Abtönungspartikeln im Übersetzungsvergleich

Französisch - Deutsch


Hausarbeit, 2010
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Zum Begriff „Abtönungspartikel“

2. Definition: Abtönungspartikel

3. Gebrauch und Funktion der Abtönungspartikeln

4. Zum semantischen Inhalt der Abtönungspartikeln

5. Abtönungspartikeln als übersetzungsrelevante Problematik
5.1 Sprachvergleich Deutsch-Französisch in Bezug auf Partikeln
5.2 Erklärungsansätze für den unterschiedlichen Gebrauch von Partikeln im
Deutschen und Französischen
5.2.1. Französische Neigung zur verbalen Formulierung
5.2.2. Sprachgeschichtliche Entwicklung
5.3 Äquivalente im Französischen
5.4 Übersetzungsvergleich

6. Schlussbemerkungen

7. Bibliographie

0. Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll sich unter bestimmten Gesichtspunkten mit jenen Wörtern befassen, die in der Sprachwissenschaft im Allgemeinen als „Abtönungspartikeln“ bezeichnet werden. Nach eingehender Begriffsanalyse und Erörterung ihrer formalen Charakteristika soll erläutert werden, inwiefern Abtönungspartikeln eine nicht unerhebliche übersetzungsrelevante Problematik darstellen; und zwar speziell in Hinblick auf Übersetzungen ins Französische, bzw. aus dem Französischen ins Deutsche.

Zunächst soll auf die nicht ganz unumstrittene Begriffsgebung „Abtönungspartikeln“ eingegangen und geklärt werden, inwiefern diese von anderen Partikeln der deutschen Sprache abzugrenzen sind. In diesem Sinne soll im darauffolgenden Kapitel der Versuch einer Definition der Abtönungspartikeln hinsichtlich ihrer morphologischen und phonetischen Struktur, ihrer syntaktischen Eigenschaften sowie ihrer Funktion und Gebrauchsweise unternommen werden.

Im Weiteren soll anhand einiger Beispiele exemplarisch aufgeführt werden, welche unterschiedlichen Bedeutungsnuancen Abtönungspartikeln im Deutschen enthalten können. Im darauffolgenden Kapitel soll das Augenmerk auf die beim Vorgang des Übersetzens durch Abtönungspartikeln entstehende Problematik gelenkt werden, die sich daraus ergibt, dass das Sprachsystem des Französischen kein genaues Gegenstück zu diesen Partikeln liefert. Um aufzuzeigen, welche Alternativen die französische Sprache bietet, entsprechende Bedeutungsnuancen auszudrücken, sollen im Anschluss unter Berufung auf das „Wörterbuch deutscherPartikeln“[1] exemplarischdenkbare französische Äquivalente für einige Partikeln genannt werden.

Abschließend soll das erarbeitete Wissen über die deutschen Abtönungspartikeln und deren Entsprechungen im Französischen auf einen „interlingualen Mehrfachvergleich“[2] zwischen Auszügen aus Daniel Pennacs Roman „ Au bonheur des ogres[3] und dessen deutschen Übersetzungen von Eveline Passet („Paradies der Ungeheuer“[4] ) und Wolfgang Rentz („Im Paradies der Ungeheuer“[5] )angewendet werden.

1. Zum Begriff „Abtönungspartikel“

Zur Einführung soll vorweg an einigen Beispielen veranschaulicht werden, in welchen Kontexten gewisse Partikeln wie aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, einfach, etwa, erst, halt, ja, nur, ruhig, schon, vielleicht und wohl eine sogenannte abtönende Funktion einnehmen können, um zu veranschaulichen, wovon eigentlich die Rede ist:

Du bist aber groß; seid ihr auch alle da; wann kommst du nur endlich; wo steckst du denn; komm mal her; machen Sie ruhig weiter; ich bin ja so unglücklich; Schwaben ist schon ein schönes Land; das war vielleicht komisch.[6] [7]

In der sprachwissenschaftlichen Literatur zur diesem Thema ist alternativ u.a. die Rede von „Füllwörtern“[8], „Modalpartikeln/-wörtern“[9], „Satzpartikeln“[10] oder auch „Einstellungspartikeln“[11]. In älteren Beiträgen zum Thema wurden häufig abwertende Bezeichnungen gewählt, wie beispielsweise „[unnötige] Flickwörter, die wie Läuse im Pelz unserer Sprache herumwimmeln“[12], in der nicht selten geäußerten Annahme, es handle sich bei den Partikeln lediglich um „bedeutungslose, nichtssagende Einschiebsel“.[13]

Obwohl sogar Weydt in seiner sprachvergleichenden Dissertation („Abtönungspartikeln. Die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen“[14] ) den Überbegriff Modalwörter verwendete, soll in der vorliegenden Arbeit vom Gebrauch von Modalwort bzw. Modalpartikel abgesehen werden.Diese Begriffe sollen nicht als Synonyme zu Abtönungspartikeln verwendet, da es dabei leicht zu Verwechslungen mit Modaladverbien kommen kann.[15] Zudem existiert eine terminologische Verwendung des Ausdrucks Modalwort, der zufolge Modalwörter gerade keine Partikeln (und erst recht keine Abtönungspartikeln) sind, sondern eine eigenständige Klasse von „adverbähnlichen Wörtern“[16].

