Die Übersetzung von Filmen ist aus der heutigen deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Es werden immer mehr Filme und Serien produziert, um nicht nur die Kinos, sondern auch die wachsende Zahl von Fernsehprogrammen zu bedienen. Die in Deutschland am häufigsten zur Übersetzung von Filmen genutzte Methode ist die Synchronisation - und das schon seit der Mitte des letzten Jahrhunderts. Dennoch hat eine übersetzungswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser praktischen Tätigkeit im großen - und stetig wachsenden - Feld der audiovisuellen Übersetzung erst ab dem Ende des letzten Jahrhunderts begonnen. In dieser Arbeit liegt der Fokus auf einer übersetzungswissenschaftlichen Fragestellung, die schon seit langem diskutiert wird ohne dabei zu einer annähernd einheitlichen Ansicht gekommen zu sein: die Frage der Übersetzbarkeit. Da die Übersetzung von Filmen deutlich mehr Restriktionen unterliegt als die Übersetzung von schriftlichen Texten, gestaltet sich die Thematik in diesem Sektor als noch komplexer. Ein weiteres Forschungsgebiet, in dem die Frage der Übersetzbarkeit immer wieder aufkommt sind die sog. Humour Studies, deren Untersuchungsgegenstand das Komische bildet und die sich etwa zur gleichen Zeit wie die Beschäftigung mit audiovisueller Translation zu einem eigenen - größer werdenden - Forschungsgebiet entwickelt haben. Die Frage der Übersetzbarkeit wird in dieser Arbeit mit der Filmübersetzung sowie der Übersetzung des Komischen zusammengeführt, woraus sich Die Frage der Übersetzbarkeit in der Filmsynchronisation, insbesondere in Komödien ergibt. Hierbei spielen sowohl die theoretischen übersetzungswissenschaftlichen Grundlagen als auch deren Umsetzung in der Praxis, d.h. innerhalb des Prozesses der Synchronisation, eine Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Frage der Übersetzbarkeit
1.1 Begriffsklärung
1.2 Ebenen der Übersetzung
1.3 Übersetzen vs. Übertragung
2. Das Übersetzen von Komik
2.1 Mehrdeutigkeit
2.1.1 Homonymie und Polysemie
2.1.2 Homophonie und Homographie
2.2 Wortspiele
2.3 Metaphern und Symbole
2.4 Anforderungen an den Übersetzer von Komik
2.4.1 Humour Translation Competence
2.4.2 Audiovisual Humour Translation Competence
3. Übersetzung von Filmen
3.1 Arten der Filmübersetzung
3.1.1 Untertitelung
3.1.2 Voice-Over
3.1.3 Simultanverdolmetschung
3.1.4 Synchronisation
3.2 Audiovisuelle Synchronität
3.2.1 Visuelle Synchronität
3.2.1.1 Lippensynchronität
3.2.1.2 Silben- und Lückensynchronität
3.2.1.3 Paralinguistische Synchronität
3.2.2 Auditive Synchronität
3.2.2.1 Idiosynkratische Stimmen
3.2.2.2 Prosodische Elemente
4. Herausforderungen der Filmübersetzung
4.1 Das Komische im Film
4.1.1 Visuelle Komik
4.1.2 Auditive Komik
4.1.3 Audiovisuelle Komik
4.2 Kulturspezifika im Film
4.2.1 Eigennamen
4.2.2 Sprichwörter
4.3 Fremdsprachen im Film
4.3.1 Andere Sprache(n) in der Originalfassung
4.3.2 Zielsprache in der Originalfassung
4.3.3 Schriftsprache im Film
4.4 Die Rolle des Übersetzers in der Filmsynchronisation
4.4.1 Vom Drehbuch zum synchronisierten Film
4.4.1.1 Die Rohübersetzung
4.4.1.2 Die Synchronübersetzung
4.4.1.3 Das Dialogbuch
4.4.2 Der niedrige Stellenwert des Übersetzers
4.4.3 Der Übersetzer als Überträger
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Aspekte der Filmübersetzung, mit einem besonderen Fokus auf die Herausforderungen bei der Synchronisation von Komödien im deutsch-französischen Sprachvergleich. Ziel ist es, die Problematik der "Übersetzbarkeit" unter Berücksichtigung audiovisueller Restriktionen zu analysieren.
- Grundlagen der Übersetzbarkeit und Ebenen der Sprache nach Eugenio Coseriu.
- Methodische Besonderheiten bei der Übersetzung von humoristischen Elementen und Wortspielen.
- Anforderungen an die audiovisuelle Synchronität (visuell und auditiv).
- Umgang mit Kulturspezifika, Fremdsprachen und der Rolle des Synchronübersetzers in der heutigen Filmindustrie.
Auszug aus dem Buch
2.4 Anforderungen an den Übersetzer von Komik
Da es sich bei der Übersetzung von Humor um eine besondere Herausforderung für den Übersetzer handelt, muss dieser hierfür einigen Anforderungen entsprechen, denen es zur Übersetzung nicht-komischer Texte nicht bedarf.
