Friedrich Schiller und die Französische Revolution

Schillers Verarbeitung der revolutionären Ereignisse in den „ästhetischen Briefen“ und in der Schrift „Über das Erhabene“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

47 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Besonderheiten der Französischen Revolution

3. Die Grundzüge der Französischen Revolution
3.1 Zeitgeschichtliche Voraussetzungen
3.2 Periodisierung und Ablauf elementarer Ereignisse
3.3 Gesellschaftliche Folgen und ihre Bewertung

4. Schillers grundsätzliche Haltung zur Französischen Revolution
4.1 Der persönliche Erfahrungs- und Erwartungsraum
4.2 Die Bewertung der Ereignisse
4.3 Allgemeine Alternativkonzeptionen

5. Schillers gesellschaftliche Gegenwartsdiagnose und Zielperspektiven in den Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“

6. Schillers ästhetisch-pädagogische Forderungen und Handlungsstrategien in den Briefen

7. Die Weiterentwicklung der ästhetischen Konzeption Schillers in der Schrift „über das Erhabene“

8. Zusammenfassung und Ausblick: Aktualität und Realisierbarkeit der Forderungen

9. Literatur

1. Einleitung:

Als Friedrich Schiller am 1. März 1798 überraschend ein Diplom aus dem französischen Jenseits erhielt, in dem er feierlich zum französischen Ehrenbürger gekürt wurde, zeigte er sich wenig stolz und beeindruckt, allenfalls verwundert und amüsiert: Seit seiner offiziellen Ernennung zum „citoyen francais“ durch die Französische Nationalversammlung am 26. August 1792 waren bereits fünfeinhalb Jahre ins Land gegangen und sämtliche Unterzeichnende, vom damaligen französischen Finanzminister Etienne Clavière, über den Innenminister Jean Marie Roland bis zum Justizminister und Revolutionär Georges Jacques Danton, waren in den Exzessen der Französischen Revolution längst eines gewaltsamen Todes gestorben. Selbst der rührige General Adam Philippe Comte de Custine, der nach dem Übertritt Dumouriez´ zu den Österreichern im April 1793 an der Spitze der französischen Nordarmee gestanden hatte, war inzwischen der Denunziations-Hysterie des Wohlfahrtsausschusses zum Opfer gefallen und als vermeintlicher girondistischer Verräter hingerichtet worden.[1] So erreichte Schiller diese verspätete Ovation tatsächlich „ganz aus dem Reich der Todten.“[2] Wie an diesen Ereignissen zu erkennen ist, hatte sich im revolutionären Frankreich in der Zeit zwischen 1792 und 1798 nicht nur personell, sonder auch ereignisgeschichtlich und institutionell einiges verändert: Nach der anfangs relativ moderaten Konstituierung der Nationalversammlung (17. 6.), der Abschaffung der Feudalrechte (4. 8.) und der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte im Jahre 1789 hatte die Gewalttätigkeit der Französischen Revolution im Zuge der blutigen Septembermorde (2. - 6. 9.) im Jahre 1792 und der Ermordung der Königsfamilie (21.1. u. 16.10.) im Jahre 1793 sprunghaft zugenommen. Unter der kleinbürgerlich-radikaldemokratischen Diktatur der Jakobiner, die zwischen 1793 (2. 6.) und 1794 (27. 7) über 40.000 Menschenleben forderte, waren sämtliche traditionelle Rechts- und Glaubensgrundsätze beseitigt und der blinde Terror als vermeintliches Mittel staatsbürgerlicher Läuterung etabliert worden. Erst nach der Hinrichtung des mittlerweile größenwahnsinnig gewordenen Robespierre am 28. Juli 1794 und der Beendigung der bürgerlich-konservativen Gewaltherrschaft der Jeunesse dorée im März 1795 hatte die Französische Revolution in der großbürgerlich-oligarchischen Herrschaft des Direktoriums bis zur Machtergreifung Napoleons am 9. November 1799 wieder einen vorübergehenden Ruhepunkt finden können.[3] Kein Wunder also, dass sich Schiller beim Erhalt des ominösen Ehrentitels im März 1798 zu keinen größeren Begeisterungsausbrüchen hinreißen ließ und die ganze Angelegenheit mit wohlbegründeter Ironie und Skepsis betrachtete. So bemerkte er z.B. am 2. März 1798 in einem Brief an Johann Heinrich Campe, in dem er sich für die Vermittlung der missverständlich adressierten Ehrengabe durch Campe bedankte: „Die Ehre, die mir durch das ertheilte fränkische Bürgerrecht widerfährt, kann ich durch nichts als meine Gesinnung verdienen, welche den Wahlspruch der Franken vom Herzen adoptiert; und wenn unsre Mitbürger über dem Rhein diesem Wahlspruch immer gemäß handeln, so weiß ich keinen schöneren Titel, als einer der ihrigen zu seyn.“[4] Das volle Ausmaß seiner Abscheu und Entrüstung über die revolutionären Entgleisungen wird jedoch in einem Brief spürbar, den Schiller bereits am 8. Februar 1793, also genau 18 Tage nach der Hinrichtung Ludwig des XVI., an Körner schrieb: „Ich habe wirklich eine Schrift für den König schon angefangen gehabt, aber es wurde mir nicht wohl darüber, und da liegt sie mir nun noch da. Ich kann seit 14 Tagen keine franz. Zeitung mehr lesen, so ekeln diese elenden Schindersknechte mich an.“[5] Beim aufmerksamen Lesen dieser Zeilen dürfte nun eigentlich kaum der Eindruck entstehen, dass Schiller ein begeisterter Verfechter der Französischen Revolution oder gar ein revolutionärer Tendenz- oder Propagandaschriftsteller gewesen sein könnte. Sicherlich, seine tief empfundene Verbitterung über die Barbareien der französischen Revolutionäre und sein aufrichtiges Bemühen um die Rehabilitierung des französischen Königs lassen ein waches Interesse Schillers an den Ereignissen jenseits des Rheins plausibel erscheinen. Aber dennoch kann von einer veritabeln Revolutionseuphorie, wie sie gelegentlich z.B. Hölderlin[6] oder Klopstock[7] zu Recht attestiert wird, im Bezug auf Schiller keine Rede sein. An diesem Befund ändert sich auch dann nichts, wenn man dem vorigen Zitat aus der Zeit unmittelbar nach der Hinrichtung des französischen Königs noch weitere Stellungnahmen Schillers aus der Anfangszeit der Französischen Revolution an die Seite stellt.[8] Ganz im Gegenteil: Gerade dann wird unmissverständlich deutlich, dass Schiller den gewaltsamen äußeren Wirkungsmöglichkeiten der Französischen Revolution, ähnlich wie Goethe, von Anfang an misstraute und sich statt dessen viel eher innere Erkenntnisse und geistige Veränderungen wünschte. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass Schiller die äußeren gesellschaftlich-politischen Umwälzungen von vornherein durch gezielte erzieherische Begleitmaßnahmen absichern wollte.[9] Um so überraschender ist es aber, dass gerade Schiller von Seiten marxistischer Literaturwissenschaftler, wie L. Balet und E. Gerhard, immer wieder als anfänglicher Sympathisant und bewusster geistiger Wegbereiter der Französischen Revolution bezeichnet worden ist, der erst angesichts der unmenschlichen Gräueltaten der Jakobiner-Diktatur von der „platten“ in die „überschwängliche Misere“ (Engels) geflohen sei.[10] Ebenso zweifelhaft und unglaubwürdig klingen auf der anderen Seite aber auch Einschätzungen bürgerlicher Literaturwissenschaftler, die Schillers Interesse für politische und geschichtliche Vorgänge gänzlich leugnen und ihn in die Rolle eines konservativen oder weltfremden Idealisten und Sozialromantikers zu drängen suchen.[11] Genau an dieser Stelle beginnt nun das erkenntnisleitende Interesse der vorliegenden Arbeit: Im folgenden soll Schillers Haltung zur Französischen Revolution und dem damit unlösbar verbundenen Projekt der Moderne am Beispiel seiner „Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“ und seiner Schrift „Über das Erhabene“ einer genaueren Analyse unterzogen werden. Dabei sollen vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt stehen:

