Nach dem Lernfeldkonzept werden Rahmenlehrpläne nicht mehr entlang von Fachsystematiken strukturiert, sondern es wird sich an beruflichen Handlungsfeldern orientiert. Die Anforderungen des Lernfeldkonzeptes sollen bei der Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements berücksichtigt werden. Für die konkrete unterrichtliche Umsetzung gibt die Kultusministerkonferenz (KMK) jedoch nur wenige didaktische Hinweise – die Gestaltung von Lernsituationen sei die Aufgabe der Lehrerteams der einzelnen Berufsschulen. Eine Festlegung auf Unterrichtsmethoden gibt es nicht. In dieser Arbeit wird daher analysiert, ob sich Lehrstücke, Metaphern und Narrationen - alles Methoden der Nachbardisziplin der Berufs- und Wirtschaftspädagogik - für den Einsatz im nach Lernfeldern strukturierten wirtschaftsberuflichen Unterricht eignen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Lernfeldkonzept
2.1. Einführung in die Systematik
2.2. Ziele
2.3. Zentrale Kategorien
3. Einführung in die Gestaltung beruflicher Lehr- und Lernprozesse mit Hilfe dreier Methoden
3.1. Lehrkunstdidaktik und ihre Lehrstücke
3.2. Methapern als Denkgerüst wirtschaftsberuflichen Unterrichts
3.3. Die Lehrkraft als Geschichtenerzähler: Narratives Vorgehen in der wirtschaftsberuflichen Bildung
4. Vergleichende Analyse der Methoden hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Grenzen beim Einsatz im Lernfeldkonzept
4.1. Handlungsorientierung
4.2. Situation- und Problemorientierung
4.3. Wissenschaftsorientierung
4.4. Arbeits- und Geschäftsprozessorientierung
4.5. Ganzheitlichkeit
4.6. Exemplarik
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die methodischen Grenzen von Lehrstücken, Metaphern und Narrationen als unterstützende Instrumente für eine handlungs- und problemorientierte Unterrichtsgestaltung im Lernfeldkonzept der beruflichen Bildung.
- Analyse des Lernfeldkonzeptes und seiner didaktischen Anforderungen
- Charakterisierung von Lehrstücken als dramaturgisch gestaltete Unterrichtseinheiten
- Bedeutung von Metaphern als kognitive Denkgerüste für komplexe Organisationen
- Einsatz von Storytelling zur Sinnstiftung und Prozessdarstellung in Lernsituationen
- Kritischer Vergleich der Methoden hinsichtlich ihrer Eignung für berufsschulische Lernprozesse
Auszug aus dem Buch
3.3. Die Lehrkraft als Geschichtenerzähler: Narratives Vorgehen in der wirtschaftsberuflichen Bildung
Unter dem Begriff „Storytelling“ wird derzeit in der Betriebswirtschaftslehre der Einsatz von Narrationen im Management diskutiert. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass ein Verhalten nur dann dauerhaft erfolgreich sein kann, wenn es für die beteiligten Mitarbeiter Sinn macht. Geschichten können diesen „Sinnzusammenhang menschlichen Handelns und der Organisation von Handeln“77 stiften, indem sie die Beziehung von Subjekt und Außenwelt ordnen und deuten.78 Weiterhin können Narrationen dazu beitragen Erfahrungswissen von Mitarbeitern zu „konservieren“, wovon die gesamte Organisation profitieren kann.79 Storytelling wird jedoch nicht nur in Unternehmen, sondern auch im Unterricht eingesetzt, um Lernprozesse zu initiieren, zu unterstützen und zu kontrollieren.80
Im Unterricht wie auch im Unternehmen können mithilfe von bewusst und gezielt eingesetzten Geschichten, Inhalte besser verständlich gemacht und so das Lernen und Mitdenken der Lernenden bzw. Zuhörer nachhaltig unterstützt werden.81 In solchen Geschichten wird häufig das Erfahrungswissen von Experten aus besonderen Arbeits-, Problemlöse- und Alltagssituationen dargestellt,82 denn – wie bereits Dewey erkannte – wir können aus unseren Erfahrungen sehr viel für unser zukünftiges Handeln lernen.83
Die eingesetzten Narrationen weisen grundsätzlich eine dramaturgische Handlungsstruktur (Plot) und somit einen Handlungs- und Problembezug auf: Unter bestimmten Kontextbedingungen (Raum, Zeit, Ort) handeln Personen, lösen Probleme oder treffen Entscheidungen. Die Lösung bzw. die möglichen Lösungswege müssen dabei jedoch nicht zwingend vorgegeben werden.84 Die Darstellung sollte aber detailliert und facettenreich ausgestaltet sein, um Generalisierungen von Seiten der Lernenden zu vermeiden und so den Blick auf die Realität zu bewahren.85
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Lernfeldkonzept ein und definiert die Fragestellung, ob Lehrstücke, Metaphern und Narrationen für den wirtschaftsberuflichen Unterricht geeignet sind.
