Menschlichkeit im Umgang mit Texten kommunizieren, reflektieren und darauf handlungs- und produktionsorientiert reagieren

Projektdokumentation


Examensarbeit, 2012
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

I PLANUNG DER UNTERRICHTSEINHEIT
1. Das zentrale thematische Anliegen der Einheit
2. Bedingungsanalyse
2.1 Institutionelle Rahmenbedingungen
2.2 Die Klasse 7a
2.3 Lernstandbeschreibung der Klasse 7a
3. Sachanalyse
3.1 Literarisches Lernen
3.2 Menschlichkeit
4. Didaktisch-methodische Analyse
4.1 Bezug zum Bildungsplan
4.2 Begründung der Inhaltsauswahl
4.3 Kompetenzorientierung und Zielperspektiven
4.4 Überlegungen zur Umsetzung, Aufgaben- und Methodenwahl

II DOKUMENTATION DES VERLAUFS
Phase I: Vorwissen aktivieren
Phase II: Texterschließung und Interpretation
Phase III: Anschlusskommunikation mit Reaktion
Phase IV: Präsentation
Phase V: Reflexion

III REFLEXION

IV QUELLENVERZEICHNIS

Anlagen

I PLANUNG DER UNTERRICHTSEINHEIT

1. Das zentrale thematische Anliegen der Einheit

Die Realschule xxxxxxxxxx zeichnet sich durch eine Schülerschaft aus, die sich in ihrer ethnischen Herkunft als multikulturell charakterisieren lässt. Diese Grundvoraussetzung erfordert von allen am Schulleben Beteiligten, ein erhöhtes Maß an gegenseitigem Verständnis, Respekt und Toleranz, damit eine harmonische Lernkultur gestaltet werden kann. In Anbetracht an diese Tatsache knüpft das Leitbild der Realschule xxxxxxxxxxx an die Forderung eines sozialen Miteinanders an und formuliert folgende These: In unserer Schule sorgt jeder für ein respektvolles Miteinander. Wir sind uns gegenseitig Vorbild in Ehrlichkeit, Höflichkeit, Fairness, nehmen aufeinander Rücksicht und zeigen Solidarität.“[1] Um das komplexe Anliegen der geplanten Unterrichtseinheit mit dem Schwerpunktthema „Menschlichkeit“ schüler- und altersgerecht aufbereiten zu können, werden zunächst verschiedene Texte zur eigenständigen Lektüre angeboten. Ziel dieser textlichen Auseinandersetzung ist es, den reflexiven Prozess einer Bewusstwerdung im Hinblick auf die Förderung des Solidaritätsbewusstseins seitens der Schülerinnen und Schüler in Gang zu bringen. Die Verknüpfung der theoretischen Grundlage mit den handlungs- und produktionsorientierten Reaktionen entspricht dem Prinzip der Ganzheitlichkeit und soll in einer Abschlusspräsentation zum Ausdruck gebracht werden.

2. Bedingungsanalyse

2.1 Institutionelle Rahmenbedingungen

Derzeit besuchen die Klasse 7a der Realschule xxxxxxxxxxx 29 Schülerinnen und Schüler, 13 Jungen und 16 Mädchen. Das Schulgebäude eignet sich gut für projektartiges Arbeiten, da es großzügige Gänge und eine Aula bietet, die neben dem Klassenzimmer zur Unterrichtsgestaltung genutzt werden können. Zudem liegt die Realschule xxxxxxxxx im Zentrum der Stadt, nur wenige Gehminuten von der Fußgängerzone entfernt, was zur Projektarbeit, auch außerhalb des Schulgebäudes einlädt. Im Rahmen des Faches Deutsch findet das Projekt zum Thema „Menschlichkeit“ Einzug und wird schwerpunktmäßig in der zweiten Modulwoche des Schuljahres durchgeführt.

