Die Lebensbedingungen und -gewohnheiten der Grundschüler haben sich seit den letzten Jahrzehnten stark verändert. Sie werden heute mit einer großen Medienvielfalt konfrontiert, wachsen teilweise in schwierigen sozialen Verhältnissen auf und stehen nicht selten unter Druck, gute kognitive Leistungen zu erbringen, welchem sie auf Grund ihrer Erziehung nicht gewachsen sind.
Dr. Michael Winterhoff, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, setzte sich mit den Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter auseinander und ist als Sozialpsychiater in der Jugendhilfe tätig. In seinem Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" schildert er eine Reihe von Beziehungs-, Verhaltens- und Konzentrationsstörungen der Schüler. Diesen begegnet der Lehrer im Schulalltag. Überwiegend zeigen sie sich in Form von Unterrichtsstörungen, welche den Unterricht beeinflussen. Aber nicht nur unsere Schüler haben sich verändert, sondern auch die Unterrichtsformen und deren Methoden.
In dieser Forschungsarbeit sollen die Unterrichtsformen Frontalunterricht und Werkstattunterricht in ihren Überschreitungen gegenübergestellt und miteinander verglichen werden. Anschließend folgt eine Interpretation der Ergebnisse, woraus pädagogische Implikationen abgeleitet werden sollen. Der Ausblick gibt abschließend Anregungen zu neuen Forschungsfragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Frontal- und Werkstattunterricht
2.1.1 Frontalunterricht
2.1.2 Werkstattunterricht
2.2 Definition der Überschreitung
2.3 Fragestellung und Erwartung
3 Empirische Untersuchung
3.1 Methodische Vorüberlegung
3.1.1 Forschungsstrategie und Wahl der Methode
3.1.2 Das Kategoriensystem der Überschreitungen
3.2 Konstruktion des Beobachtungsverfahrens
3.2.1 Wie wird beobachtet?
3.2.2 Was wird beobachtet und wie wird protokolliert?
4 Durchführung
4.1 Die Stichprobe
4.1.1 Das Beobachtungsfeld
4.1.2 Stichprobenbeschreibung
4.2 Der Erstkontakt
4.3 Eine Beobachtungsstunde
4.4 Die Erhebungsstrategie
4.5 Die Auswertung
5 Ergebnisse und Diskussion
5.1 Häufigkeitsverteilung von Überschreitungen in den Wochen
5.1.1 Die erste Woche
5.1.2 Die zweite Woche
5.2 Häufigkeitsverteilung im Überblick
5.3 Implikationen
5.4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Forschungsarbeit untersucht das Auftreten und die Häufigkeit von Unterrichtsüberschreitungen in einer ersten Grundschulklasse, wobei ein direkter Vergleich zwischen Frontalunterricht und Werkstattunterricht gezogen wird. Ziel ist es, auf Basis des KADÜSA-Systems zu analysieren, welche spezifischen Regelverletzungen in den jeweiligen Unterrichtsformen häufiger auftreten, um daraus pädagogische Implikationen für eine wirksame Störungsprävention und Interventionsstrategien abzuleiten.
- Vergleichende Analyse von Unterrichtsstörungen im Frontal- und Werkstattunterricht.
- Anwendung des KADÜSA-Kategoriensystems zur systematischen Erfassung von Überschreitungen.
- Untersuchung der Einflussfaktoren auf das Schülerverhalten im Anfangsunterricht.
- Evaluierung der Wirksamkeit von Lehrerinterventionen bei Regelverstößen.
- Ableitung von Ansätzen für eine strukturierte und förderliche Lernumgebung.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Werkstattunterricht
Der Werkstattunterricht ist eine Grundform des offenen Unterrichts, in dem die Selbsttätigkeit, Selbststeuerung und Selbstkontrolle der Schüler im Vordergrund stehen. Sie werden gefordert, aktiv, entdeckend, ganzheitlich und fachübergreifend zahlreiche Themen zu bearbeiten, weshalb der Lehrer eine hohe Differenzierungsfunktion ausführen muss. Zusätzlich dürfen die Schüler den Unterrichtsverlauf mitbestimmen und bei der Vorbereitung mitwirken. Sie übernehmen dadurch eine kooperative Verantwortung.
