegleiter“ weiterentwickeln müssen, um moderne Lernbedürfnisse und Kompetenzanforderungen in der Praxis adressieren zu können.
- Historische Entwicklung und aktueller Wandel der Lern- und Lehrkultur
- Übergang von der Wissensvermittlung zum kompetenzorientierten Lernen
- Herausforderungen für Trainer in der beruflichen Weiterbildung
- Veränderte methodische, inhaltliche und räumliche Anforderungen an die Lehrgestaltung
- Strategien zur persönlichen Weiterentwicklung und Kompetenzerweiterung für Trainer
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Folgen auf räumlicher Ebene
Der Schulungs- oder Trainingsraum als klassischer Wirkungsschwerpunkt des Trainers in der (beruflichen) Weiterbildung bleibt nur noch eine unter vielen Optionen. Vielfältige Einflüsse wirken auf das moderne Lehren und Lernen ein – zum Einen führt insbesondere die Verwendung von elektronischen und interaktiven Medien zu einer Veränderung. Der Wunsch nach unmittelbar abrufbaren Informations- und Wissensangebote als scheinbar orts-, zeit- und anwesenheitsunabhängige Lernangebote nimmt zu und elaborierte Möglichkeiten der Simulation und Virtualisierung schaffen neue Bedingungen und Begehrlichkeiten für das Lernen.
Zum Anderen erfolgt eine Verschiebung der Lernorte aufgrund des Trends der Individualisierung und des Lernens am Prozess statt an der Tafel. Lernprozesse erfolgen in unserer modernen Gesellschaft überwiegend in zwei Formen erfolgen: Entweder durch tätige Anteilnahme an dem Leben sozialer Gemeinschaften oder durch gezielte Eingriffe (Interventionen) von Berufspädagogen.
Eine Herausforderung für Trainer wird es sein, zunehmend auch einen Teil der erstgenannten Lernprozesse zu begleiten. Räumlich bedeutet das, dass Weiterbildung zunehmend im direkten Arbeitskontext und/oder -umfeld erfolgt. Hier ein Umdenken seitens der Trainer gefragt. Für diese bedeutet die Individualisierung der Weiterbildung eine zunehmend (zumindest erwartete) Flexibilisierung seiner Person. Lernortgebundenes Lernen verliert an Bedeutung, zumal dieses ohnehin primär historisch und nicht didaktisch gewachsen war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den wachsenden Stellenwert der Weiterbildung in Wirtschaft und Gesellschaft und führt in die Thematik des Wandels ein.
2. Begriffliche Klärungen und Überblick: Definiert zentrale Fachbegriffe wie Lernen, Lernkultur, Lehren und berufliche Weiterbildung im wissenschaftlichen Kontext.
3. Der Wandel: Analysiert historische Lernformen sowie aktuelle Trends wie Kompetenzerwerb, Organisationslernen und demografische Entwicklungen.
4. Folgen des Wandels für Trainer in der (beruflichen) Weiterbildung: Beleuchtet die Auswirkungen auf inhaltliche, methodische, räumliche und persönliche Aspekte der Trainertätigkeit sowie notwendige Qualifikationen.
5. Fazit und Ausblick: Resümiert die Notwendigkeit des Wandels und betont die Herausforderung für Trainer, eine qualitative Verbesserung der Weiterbildung durch einen Perspektivwechsel zu erreichen.
Schlüsselwörter
Berufliche Weiterbildung, Lernkultur, Lernbegleiter, Kompetenzerwerb, Organisationslernen, Selbstorganisiertes Lernen, Instruktionsdidaktik, Wissensvermittlung, Wandel, Trainer, Methodik, Personalentwicklung, Lernprozess, Lebenslanges Lernen, Qualifikationserfordernisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Veränderungen in der beruflichen Weiterbildung und den damit verbundenen neuen Anforderungen an Trainer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den Wandel der Lernkultur, den Übergang vom Belehrer zum Lernbegleiter sowie die Anpassung der methodischen und inhaltlichen Gestaltung von Weiterbildungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Trainer den aktuellen Herausforderungen des Wandels begegnen können, um das Lernen der Teilnehmer effektiv zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und arbeitet mit konstruktivistischen sowie didaktischen Theorien, um den Wandel in der Weiterbildung zu begründen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Wandlungstendenzen (Kapitel 3) und leitet daraus spezifische Folgen für Trainer in inhaltlicher, methodischer, räumlicher und persönlicher Hinsicht ab (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Berufliche Weiterbildung, Lernkultur, Kompetenzerwerb, Lernbegleiter und Selbstorganisiertes Lernen.
Wie verändert sich die Rolle des Trainers laut der Autorin?
Die Autorin betont den Wandel vom traditionellen „Belehrer“, der Wissen hierarchisch vermittelt, hin zum „Lernbegleiter“, der den Lernprozess aktiv unterstützt und gestaltet.
Warum ist die demografische Entwicklung ein relevanter Faktor für Trainer?
Die alternde Erwerbsbevölkerung erfordert eine Anpassung der Weiterbildungsinhalte und -methoden, um auch ältere Arbeitnehmer effektiv im Berufsleben zu halten.
Welche Rolle spielt die „neue Lernkultur“ in der Arbeit?
Die neue Lernkultur ersetzt das starre, lehrerzentrierte Modell durch einen kompetenzorientierten, selbstorganisierten Ansatz, der stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden ausgerichtet ist.
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- Sybille Baudorff (Author), 2011, Lernen und Lehren im Wandel - Vom Belehrer zum Lernbegleiter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181574