2.2 Die Klasse 7a

Die Klasse 7a erlebe ich insgesamt als sehr lebhaft, vertrauenswürdig und nett. Besonders positiv erscheint mir das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler untereinander. Das Besondere an dieser Klassengemeinschaft ist ihre Zusammensetzung aus Schülerinnen und Schülern mit einer Vielzahl an Migrationshintergründen. Dies ist aber für die Realschule Baden-Baden eher typisch. Die Erstellung eines Klassensoziogramms noch vor Beginn der Projektphase hat ergeben, dass nur zwei Schüler wenig in die Klassengemeinschaft integriert sind. Bei diesen beiden Jungen wurde die Zuteilung in eine Gruppe für das Projekt nach sozialem Interesse vollzogen, bei den restlichen Schülern war als oberes Gruppeneinteilungskriterium das thematische Interesse ausschlaggebend. Eine Schülerin ist zu Beginn des Projektes neu in die Klasse hinzugestoßen. Sie schien zu Beginn Motivationsprobleme aufzuweisen, hat sich aber im Verlauf der Projektphase gut in die Klassengemeinschaft und in ihre Projektgruppe integriert.

2.3 Lernstandbeschreibung der Klasse 7a

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a arbeiten mündlich sehr engagiert und motiviert mit und sie genießen es offensichtlich ihr Wissen mit der gesamten Klasse zu teilen und zu diskutieren. Bei neuen und sehr offenen Lernarrangements, in denen selbstständig und eigenverantwortlich gearbeitet wird, benötigen manche noch ein wenig Unterstützung. Der Bildungsplan 2004 hat zur Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht einen fortschrittlichen Beitrag geleistet. Beispielsweise wurde im Bereich projektartigem Arbeiten die Durchführung der TOPe verbindlich eingeführt. Für die Klasse 7a steht in diesem Schuljahr das Projekt Soziales Engagement im Mittelpunkt, das während der Projektdurchführung ebenfalls in vollem Gange ist. Somit sind die Schülerinnen und Schüler bereits mit der Thematik „Solidarität“ vertraut. Im Zuge dessen bot sich ein Projekt im Fach Deutsch, das diesen Themenbereich vertieft und von verschiedenen Seiten beleuchtet, ganz hervorragend an.

3. Sachanalyse

3.1 Literarisches Lernen

Der Begriff des literarischen Lernens grenzt sich von dem der Lesekompetenz ab, da er – vor allem seit Veröffentlichung der PISA-Studie - stark pragmatisch geprägt ist. Literarisches Lernen gründet in der Auffassung, dass es literarische Lernprozesse gibt, die sich speziell auf die Beschäftigung mit fiktionalen und poetischen Texten beziehen.[2] Im Schulalltag liegt die Förderung der literarischen Sozialisation im Ermessen der Lehrkräfte. Diese sollten eigenverantwortlich Einblicke in entwicklungsbedingte Voraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler gewinnen und daran anknüpfend ein optimales literarisches Lernen gewährleisten, bei dem alle Lernenden gleichsam mit einbezogen werden.[3] Lehrkräfte müssen darüberhinaus genauestens berücksichtigen, welche Kenntnisse vorausgesetzt werden können und wie mit diesem Wissensstand auf bereits vorhandene Kompetenzen angeknüpft werden kann, damit weitere Lernprozesse realisierbar sind. „Literarisches Lernen meint schulische Lehr- und Lernprozesse zum Erwerb von Einstellungen, Fähigkeiten, Kenntnissen und Fertigkeiten, die nötig sind, um literarisch-ästhetische Texte in ihren verschiedenen Ausdrucksformen zu erschließen, zu genießen und mit Hilfe eines produktiven und kommunikativen Auseinandersetzungsprozesses zu verstehen.“[4] Im Kontext des literarischen Lernens kommt dem handlungs- und produktionsorientierten Ansatz eine wichtige Bedeutung zu, der über den rein analysierenden und interpretierenden Umgang mit Texten hinaus, den Tätigkeitsdrang, die Sinnlichkeit, Gefühle und Phantasien der Schülerinnen und Schüler anregt.[5] Eine aktuelle Diskussion um die Erziehungsdimension und den ethischen Auftrag literarischen Lernens sieht die Gefahr einer Instrumentalisierung von Literatur für pädagogische Zwecke[6], weshalb darauf zu achten ist eine eindimensionale Abhandlung bei der unterrichtlichen Bearbeitung von literarischen Texten zu vermeiden. Kaspar Spinner fasst die Zielsetzungen des literarischen Lernens, das auf den beiden Hauptaufgaben der ´Persönlichkeitsentwicklung´ und der ´literarisch-ästhetischen´ Bildung beruht, wie folgt zusammen: „Literarisches Lernen soll dem Aufbau einer stabilen Lesemotivation, der Entwicklung einer Texterschließungskompetenz, der ästhetischen Sensibilisierung, der Identitätsfindung und dem Fremdverstehen, der Auseinandersetzung mit anthropologischen Grundfragen und der Förderung von Imagination und Kreativität dienen.“[7] Zur Erreichung all dieser genannten Kompetenzen und Lernziele ist vorzugsweise die Beschäftigung mit problemorientierten literarischen Texten sowie ausgewählter Werke der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur sehr ergiebig. Diese Textsorten eignen sich besonders zur Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen, die eigene Person und/oder fremde Erfahrungen betreffend. Durch reflexive Rezeptionserfahrungen werden eine allmähliche Einübung in Empathie- und Perspektivübernahme und ein handelndes Sich-Hineinversetzen geschult, die wiederum im Rahmen der Identitätsfindung unerlässliche Voraussetzungen für einen gelingenden Individuationsprozess sind.[8]