Somit ist zwar die Gefahr gebannt, dass es zu Verwechslungen mit anderen Wortklassen kommt, doch kommt nun die Frage auf, zu welcher Wortart Abtönungspartikeln denn eigentlich gehören. In der zu diesem Thema vorhanden wissenschaftlichen Literatur herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass diese Partikeln nicht eindeutig unter einer bestimmten Wortklasse zusammenzufassen sind, sondern sich vielmehr durch die ihnen allen gemeine „funktionale Bedeutung für die Konversation“[17] auszeichnen.

Ferner ist nicht einwandfrei geklärt, ob es sich bei Abtönungspartikeln nicht lediglich um bestimmte „abtönende“ Gebrauchsweisen von Wörtern anderer, feststehender Wortklassen handelt. Zum Beispiel bleibt die Frage, ob es sich bei dem Verhältnis von wohl (Adverb)in Oh wie wohl ist mir am Abend und dem wohl (Abtönungspartikel)in Ihnen ist wohl schlecht um Polysemie oder um Homonymie handelt, d.h. ob sie denselben etymologischen Hintergrund haben oder nicht, ungeklärt, so dass man vielleicht eher von einer abtönenden Funktionoder einer „Funktionsklasse ‚Abtönungspartikeln‘“[18], denn von einer eigenen Wortklasse namens Abtönungspartikeln sprechen sollte.[19]

Überdies gestaltet sich eine klare Einteilung der Abtönungspartikelnhinsichtlich ihrer Bedeutungsnuancen (sowohl in Abgrenzung zu anderen Wortarten als auch in Abgrenzung zueinander) aufgrund „ihrer Polysemie, verbunden mit schwer fassbaren Übergängen zwischen den einzelnen Lesearten, [als] kaum möglich.“[20]

Ungeachtet der Entscheidung, im Folgenden von „Abtönungspartikeln“ zu sprechen, sei noch erwähnt, dass die Bezeichnung „Einstellungspartikeln“[21] semantischeher auf die eigentlich Funktion dieser Partikeln schließen lässt als Abtönungspartikel. Denn die wesentliche Funktion dieser Wörter, namentlich die Vermittlung der subjektiven Haltung des Sprechers,lässt sich von diesem Begriff ableiten, wohingegen sich bei Abtönungspartikeln die Frage stellt, was eigentlich genau der Grundton ist, der von diesen Partikeln jeweils abgetönt wird.[22]

2. Definition: Abtönungspartikel

Abtönungspartikeln sind wie alle Partikeln unflektierbar; sie unterscheiden sich aber von anderen Partikeln insofern, als sie keiner eigenen Wortart angehören. In den meisten Fällen handelt es sich in phonologischer Hinsicht um Einsilber und morphologisch gesehen um Simplizia, d.h. um Grundwörter, die weder abgeleitet noch zusammengesetzt werden können. Die Einsilbigkeit und der Simplexstatus können jedoch nur bedingt als definitorisches Charakteristikum gelten, da es einige Gegenbeispiele gibt, wie z.B. allerdings, immerhin usw.[23] [24]

In aller Regel sind Abtönungspartikeln im Satz integriertund stehen weder alleine (als Satzäquivalent) noch am Satzanfang, sprich sie sind „nicht topikalisierungsfähig“[25]. Damit geht einher, dass Abtönungspartikeln keine Antwort auf eine Frage bilden können, d. h. nicht erfragt werden können. Sie heben sich also auch in syntaktischer Hinsicht von der Gruppe der Partikeln mit nichtabtönender Bedeutung, die u.a. als Adverbien, Präpositionen oder Konjunktionen fungieren, ab.[26]

[...]


[1] Métrich/Faucher 2009

[2] Reiss 1971: 314

[3] Pennac 1997

[4] Pennac 2001

[5] Pennac 1989

[6] Die Partikeln sind in diesen Beispielen unbetont zu lesen!

[7] Vgl. Weydt1969: 19

[8] Weydt 1969: 9

[9] Kohrt 1988: 104

[10] Métrich 2009, Glossar: XIX

[11] Doherty 1985: 62

[12] Reiners 1991: 241f

[13] Weydt 1969: 23

[14] Weydt 1969

[15] Vgl. Kohrt 1988: 104

[16] Kohrt 1988: 104

[17] Kohrt 1988: 104

[18] Weydt 1969: 51

[19] Vgl. Kohrt 1988: 105 u. Weydt 1969: 53

[20] Vgl. Blumenthal 1997: 93

[21] Doherty 1985: 62

[22] Vgl. Kohrt 1988: 104

[23] Vgl. Kohrt 1988: 106

[24] An dieser Stelle sei angemerkt, dass Kohrt diesen Punkt vermutlich deshalb besonders hervorhebt, weil er zeigen möchte, dass eigentlich nicht eindeutig zur Gruppe der Abtönungspartikeln gehört. (Vgl. Kohrt 1988)

[25] Kohrt 1988: 106

[26] Vgl. Weydt 1969: 67

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Abtönungspartikeln im Übersetzungsvergleich
Untertitel
Französisch - Deutsch
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Dolmetschen und Übersetzen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V188788
ISBN (eBook)
9783656127178
ISBN (Buch)
9783656126737
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abtönungspartikeln, übersetzungsvergleich, französisch, deutsch
Arbeit zitieren
Sandra Mahlke (Autor), 2010, Abtönungspartikeln im Übersetzungsvergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188788

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