Grenzen, die das Staatsgebiet definieren, sind eines der konstituierenden Elemente des modernen Nationalstaates. Auch heute noch hat diese Kontrolle des Staates über seine Grenzen, und damit die Macht zu bestimmen, wer das Staatsgebiet betreten und sich dort
aufhalten darf, nicht an Bedeutung verloren.
Im Gegensatz zu früher, als Grenzen die Staaten vor ihrem militärisch starken Nachbar schützen sollten, schützen Grenzen heute vor dem schwachen Nachbarstaat, in welchem es durch ökonomische Krisen oder Bürgerkriege zu Flucht- und sonstigen Migrationsbewegungen kommen kann. Doch ist Migration keine
neue Erscheinung. Bereits seit Beginn der industriellen Revolution und der europäischen Kolonisation in Übersee ist räumliche Mobilität ein Charakteristikum moderner Gesellschaften. Jedoch hat sich dieses Phänomen über die Jahrhunderte verstärkt, sodass heutzutage so viele Menschen in Bewegung sind wie noch nie zuvor. Diese rapide Zunahme der Wanderungsbewegungen an Volumen stellt die Nationalstaaten aber immer stärker vor ein Problem, wollen sie diese effektiv kontrollieren und steuern.
Österreich mag zwar ein kleines Land sein, jedoch ist es aufgrund seiner geografischen Lage inmitten Europas seit jeher intensiv in die europäischen Wanderungsbewegungen eingebunden. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine ex-post Analyse der österreichischen
Migrationspolitik. Welche Ziele verfolgte die österreichische Migrationspolitik seit 1945 und durch welche konkreten legistischen Maßnahmen sollten diese realisiert werden? Welche Konsequenzen hatten die gesetzten Maßnahmen in der Folge tatsächlich? Es sollen die, für die österreichische Migrationspolitik typischen Charakteristika herausgearbeitet und untersucht werden, welchem Wandel die österreichische Migrationspolitik im Lauf der Zeit
unterworfen war.
Zunächst soll auf den Begriff und die Arten der Migration generell kurz eingegangen werden. Danach wird überblicksartig auf Migrationsbewegungen und Migrationspolitik in Europa seit
1945 eingegangen. In der Folge wird die Entwicklung der österreichischen Migrationspolitik in chronologischer Reihenfolge detailliert vorgestellt, wobei ein Exkurs in die
Migrationspolitik der EU erforderlich ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Migration
2.1. Formen der Migration
2.1.1. Die Arbeitsmigration
2.1.2. Die Fluchtmigration
2.1.3. Die Familienmigration
2.1.4. Die illegale Migration
2.2. Migrationspolitik
3. Migration nach Europa - Eine Übersicht
4. Die österreichische Migrationspolitik
4.1. Die Geschichte Österreichs als "Migrationsland"
4.2. Die Migrationspolitik der jungen Republik
4.3. Österreich als Aufnahmeland zur Zeit des Kalten Krieges
4.4. Die Anwerbung von Gastarbeitern
4.5. Eine restriktivere Politik gegenüber Arbeitsmigranten
4.6. Die Entwicklung einer österreichischen Abwehrgesellschaft
4.7. Aktive Steuerung und Reglementierung der Zuwanderung
Exkurs: Die Migrationspolitik der EU
4.8. Die Heranführung Österreichs an die europäische Migrationspolitik
4.9. Österreichische Migrationspolitik im europäischen Rahmen
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel einer ex-post Analyse der österreichischen Migrationspolitik seit 1945, wobei untersucht wird, welche Ziele verfolgt wurden, welche legistischen Maßnahmen zur Realisierung eingesetzt wurden und wie sich die Politik im zeitlichen Wandel sowie im europäischen Kontext entwickelte.
