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Interessenkonflikte, Reputation und empirische Performancemessung von Ratingagenturen

Title: Interessenkonflikte, Reputation und empirische Performancemessung von Ratingagenturen

Bachelor Thesis , 2012 , 56 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Florian Höhme (Author)

Economics - Finance
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In der Folge der Finanzkrise auf dem amerikanischen Sub-Prime Immobilienmarkt und der jüngsten europäischen Staatsschuldenkrise gerieten Ratingagenturen und deren, das Kreditrisiko von Wertpapieren bewertende Ratingurteile, zunehmend in die Kritik. Als unabhängiger Finanzintermediär ist es die Aufgabe der Agenturen auf Kapitalmärkten entstehende Informationsasymmetrien zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern durch die Vergabe eines objektiven Bonitätsurteils zu reduzieren. Dieser Aufgabe sei man, so der Vorwurf, nur unzureichend nachgekommen. Es wird bemängelt, dass Risiken von strukturierten Finanzprodukten unterschätzt wurden und Interessenkonflikte existieren, die das objektive Urteilsvermögen behindern, ja sogar die Unabhängigkeit der Ratingagenturen gefährden. Lösungsansätze reichen von der Schaffung einer staatlichen Ratingagentur , über die Implementierung strikterer regulatorischer Maßnahmen , der Gründung einer europäischen Ratingagentur zur Förderung des Wettbewerbs , bis hin zur Forderung sämtliche regulatorischen Abhängigkeiten von Ratings abzuschaffen, um dadurch deren Qualität zu verbessern. In der wissenschaftlichen Literatur lassen sich zahlreiche Beiträge finden, welche die Qualität von Ratings mittels quantitativer Methoden bewerten. Seltener werden jedoch die ökonomischen Anreize der Marktteilnehmer, gesetzliche Rahmenbedingungen, die Marktstruktur, sowie der Wettbewerb der Rating-Industrie und deren Einfluss auf das Verhalten der Ratingagenturen analysiert. In dieser Arbeit wird ein Überblick über die Funktion der Ratingagenturen im System internationaler Finanzmärkte und ihrer Relevanz für die verschiedenen Marktakteure gegeben. Darüberhinaus werden die elementaren Interessenkonflikte, deren Ursachen und die besondere Rolle der Reputation als interessenausgleichender Mechanismus erläutert. Abschliessend wird auf in der Praxis angewandte empirische Methoden der Performancemessung eingegangen und deren positive Effekte auf die Transparenz von Ratings für alle Marktakteure.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. RATINGAGENTUREN IM SYSTEM DER FINANZMÄRKTE

2.1 Historische Entwicklungsgeschichte

2.2 Kreditratings

3. ZUR RELEVANZ VON RATINGS

3.1 Emittenten

3.2 Investoren

3.3 Regulatoren

4. DIE ROLLE DER REPUTATION

4.1 Der regulierungsfreie Reputationsmechanismus

4.2 Kritik des Modells von Mathis

5. INTERESSENKONFLIKTE

5.1 Negative Effekte der Zertifizierungsfunktion

5.2 Marktstruktur und Wettbewerb

5.3 Einseitigkeit des Erlösmodell

5.4 Prozyklizität

6. METHODEN DER PERFORMANCEMESSUNG

6.1 CAP-Kurven und das Accuracy Ratio

6.2 Der Zielkonflikt zwischen Präzision und Stabilität

7. SCHLUSSFOLGERUNGEN

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die fundamentale Rolle von Ratingagenturen auf internationalen Finanzmärkten sowie die Auswirkungen von Interessenkonflikten und regulatorischen Rahmenbedingungen auf die Qualität der Ratings. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Reputationsmechanismen, dem "Issuer-pays"-Geschäftsmodell und der Notwendigkeit objektiver Bonitätsbeurteilungen zu analysieren.

  • Historische Entwicklung der Rating-Industrie
  • Die ökonomische Relevanz von Ratings für Emittenten, Investoren und Regulatoren
  • Der Reputationsmechanismus und seine Grenzen bei Interessenkonflikten
  • Empirische Methoden zur Messung der Performance von Ratings
  • Implikationen der Marktstruktur und des Wettbewerbs auf die Ratingqualität