Welche aufschlussreichen und aussagekräftigen Untersuchungsgegenstände über Schillers Einstellung zur Französischen Revolution existieren neben seinen mittlerweile bereits überbeanspruchten Dramen und wie können sie für diese Arbeit und die weitere Forschung fruchtbar gemacht werden?

Wie beurteilt Schiller die Auswirkungen der Französischen Revolution und der modernen Zivilisation und welche Alternativkonzeptionen entwickelt er in den „ästhetischen Briefen“ und in der Schrift „Über das Erhabene“?

Wie definiert Schiller den Begriff des menschlichen Spiels und der menschlichen Vollkommenheit?

Was versteht Schiller unter dem optimalen Gleichgewicht zwischen Gefühl und Verstand und wie will er dieses Gleichgewicht erreichen?

Inwiefern sind Schillers ästhetisch-pädagogische Forderungen und Handlungsstrategien heute noch aktuell und realisierbar?

Aus diesen Fragestellungen ergibt sich folgender Aufbau der Arbeit:

Im ersten Teil der Arbeit (Kapitel 2) mit dem Titel „Die Besonderheiten der Französischen Revolution“ sollen die typischen Wesensmerkmale der Französischen Revolution im Vergleich zur Englischen und Amerikanischen Revolution herausgearbeitet werden, um ein skizzenhaftes Panorama der damaligen zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Vorgänge im revolutionären Frankreich zu erhalten und einen tragkräftigen Bewertungshintergrund für die Untersuchung von Schillers persönlicher Einstellung zu den revolutionären Ereignissen bereitzustellen. Diesem Abschnitt schließt sich eine detailliertere Exkursion über die spezifischen Voraussetzungen, Ereignisse und Folgen der Französischen Revolution an (Kapitel 3), die zur Vertiefung der Ergebnisse des ersten Kapitels und für das Verständnis der folgenden Teile der Arbeit zwar hilfreich, jedoch nicht unbedingt erforderlich ist und daher zunächst auch übergangen werden kann. Hierauf folgt im nächsten Teil der Arbeit (Kapitel 4) eine genauere Untersuchung von Schillers Persönlichkeitsentwicklung und Erfahrungshintergrund in seiner Kindheit und Jugend (Kapitel 4.1) sowie seiner unmittelbaren Reaktion auf die revolutionären Ereignisse in seinen Briefen an Körner (Kapitel 4.2) und seiner allgemeinen ästhetischen Alternativkonzeptionen (Kapitel 4.3).

Die Untersuchung von Schillers allgemeinen ästhetischen Alternativkonzeptionen bildet den Übergang zum Hauptteil der vorliegenden Arbeit (Kapitel 5, 6 und 7), in dem Schillers gesellschaftspolitische und ästhetische Bestandsaufnahme und seine Zielvorstellungen (Kapitel 5) sowie seine Postulate und Handlungsempfehlungen in den „ästhetischen Briefen“ (Kapitel 6) erörtert werden und schließlich die weitere Ausarbeitung seiner ästhetischen Konzeption in der „Schrift über das Erhabene“ (Kapitel 7) untersucht wird.

Den Abschluss der Arbeit bildet die Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse mit einem kurzen Ausblick auf den Gegenwartsbezug und die Umsetzbarkeit von Schillers ästhetisch-pädagogischen Forderungen und Handlungsstrategien in der Umbruchszeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts (Kapitel 8).

2. Die Besonderheiten der Französischen Revolution:

Es ist merkwürdig: Die Französische Revolution bildet neben der Englischen und der Amerikanischen Revolution eigentlich nur eine von insgesamt drei gleichermaßen einschneidenden und folgenschweren Umwälzungen der Frühen Neuzeit. Und sie ist grundsätzlich auch nur innerhalb dieses historischen Beziehungsgefüges angemessen zu verstehen. Aber dennoch ist wohl über keine andere Revolution jemals so lebhaft und nachhaltig reflektiert, geschrieben und gesprochen worden wie über die Französische Revolution. Ja, mehr noch: Selbst heute, mehr als 200 Jahre nach dem Ende der blutigen Schreckensherrschaft und der unerbittlichen Jakobiner-Diktatur, ist die Französische Revolution noch in aller Munde; kaum jemand, der noch nichts von ihr gehört oder gelesen hat; und kaum ein Geschichtsbuch in dem sie nicht exemplarisch behandelt wird. Darüber hinaus interessiert man sich dann höchstens noch für die Russische Revolution, die jedoch als Folge oder Begleiterscheinung des Ersten Weltkriegs unter ganz anderen historischen Auspizien behandelt wird.[12] Hieraus ergibt sich nun eine Frage, mit der es sich im Folgenden etwas genauer zu beschäftigen lohnt: Woraus erklärt sich dieses nach wie vor ungebrochene und überdurchschnittlich starke Interesses an der Französischen Revolution bzw. wodurch zeichnet sich diese spezifische Insurrektion im Vergleich zu ähnlichen Volkserhebungen der Frühen Neuzeit besonders aus?

