Spanische Fremdenverkehrsbroschüren als Übersetzungsproblem


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Übersetzungstheoretische Grundlagen
1.1 Texttypen
1.2 Textsorten
1.2.1 Fremdenverkehrsbroschüre als Textsorte 6
1.3 Übersetzungsrelevante Textanalyse – Modell nach Christiane Nord

2 Untersuchung des Korpus nach Nord
2.1 Textexterne Faktoren
2.1.1 Sender 8
2.1.2 Intention des Senders
2.1.3 Empfänger
2.1.4 Medium/Kanal
2.1.5 Ort
2.1.6 Zeit
2.1.7 Kommunikationsanlass
2.1.8 Textfunktion
2.2 Textinterne Faktoren
2.2.1 Thematik
2.2.2. Inhalt
2.2.3 Präsuppositionen
2.2.4 Aufbau und Gliederung
2.2.5 Nonverbale Textelemente
2.2.6 Sprache
2.2.7 Suprasegmentale Merkmale
2.3 Wirkung

3 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Spanien zählt zu den beliebtesten Urlaubsländern weltweit und ist das populärste Reiseziel der deutschen Urlauber.

Fremdenverkehrsbroschüren sind bedeutende Imageträger eines Landes und in Spanien befindet sich demnach eine Vielzahl von diesen Werbeträgern, die aber sowohl werbetechnisch als auch translatorisch nicht immer den Anforderungen entsprechen. Das Ziel, welches mit der Verbreitung der Werbebroschüren angestrebt wird - nämlich die erfolgreiche Vermarktung einer touristischen Einrichtung, kann aber nur dann erreicht werden, wenn diese Anforderungen erfüllt werden.

Die vorliegende Hausarbeit behandelt somit spanische Fremdenverkehrsbroschüren als Übersetzungsproblem. Der Korpus einer ausgewählten Werbebroschüre für Touristeneinkünfte wird anhand des übersetzungsrelevanten Modells der Textanalyse nach Christiane Nord untersucht.

Die Hausarbeit ist in einen theoretischen und einen praktischen Teil gegliedert. Der Theorieteil dient dazu, für die Untersuchung relevante theoretische Grundlagen aus der Translation zu erläutern, die eine Basis für die Untersuchung der Werbebroschüre legen sollen. Im praktischen Teil erfolgt die Untersuchung der Broschüre nach dem übersetzungsrelevanten Modell der Textanalyse nach Christiane Nord.

Die Werbebroschüre ist eine insgesamt viersprachige, gebundene Broschüre, die für in-und ausländische Gäste im Hotel selbst, sowie zusätzlich in örtlichen Verkehrsämtern und Reisebüros ausgelegt wird. Die E-Mails an das Hotel, welche unter anderem Fragen nach der Entstehung der Broschüre und ihren Übersetzungen beantworten sollten, wurden leider nicht beachtet. Somit muss auf eine Kritik an den textexternen Faktoren verzichtet werden.

Im letzten Kapitel wird das Ziel der Arbeit erreicht. Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengefasst und bewertet, Mängel aufgezeigt und die Ursachen für diese Mängel sowie Vorschläge für deren Behebung angegeben.

Im Anhang befinden sich ausgewählte Layout- und Textbeispiele aus der Broschüre, die zur Analyse herangezogen wurden.

1 Übersetzungstheoretische Grundlagen

1.1 Texttypen

Nach Katharina Reiß (1971, 24) „Eine Texttypologie, die den Erfordernissen des Übersetzungsprozesses gerecht wird und die sich auf alle in der Praxis vorkommenden Textarten erstreckt, ist (...) eine unabdingbare Voraussetzung“ für Übersetzung und

Übersetzungskritik. Dazu hat Reiß 1971 eine übersetzungsrelevante Texttypologie ausgearbeitet. Ausgangspunkt ist dabei die Feststellung, dass es verschiedene Arten von Texten gibt. Reiß bezieht sich dabei auf das so genannte Organon-Modell von Karl Bühler (1934).