Aus diesen Eigenschaften entwickelte Jürgen Reichen eine Definition des Werkstattunterrichts. Dieser ist ein
vom Lehrer organisiertes offenes Arrangement von Lernsituationen und Materialien, bei dem die Schüler Mitbestimmungsmöglichkeiten hinsichtlich der Arbeitsformen und Inhalte haben, so dass z.T. auch Schülerinteressen, -bedürfnisse, -initiativen zum bestimmenden Moment schulischen Lernens werden.
Die Werkstatt im Schulunterricht ist sowohl themen- als auch zielorientiert. Sie enthält ein breites Lernangebot, abhängig von den Lerntypen und Interessen der Schüler. Aufgabenstellungen sind klar, unkompliziert und selbsterklärend zu formulieren, damit eine selbständige Erarbeitung durch die Lernenden ermöglicht wird. Unterschiedliche Sinne werden aktiviert, Arbeitstechniken eingesetzt und Kompetenzen aufgebaut, wodurch die Schüler eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten entdecken. Wichtig ist auch, dass die Schüler ihre Lernergebnisse überprüfen und die Erfolgskriterien selbst kontrollieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik veränderter Lebensbedingungen von Grundschülern ein und stellt das Ziel vor, Unterrichtsüberschreitungen im Frontal- und Werkstattunterricht zu vergleichen.
2 Theoretische Grundlagen: In diesem Kapitel werden die Konzepte von Frontal- und Werkstattunterricht definiert, der Begriff der Überschreitung wissenschaftlich fundiert und die Forschungsfrage abgeleitet.
3 Empirische Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise, stellt das KADÜSA-System zur Kategorisierung von Überschreitungen vor und beschreibt die Konstruktion des Beobachtungsverfahrens.
4 Durchführung: Hier werden das Beobachtungsfeld, die Stichprobe sowie die konkrete Erhebungsstrategie im schulischen Alltag der ersten Klasse detailliert beschrieben.
5 Ergebnisse und Diskussion: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten, analysiert die Häufigkeitsverteilung von Regelüberschreitungen in verschiedenen Unterrichtsphasen und leitet pädagogische Implikationen ab.
Schlüsselwörter
Unterrichtsüberschreitung, Frontalunterricht, Werkstattunterricht, KADÜSA-System, Anfangsunterricht, Störungsprävention, Lehrerintervention, Lernvoraussetzungen, Regelkonformität, Verhaltensauffälligkeit, Unterrichtsstruktur, Grundschule, Beobachtungsverfahren, Schülertypen, Unterrichtsinteraktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht das Auftreten von Unterrichtsüberschreitungen (Störungen) im Frontalunterricht und im Werkstattunterricht in einer ersten Grundschulklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition und Systematisierung von Unterrichtsstörungen, der Vergleich zweier unterschiedlicher Unterrichtsformen und die Erfassung von Schülerverhalten im Anfangsunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die relative Häufigkeit und Art von Regelüberschreitungen in verschiedenen Unterrichtssettings zu vergleichen, um zu verstehen, wie Unterrichtsform und Lehrerintervention das Störungsgeschehen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische, teilnehmende Beobachtung durchgeführt, bei der die Überschreitungen mithilfe des KADÜSA-Kategoriensystems erfasst und in Matrizen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung des methodischen Vorgehens, die Einbettung in das konkrete Beobachtungsfeld und die Auswertung der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlagworte sind Unterrichtsüberschreitung, KADÜSA-System, Frontalunterricht, Werkstattunterricht, Störungsprävention und Anfangsunterricht.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen dem traditionellen und dem integrierten Frontalunterricht eine Rolle?
Diese Differenzierung hilft zu verstehen, wie methodische Vielfalt den Unterrichtsverlauf und die Regelakzeptanz beeinflusst, was für die Einordnung der beobachteten Störungen essenziell ist.
Welchen Einfluss hat das KADÜSA-System auf die Datenerhebung?
Es ermöglicht eine standardisierte, objektive Erfassung unterschiedlicher Störungsarten wie Unaufmerksamkeit, verbale oder physische Aktivitäten, was einen direkten Vergleich zwischen den Unterrichtsformen zulässt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Prävention?
Die Autorin betont, dass Störungsprävention nicht durch Disziplinierung, sondern durch eine altersgerechte, strukturierte Lernumgebung und transparente, von Schülern mitgestaltete Klassenregeln erfolgen sollte.
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- BA Jennifer Lorz (Author), 2010, Überschreitungen im Frontal- und Werkstattunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181575