3.2 Menschlichkeit

Eine allgemeingültige Definition über die Menschlichkeitsthematik zu treffen ist aufgrund eines enorm vielfältigen Verständnisses und reichhaltigem Interpretationspotential nicht möglich. Aus diesem Grund werde ich Schwerpunkte setzen, die zum Ersten in Zusammenhang mit den ausgewählten Texten, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen, stehen und zum Zweiten einem schülergerechten Verständnis entsprechen. Die Theorie einer humanistischen Menschlichkeit erscheint mir für den aktuellen unterrichtlichen Zweck als geeignet. Zeitlebens diskutieren Philosophen die Fragestellung, was einen Menschen ausmache mit dem Ziel, einen friedvollen, gütigen und kultivierten Umgang miteinander zu pflegen. Menschlichkeit sei, so J. G. Herder, nur teilweise angeboren und müsse nach der Geburt ausgebildet werden.[9] „Die Bildung zu ihr sei „ein Werk, das unablässig fortgesetzt werden muß, oder wir sinken […] zur rohen Tierheit, zur Brutalität zurück.“ Wenn Herders Gedanken Berücksichtigung finden, dann umfasst die humanistische Theorie zum Begriff Menschlichkeit „gute“ Ziele wie Taten der Güte, der Menschenliebe, der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der Hilfsbereitschaft, der Solidarität und des Mitgefühls.[10]

4. Didaktisch-methodische Analyse

4.1 Bezug zum Bildungsplan

Als eine der zentralen Aufgaben von Schule gilt es, „die Schülerinnen und Schüler in ihrer Neugierde, ihren Talenten und auf ihrer Suche nach Identität und Orientierung“[11] bestmöglich zu unterstützen. Dieses Anliegen drängt seitens der Schülerinnen und Schüler geradezu nach ganzheitlich-individuellem und differenziertem Unterricht, bei dem jeder

Lernende durch die selbsttätige Mitverantwortung seines Lernprozesses seine Persönlichkeit unterbewusst entwickelt. Der Bildungsplan 2004 fordert die Anbahnung von Kernkompetenzen im fachlichen, sozialen, personalen und methodischen Bereich ein. Projektorientiertes Arbeiten bietet das Potential, das zur Verwirklichung dieser zentralen Forderungen des Bildungsplans beiträgt, da ausgehend vom Prinzip des ganzheitlichen Lernens, alle genannten Kernkompetenzen gleichzeitig gefördert und gefordert werden können. Die fachliche Basis bildet bei dieser Projektarbeit eine Vielfalt ästhetischer Textgrundlagen, die zur Förderung des literarischen Lernens im Fach Deutsch beitragen. Schwerpunktmäßig finden die Aspekte „Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen“, „Mit Fiktionalität bewusst umgehen“ und „Sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen“ nach Kaspar Spinner Berücksichtigung[12]. Die Verbindung des literarischen Lernens mit der übergreifenden Projektthematik „Menschlichkeit“, bildet somit eine Brücke, die den Transfer von der literarischen Grundlage zur Kommunikation, Reflexion und schließlich zum handlungs- und produktionsorientierten Arbeiten anbahnt. Auf diese Weise wird durch den Austausch und die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler neben der fachlichen Kompetenz die Sozial-, Personal- und Methodenkompetenz individuell in den Lernprozess integriert und somit ein wertvoller Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Schülers und einer jeden Schülerin geleistet.