Eine der wichtigsten Grundbedingungen für das Zustandekommen aller frühneuzeitlichen Revolutionen bildete der ausufernde Herrschaftsanspruch und Machtmissbrauch des jeweiligen Königs und seines monarchistischen Regierungsapparates, der immer im Zusammenhang mit allgemeinen Finanzkrisen und außenpolitischen Schwächen des Regimes stand und sich am deutlichsten in einer von den Untergebenen als ungerecht und ausbeuterisch empfundenen Steuerpolitik manifestierte: In der britischen Monarchie des 17. Jahrhunderts verlangte Karl I. zur Konsolidierung der maroden Staatsfinanzen in den 1630er Jahren die permanente Entrichtung einer zuvor nur in schweren Krisenzeiten erhobenen Zusatzsteuer, des sog. Schiffsgeldes (ship money), während Georg III. und sein maliziöser Schatzkanzler George Grenville den amerikanischen Kolonisten in den 1760/70er Jahren gleich eine ganze Reihe von unzumutbaren Abgaben, wie die Zucker-, die Stempel- und die Teesteuer auferlegten. Auch im revolutionären Frankreich des 18. Jahrhunderts spielten überzogene herrschaftliche Steuerforderungen, wie die Eintreibung der berühmten Salzsteuer (taille), eine nicht zu unterschätzende Rolle.[13] Hinzu kam aber in Frankreich als durchaus typisches und symptomatisches Merkmal der Französischen Revolution einerseits eine besonders gravierende Wirtschaftskrise mit einer Reihe verheerender Missernten zwischen 1770 und 1789 - es gab in dieser Zeit nur drei gute Ernten -, in deren Verlauf der Getreidepreis ausgerechnet am 14. Juli 1789, dem Tag der Erstürmung der Bastille, den Höchststand des 18. Jahrhunderts erreicht.[14] Andererseits sind hier aber auch die aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte ausgesprochen fatalen Auswirkungen der beginnenden handwerklichen Mechanisierung und vorindustriellen Rationalisierung zu berücksichtigen, von denen die britische Bevölkerung im 17. Jahrhundert noch vollkommen verschont blieb. Vor allem aus den Anfangsjahren der französischen Erhebung ist eine Fülle von bäuerlichen Beschwerdebriefen überliefert, in denen die ländlichen Bevölkerungsschichten die Nationalversammlung dringend um die sofortige Abschaffung der mechanischen Webstühle und ähnlicher neuartiger Maschinen ersuchen.[15] Ein weiteres distinktives Merkmal der Französischen Revolution liegt im hierdurch verursachten Übergang der französischen Gesellschaft vom Absolutismus zur konstitutionellen Monarchie sowie dem hiermit untrennbar verbundenen Aufstieg des Dritten Standes seit dem 17. Jahrhundert. In deutlichem Gegensatz zu den britischen und amerikanischen Herrschaftsverhältnissen, in denen der Parlamentarismus im 17. und 18. Jahrhundert schon auf eine mehrere Jahrhunderte währende verfassungspolitische Tradition zurückblicken konnte, vollzog sich die Bildung einer vergleichsweise repräsentativen Volksvertretung in Frankreich erst als unmittelbares Ergebnis des Ausbruchs der Französischen Revolution.[16] Zur Umschmelzung der bisherigen feudalistisch-aristokratischen Ständevertretung, in der Adel und Klerus zusammen 2/3 aller Stimmen auf sich vereinigten und dadurch sämtliche Vertreter der Bürgertums problemlos überstimmen konnten, zur konstitutionell wesentlich gerechteren Nationalversammlung, in der die bürgerlichen Abgeordneten über ein wirklich gleichgewichtiges Stimmrecht verfügten, kam es in Frankreich erst am 17. Juni 1789 mit der Konstituierung der Nationalversammlung.[17] In dieser aus dem abrupten Übergang vom Absolutismus zur konstitutionellen Monarchie resultierenden verfassungspolitischen Radikalität und gesamtgesellschaftlichen Sprengkraft der Französischen Revolution liegt der Schlüssel zum Verständnis der bedeutsamsten Differenzen zwischen der Englischen, Amerikanischen und Französischen Revolution: Der Ablösungsprozess der französischen Bevölkerung von ihrem König Ludwig XVI. verlief vor allem wegen der minimalen früheren Erfahrungen breiter Bevölkerungsschichten mit Formen der Gewaltenteilung, des Parlamentarismus, der Volkssouveränität sowie politischer Repräsentation und Partizipation äußerst unerbittlich und radikal. In der Französischen Revolution brach sich mehr als in jeder anderen frühneuzeitlichen Volkserhebung ein spontanes menschliches Freiheitsbedürfnis und Gerechtigkeitsstreben bahn, das zu einer ungeheuren Dynamisierung und Radikalisierung der gesamten Gesellschaft führte und sämtliche Stützen der feudalistisch-absolutistischen Ständegesellschaft in ihren Grundfesten erschütterte.[18] Im Zuge dieser extremen Mobilisierung und Radikalisierung der französischen Gesellschaft wurde ein erschreckendes Gewalt- und Aggressionspotential freigesetzt, das sich während der repressiven Phase des Absolutismus in der Bevölkerung aufgestaut hatte und nun mit elementarer Gewalt nach außen drängte. Typisch für die Französische Revolution ist auch, dass die Beimischung allgemeiner sozialer Forderungen hier stärker zum Tragen kam als in allen anderen frühneuzeitlichen Volkserhebungen,[19] und dass die Gewalt- und Aggressionsbereitschaft der unteren gesellschaftlichen Schichten - der Schillerschen Wilden -, die seit jeher am schwersten unter herrschaftlicher Willkür zu leiden hatten, nicht durch besänftigende und mäßigende Appelle der sog. Berufsrevolutionäre - der Schillerschen Barbaren -, wie Robespierre, Danton, Mirabeau und Saint Juste beschwichtigt wurde. Ganz im Gegenteil: Charakteristisch für die Französische Revolution ist gerade der bewusste Verzicht dieser intellektuellen Berufsrevolutionäre auf eine Domestizierung und Mäßigung der Insurrektion, der in der feierlichen Erklärung Robespierres vom 5. Februar 1794 vor dem Nationalkonvent seinen sinnfälligen Ausdruck findet: „[...] Wenn in friedlichen Zeiten die Kraftquelle der Volksregierung die Tugend ist, so sind es in Zeiten der Revolution Tugend und Terror zusammen. Ohne die Tugend ist der Terror verhängnisvoll, ohne den Terror ist die Tugend machtlos. Der Terror ist nichts anderes als die unmittelbare, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit; [...]“[20] Was sich hier deutlich und unmissverständlich artikuliert ist die explizite Gleichsetzung von drei für unser heutiges Sprachempfinden völlig unvereinbaren Begriffen: Tugend, Gerechtigkeit und Terror. Oder anders gewendet: Der Terror sollte als ein unverzichtbares Mittel zur Herbeiführung und Aufrechterhaltung von Tugend und Gerechtigkeit eingesetzt werden.