Auszug aus dem Buch

4.1 Der regulierungsfreie Reputationsmechanismus

Neben der Ansicht, dass regulatorische Maßnahmen die Reputation und Qualität von Ratings aufrechterhalten können, wird in der Literatur vielfach die Perspektive der Selbstregulierung durch Reputation diskutiert. Reputation wird als abstraktes über die Zeit akkumuliertes Kapital („reputational capital“) verstanden. Ausgehend vom Bestand einer gewissen Reputation, kann deren Kontrollmechanismus unter nachfolgenden drei Bedingungen seine interessenausgleichende Wirkung entfalten. Die erste Bedingung ist, dass die Reputation in direkter Beziehung zur Glaubwürdigkeit der Ratingagentur steht. Verringert sich die Glaubwürdigkeit, so erleidet die Agentur einen Verlust an Reputation. Die zweite Bedingung ist, die Existenz eines anreizkompatiblen Entscheidungskalküls der Ratingagentur. Die Ratingagentur hat die Wahl, hochwertige oder eigensinnige Ratings zu produzieren. Abwandernde Kunden auf Investoren- und Emittentenseite verursachen einen Schaden, in Form entgangener Erlöse, im Falle eigensinniger Ratings. Demgegenüber existiert ein realisierbarer Vorteil für die Ratingagentur temporäre Erlöse zu erzielen. Nur wenn in jeder Situation der zu erwartende Schaden die temporären Vorteile übertrifft, wird die Ratingagentur hochwertige, anreizkompatible Ratings vergeben. Die dritte Bedingung betrifft die Erwartungen der Investoren. Die Dienstleistung der Erstellung des Ratings muss als kostenintensiv wahrgenommen werden und sich inhaltlich mit der Informationsasymmetrie auf Seiten des Emittenten beschäftigen. Relevant ist, dass interne Informationen verarbeitet werden, die am Markt nicht bekannt sind. Das Verhalten der Ratingagenturen ist nun darüber eingeschränkt, dass sie bemüht sind, die Erwartungshaltung der Investoren zu erfüllen. Verlieren Investoren das Vertrauen in Ratings, so würde, aufgrund der antizipierten Informationsasymmetrie, bei einer Emission ohne Rating, die Nachfrage nach emittierten Schuldtiteln sinken. Für Emittenten hätten Ratings damit ihren Nutzen, Zugang zum Markt zu gewähren, verloren. Deshalb wären sie nicht mehr bereit dafür zu bezahlen. Ausgehend von dieser Perspektive bleiben langfristig nur Ratingagenturen auf dem Markt erhalten, deren Ratings einen hohen, die Reputation erhaltenden, Informationsgehalt haben. Ist dieser Mechanismus intakt, so ist eine Regulierung nicht nötig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik von Ratingagenturen im Kontext der Finanz- und Staatsschuldenkrise sowie Überblick über die Struktur der Arbeit.

2. RATINGAGENTUREN IM SYSTEM DER FINANZMÄRKTE: Darstellung der historischen Entwicklungsphasen der Rating-Industrie und Erläuterung der methodischen Grundlagen von Kreditratings.

3. ZUR RELEVANZ VON RATINGS: Analyse der Bedeutung von Ratings für die verschiedenen Marktakteure, differenziert nach Emittenten, Investoren und Regulatoren.

4. DIE ROLLE DER REPUTATION: Untersuchung des Reputationsmechanismus als disziplinierendes Instrument und kritische Auseinandersetzung mit dem Modell von Mathis.

5. INTERESSENKONFLIKTE: Detaillierte Betrachtung verschiedener Interessenkonflikte, wie der Zertifizierungsfunktion, Marktstruktur und dem "Issuer-pays"-Erlösmodell.

6. METHODEN DER PERFORMANCEMESSUNG: Vorstellung quantitativer Ansätze wie CAP-Kurven und Accuracy Ratios zur Evaluierung der Ratingqualität.

7. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Ratingagenturen und Diskussion von Lösungsansätzen zur Steigerung der Transparenz und Qualität.

Schlüsselwörter

Ratingagenturen, Kreditrisiko, Reputation, Interessenkonflikte, Finanzmärkte, Issuer-pays, Informationsasymmetrie, Zertifizierungsfunktion, Performancemessung, CAP-Kurve, Accuracy Ratio, Marktstruktur, Regulierung, Prozyklizität, Finanzkrise

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit analysiert die Rolle von Ratingagenturen im Finanzsystem, beleuchtet dabei kritisch auftretende Interessenkonflikte und untersucht, inwiefern Reputation und Methoden der Performancemessung als Steuerungsinstrumente dienen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, den Anreizstrukturen für Ratingagenturen, der Bedeutung von Reputation, sowie den Auswirkungen von Marktstruktur und regulatorischen Eingriffen auf die Qualität der Krediturteile.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Interessenkonflikte entstehen und ob der marktinterne Reputationsmechanismus oder regulatorische Ansätze besser geeignet sind, um die Qualität und Objektivität von Ratings zu sichern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse ökonomischer Konzepte und Modelle (insbesondere spieltheoretische Ansätze wie das Modell von Mathis) sowie der Auswertung empirischer Performancemaße wie CAP-Kurven.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Marktakteure, die Untersuchung von Reputationszyklen, die Erörterung struktureller Interessenkonflikte (z.B. Erlösmodell) und die empirische Messung der Rating-Performance.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ratingagenturen, Reputation, Interessenkonflikte, Issuer-pays, Informationsasymmetrie, Performancemessung und Finanzmarktstabilität.

Wie unterscheidet sich das "Issuer-pays"-Modell vom "Investor-pays"-Modell?

Beim "Issuer-pays"-Modell zahlen die Emittenten für ihr Rating, was laut Autor einen Interessenkonflikt hinsichtlich der Objektivität schaffen kann, während beim "Investor-pays"-Modell die Zahlungen von den Anlegern kommen, was nach dem Modell von Ponce zu einem höheren Informationsgehalt führt.

Warum wird das Modell von Mathis kritisch diskutiert?

Das Modell von Mathis zeigt, dass Reputation allein nicht ausreicht, um opportunistisches Verhalten dauerhaft zu verhindern, da strategisch agierende Agenturen Reputationszyklen erzeugen können, die bei Vertrauensverlust zum Marktversagen führen.

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Details

Title
Interessenkonflikte, Reputation und empirische Performancemessung von Ratingagenturen
College
LMU Munich
Grade
1,3
Author
Florian Höhme (Author)
Publication Year
2012
Pages
56
Catalog Number
V201137
ISBN (eBook)
9783656346074
ISBN (Book)
9783656346487
Language
German
Tags
Ratingagentur Ratings Reputation Informationsasymmetrie Finanzintermediär Prozyklizität Interessenkonflikte Issuer-pays Investor-pays
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Höhme (Author), 2012, Interessenkonflikte, Reputation und empirische Performancemessung von Ratingagenturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201137
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