4.2 Begründung der Inhaltsauswahl

Im Verlauf des Schuljahres berichteten die Schülerinnen und Schüler mehrfach von ihrem themenorientierten Projekt, das sie mit Unterstützung des Klassenlehrers durchführen. Dieses Projekt, das in Klassenstufe 7 dem Sozialen Engagement untergeordnet wird, widmet sich grundlegend dem Umgang von Mensch zu Mensch.[13] Ich empfand die Ansichten und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler diesbezüglich als sehr gespalten. Die Institution, mit der die Klasse kooperiert, ist ein Altersheim. Manche zeigten sich hochmotiviert, ältere Menschen zu unterstützen und deren Alltag zu bereichern, andere wiederum sahen nur wenig Sinn und Motivation bei dieser Aktion. In einem dieser Unterrichtsgespräche äußerte eine Schülerin, dass es doch menschlich sei, anderen zu helfen. In diesem Zusammenhang bahnte sich eine Diskussion über die Fragestellung, was Menschlichkeit überhaupt sei, an. Somit entschied ich, dieses Anliegen der Schülerinnen und Schüler zum Projektthema zu machen, bei dem das Thema „Menschlichkeit“ von verschiedenen Seiten beleuchtet werden sollte. Um sicherzugehen, dass die Schülerinnen und Schüler einen Bezug hierzu herstellen würden, schob ich spontan eine emotional geprägte Unterrichtsstunde zum Thema „Menschlichkeit“ ein, um herauszufinden, ob die Schülerinnen und Schüler tatsächlich bereit sind, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Diese Stunde wurde zu einem vollen Erfolg und somit legte ich das Projektthema fest.

[...]


[1] http://www.realschule-baden-baden.de/index.php?option=com_content&task=view&id=29&Itemid=56 (Stand: 03.01.2012)

[2] vgl. Spinner, Kaspar H. : Literarisches Lernen. In: Praxis Deutsch 200. 2006. S.6

[3] vgl. Büker, Petra: Literarisches Lernen in der Primar- und Orientierungsstufe. In: Grundzüge der Literaturdidaktik. (Hrsg. Bogdal;Korte). Dtv Verlag. München, 2002. S.122

[4] ebd. S.121

[5] vgl. Spinner, Kaspar H. zitiert nach Büker, Petra (1994): Literarisches Lernen in der Primar- und Orientierungsstufe. In: Grundzüge der Literaturdidaktik. (Hrsg. Bogdal;Korte). Dtv Verlag. München, 2002. S.121

[6] vgl. ebd. S.129

[7] ebd. S.130

[8] vgl. ebd. S.133

[9] vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/Menschlichkeit#Theorie_einer_.E2.80.9Ehumanistischen_Menschlichkeit.E2.80.9C (Stand: 07.01.2012)

[10] vgl. ebd.

[11] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (Hrsg.): Bildungsplan für die Realschule. Neckar-Verlag. Stuttgart, 2004. S.5

[12] vgl. Spinner, Kaspar H.: Literarisches Lernen. In: Praxis Deutsch 200. Friedrich Verlag, 2006.

[13] http://www.seminare-bw.de/servlet/PB/ (Stand: 03.01.2012)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Menschlichkeit im Umgang mit Texten kommunizieren, reflektieren und darauf handlungs- und produktionsorientiert reagieren
Untertitel
Projektdokumentation
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Realschulen) Karlsruhe
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V189521
ISBN (eBook)
9783656137221
ISBN (Buch)
9783656138976
Dateigröße
850 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Projekt, Menschlichkeit, Literarisches Lernen, Handlungs- und Produktionsorientierung, Kinder- und Jugendliteratur, Klasse 7, Deutsch, Pädagogik
Arbeit zitieren
Romy Stegen (Autor), 2012, Menschlichkeit im Umgang mit Texten kommunizieren, reflektieren und darauf handlungs- und produktionsorientiert reagieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189521

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