Aber dass gerade dies unmöglich gelingen konnte, hat die Französische Revolution drastisch gezeigt. Denn der Terror führte nicht zur wunschgemäßen Etablierung von Tugend und Gerechtigkeit, sondern entwickelte sehr schnell eine verhängnisvolle Eigendynamik, der mehr und mehr auch die Verfechter des Terrors selber zum Opfer fielen, und wurde, was das allerschlimmste bleibt, letztlich von einem Mittel zum reinen Selbstzweck: In der radikalsten Phase der Französischen Revolution vom 24. Juni 1793 bis zum 27. Juli (9.Thermidor) 1794, die nicht umsonst als „La grande terreur“ bezeichnet wird, wurde der Terror um des Terrors willen betrieben und das ist in der Geschichte sämtlicher Revolutionen bis heute in der Tat ohne gleichen geblieben.[21] Die Tatsache, dass sich Gewalt und Aggressionsbereitschaft in der Französischen Revolution so hemmungslos und ungezügelt entfalten konnten, hat neben der fehlenden parlamentarisch-konstitutionellen französischen Tradition und dem hohen Maß sozialer Missstände aber noch weitere Ursachen, die ebenfalls charakteristisch für die französische Geschichte sind. Hierbei ist zunächst der eklatante Atheismus bzw. die kategorische Ablehnung sämtlicher religiöser Bindungen und Ideale durch die Revolutionäre zu erwähnen, was einerseits zu einer rigorosen Entsakralisierung und Verweltlichung des französischen Königs führte und andererseits auch die rechtlichen und verfassungsgemäßen Beschränkungen der Gewaltanwendung und des blinden Terrors gänzlich außer Kraft setzte.[22] Eine derartige Anti-Religiosität, Anarchie und Rechtlosigkeit war sowohl für die englischen als auch für die amerikanischen Revolutionäre im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur völlig undenkbar, sondern geradezu blasphemisch und konterrevolutionär. Die englischen Independenten und die amerikanischen Puritaner waren zwar ebenfalls entschiedene Gegner des englischen Königs und der anglikanischen Staatskirche, aber sie verstanden die von ihnen getragenen Revolutionen zu keinem Zeitpunkt in diesem radikalen Sinne als Rebellionen gegen die christlichen Glaubengrundsätze, weil sie durchaus in der Lage waren, zwischen individuellem Glauben und staatlich verordneter Religiosität zu unterscheiden. Was sie erreichen wollten, waren religiöse Reformen auf der Grundlage der lutherischen Reformation im Rahmen einer allgemeinen gesellschaftlichen und staatlichen Revolution, aber ausdrücklich nicht die unterschiedslose Beseitigung von sämtlichen traditionellen Pfeilern der abendländischen Gesellschaft.[23] In dieser extremen Rechts- und Religionsfeindlichkeit ist also wiederum ein spezifisches Merkmal der Französischen Revolution zu erkennen, so dass man ohne zu übertreiben festhalten kann: Die Französische Revolution war die erste atheistische Volkserhebung der frühen Neuzeit.

Als letzter Wesenszug der Französischen Revolution ist der hier besonders hervorstechende Grundwiderspruch zwischen Liberalismus bzw. Individualismus und Republikanismus bzw. Kollektivismus zu erwähnen, der bereits in der revolutionären Losung: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zum Ausdruck kommt und einen entschiedenen Einfluss auf die revolutionären Ereignisse ausübte. Während die Begriffe Gleichheit und Brüderlichkeit grundsätzlich dem antiken Gesellschafts- und Gemeinschaftsideal der römischen Republik als res publica oder Sache der Öffentlichkeit, des Volkes und der Allgemeinheit zuzuordnen sind, korrespondiert der Begriff Freiheit eher mit dem früheren griechischen Demokratieverständnis mit stärkerer Betonung der individuellen Meinungs- und Entscheidungsfreiheit und der staatsbürgerlichen Autonomie.[24] In starker Anlehnung an diese liberalistisch-individualistische Gesellschaftskonzeption entwickelte später John Locke seine berühmte Naturrechtslehre, in der er - ganz ähnlich wie Schiller - dem einzelnen Menschen unabhängig von seiner jeweiligen rassischen Zugehörigkeit und sozialen Herkunft eine größere Bedeutung gegenüber der namen- und gestaltlosen Masse des gesamten menschlichen Geschlechts oder der nationalen Bürgerschaft einräumte. In der Anfangsphase der Französischen Revolution orientierten sich die unteren Bevölkerungsschichten zwar zunächst auch eher am Modell des konstitutionellen Individualismus Lockscher Prägung, die eigentlichen Berufsrevolutionäre aber versuchten spätestens seit der radikalen Jakobiner-Diktatur dieses ihnen als zu libertär und unkalkulierbar erscheinende Gesellschaftsideal mehr und mehr zugunsten eines besser kontrollierbaren allgemeinverbindlichen Gleichheits- und Brüderlichkeitsanspruchs zurückzudrängen und einen unberechenbaren Konformitätszwang zu etablierten, den man etwas überspitzt auf die einprägsame Formel bringen könnte: „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag´ ich dir den Schädel ein.“[25]

3. Die Grundzüge der Französischen Revolution:

3.1 Zeitgeschichtliche Voraussetzungen:

Als die wichtigsten historischen Vorbedingungen für die Genese der Französischen Revolution gelten generell der innen- und[26] außenpolitische Machtverfall der französischen Monarchie seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert und die dadurch begünstigte innere Aushöhlung des Ancién Regime als der traditionellen ständisch-feudalistischen Gesellschaftsordnung.[27] Diese beiden entscheidenden gesamtgesellschaftlichen Triebkräfte entwickelten sich ihrerseits aus einem Bündel komplexer historischer Vorgänge, deren wichtigste Grundlagen im Folgenden in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit voneinander kurz skizziert werden sollen: Die ersten Wurzeln für den Untergang des Absolutismus im 18. Jahrhundert reichen zurück bis in die Zeit der acht Hugenottenkriege zwischen 1562 und 1598, in deren Verlauf, im historischen Kontext von Reformation, Gegenreformation und europäischen Glaubenskriegen, die grundlegenden religiösen Spaltungen zwischen Katholiken und Protestanten und ihren jeweiligen Interessenvertretungen in der französischen Gesellschaft begründet wurden. Da es in Frankreich im Gegensatz zur britischen Monarchie im Vorfeld der Französischen Revolution nicht zur Gründung einer autonomen Staatskirche gekommen war und somit kein klar begrenzter institutioneller Rahmen für die Austragung von konfessionellen Konflikten vorgezeichnet war, wurden die religiösen Gegensätze in Frankreich tief in die Gesellschaft hineingetragen und prallten in unverminderter Schärfe aufeinander.[28] Dies wiederum führte einerseits zu einer direkten Identifizierung des französischen Königs mit dem päpstlich verordneten Katholizismus und dessen konservativem Herrschaftsanspruch durch die französische Bevölkerung und andererseits zu einer extremen ständischen Polarisierung der französischen Gesellschaft in papst- und königstreue Katholiken auf der einen und tendenziell libertäre und freiheitsliebende Protestanten auf der anderen Seite.[29] Die Distanzierung des Bürgertums und später auch der unteren Gesellschaftsschichten von dem religiös sanktionierten Alleinherrschaftsanspruch und Machtmonopol der französischen Könige wurde aufgrund der damals untrennbaren Verschränkung von Herrschaft, Religion und Recht auch auf die Sphäre der staatlichen Rechtsgrundsätze ausgedehnt, worin eine wesentliche Ursache für den stark anarchistischen Grundcharakter der Französischen Revolution zu sehen ist.

