Nach einer Übersicht der typischen Merkmale des Genres des "conte cruél" wird eine Kategorisierung der möglichen Formen der Grausamkeit in ausgewählten Erzählungen der Autoren Maupassant, Villiers und d'Aurevilly gegeben. Anschließend erfolgt eine Katalogisierung der Erzählungen nach den vordefinierten Formen der passiven und aktiven Form der Grausamkeit sowie der Möglichkeit einer Zuordnung zur Kategorie "Grausmakeit durch die Auflösung der Erzählung".
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung
2. Der Aspekt des Übernatürlichen im „conte cruel“
3. Die „cruauté“ bei den Autoren Guy de Maupassant, Villiers de l’Isle-Adam und Barbey d’Aurevilly
4. Die Formen der „cruauté“
4.1. Typologisierung der „cruauté“
4.1.1. Aktive und passive Formen der „cruauté“
4.1.2. Auflösung als Form der „cruauté“
4.2. Katalogisierung ausgewählter „contes cruels“
4.3. Die passive Form der „cruauté“
5. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die vielfältigen Möglichkeiten und Formen aufzuzeigen, durch die Grausamkeit und Entsetzen in den ausgewählten Erzählungen des 19. Jahrhunderts erzeugt werden, und dabei insbesondere die Rolle des Übernatürlichen und Paranormalen als zentrales Mittel der Schauererzeugung zu analysieren und zu typisieren.
- Typisierung der verschiedenen Formen der Grausamkeit (cruauté) in französischen Schauernovellen.
- Analyse der Rolle des Übernatürlichen und Paranormalen für die Erzeugung von Schauer.
- Untersuchung der psychologischen Dimension von Angst und Entsetzen bei den Protagonisten.
- Katalogisierung ausgewählter Erzählungen der Autoren Maupassant, Villiers de l’Isle-Adam und Barbey d’Aurevilly.
Auszug aus dem Buch
Die passive Form der „cruauté“
Der einfachere Weg, das simplere Mittel wäre natürlich Angst und Grausamkeit mit Hilfe der „aktiven cruauté“ zu erwecken, da ein Mord, das Abtrennen von Gliedmaßen oder die Vorstellung lebendig begraben zu werden per se bereits einen großen Schauer auslösen. Das (para)psychologisch Grausame kann im Vergleich dazu aber nicht durch eine einzelne Tat, durch ein kurzes Ereignis ausgelöst werden, sondern ist viel komplexer mit der menschlichen Psyche verstrickt ist daher die subtilere Form der „cruauté“ in den „contes cruels“, die erst mit der Zeit erkennbar wird, ihr Netz der „Grausamkeit“ spinnt und sich in abnormen Verhaltensweisen der Figuren manifestiert.
Aus diesem Grund erscheint diese Form der Grausamkeit viel interessanter und wird daher in dieser Arbeit gesondert betrachtet und interpretiert.
Die „malaise de l’âme“ als Form der Grausamkeit umfasst den Bereich der Seelenqualen und des Seelenleids, den Bereich tiefer psychischer Schmerzen und den Aspekt der tiefen Trauer. Die Grausamkeit dieser Form der „cruauté“ liegt hauptsächlich im Schicksal der Protagonisten und manifestiert sich im Verhalten und in der Lebenshaltung/ - einstellung der Betroffenen, wie in „La Révolte“, „L’Inconnue“, „Véra“ und in der Erzählung „Le Désir d’être un homme“ von Villiers, oder in „Promenade“ von Maupassant.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitende Darlegung der Zielsetzung, eine Typisierung der Grausamkeit vorzunehmen und die Bedeutung des Übernatürlichen für das Genre hervorzuheben.
1. Einleitung: Historische Einordnung der Schauernovelle und Definition des „conte cruel“ als Erzählung, die gezielt Schock und Grauen beim Leser erzeugen will.
2. Der Aspekt des Übernatürlichen im „conte cruel“: Untersuchung der Notwendigkeit übernatürlicher Elemente zur Schauererzeugung und deren Verknüpfung mit psychischen Krisen und Wahnvorstellungen.
3. Die „cruauté“ bei den Autoren Guy de Maupassant, Villiers de l’Isle-Adam und Barbey d’Aurevilly: Vergleich der unterschiedlichen Herangehensweisen der drei Autoren bei der Gestaltung von Grausamkeit, von Maupassants Fokus auf das Unerklärliche bis hin zu Barbeys Darstellung menschlicher Abgründe.
4. Die Formen der „cruauté“: Systematische Typologisierung der Grausamkeit in aktive und passive Kategorien sowie die Vorstellung eines Katalogs zur Einordnung der analysierten Erzählungen.
5. Abschließende Bemerkungen: Zusammenführende Betrachtung, dass die verschiedenen Formen der Grausamkeit ineinandergreifen und der Zweifel des Lesers über die Realität der Ereignisse den zentralen Schauereffekt darstellt.
Schlüsselwörter
Schauernovelle, Grausamkeit, cruauté, conte cruel, Übernatürliches, Paranormales, Psychologie, Angst, Schauer, Wahnvorstellungen, Maupassant, Villiers de l’Isle-Adam, Barbey d’Aurevilly, Typologisierung, Entsetzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Ausprägungen von Grausamkeit (cruauté) in ausgewählten Schauernovellen des 19. Jahrhunderts der Autoren Maupassant, Villiers de l’Isle-Adam und Barbey d’Aurevilly.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und Typisierung des „conte cruel“, der Analyse des Übernatürlichen als Mittel zur Angsterzeugung sowie der psychologischen Verfasstheit der Figuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein System zur Kategorisierung der Grausamkeit in diesen Novellen zu entwickeln und aufzuzeigen, welche Formen beim Leser das stärkste Entsetzen auslösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse und eine eigene Typologisierung der Grausamkeit vorgenommen, die durch die Untersuchung zahlreicher Originalerzählungen und die Einbeziehung fachspezifischer Literatur untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Übernatürlichen, den spezifischen Umgang der drei Autoren mit Grausamkeit und eine detaillierte Katalogisierung der erzählten Schauer-Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Schauernovelle, cruauté, Übernatürliches, Psychologie, Angst und die drei behandelten Autoren.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen „aktiver“ und „passiver“ Grausamkeit?
Aktive Grausamkeit bezieht sich auf physische Gewalt und absichtliches Handeln in der realen Welt, während die passive Form tief in die Psyche und die Seelenqualen der Protagonisten eindringt und oft in einem Grenzbereich zum Wahn existiert.
Warum spielt die Auflösung einer Erzählung eine Rolle für die Grausamkeit?
Die (Nicht-)Auflösung lässt den Leser in Unsicherheit über die Natur der Ereignisse zurück – ob sie real oder psychisch bedingt sind –, was den Schauereffekt laut der Autorin deutlich verstärkt.
Welche Rolle spielt die „malaise de l’âme“ in der Untersuchung?
Die „malaise de l’âme“ wird als subtilste Form der passiven Grausamkeit identifiziert, da sie das existenzielle Seelenleid und die Unfähigkeit der Protagonisten, ihr Leben zu führen, in den Mittelpunkt stellt.
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- Daniela Prodinger-Wagner (Autor), 2007, Die Formen der cruauté bei den Autoren Maupassant, Villiers und d'Aurevilly, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196445