Bühler identifizierte drei Grundfunktionen der Sprache, nämlich Darstellung, Ausdruck und Appell, die in jedem Sprachzeichen und somit auch in jedem Text vorhanden sind. Dieses Modell hat Katharina Reiß für ihre übersetzungsrelevante Texttypologie herangezogen und insgesamt drei Texttypen unterschieden - den informativen, expressiven und appellbetonten Typ. Im Folgenden werden diese Texttypen genauer betrachtet.

Der informative Texttyp dient in erster Linie der Informationsvermittlung, die je nach Text auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen kann. Reiß (1971, 34f) ordnet diesem Texttyp unter anderem Pressenachrichten, Gebrauchsanweisungen, Urkunden, Sachbücher, Berichte sowie geisteswissenschaftliche, naturwissenschaftliche und technische Fachtexte zu. Soll der Zieltext eine primär informative Funktion haben, so orientiert sich der Übersetzer primär daran, was gesagt wird, während zum Beispiel stilistische Aspekte oder die Form des Ausgangstextes von sekundärer Bedeutung sind. (vgl. Kadric et al. 2005, 78-79)

Expressive Texte dienen primär der Vermittlung von künstlerisch gestalteten Inhalten und nicht der sachbezogenen Darstellung. In ihnen dominiert der individuelle Mitteilungs- und Gestaltungswille des Autors. Zum expressiven Text zählen „Texte, die als Sprach- oder als Dichtkunstwerk bezeichnet werden können“ (Reiß, 1971,40). Bei den expressiven Texttypen orientiert sich der Übersetzer bei dem Zieltext primär daran, wie etwas gesagt wird, also mit welchem sprachlichen Gestaltungsmitteln eine Botschaft übermittelt wird. (vgl. Kadric et al. 2005, 79-80)

Appellbetonte Texte sind dadurch gekennzeichnet, dass mit ihnen ein bestimmtes Ziel verfolgt, eine bestimmte außersprachliche Reaktion erwartet wird. Beispiele für den appellbetonten Texttyp sind Werbung, Propaganda sowie Verbotsschilder, Ratgeber und Einladungsschreiben. (vgl. Reiß, 1971, 44f)

Bei der Übersetzung von appellbetonten Texten ist die Erhaltung des Appels am wichtigsten. Der Übersetzer orientiert sich daran, welche Reaktion bei den Adressaten erzielt werden soll und wählt dazu die adäquaten sprachlichen Mittel aus. Um die Auslösung des gewünschten Verhaltens zu sichern, ist oft eine Modifizierung des Inhalts und/oder der Form erforderlich (z.B. Werbeanzeige). (vgl. Kadric et al. 2005, 80-81)

Der appellbetonte Texttyp wird aufgrund seiner kommunikativen Funktion als operativer Texttyp bezeichnet. (vgl. Reiß, 1976, 14) Werbe- und Fremdenverkehrsbroschüren sind vorwiegend operative Texte. In zweiter Linie gehören die operativen Texte dem informativen Typ an, da sie meistens nützliche Informationen vermitteln, das Angebot beschreiben und beispielsweise seine Vorteile betonen. Falls in Werbe- und Fremdenverkehrsbroschüren expressive Elemente enthalten sind, dienen diese weniger dem ästhetischen Ausdruck, sondern der Überzeugung des Empfängers zum Einsatz.

1.2 Textsorten

„Textsorten“ sind nach Reiß/Vermeer „überindividuelle Sprech- oder Sprachakttypen, die an wiederkehrende Kommunikationshandlungen gebunden sind und bei denen sich aufgrund ihres wiederholten Auftretens charakteristische Sprachverwendungs- und Textgestaltungsmuster herausgebildet haben“ (Reiß/Vermeer, 1984, 177).

Reiß und Vermeer haben eine Klassifizierung von Texten vorgenommen. Sie unterscheiden Textsortenklassen, Textsorten und Textsortenvarianten. Den Textsortenklassen als Oberbegriff werden jeweils bestimmte Textsorten zugeschrieben, eine Textsorte wird wiederum in verschiedene Textsortenvarianten untertitelt. Der Textsortenklasse Roman gehören beispielsweise die Textsorten Zukunfts-, Kriminal-, Briefroman an; als Textsortenvarianten des Kriminalromans gelten der Detektivroman und der Thriller. (vgl. Reiß/Vermeer, 1984, 187f)

1.2.1 Fremdenverkehrsbroschüren als Textsorte

Eine Fremdenverkehrsbroschüre ist eine Publikation von geringem Umfang, die, je nach Inhalt, an den verschiedensten privaten oder öffentlichen Stellen aufliegt und der Information und/oder der Werbung dient. Sie kann in Form eines Heftes sein, aber meist handelt es sich um ein Faltblatt oder Flyer, in praktisch kleinem Format. Die Broschüre behandelt ein bestimmtes Thema für einen klar definierten Personenkreis und hat einen hohen Aktualitätsbezug.

