Die Schwarze Pädagogik des 18. und 19. Jahrhunderts nach Katharina Rutschky und deren Renaissance im 21. Jahrhundert


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff der Schwarzen Pädagogik nach K. Rutschky
2.1 Wer war K. Rutschky?
2.2 Die Bedeutung des Begriffs nach K. Rutschky

3. Der geschichtliche Hintergrund der Schwarzen Pädagogik: Die Erziehung im Zivilisationsprozess

4. Das Menschenbild der Schwarzen Pädagogik

5. Historische Varianten repressiver Erziehungspraktiken des 18. und 19. Jahrhunderts
5.1 Die Pädagogische Initiation
5.2 Affenliebe

6. Gibt es Ansätze einer Renaissance der Schwarzen Pädagogik in derErziehung des 21. Jahrhunderts?
6.1 Die Pädagogische Initiation und die Affenliebe in moderner Form
6.2 Das pädagogische Konzept der „Super Nanny“ - ein Konzept, das Elemente einer Schwarzen Pädagogik enthält?

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff der Schwarzen Pädagogik wurde vor allem von der Pädagogin und Soziologin Katharina Rutschky stark geprägt und ist populär geworden, als sie 1977 ihr gleichnamiges Buch „Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung“ veröffentlichte. Hier lässt sich eine Zusammenfassung von über 200 historisch-kritischen Texten über die Erziehung des Bürgertums aus dem 18. und 19. Jahrhundert vorfinden, welche die dunkle Seite der damaligen Pädagogik widerspiegeln. Die Auffassung von einer Schwarzen Pädagogik nach Rutschky sowie ihr Werk sollen die Basis dieser Arbeit darstellen.

Im Folgenden soll zunächst ein kleiner Einblick in Rutschkys Leben statt finden, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wer sie war und aus welcher Perspektive sie das Buch verfasst hat. Anschließend wird erklärt werden, was Rutschky unter dem Begriff „Schwarze Pädagogik“ versteht. Um das Begriffsverständnis zu untermauern, folgt eine Ausführung darüber, in welchem historischen Kontext ein solches Erziehungsverständnis entstehen konnte. Auch das Menschenbild soll im Anschluss daran aufgezeigt werden. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die Schwarze Pädagogik sich in der Praxis umgesetzt hat, werden zwei ausgewählte Erziehungspraktiken aus dem Zeitraum des 18. Und 19. Jahrhunderts beschrieben, und an historischen Beispielen deutlich gemacht. Abschließend gehe ich der spannenden Frage nach, ob die Schwarze Pädagogik ausschließlich in der Erziehungspraxis der Vergangenheit zu finden ist, oder ob bereits Ansätze einer Renaissance im 21. Jahrhundert wieder zu finden sind. Dabei wird auch das pädagogische Konzept der berühmten Fernsehsendung „Super Nanny“ betrachtet werden.

2. Der Begriff der Schwarzen Pädagogik nach K. Rutschky

2.1 Wer war K. Rutschky?

Katharina Rutschky wurde am 25. 1. 1942 in Berlin geboren und studierte Germanistik, Geschichte sowie Pädagogik und Soziologie. Sie gehörte zu den wichtigsten Nachkriegsautoren und durchlebte aktiv die 68er-Bewegung. 1977 wurde die Intellektuelle dann im Bereich der Wissenschaft durch ihr Werk über die Schwarze Pädagogik populär, da sie der Tatsache einer gewaltsamen und einschüchternden bürgerlichen Erziehung aus dem 18. und 19. Jahrhundert einen Namen gab, und auf diese aufmerksam machte. Rutschky ist in erster Linie bekannt für ihre kritische Auseinandersetzung mit dem Thema des Missbrauchs bzw. des Kindesmissbrauchs. Vor allem in den Bereichen der Pädagogik und des Feminismus zeigte sie sich als aktive und diskussionsfreudige Person. Im Jahr 2010 verstarb sie am 14. 1. in Berlin.

2.2 Die Bedeutung des Begriffs nach K. Rutschky

In der von ihr herausgegebenen Textsammlung über die Erziehungspraxis

der Schwarzen Pädagogik wird meiner Meinung nach von ihr nicht explizit beschrieben, was für sie der Begriff „Schwarze Pädagogik“ bedeutet. Sie schreibt in ihrer recht umfassenden Einleitung eher über die geschichtlichen Hintergründe einer solchen Pädagogik, kaum jedoch darüber, wie sie definiert ist. Es wird wohl eher durch die historisch-pädagogischen Geschichten, die diese Form von Erziehung widerspiegeln, deutlich, was ihrer Auffassung nach unter diesem Ausdruck zu verstehen ist. In Sekundärwerken jedoch haben sich einige Autoren die Mühe gemacht, das Begriffsverständnis Rutschkys näher darzustellen und genauer zu definieren.

Mit dem Begriff der Schwarzen Pädagogik meint K. Rutschky all diejenigen pädagogisch-theoretischen und in der Praxis umgesetzten Auffassungen, welche „[…] dem humanen Sinn der Erziehung - nämlich der Führung des Kindes zur Mündigkeit - widerstreite[n]“ (Flitner 1982, S. 11). Vielmehr ist es das Ziel, dem Kind keine Freiheit zu gewähren, sondern es durch Gehorsam zu zähmen und dessen Freude am Leben zu zerstören (vgl. ebd.).