Neben die durch die Hugenottenkriege begründeten religiösen Konfliktlinien trat nun als zweite entscheidende Antriebskraft der Französischen Revolution der ausgesprochen drastische und unvermittelte Machtzuwachs des Dritten Standes, der als verfassungspolitisches Forum kaum auf konstitutionelle und parlamentarische Traditionen und Erfahrungen zurückgreifen konnte und sich sein politisches Mitspracherecht daher äußerst radikal erkämpfen musste. Die langfristigen Voraussetzungen für den plötzlichen Machtgewinn des Dritten Standes wurden durch die militärischen Niederlagen Frankreichs unter Ludwig XIV. gegen Spanien, Deutschland und die Niederlande sowie im Pfälzischen Erbfolgekrieg geschaffen. Im Zuge dieser außenpolitischen Misserfolge hatte sich die französische Krone bereits so massiv verschuldet, dass sie sich, nach dem empfindlichen Verlust ihrer amerikanischen Kolonien im Spanischen Erbfolgekrieg, 1787 und 1788 unweigerlich zur Einberufung der Notabelnversammlung zur Bewilligung einer grundlegenden Steuerreform gezwungen sah.[30] Da sich die von der Notabelnversammlung repräsentierten privilegierten Stände hartnäckig gegen eine Sanierung der maroden Staatsfinanzen zu ihren Lasten weigerten, blieb Ludwig XVI. als letzter Ausweg aus der staatlichen Finanzkrise nur noch die Ausschreibung der Generalstände für den 5. Mai 1789, die sich unter gewaltigem Druck der öffentlichen Meinung und der Vertreter des Dritten Standes am 17. Juni 1789 zur Nationalversammlung umwandelten und damit den Auftakt zur Französischen Revolution bildeten.

Zu diesen lang- und mittelfristigen historischen Voraussetzungen gesellte sich dann als weiterer unmittelbarer Auslöser der Volkserhebung noch eine besonders verheerende Hungerkrise im Winter 1788/89, die zu massiven Revolten in den ländlichen Bevölkerungsschichten führte und der Französischen Revolution den nötigen Rückhalt in den bäuerlichen und kleinbürgerlichen Gesellschaftskreisen verlieh.[31]

3.2 Periodisierung und Ablauf elementarer Ereignisse:

Die Französische Revolution entfaltete sich, nach Auflösung der absoluten Monarchie (1614-1789), über ähnliche Entwicklungsstadien wie die Englische Revolution von 1640.

Dem Auftakt der liberal konstitutionellen Monarchie (1789-92) und der bürgerlich parlamentarisch-demokratischen Republik (1792/93) folgte die kleinbürgerlich-radikaldemokratische-jakobinischen Diktatur („Terreur“, 1793/94), in deren Verlauf es zum ersten Auftreten pro-proletarischer Kräfte kam („Sansculotten“, „Enragés“, Babeuf als erster moderner Vorläufer des Kommunismus). Der Wende zur großbürgerlich-oligarchisch-konservativen Republik („Thermidor“ 1794, Direktorium 1795-99) schloß sich die Herrschaft Napoleons mit neuadligen Zügen (1799-1814/5) in zwei Phasen an - Konsulat unter formaler Beibehaltung der Republik (1799-1804), Kaisertum („Empire“ 1804-1814/5). Den Abschluß bildete die Restauration auf der Basis der konstitutionellen Monarchie in zwei Phasen (1814/5-1830, 1830-1848).[32]

Unter dem Druck einer anhaltend schweren Wirtschaftskrise, katastrophaler Missernten und der aufgebrachten öffentlichen Meinung entsprach Ludwig XVI. bereits im Frühjahr 1789, noch vor dem Zusammentritt der Generalstände am 5. Mai, widerwillig dem Wunsch des Dritten Standes nach Verdoppelung seiner Mandate von 300 auf 600. Damit verfügten die Vertreter des Bürgertums für sich genommen über den gleichen Stimmenanteil in den Kongregationen wie die beiden anderen Stände von Adel und Klerus zusammen. Nach diesem ersten entscheidenden Schritt zu einer gerechten und gleichgewichtigen Stimmenverteilung in den Generalständen erkämpfte sich das Bürgertum im Anschluss an den Zusammentritt der Generalstände auch noch das Recht auf eine ständeübergreifende Abstimmung nach Köpfen (votre par tete) in einer einheitlichen Nationalversammlung. Somit wurde nun nicht mehr wie bisher in einer strengen Trennung der einzelnen Stände die Gesamtheit aller Stimmen der jeweiligen Standesvertreter in einem einzigen Einheitsmandat zusammengefasst (vote par ordre), sondern jeder einzelne der jeweils 300 Abgeordneten konnte seine Wahl unabhängig von der Entscheidung seiner Kollegen und der Vertreter der anderen Stände treffen (vote par tete). Diese einschneidende verfassungspolitische Neuerung markiert die erste bedeutende Leistung der Französischen Revolution, weil sie die konstitutionelle Grundlage für die faktische Umbildung der Generalstände zur Nationalversammlung am 27. Juni 1789 bildete.[33]

Als die Krone am 11. Juli 1789 die Entlassung des unbequemen Finanzministers Jacques Necker betrieb und erneut versuchte, die Nationalversammlung gewaltsam zugunsten des Adels aufzulösen, kam es am 14. Juli 1789 zum berühmten Sturm der Volksmassen auf die Bastille, das verhasste Pariser Staatsgefängnis, der gemeinhin als offizieller Beginn der Französischen Revolution betrachtet wird. Obwohl die symbolische und deklamatorische Bedeutung dieses Ereignisses sicherlich nicht gering war, ist sein konkretes militärisches und politisches Gewicht in der Vergangenheit doch oft überschätzt worden. Schließlich wurde die Bastille unter Ludwig XVI. kaum noch als politisches Gefängnis genutzt und war seit 1784 sogar zum baldigen Abriss vorgesehen.[34] Von entscheidender politischer Wichtigkeit und großer Wirkungskraft waren im Jahre 1789 jedoch die Abschaffung der Feudalrechte am 4., die Ächtung der Simonie am 11. und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte am 26. August durch die nun vom Bürgertum dominierte Nationalversammlung.[35] Durch den Beschluss der Nationalversammlung zur Abschaffung der Feudalrechte vom 4. August 1789 wurden zwar nicht sämtlich aristokratische Privilegien sofort ersatzlos gestrichen, aber es gelang immerhin die sofortige Beseitigung der adligen Jagdrechte und der grundherrlichen Gerichtsbarkeit. In Anbetracht des gewaltigen Missbrauchs der während des Ancién Regime gerade mit diesen beiden aristokratischen Vorrechten getrieben worden war und der in einer Fülle von bäuerlichen Beschwerdebriefen seinen Niederschlag gefunden hatte, ist diese Maßnahme sicherlich ein großer Fortschritt auf dem Wege zu Gewaltenteilung, Volkssouveränität und Parlamentarismus gewesen. Durch die Kriminalisierung der Simonie, also der kirchlichen und staatlichen Ämterkäuflichkeit, und die grundsätzliche Öffnung der Administration für sämtliche Staatsbürger wurde in Frankreich das allgemeine Gleichheitsprinzip begründet und die elementaren Voraussetzungen für die moderne Staatsbürgerschaft geschaffen.