- Historische Entwicklung von Österreich als Auswanderungs-, Transit- und Einwanderungsland
- Analyse der verschiedenen Migrationsformen (Arbeitsmigration, Flucht, Familiennachzug, illegale Migration)
- Wandel der österreichischen Haltung vom "Asylland" zur "Abwehrgesellschaft"
- Einfluss der europäischen Integration und Harmonisierung auf die nationale Migrationspolitik
- Rolle der Migrationspolitik als Instrument der ökonomischen Steuerung und sicherheitspolitischen Kontrolle
Auszug aus dem Buch
4.4. DIE ANWERBUNG VON GASTARBEITERN
Österreich befand sich seit Mitte der 50er Jahre in einer Phase der Hochkonjunktur. Die Arbeitslosenrate sank und Vollbeschäftigung wurde erreicht. Allerdings war das weitere Wirtschaftswachstum aufgrund des geringen Arbeitskräftepotentials in Österreich gefährdet. (Matuschek 1985, 159) Vor allem die schlecht bezahlten und wenig prestigeträchtigen Jobs drohten unbesetzt zu bleiben. (Parnreiter 1994, 286) Zahlreiche Österreicher wanderten in die westlichen Nachbarländer ab und die Frauenerwerbsquote sank. Um ein Zurückgehen des Wirtschaftswachstums wegen Arbeitskräfteknappheit zu vermeiden, mussten Gastarbeiter ins Land geholt werden, da Österreich über kein Arbeitskräftereservoir in ehemaligen Kolonien verfügte. (Bauböck 1996, 12)
Grundsätzlich sind befristete Arbeitsverhältnisse ein Mittel, um den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden und gleichzeitig die Migration in Grenzen zu halten. Es können flexibel Arbeitskräfte genau für jene Branchen ins Land gelassen werden, welche gerade einen besonderen Bedarf an Arbeitskräften haben. (Fritz 2003, 155) Ausländerbeschäftigung wurde als Konjunkturpuffer gesehen, der für alle Beteiligten von Vorteil sei. Für den Aufnahmestaat bedeutete es die Anpassung des Arbeitskräftepotentials an den nationalen Bedarf ohne die Herausbildung einer erhöhten Arbeitslosigkeit zu riskieren und für den Gastarbeiter stellte die Arbeitsmigration die Möglichkeit dar, kurzfristig sein Einkommen zu verbessern und dieses dann in seiner Heimat investieren zu können. (Bauböck 1996, 13)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Arbeit als ex-post Analyse der österreichischen Migrationspolitik seit 1945 und erläutert die Zielsetzung sowie die methodischen Einschränkungen.
2. Der Begriff der Migration: Dieses Kapitel definiert Migration allgemein und differenziert zwischen verschiedenen Formen wie Arbeits-, Flucht-, Familien- und illegaler Migration.
3. Migration nach Europa - Eine Übersicht: Es wird ein Überblick über Migrationsbewegungen und die Migrationspolitik in Europa seit 1945 gegeben, wobei insbesondere die Rolle von Gastarbeitern und die europäische Integration beleuchtet werden.
4. Die österreichische Migrationspolitik: Dieses Hauptkapitel analysiert chronologisch die Entwicklung der österreichischen Migrationspolitik von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart unter Berücksichtigung gesetzlicher Rahmenbedingungen.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und gliedert die Migrationspolitik Österreichs gegenüber Arbeitsmigranten in vier zentrale Phasen.
Schlüsselwörter
Migrationspolitik, Österreich, Gastarbeiter, Asyl, Arbeitsmarkt, Einwanderung, Integration, Flüchtlinge, Gesetzgebung, Fremdenrecht, EU-Integration, Steuerung, Arbeitskräftebedarf, Familienzusammenführung, Abwehrgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die spezifischen Merkmale der österreichischen Migrationspolitik von 1945 bis zur Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Steuerung von Zuwanderung, die Entwicklung des Asylrechts, die Rolle der Arbeitsmarktpolitik sowie den Einfluss europäischer Richtlinien auf die nationale Gesetzgebung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die ex-post Analyse der Ziele, der legistischen Maßnahmen und des Wandels der österreichischen Migrationspolitik im Lauf der Zeit.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analysierenden Aufarbeitung historischer Migrationsdaten, gesetzlicher Regelungen und politikwissenschaftlicher Diskurse.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der österreichischen Politik, angefangen bei der Nachkriegszeit über die Gastarbeiterära bis hin zur restriktiven Abwehrpolitik der 90er Jahre und den aktuellen Strategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Migrationspolitik, Arbeitsmarkt, Asylrecht, Gastarbeiter, Einwanderungsland und EU-Harmonisierung sind zentrale Begriffe der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich die österreichische Migrationspolitik von anderen europäischen Ländern?
Die Arbeit stellt heraus, dass Österreich besonders seit den 90er Jahren eine Vorreiterrolle in der restriktiven Gestaltung der Fremden- und Asylpolitik eingenommen hat.
Welche Rolle spielte das "Rotationsmodell" in der österreichischen Politik?
Das Rotationsmodell sollte den Aufenthalt ausländischer Arbeitskräfte befristet halten, scheiterte jedoch in der Praxis, da die Wirtschaft einen dauerhaften Bedarf an angelernten Arbeitskräften hatte.
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- Mag Elisabeth Bergmann (Autor:in), 2009, Die österreichische Migrationspolitik von 1945 bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189801