Für die Übersetzung von Humor sind in erster Linie vier Kompetenzen von Nöten. Die grundlegendste unter ihnen ist die allgemeine Übersetzungskompetenz als sprachliche und kommunikative Fähigkeit. „Humorous Sensitivity“ bezeichnet die Fähigkeit einen Witz zu verstehen und ihn in seine Komponenten aufzuspalten, um ein angemessenes Äquivalent in der Zielsprache zu finden. „Humorous Awareness“ die Art des Humors schnell auszumachen und aufzuspüren (darunter fallen z.B. Ironie, Mehrdeutigkeit und Sarkasmus) und „Humorous Complicity“, die wichtigste der drei Eigenschaften, beschreibt die Fähigkeit der aktiven (Re)produktion von Humor in der Zielsprache.
Eine weitere Fähigkeit, die technische Kompetenz, d.h. das Wissen um die Techniken der Synchronisation, kommt zu den oben genannten hinzu, um gemeinsam mit ihnen die „Audiovisual Humour Translation Competence“ zu bilden. Diese beinhaltet selbst auch „more profound knowledge than other translators of both source and target languages and cultures, which will make it easier to find humoristic solutions that respect the synchronisation of image/word (Veiga 2009:169)“. Veiga ordnet die einzelnen Kompetenzen danach, wie einfach zu erlernen sind (beginnend bei der technischen Kompetenz) und arbeitet zu der sich am schwierigsten anzuegnenden (der Audiovisual Humour Translation Competence) vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Frage der Übersetzbarkeit: Klärung grundlegender Begriffe der Übersetzungswissenschaft und Einführung des Modells der drei Sprachebenen nach Coseriu.
2. Das Übersetzen von Komik: Analyse der Schwierigkeiten bei der Übersetzung humoristischer Elemente wie Mehrdeutigkeiten, Wortspielen und Metaphern.
3. Übersetzung von Filmen: Überblick über gängige Methoden der Filmübersetzung und die spezifischen Anforderungen an die audiovisuelle Synchronität.
4. Herausforderungen der Filmübersetzung: Detaillierte Untersuchung von Kulturspezifika, Fremdsprachen im Film und die kritische Analyse der Rolle des Übersetzers im Produktionsprozess.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ansätze und Plädoyer für eine Aufwertung der Rolle des Übersetzers zur Qualitätssteigerung.
Schlüsselwörter
Synchronisation, Filmübersetzung, audiovisuelle Übersetzung, Humortransfer, Kulturspezifika, Übersetzungskompetenz, Lippensynchronität, Sprachvergleich, Mehrdeutigkeit, Wortspiele, Audiovisuelle Synchronität, Synchronübersetzer, Dialogbuch, Rohübersetzung, Übersetzungswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die komplexen theoretischen und praktischen Herausforderungen, die bei der Übersetzung von Filmen auftreten, insbesondere im Hinblick auf das Genre der Komödie im deutsch-französischen Vergleich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Übersetzung von Humor, die technischen Anforderungen der Filmsynchronisation sowie die Rolle und der Stellenwert des Übersetzers im Produktionsprozess.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht die "Frage der Übersetzbarkeit" und wie diese unter den spezifischen audiovisuellen Restriktionen der Filmsynchronisation gelöst werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das Modell der drei Ebenen der Sprache von Eugenio Coseriu als theoretisches Fundament genutzt, kombiniert mit einer praxisorientierten Analyse von Filmbeispielen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Übersetzung, die Herausforderungen durch Humor und Kulturspezifika, die technischen Regeln der Synchronisation und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Berufsbild des Synchronübersetzers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Synchronisation, audiovisuelle Übersetzung, Humortransfer, Kulturspezifika sowie die verschiedenen Ebenen der Synchronität.
Warum ist die Übersetzung von Komödien besonders schwierig?
Komödien basieren häufig auf sprachlichen Nuancen wie Wortspielen oder kulturellen Referenzen, die bei einer direkten Übersetzung ihre komische Wirkung verlieren könnten.
Welche Rolle spielen "Idiosynkratische Stimmen" bei der Synchronisation?
Diese Stimmen sind eng mit der Persönlichkeit eines Schauspielers verknüpft; eine falsche Wahl des Synchronsprechers kann die Illusion des Originals stören.
Warum wird der Status des Synchronübersetzers als niedrig eingestuft?
Der Text kritisiert, dass der Übersetzungsprozess oft durch Zeitdruck und kommerzielle Gewinnmaximierung der Studios behindert wird, was die künstlerische Entfaltung des Übersetzers einschränkt.
Welchen Lösungsvorschlag macht die Autorin im Fazit?
Sie schlägt vor, den aktuellen, oft arbeitsteiligen Prozess durch eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten zu ersetzen, um ein qualitativ hochwertigeres Endprodukt zu erzielen.
- Citar trabajo
- Isis Martinsen (Autor), 2011, Die Frage der Übersetzbarkeit in der Filmsynchronisation, insbesondere in Komödien, im deutsch-französischen Sprachvergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183088