Das bedeutsamste Ereignis des Jahres 1789 stellte aber wohl die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August dar: Dieser denkwürdigen Deklaration hatten die berühmte Virginia Bill of Rights und die Amerikanische Unabhängigkeits-erklärung von 1776 Pate gestanden und sie diente ihrerseits wiederum als Vorbild und Maßstab für so gewichtige Konstitutionen wie die Frankfurter Reichsverfassung (Paulskirche) (1849), die Weimarer Verfassung (1919), die Grundrechte der Bundesrepublik (1949), die UN-Menschenrechtsdeklaration (1948), die Europäische Menschenrechtskonvention (1950), die UN-Menschenrechtskonventionen (1966) und die Amerikanische Menschenrechtskonvention (1966). Selbst die Helsinki-Charta (1977) als die jüngste gesamteuropäische Menschenrechtserklärung trägt noch deutliche Züge der Französischen Menschenrechtserklärung von 1789. Mit der „Déclaration des droits de l´homme et du citoyen“ wurde in Frankreich erstmals die politische und rechtliche Gleichberechtigung aller Menschen als Individuen und Staatsbürger und das Recht auf Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstandsrecht gegen Unterdrückung in der Verfassung festgeschrieben.[36] Trotz alledem war mit dieser revolutionären Verfassungsreform der Stein der Weisen noch nicht endgültig gefunden. Denn sie hatte zwei entscheidende Schwächen: Einerseits wurde in ihren Satzungen keine reale Gleichberechtigung der weiblichen Staatsbürger statuiert und andrerseits konnte sie aufgrund ihrer unzureichenden sozialpolitischen Konzessionen die brutale Eskalation der Revolution in ihrer radikalen Phase nicht wirkungsvoll verhindern. Dies sind allerdings durchaus typische Geburtsfehler einer frühen rechtsstaatlichen Verfassung, die angesichts der problematischen gesellschaftlichen Verhältnisse in Frankreich beim Epochenwechsel vom Ancién Regime zur Moderne kaum zu vermeiden waren. Das letztliche Scheitern der Französischen Revolution und ihr Zurückgleiten in die aristokratische Restauration kann jedenfalls nicht ausschließlich mit den Unzulänglichkeiten der Französischen Verfassung erklärt werden.

Nach der Einführung der Assignaten, einer hochgradig inflationären Papierwährung, am 19. Dezember 1789, spitzte sich die Lage im revolutionären Frankreich kontinuierlich zu: Das unvermeidliche Aufbrechen tiefer liegender sozialer Konflikte, die indifferente bis abwehrende Haltung des Hofes und die anti-revolutionären Aktivitäten der angrenzenden europäischen Mächte verursachten eine denunziatorische Massenhysterie, in der man überall konterrevolutionäre Verräter sah, und rissen einen tiefen Spalt in die anfangs geschlossene Phalanx der Nationalversammlung. So kam es am 17. August 1792 zur Einrichtung des berühmt berüchtigten „Revolutionstribunals“ als einem außergerichtlichen Ausführungsorgan radikaler Volksjustiz, das seit den Septembermorden von 1792 brutale Todesstrafen gegen sogenannte konterrevolutionäre Staatsfeinde und Volksverbrecher verhängte. Allein während der Septembermorde wurden ungefähr 1200 Menschen auf bestialische Weise getötet, weil man sie entweder, wie im Falle der katholischen Priester, für unverbesserliche Verfechter des verhassten Monarchismus hielt oder in ihnen potentielle Kollaborateure der feindlichen Armeen sah, deren Invasion am 19. August begonnen hatte.[37] Durch den erfolgreichen Gegenangriff der Französischen Truppen auf die Interventionsarmee der angrenzenden Mächte in der Kanonade von Valmy wurden die feindlichen Armeen jedoch in die Flucht geschlagen und damit die letzten vagen Hoffnungen der Krone auf ausländischen Entsatz zerstört. Dies führte folgerichtig zur endgültigen Abschaffung der Monarchie und zur Ausrufung der ersten Französischen Republik am 21. September 1792 und zur Hinrichtung Ludwig XVI. am 21. Januar 1793. Durch diese einschneidenden Veränderungen gelangte die Französische Revolution an ihren ersten entscheidenden Wendepunkt und vollzog den Übergang von der bürgerlich parlamentarisch-demokratischen Republik zur kleinbürgerlich-radikaldemokratisch-jakobinischen Diktatur. Diese radikale Phase der Revolution, in der über 40. 000 Menschen aufgrund zumeist vager Anschuldigungen und Verdachtsmomente hingerichtet wurden, zeichnete sich vor allem durch eine krankhaft übersteigerte Ideologisierung des Tugend-, Gleichheits- und Gerechtigkeitsbegriffs und durch die damit verbundene Loslösung der Revolution von sämtlichen traditionell-pragmatischen Werten und Rechtsgrundsätzen aus. In dieser Situation wirkte sich das Fehlen einer effektiven „Utopiebremse“, wie sie die Englische Revolution in den puritanischen Glaubensgrundsätzen und die Amerikanische Revolution in der hohen vertikalen und horizontalen gesellschaftlichen Mobilität auf dem weiträumigen Kontinent gefunden hatte, besonders verhängnisvoll aus.[38] Da sich die Französische Gesellschaft im allgemeinen und die radikalen „Berufsrevolutionäre“ um Robespierre und Saint-Just im besonderen im Vorfeld der Revolution keine tragfähigen gesellschaftlichen Alternativkonzeptionen geschaffen hatten, konnten sie sich im Verlauf der Revolution nur rein negativ von allen bisherigen Traditionselementen des Feudalismus und Absolutismus abgrenzen und waren nicht in der Lage, wirklich unabhängige und eigenständige Zielvorstellungen zu entwickeln. Hieraus ergab sich dann die extreme Traditions-, Rechts- und Glaubensfeindlichkeit der Französischen Revolution, die sich, im Gegensatz zu den bisherigen Revolutionen der frühen Neuzeit, nicht nur gegen bestimmte Bestandteile der früheren Traditionen, sondern gegen den gesamten sozialen Archetypus seit dem Ende der Römischen Republik richtete. Genau an dieser Stelle der Französischen Revolution setzte dann auch die profunde sozialpädagogische Kritik Schillers an, die im zweiten Teil dieser Arbeit genauer untersucht wird (vgl. hierzu S. 19)

Im Verlauf der radikalen Jakobiner-Diktatur vom 2. Juni 1793 bis zum 27. Juli 1794 griffen die Revolutionäre auf den bereits am 2. Oktober 1792 gebildeten Sicherheitsausschuss zurück und etablierten zusätzlich als radikalstes Terrorinstrument und wichtigste Stütze ihrer Macht am 6. April 1793 den Wohlfahrtsausschuss. Während der Sicherheitsausschuss in erster Linie für die innere Sicherheit des revolutionären Staates verantwortlich war, befasste sich der Wohlfahrtsausschuss vor allem mit der äußeren Sicherheit und ermöglichte als Kriegskabinett und konzentrierte Revolutionsregierung in einer beispiellosen Kraftanstrengung die militärische Behauptung Frankreichs gegenüber den Interventionsarmeen.[39] Trotz dieser anfänglichen strategischen Erfolge des Wohlfahrtsausschusses geriet die jakobinische Diktatur spätestens seit der Errichtung des sogenannten großen Terrors („La grande terreur“) im Juni 1794 durch die sprunghaft ansteigende Zahl von Hinrichtungen im Zuge von wilden Terrormaßnahmen und Willkürakten sowie durch die obligatorische Verhängung der Todesstrafe bei sämtlichen Verurteilungen und die Einführung des nebulösen Deliktes der Sittenverderbnis bei großen Teilen der Bevölkerung in Verruf. Das Maximum der Löhne, von den unteren Bevölkerungsschichten und ihren militantesten Vertretern, den Sansculotten, als empörendes bourgeoises Unrecht empfunden, tat ein Übriges. Als der größenwahnsinnig gewordene und ideologisch verblendete Robespierre, nach dem Sturz der großbürgerlichen Girondisten im Juli 1793, schließlich nur noch sich selbst zum Maßstab aller Tugend nahm und nicht einmal mehr vor der rücksichtslosen Ermordung seiner engsten Mitarbeiter und Freunde im Nationalkonvent zurückschreckte, erkannte die Mehrheit der Volksvertreter den Wahnwitz des entfesselten Terrors der Tugend. Die Konventsopposition sah ihre Stunde gekommen und ließ Robespierre am 27. Juli 1794 im Konvent verhaften und am nächsten Tag hinrichten.[40]

[...]