Insgesamt werden Machtausübung, Überwachung, Gehorsam, Respekt und das Lenken des Kindes von Seiten der Erwachsenen in der historischen Textsammlung als wesentliche Aspekte der Schwarzen Pädagogik aufgezeigt. Um diese umzusetzen, sehen es die Schwarzen Pädagogen als notwendig an, den eigenen Willen des Kindes frühzeitig zu unterbinden, sowie die Neugierde, welche hier besonders auf den Bereich der Geschlechtlichkeit bezogen ist (vgl. ebd., S.13). Man spricht hierbei auch von einem Tabu der Sexualität, das den Kindern immer wieder bewusst gemacht wird.

Zur Erreichung und Stabilisierung all der oben genannten Ziele setzen die Erwachsenen repressive Mittel in der Erziehung ein, beispielsweise in Form von angewandter Gewalt - sogar bis hin zur Folter-, Verachtung, Demütigung, Manipulation oder

Verängstigung.

Auch eine falsche Informations- und Meinungsvermittlung ist ein fester Bestandteil der Schwarzen Pädagogik, um den Zögling zu manipulieren und zu lenken (vgl. Miller 1980, S. 77f.).

Auf einige historische Varianten dieser repressiven Erziehungsmittel bzw. –praktiken werde ich jedoch im späteren Verlauf meiner Arbeit noch eingehen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Begriffsbestimmung von Rutschky als eine negative Bezeichnung für alle möglichen Formen von Erziehung, die mit Gewalt und Einschüchterung in Verbindung stehen, gewertet werden kann.

Um diese Auffassung von Erziehung aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sowie deren Entstehung besser verstehen zu können, erscheint es mir nun wichtig, einen Blick auf die damalige Geschichte der westlich modernisierten Gesellschaften zu werfen.

3. Der geschichtliche Hintergrund der Schwarzen Pädagogik: Die Erziehung im Zivilisationsprozess

K. Rutschky betont in der Einleitung ihres Buches die Auswirkungen des Zivilisationsprozesses in den okzidenten modernen Gesellschaften auf die Erziehung und somit auch auf die bürgerlich-neuzeitliche Pädagogik. Dabei bezieht sie sich auf den Soziologen Norbert Elias, der sein Werk „Über den Prozeß der Zivilisation“ 1939 veröffentlichte. Wie er, geht auch Rutschky davon aus, dass der individuelle und der kollektive Zivilisationsprozess eng miteinander verbunden sind:

„Elias behauptet (…), daß der individuelle Zivilisationsprozeß (in dem Erziehung vorkommt, von dem sie aber zu unterscheiden ist) den kollektiven voraussetzt und ihn mehr oder weniger rekapituliert“ (Rutschky 1977, S. XXXIII).

Dies bedeutet, dass der Mensch während seines Lebens die gesellschaftlichen Prozesse der Zivilisation, die sich bereits im Zeitraum vom 10. bis zum 18. Jahrhundert vollzogen haben, noch einmal in seiner eigenen Geschichte durchgehen muss.

Elias zufolge löst der Zivilisationsvorgang zum einen die „Soziogenese des Staates“[1] und zum andern die „Psychogenese des Erwachsenenhabitus“ aus (vgl. ebd.).

Letzteres umschreibt den Vorgang einer Durchsetzung von Verhaltensstandards, welche mit der Zeit immer rigider werden und die Triebe, Bedürfnisse sowie die Affekte der Individuen unterdrücken und regulieren. Die Psychogenese schlägt sich in der Erziehung der neuzeitlichen Gesellschaften häufig in einer brutalen und repressiven Weise seitens der erwachsenen Generation nieder, wie in 2.2 bereits erwähnt wurde. Das jedoch ist den Erwachsenen nach Elias Auffassung nicht bewusst.

Folglich schließt Rutschky daraus, dass in der Erziehung der Prozess der Zivilisation fortgesetzt wird und sich die „zivilisatorischen Zwänge“ hier entfalten können. Prinzipiell entsteht im damit einhergehenden Verinnerlichungsprozess der äußeren Zwänge, welche sich schließlich in Selbstzwänge umwandeln, Angst im Verhältnis zwischen Erzieher und Zögling.

Wenn man sich auf Elias bezieht, so ist in meinen Augen der entscheidende Punkt für das Verständnis dieser Auffassung von Erziehung: Der Erwachsene kann in der „Figuration Erziehung“ seine Konflikte aus der Kindheit verarbeiten, die er bis dahin nie bewältigen konnte, indem er sich nun gegenüber dem Kind so verhält, dass bei diesem die selben Ängste entstehen, die bei ihm selbst durch den Zivilisationsvorgang ausgelöst wurden (vgl. Bernhard 2009, S. 72). Er rekapituliert nun

[...]


[1] Die Soziogenese des Staates ist mit der Zentralisierung staatlicher Gewalt gleichzusetzen (vgl. Rutschky 1977, S. XXXIII), jedoch ist eine Ausführung dessen im Zusammenhang mit dem Erziehungsverständnis der Schwarzen Pädagogik meines Erachtens nicht weiter relevant.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Schwarze Pädagogik des 18. und 19. Jahrhunderts nach Katharina Rutschky und deren Renaissance im 21. Jahrhundert
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Pädagogische Anthropologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V211849
ISBN (eBook)
9783656394945
ISBN (Buch)
9783656395560
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarze Pädagogik, Rutschky, Anthropologie
Arbeit zitieren
Eva Herrmann (Autor), 2012, Die Schwarze Pädagogik des 18. und 19. Jahrhunderts nach Katharina Rutschky und deren Renaissance im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211849

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