2. Das Lernfeldkonzept: Das Kapitel erläutert die Systematik, Ziele und zentralen Kategorien des Lernfeldkonzeptes, das die fachsystematische Struktur durch eine berufsfeldorientierte Gestaltung ersetzt.
3. Einführung in die Gestaltung beruflicher Lehr- und Lernprozesse mit Hilfe dreier Methoden: Hier werden Lehrstücke, Metaphern und narrative Ansätze theoretisch vorgestellt und ihre wesentlichen Merkmale für den Einsatz im Unterricht beschrieben.
4. Vergleichende Analyse der Methoden hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Grenzen beim Einsatz im Lernfeldkonzept: Die Analyse untersucht die drei Methoden anhand der sechs Kategorien des Lernfeldkonzeptes (z. B. Handlungsorientierung, Ganzheitlichkeit) auf ihre praktische Umsetzbarkeit.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse und betont, dass eine Kombination der Methoden, insbesondere durch die Einbindung von Narrationen in Lehrstücke, sinnvoll sein kann.
Schlüsselwörter
Lernfeldkonzept, Lehrstücke, Metaphern, Narrationen, Berufsbildung, Handlungsorientierung, Storytelling, Lehrkunstdidaktik, Unterrichtsgestaltung, Wirtschaftspädagogik, Problemorientierung, Ganzheitlichkeit, Exemplarik, Handlungskompetenz, Lernsituationen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Eignung spezifischer Lehrmethoden (Lehrstücke, Metaphern, Narrationen) zur Gestaltung von Lernsituationen innerhalb des Lernfeldkonzepts der beruflichen Bildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Anforderungen des Lernfeldkonzepts, die lehrkunstdidaktische Theorie, der Einsatz bildhafter Sprache in Organisationen sowie narrative Methoden für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu analysieren, ob und wie die untersuchten Methoden die Vorgaben für einen handlungsorientierten und exemplarischen Unterricht in der beruflichen Bildung erfüllen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, bei der die drei ausgewählten Methoden systematisch an den Kategorien des Lernfeldkonzepts gemessen und auf ihre Vor- und Nachteile geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Methoden und die anschließende kritische Analyse hinsichtlich Kriterien wie Handlungsorientierung, Wissenschaftsorientierung und Ganzheitlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Lernfeldkonzept, Lehrstück, Metapher, Narration und berufliche Handlungskompetenz beschreiben.
Warum ist der eigenständige Einsatz von Metaphern kritisch zu sehen?
Der Autor empfiehlt Metaphern nicht als alleinige Unterrichtsmethode, da sie kein spezifisches, methodisch-didaktisches Vorgehen begründen, sondern eher als unterstützendes Denkgerüst dienen.
Welche Bedeutung haben "Plot Points" in einer Narration?
Im narrativen Unterricht dienen "Plot Points" als didaktische Haltepunkte, an denen Lernende Teilziele bearbeiten und sich intensiv mit der Problematik der Geschichte auseinandersetzen, um ein mentales Modell aufzubauen.
Welche Herausforderungen bestehen beim Einsatz von Lehrstücken?
Die größte Herausforderung ist der überdurchschnittliche Zeit- und Arbeitsaufwand für die Konzeption und detaillierte Planung der dramaturgisch strukturierten Unterrichtseinheiten.
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- Torben Schneider (Author), 2012, Möglichkeiten und Grenzen beim Einsatz von Lehrstücken, Metaphern und Narrationen im Lernfeldkonzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193204