[1] vgl. für die hier genannten Fakten: Norbert Oellers. „Idylle und Politik: Französische Revolution, ästhetische Erziehung und die Freiheit der Urkantone“. Friedrich Schiller: Kunst, Humanität und Politik in der späten Aufklärung. Ein Symposium, Hg. Wolfgang Wittkowski. Tübingen: Niemeyer, 1982: S.115.

[2] a.a.O. Oellers zitiert hier Schillers Brief an Körner vom 16. März 1798 (Nationalausgabe. Bd. 29. S. 220).

[3] vgl. für die hier genannten Ereignisse der Französischen Revolution v.a.: Immanuel Geiss. Geschichte griffbereit. 6 Bände u. Register. Dortmund: Harenberg, 1993: Band 2 (Daten) S. 162 – 166 u. Band 5 (Begriffe) S. 413– 440 = Geschichte griffbereit sowie: Hilke Günther-Arndt, Dirk Hoffmann u. Norbert Zwölfer.Hg. Geschichtsbuch Oberstufe. 2 Bände. Band 1 (Von der Antike bis zum Ende des 19. Jh.) Berlin: Conelsen, 1995: S.221–226 (Die Französische Revolution) = Geschichtsbuch Oberstufe.

[4] Ulrich Karthaus. „Schiller und die Französische Revolution“. Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. 33 (1989): S. 211. Karthaus zitiert hier ebenfalls nach der Nationalausgabe: Band 29, S. 212.

[5] Walter Müller-Seidel. „Deutsche Klassik und Französische Revolution: Zur Entstehung einer Denkform“. Deutsche Literatur und Französische Revolution. Hg. Richard Brinkmann u.a. Göttingen: Vadenhoek & Ruprecht, 1974: S. 43. Müller Seidel zitiert hier nach Jonas: Band 3, S.246.

[6] vgl. Ulrich Ott, Hg. „O Freyheit! Silberton dem Ohre...“: Französische Revolution und deutsche Literatur. 2. durchgesehene Aufl. Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft, 1989: S. 142.

[7] vgl. ebd. S. 147.

[8] vgl. hierzu Teil 4.2 der vorliegenden Arbeit.

[9] Dies zeigt sich v. a. in einem Brief an Körner vom 15. Oktober 1792, in dem Schiller, unter Bezugnahme auf Mirabeaus pädagogische Schrift „Sur l´education“, schreibt: „Es war mir schon eine große Empfehlung für den Autor und das Buch, daß er gleichsam noch im Tumult des Gebährens der französischen Konstitution schon darauf bedacht war, ihr den Keim der ewigen Dauer duch eine zweckmäßige Einrichtung der Erziehung zu geben.“ Wolfgang Düsing. Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen: Text, Materialien, Kommentar. München/Wien: Hanser, 1981: S. 146 (Kommentar: c. Die Französische Revolution).

[10] vgl. hierzu v.a. Karthaus: S. 210, Müller-Seidel: S. 41. u. Düsing: S. 147.

[11] vgl. hierzu v.a. Paul Böckmann. „Politik und Dichtung im Werk Friedrich Schillers“. Schiller: Reden im Gedenkjahr 1955: S. 196

[12] vgl. hierzu z.B. Friedrich Schultes, Hg. Weltbild Kolleg: Abiturwissen. 10 Bände. Band 9 (Geschichte): S. 227-228 (Die Krise der russischen Autokratie/Kriegskrisen) u. Werner Conze, Hg. Der farbige Ploetz: Illustrierte Weltgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 11., aktualisierte Aufl., Freiburg u. Würzburg: Ploetz, 1986: S. 413 u. 417 f.

[13] vgl. hierzu Geschichtsbuch Oberstufe: S. 226 (Die frühneuzeitlichen Revolutionen im Vergleich/Finanzkrisen und außenpolitische Schwäche), S. 214 (Die Englische Revolution 1640-1660), S.218f. (Die Amerikanische Revolution/Der Steuerstreit) u. S. 124 (Staatsfinanzen und Gesellschaft im Absolutismus/Staatsausgaben u. –einnahmen) u. Geschichte griffbereit Band 1 S. 363f. (Die Wirtschaftslage am Vorabend der Revolution).

[14] vgl. Geschichtsbuch Oberstufe: S. 228 (Revolutionäre Ziele).

[15] vgl. Wolfgang Lautermann, Hg. Geschichte in Quellen. Band 4. München: o.V., 1981: S. 148 u. 150 f. In den Beschwerdeschriften der Gemeinde Colmare vom 22. März 1789 heißt es z.B. unter Punkt 12: „Wir bitten, daß alle Maschinen jeder Art, wie die zum Baumwollspinnen, abgeschafft werden, das sie der Bevölkerung Schaden zufügen.“

[16] vgl. Horst Dippel. Die Amerikanische Revolution 1763-1787. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1985: S. 21,24f., 42. Auf Seite 25 seiner Untersuchung der amerikanischen Revoultion schreibt Dippel z.B.: „Die relativ breite Möglichkeit der Teilnahme am politischen Leben hat weite Bevölkerungsteile schon frühzeitig an das politische Leben der Kolonien herangeführt, so daß der Politisierungsprozeß breiter Bevölkerungsschichten anders als in Frankreich bereits der Revolution vorausgegangen war.“

[17] vgl. Geschichte griffbereit: Band 1 S. 365 (c) Die Entfaltung der Revolution) u. Geschichtsbuch Oberstufe S. 221 (Die liberale Phase).

[18] vgl. Geschichtsbuch Oberstufe: S. 229 f. (Die Utopie des neuen Menschen).

[19] vgl. ebd. S. 228 (Revolutionäre Ziele) u. Hannah Arendt. Über die Revolution. 4. Aufl. München: Piper, 1994: S. 74 ff. Arendt schreibt hier z.B.: „Die Menge der Armen kam der Französischen Revolution zu Hilfe, feuerte sie an, trieb sie vorwärts, um sie schließlich unter dem Druck ihrer Not zu begraben.“

[20] Maximilian de Robespierre. Ausgewählte Texte. Hamburg: o.V., 1971: S. 585.

[21] vgl. Geschichtsbuch Oberstufe: S. 230ff.