Fremdenverkehrsbroschüren sind in erster Linie operativ, in zweiter Linie informativ und zeichnen sich durch einen starken Einsatz nonverbaler Elemente (Fotos, Piktogramme, Karten, etc.) als Werbemittel und Informationsträger aus.

Die Broschüren werben für eine einzige oder für mehrere Einrichtungen derselben Art (Hotels, Museen etc.). Sie liegen zur freien Entnahme an öffentliche Stellen wie Fremdenverkehrsämtern, Touristeninformationen, in Reisebüros, in Cafés oder Restaurants auf und besitzen einen hohen Grad an Aktualität.

Fremdenverkehrsbroschüren haben einen stark appellativen Charakter. Sie sollen Aufmerksamkeit wecken, ansprechend und sympathisch wirken, dies wird häufig durch die nonverbale Gestaltung erreicht. Die nonverbalen Elemente werden bei dieser Textsorte stark aufgewertet, da über sie ein bestimmtes Image transportiert werden soll. Der Textteil bleibt dabei informativ und stellt kein zentrales Element dar.

1. 3 Übersetzungsrelevante Textanalyse – Modell nach Christiane Nord

Christiane Nord (1991, 41) gestaltet ihr Modell der übersetzungsrelevanten Textanalyse mit zwei W-Fragestellungen:

WER übermittelt

WOZU

WEM

über WELCHES Medium

WO

WANN

WARUM

einen Text mit

WELCHER Funktion?

WORÜBER

sagt er

WAS

(WAS NICHT)

in WELCHER Reihenfolge

unter Einsatz WELCHER nonverbalen Elemente

in WELCHEN Worten

in WAS für Sätzen

in WELCHEM Ton

mit WELCHER Wirkung?“

Die erste W-Fragestellung bezieht sich auf die textexternen Faktoren. Diese Faktoren umfassen Textproduzenten/Sender, Intention des Senders, Empfänger, Medium/Kanal, Ort, Zeit, Kommunikationsanlass und die Textfunktion. Die zweite W-Fragestellung bezieht sich auf die textinternen Faktoren und umfasst somit die Thematik, Textinhalt, Textaufbau, Präsuppositionen, nonverbale Textelemente, Lexik, Syntax, suprasegmentale Merkmale und die Wirkung, die Nord als einen „übergreifenden Faktor, durch den das Zusammenspiel der textexternen und textinternen Faktoren erfasst wird“ beschreibt (Nord, 1991,41).

Das Modell nach Nord wird häufiger zur Analyse von Ausgangstexten herangezogen, während bei der vorliegenden Hausarbeit vor allem die Übersetzungen, also Zieltexte, untersucht werden. Es wurde dennoch dieses Modell gewählt, weil die nonverbalen Elemente, die bei der vorliegenden Textsorte eine wichtige Rolle spielen, berücksichtigt werden. Die Kapitel Lexik und Syntax werden zum Kapitel Sprache zusammengefasst, unter welchem auch andere Aspekte der Sprache, die über Lexik und Syntax hinausgehen, behandelt werden. Dieses neue Kapitel umfasst somit alle Aspekte der Sprache, die aus werbetechnischer und translatorischer Sicht wichtig sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Spanische Fremdenverkehrsbroschüren als Übersetzungsproblem
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V195216
ISBN (eBook)
9783656209478
ISBN (Buch)
9783656212300
Dateigröße
5685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
spanische, fremdenverkehrsbroschüren, übersetzungsproblem
Arbeit zitieren
Katharina Bondarenko (Autor), 2012, Spanische Fremdenverkehrsbroschüren als Übersetzungsproblem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195216

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