[22] vgl. a.a.O. u. Michel Vovelle. „Zusammenhänge zwischen Religiosität und den Grenzen der Kalender-Revolution“. Die Französische Revolution als Bruch des gesellschaftlichen Bewußtseins. Hg. Rolf Reichardt und Eberhard Schmitt. München: Oldenbourg, 1988: S. 66-67.

[23] vgl. Geschichtsbuch Oberstufe: S.230 (Auserwähltsein und Tugend) u. Dippel: S. 19ff. Auf Seite 19f. seiner Studie über die Amerikanische Revolution äußert sich Dippel z.B. wie folgt über die Bedeutung von religiösen Bindungen für die Stabilisierung der sozialen Gemeinsachaft: „Obwohl das englische Sektenwesen im Mutterland, verglichen mit der anglikanischen Hochkirche, sozial gesehen eine Nebenrolle spielte, wurde es in den amerikanischen Kolonien angesichts des weitgehenden Fehlens der etablierten Bischofskirche zu einem das religiöse Leben wie die gesellschaftliche Ordnung prägenden Faktor.“

[24] vgl. hierzu Geschichtsbuch Oberstufe: S. 224.

[25] Wenngleich die Herkunft dieses Verses bisher ungeklärt ist, soll er im Verlauf der Revolution von 1848 aufgekommen sein. Er entstand vermutlich in Anlehnung an die radikale Losung der französischen

Jakobiner: „La fraternité ou la mort!“ vgl. hierzu: Büchmann. Geflügelte Worte: S. 257.

[26] vgl. für alle im folgenden genannten Fakten allgemein: Geschichtsbuch Oberstufe: S. 208-261 u. Geschichte griffbereit: Band 1, S. 362-371 u. Band 5 S. 413-464. Beide Geschichtswerke wurden von einem Team aus qualifizierten Historikern verfaßt und sind in der Fachwelt allgemein anerkannt. Vgl. als einschlägige Quellen der beiden Werke aber auch: Ernst Schulin. Die Französische Revolution. 2. Aufl. Müchen: o.V.,

1989 u. Michel Vovelle. Die Französische Revolution. Soziale Bewegung und Umbruch der Mentaöitäten. Frankfurt a.M.: o.V., 1985.

[27] vgl. Geschichte griffbereit: Band 1, S. 362; Band 5 S. 413 und Geschichtsbuch Oberstufe: S. 226.

[28] vgl. Vovelle: S. 80ff.

[29] vgl. Geschichte griffbereit: Band 5, S. 334ff.

[30] vgl. Geschichte griffbereit: Band 1, S. 362ff. u. Geschichtsbuch Oberstufe: S. 221, 226.

[31] vgl. a.a.O.

[32] vgl. für diese Periodisierung: Geschichte griffbereit: Band 1, S. 365f.

[33] vgl. a.a.O. und Geschichtsbuch Oberrstufe: S. 221.

[34] vgl. hierzu: Schülerduden: Geschichte. Mannheim: Bibliographisches Institut, 1981: S. 50.

[35] vgl.. Geschichtsbuch Oberstufe: S. 221f.

[36] vgl. Geschichte griffbereit: Band 5, S. 416f.

[37] vgl. ebd. S. 426 u. Geschichtsbuch Oberstufe: S. 222f.

[38] vgl. ebd. S. 230.

[39] ebd. S. 224 u. Geschichte griffbereit: S. 428.

[40] vgl. Geschichtsbuch Oberstufe: S. 224.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Friedrich Schiller und die Französische Revolution
Untertitel
Schillers Verarbeitung der revolutionären Ereignisse in den „ästhetischen Briefen“ und in der Schrift „Über das Erhabene“
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Friedrich Schiller: „Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen"
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
47
Katalognummer
V195888
ISBN (eBook)
9783656217503
ISBN (Buch)
9783656218425
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
friedrich, schiller, französische, revolution, schillers, verarbeitung, ereignisse, briefen, schrift, über, erhabene
Arbeit zitieren
Andreas Hanke (Autor), 2000, Friedrich Schiller und die Französische Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195888

Kommentare

  • Gast am 8.7.2012

    Friedrich Schiller und die Französische Revolution: Schillers Verarbeitung der revolutionären Ereignisse in den "ästhetischen Briefen" und in der Schrift "Über das Erhabene"

    Das Buch „Friedrich Schiller und die Französische Revolution“ legt zunächst die Grundzüge der französischen Revolution dar, schildert die damalige Epoche und erläutert, warum sie bis heute als entscheidende und prägendste Revolution aller Zeiten beschrieben wird. Die Übersicht über die Französische Revolution ist sehr prägnant und kann als eine bereichernde Ergänzung zum Unterrichtsgeschehen beschrieben werden.

    Anschließend beschreibt der Verfasser die wesentlichen Lebensstationen Schillers und beleuchtet vor diesem Hintergrund dessen Haltung zur Französischen Revolution. Der Leser erkennt, dass Schillers Prägung und Lebenserfahrung unabdingbar mit dessen Haltung verbunden sind. Des Weiteren dokumentiert der Autor die Verarbeitung Schillers Wahrnehmung der Revolution, indem er seinen Blick auf dessen Werke „Brief über die ästhetische Erziehung der Menschen“ und „Schrift über das Erhabene“ wirft. Die sehr kritische Haltung Schillers gegenüber der Französischen Revolution wird deutlich und der Autor beschreibt dessen Lösungsvorschläge für die Zukunft. Schiller vertrat vehement die Idee, dass eine langfristige Umgestaltung der Gesellschaft an die Stelle kurzfristiger Umstürze treten muss und Veränderung ohne Gewalt und Eruptionen eingeleitet werden müssen. Er vertrat die Ansicht, dass ein nachhaltiger Wandel nur über die Kunst und die schönen Wissenschaften erreicht werden könne und prägte so sein Gegenmodell zu kurzfristigen politischen Revolutionen. Der Autor verbildlicht das Credo des Schriftstellers anhand einiger Beispiele und geht anschließend auf den Kerngedanken der „Briefe über die ästhetische Erziehung“ ein und stellt heraus, dass der Spieltrieb des Menschen ein Schlüsselbegriff in Schillers Gedanken war. Durch die Verknüpfung des Alltags und des Spielens sollte die Kraft des Menschen freigesetzt werden, sich äußerer Zwänge zu entledigen und Veränderungen herbeizuführen. Dieses Gedankengut wurde von der 68er-Bewegung erneut aufgegriffen und kann somit als Katalysator zwischen der Französischen Revolution und der 68er-Revolution gesehen werden und ist auch heute noch ein Sinnbild für moderne Ansätze zur Veränderung der bestehenden Gesellschaft.

    Das Buch veranschaulicht die dem Titel zu Grunde liegenden Sachverhalte sehr eindringlich und dem Autor gelingt es, dem Leser die Augen für den dringenden Aktualitätsgehalt des Themas zu öffnen. Die Europakrise verdeutlicht die dunklen Seiten der Moderne und des technischen Fortschritts und dieses Werk ermutigt den Leser, diese mit Blick auf Literatur und Ästhetik zu hinterfragen und aktiv nach Lösungsansätzen zu forschen.

    Auszüge aus diesem Buch wurden bereits erfolgreich im Unterricht eingesetzt und sind auf sehr positive Resonanz gestoßen.

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